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Specials :: DOOM SHALL RI ....

DOOM SHALL RISE V: Interview mit den Veranstaltern
DOOM SHALL RISE V, 27.-28.04.2007

Ende April jährt sich bereits zum fünften Male ein Pflichttermin für jeden Fan anspruchsvoller Doom- oder einfach unorthodoxer Härtnersounds: das Doom Shall Rise, eines der authentischsten Underground-Festivals in unseren Breitengraden, öffnet die Pforten der Chapel zu Göppingen, um Eingeweihte und allerlei Neugierige in die Geheimnisse des sich jenseits des Mainstream bewegenden Metalls einzuführen. Bisher sind folgende Bands bestätigt, ein Act kommt noch hinzu:

Centurions Ghost (UK)
Dreaming (Germany)
Earthride (USA)
Faith (Sweden)
Forsaken (Malta)
Low Man’s Tune (Germany)
Mael Mordha (Ireland)
Memory Garden (Sweden)
Mirror of Deception (Germany)
My Shameful (Finland/ USA/ Germany)
Officium Triste (Netherlands)
Our Survival Depends On Us (Austria)
Serpentcult (Belgium)
Stereochrist (Hungary)
The Last Supper (Germany)
The Gates of Slumber (USA)

Obliveon kontaktierte Frank Hellweg von Well Of Souls, neben Mirror of Deception-Gitarrist Jochen Fopp Hauptorganisator des Festivals, um Details zu diesem unverzichtbaren Event in Erfahrung zu bringen.
Hi Frank, was hat das DSR dieses Jahr für die Ohren der geneigten Fans zu bieten?

>> Oh, ich denke, wir haben diesmal wieder eine sehr coole Mischung zusammengestellt. Ein paar Freunde wie FORSAKEN, DREAMING oder OFFICIUM TRISTE, die bereits beim legendären ersten "Turnhallen"-DSR gespielt haben, sollten endlich auch mal in der Chapel spielen, dazu von uns lange gewünschte Bands wie MEMORY GARDEN und wieder einige Bands, die selbst manche Doomster nicht mal vom Namen her kennen. Wir haben uns wieder bemüht, eine gewisse Vielfalt an doomigen Stilen zu mischen, wobei bei uns ja entsprechend unserem eigenen Geschmack die traditionelleren Doom-Bands überwiegen. Das richtig derbe Programm überlassen wir gern den Kollegen vom DUTCH DOOM DAY, aber natürlich haben auch wir wieder ein paar recht heftige Dröhnungen dabei. <<

Ihr habt anno 2007 unverständlicher Weise Probleme, eure Tickets an die Frau/den Mann zu bekommen. Woran liegt’s Deiner Meinung nach?

>> Nun, ich denke mal, dass das DSR etwas seinen „Exotenbonus“ verloren hat, da es ja nun doch regelmäßig stattfindet und für die Leute abseits der Doom-Szene nichts wirklich Besonderes mehr ist. Das DSR ist eine fast religiöse Pilgerstätte für echte Doom-Freaks geworden, diese Szene ist aber nicht wirklich sehr groß. Alles ist halt sehr familiär, jeder kennt jeden von den vorherigen Festivals und das macht das DSR fast zu einem Familientreffen. Das sind dann vielleicht 300 Leute, die immer kommen, aus ganz Deutschland, den umliegenden Ländern wie Holland, Österreich, Frankreich, der Schweiz, Italien, aber auch aus Schweden, England, Griechenland, Spanien, aus Tschechien und sogar wieder aus Brasilien. Was diesmal halt fehlt, sind die "Normalo"-Metaller, die bisher immer aus reiner Neugierde gekommen sind oder durch eine bekanntere Band Interesse hatten am DSR. Diesmal haben wir außer MIRROR OF DECEPTION und der Legende MEMORY GARDEN eigentlich keine außerhalb der Doomwelt bekannteren Bands dabei, und das scheint den Nicht-Doomern wohl nicht genug zu sein. Und das ist echt schade, denn die Bands, die wir ausgesucht haben, sind durchweg absolut klasse und bieten eine Mischung an doomigen Sounds, die jedem Metal-Fan was bietet, auch wenn er keine leidenschaftliche Doomnase ist. <<

Ihr seid als Underground-Festival gestartet und wollt es zum Glück auch bleiben. Allerdings steht Euch so nicht das nötige Budget zur Verfügung, die großen Doom-Fische an Land zu ziehen. Ist es aber nicht manchmal frustrierend, wenn man wieder einmal seine Felle davonschwimmen sieht, weil eine Band einfach nicht zu finanzieren ist?

>> Das ist richtig, das DSR soll ein Underground-Festival bleiben und kein dickes Businessding werden. Aber das setzt unsere Szene ja schon voraus! Du könntest mit Doom niemals so viele Leute erreichen, dass man daraus ein großes Ding machen könnte. Da wir nur die Einnahmen aus dem Verkauf von Tickets und Shirts haben, und wir uns bemühen, dass das DSR für die Bands in einem möglichst professionellen Rahmen abläuft, geht die ganze Kohle für die Durchführung des DSR und die Hotels für die Crew und die vielen Musiker drauf. Da bleibt dann leider nichts mehr, um mal eben eine amtliche Gage für Band XY hinzulegen. Bisher hatten wir das Glück, dass uns auch die bekannteren Bands entgegengekommen sind, einfach weil sie die Philosophie hinter dem DSR erkennen und die Möglichkeit nutzen wollten, vor ihren echten Die Hard-Fans zu zocken. Aber mittlerweile gibt es leider keine „größeren“ Doom-Bands mehr, die bereit sind, draufzuzahlen und zu unseren lächerlichen Konditionen anzureisen. Auf der anderen Seite haben die Bands aber auch oft das Problem, dass sie nicht mal Unterstützung vom Label kriegen, obwohl eine Show beim DSR ja wohl eine perfekte Werbung wäre, gerade wenn man ein neues Album am Start hat. Wenn man dann privat nicht die Kohle hat, die Flüge selbst zu zahlen, dann muss natürlich auch mal eine Band absagen, die sehr gerne bei uns spielen würde. Hätten wir mehr Geld zur Verfügung, dann könnten wir die Leute zum Wahnsinn treiben mit den Bands, die wir bieten könnten: spielen wollen sie eigentlich alle beim DSR, haha! Klar ist es frustrierend, wenn man eine bestimmte Band gerne haben möchte und bloß ein paar Scheine fehlen, um sie zu buchen. Aber Jochen und ich stecken sehr viel Arbeit und noch mehr Zeit ins DSR, da wollen und können wir nicht auch noch privates Geld ins DSR stecken. Verdienen müssen wir nichts daran, aus dem Grund machen wir das DSR ganz sicher nicht. Aber eigenes Geld damit verlieren? Das könnten wir uns echt nicht leisten. <<

Wie wären etwa die skandinavischen oder amerikanischen Doom-Größen zu finanzieren? Doch wohl nur durch eine signifikante Erhöhung des Eintrittspreises und eine neue Location (der Doomgott bewahre!)?

>> Ja, klar, wir müssten für solche Bands den Preis so hoch setzen, dass letztendlich keiner mehr kommen würde. Wir mussten ja den Preis schon etwas erhöhen, einfach um uns etwas abzusichern. Viele Bands, auch welche, von denen man das kaum erwarten würde, würden kommen, wenn die Reisekosten gedeckt sind. Aber wenn dann zum Beispiel aus Schweden 6 Leute anreisen, dann sind wir schnell bei über 2000 Euro. Oder eine Band aus den U.S.A., wo dann ein Flugticket 800,- kostet, hochgerechnet auf eine ganze Band, das wäre halt niemals möglich… Wenn dies vielleicht drin wäre, wie sollten Jochen und ich dann den anderen Bands in die Augen schauen und sagen: „Für euch gibt´s keine Kohle“? Ok, letztes DSR habe ich VENI DOMINE nach Frankfurt/Hahn fliegen lassen, das kostet dann ein Viertel. Dafür darf ich dann aber auch zusätzlich eine Autofahrt von 350km abreißen, und das mal eben wenn man ein Festival am laufen hat. Das mache ich sicher nicht noch mal, allein wegen der Bands, denen ein übermüdeter Fahrer nicht viel bringt. Leichter hätten wir es natürlich, wenn wir am Festival selbst sparen würden, sprich eine minderwertige Anlage, billigere Hotels und so. Aber hey, alle Bands außer den Headlinern kommen auf eigene Kosten zum DSR, da sollen sie wenigstens ein halbwegs professionelles Festival erleben! Als letzte Option, da hast Du Recht, bliebe noch eine andere Location. Dann hätten wir die Einnahmen aus dem Getränke- und Essensverkauf und da bliebe sicher einiges übrig. Aber sei mal ehrlich, kannst Du dir das DSR woanders vorstellen als in dieser Doom-Kirche? Für uns Freaks ist diese Musik heilig, da kann es keinen geeigneteren Ort für geben. In eine kalte Halle ziehen, nur um dann mal selbst etwas Kohle einstecken zu können, nein, das ist bei uns nicht drin. Dass die Chapel diese Einnahmen für sich behält, das ist halt der Deal. Sie fahren davon ja nicht in Urlaub, das Geld fließt direkt wieder in die Chapel. Es ist durchaus ein cooles Gefühl, wenn dann beim nächsten DSR die Außenwände gestrichen sind oder ein neuer Fußboden eingegossen wurde, und man weiß, dass da auch unser Geld drinsteckt. Das kommt indirekt auch dem DSR zugute. Mein Traum ist es, das allerletzte DSR noch mal in der grauseligen Turnhalle in Triensbach zu machen, wo wie erwähnt das erste DSR stattfand. Aber ansonsten wird es aus meiner Sicht kein DSR außerhalb der Chapel geben! <<
Was mich an Eurem Festival immer so begeistert hat, ist, dass man neben den „etablierten“ Genregrößen mindestens 2-3 absolute Undergroundperlen kennen lernt. Wird diese Festival-Philosophie im Zeitalter der geschätzten 4050 Metal-Festivals pro Saison von den Fans nicht mehr gewürdigt, da sie einfach die großen Namen sehen und hören wollen?

>> Ja, wie ich schon sagte: es sind die ganz normalen Metaller, die nur dann kommen, wenn sie die Namen der Bands aus dem Magazinen und Webzines kennen. Jochen und ich sind schon so lange im Doom verwurzelt, dass wir einfach sehr viele auch innerhalb der Szene recht unbekannte Bands kennen, und es bewerben sich ja auch Bands bei uns, die selbst wir vorher nicht kannten. Und oft sind es genau diese Bands, die dann beim DSR komplett abräumen. Auf den meisten anderen Festivals dagegen kann man auf Nummer sicher gehen, da spielen dann Bands, die man schon kennt, über die man hier und da mal gelesen oder gehört hat sowie ein paar neue Bands, die aber zumindest bereits in der Metal-Presse vertreten sind. Das ist auch ok so, ich persönlich liebe es zum Beispiel, zum HEADBANGERS OPEN AIR zu fahren, weil ich da vorher all meine alten Platten mal wieder auskramen und dann dort die Bands live abfeiern kann. Beim DSR hat man da halt als Unwissender Probleme, und wenn man die Namen der Bands noch nirgendwo gehört hat, können die ja nicht so gut sein. Zumindest scheinen das reichlich Leute zu denken [ein kleiner Tipp an derlei Verzagte: checkt einfach die webpages der betreffenden Bands an, dort gibt es meist Songs zum Download – PM]. Die Doomer dagegen vertrauen uns voll, ihnen ist es fast egal, welche Bands wir holen. Sie wissen, dass wir uns bemühen, Perlen herauszufischen, und kommen letztendlich auch wegen der familiären Atmosphäre. Wer sich das entgehen lässt, der hat - platt gesagt - selber Schuld! <<

So ist es! Ist es vielleicht auch ein Problem, dass Ihr keine Campingmöglichkeiten zur Verfügung stellen könnt?

>> Oh ja, das ist ein wunder Punkt! Du kennst ja das DSR, direkt vor der Chapel gibt es eine riesige, geradezu perfekte Wiese. Aber die gehört nicht zur Chapel, sondern der Stadt Göppingen. Und wenn die nicht will bzw. unhaltbare Anforderungen stellt, wird das halt leider nichts. Aber wir hätten auch kaum die Möglichkeit, das umzusetzen. Jeder weiß, wie so ein Campingplatz nach so einem Event aussieht, und wir müssten noch Stunden dranhängen, um den Platz wieder in Ordnung zu bringen. Aber Sonntag sind wir alle tot, die gesamte DSR-Crew ist dann zwei Tage fast ununterbrochen am arbeiten. Ich bin dann immer froh, wenn ich die sechs Stunden Fahrt nach Hause schaffe, sofern ich nicht noch zusätzlich Bands zum Flughafen bringen muss. Auch die Chapel-Crew ist dann zwei Tage auf den Beinen, da hat einfach keiner mehr die Energie, tausend Kronkorken und Kippen aus der Wiese zu sammeln. Dabei stehen wir aber noch recht gut da, die meisten DSRler unterstützen uns, stellen ihren Müll vor der Chapel ab oder sammeln ihn wenigstens in kleinen Haufen, sodass man nur einmal rund um die Chapel fahren muss und den Müll schnell wegbekommt. Aber wie gesagt, in erster Linie ist das Problem, dass wir die Wiese nicht nutzen können. So kommen für viele dann noch zu den Reisekosten die Hotelzimmer, und Göppingen ist auf diesem Sektor als Touristenstadt nicht gerade billig. Normalerweise ist das DSR Anfang April, dann ist es nachts noch recht kalt, um im Auto zu pennen. Das ist echt ein Problem, dass wir aber leider nicht zufrieden stellend lösen können. <<
Was macht das DSR zu für Dich zu dem einzigartigen Festival, das es ist?

>> Hm, das ist natürlich übel, wenn man über sein eigenes Festival urteilen soll! Ich kann es schwer aus der Sicht der Fans sehen, da ich während dem DSR meistens rumlaufe wie ein geköpftes Huhn (Zitat: Wilbur von COUNT RAVEN) und dies und das und jenes erledigen will/muss, vom letzten DSR hab ich außer den Shows von VENI DOMINE und SOLITUDE AETURNUS eigentlich nichts mitbekommen. Da geht dann doch einiges an mir vorbei. Ich denke, was das DSR ausmacht ist weniger das Projekt „Festival“, sondern die Atmosphäre dort. In einem für diese Musik perfekt passenden Umfeld trifft man unterschiedlichste Menschen, die als gemeinsamen Nenner halt die doomige Musik haben. Da ist es vollkommen egal, ob die Leute nun aussehen wie Catweazle, kurze Haare haben oder woher sie kommen, sie haben alle die gleiche tiefe Leidenschaft zur wohl leidenschaftlichsten Mucke, dem Doom! Du siehst Bands, die man nirgendwo anders sehen kann, obwohl sie oft auf Weltklasselevel spielen. Es gibt keine Unterschiede, ob man Musiker ist oder Fan, alles ist ein buntes Miteinander. Und immer wieder gibt es geradezu magische Momente, ich erinnere mich gut, wie Jochen und ich beim DSR2 oben auf dem Balkon standen und unten herrschte pure Energie, als COUNT RAVEN auf der Bühne standen und die versammelte Chapel völlig ausrastete. So ein Anblick bohrt sich ins Herz, genau wie das Ende der WARNING-Show, als wirklich jeder in Göppingen die unaufhörlichen Zugaberufe gehört haben muss und die Band total perplex war, weil sie keine weiteren Songs im Programm hatte. Und wo kann man schon mit dem WARNING-Drummer bei der morgendlichen Sitzung Backe an Backe über seinen Angelurlaub philosophieren, sieht Doom-Götter mit Tränen in den Augen, weil er ohne Sänger dasteht, kann mit seiner eigenen Band dort spielen oder seine Alltime-Faves auf der eigenen Bühne sehen? So etwas zusammen mit einem Schätzchen wie Jochen zu machen, unsere schnuckeligen Einlassmiezen drücken zu können, ein Team auf und vor der Bühne und zuverlässige Bandbusfahrer zu haben, auf die man sich blind verlassen kann, die WELL OF SOULS-Frauen am TShirt-Stand, das rundet für mich die Sache ab zu etwas ganz Besonderen. Es mag sein, dass man mit einem Festival Geld verdienen könnte, das dann immer größer und man berühmt wird. Aber das, was uns Veranstalter das DSR gibt, das lässt sich mit solchen Werten nicht aufrechnen! Aber ich denke, wenn man als Fan mal dort war, dann kann man das ein Stück weit nachvollziehen. <<

Frank, wir danken für das Gespräch. Ich möchte an dieser Stelle eindringlich betonen, dass es sich beim DSR tatsächlich um einen Event handelt, der weit jenseits der gängigen Plastikfestivals nicht nur echten Underground-Fanatikern als Pilgerstätte dienen sollte. Allen, die durch Franks leidenschaftliches Plädoyer neugierig geworden sind und auch solchen, die noch unentschlossen sind, sei noch einmal wärmstens der Weg nach Göttingen ans Herz gelegt, da es dort alles gibt, was das Metallerherz begehrt: großartige Musik, Bier und andere Grundnahrungsmittel zu fairen Preisen, schließlich: eine einzigartige Atmosphäre. See ya there! Alles weitere, ein Forum und natürlich Tickets gibt’s über die homepage. Doom or be doomed!
http://www.doomshallrise.de
Patrick Müller


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