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PROGPOWER 2004, 02. + 03.10., Baarlo, Sjiwa
Baarlo, Sjiwa

02. + 03.Oktober 2004
Prog-Alarm im holländischen Jugendzentrum "Sjiwa". Fans aus aller Herren Länder - sprich 2004 aus cirka zehn Nationen - reisen gen Baarlo, um neben einigen wohlbekannten Headlinern diverse hungrige Talente des Frickel-Genres zu erleben, wobei die Gigs oftmals eine recht exklusive Angelegenheit sind und die Künstler sich nur wegen des einen Gigs in die Nähe der deutsch-holländischen Grenze begeben. Na logo, hier kann nur vom "ProgPower" die Rede sein, das auch in diesem Jahr wiederum definitiv eine Reise wert war, wenngleich nicht alle Bands ausnahmslos überzeugen konnten und neben faustdicken Überraschungen oder geradezu umwerfenden Erscheinungen auch einige Rohrkrepierer vor Ort derbe langweilten. Die Atmosphäre war - wie gewohnt - an beiden Festival-Tagen sehr entspannt, feucht-fröhlich und verdammt angenehm, die Soundverhältnisse waren zum Großteil hervorragend, der ´Dinner-Break´ wurde mit angenehmen Newcomer-Acts in der richtig netten Keller-Kneipe des "Sjiwa" versüßt, Plattenstände luden zum Verweilen, Stöbern, Kaufen ein und auch die recht kurzfristigen Absagen von Symphorce und Amaran konnten das Team um Veranstalter Rene Janssen nicht aus der Bahn werfen, hatte man doch mit der polnischen Entdeckung Riverside und den feurigen Into Eternity für geradezu hammerhaften "Ersatz" gesorgt. Da selbst eine typisch holländische Frittenschmiede vorm Eingang postiert wurde und am Sonntagmorgen auch die Möglichkeit bestand im Club zu frühstücken (oder zumindest ein paar Kaffee zu kippen und ein Labberbrötchen zu essen:)), kann man schon mal vorab attestieren: Ihr habt an alles gedacht, Danke für ein geniales Wochenende!!! (CL)
Die freitägliche Vorabparty im Kellerclub des Sjiwa mit dem Live-Act Day Six konnte uns noch nicht locken, doch am Samstag schafften wir es zum ersten Mal, pünktlich zur Eröffnung des eigentlichen Festivals vor Ort zu sein. Allerdings gab es von Seiten der Organisation eine Verzögerung von cirka einer halben Stunde, da wohl All Too Human, die an zweiter Stelle spielen sollten, irgendwo im Stau standen, letztlich aber doch noch rechtzeitig eintrafen. Zunächst durften THE DUST CONNECTION den Reigen eröffnen. Wie es beim Progpower schon Tradition ist, können selbst wenig bekannte Bands regelmäßig überzeugen, was man auch für die Tilburger im Großen und Ganzen so statieren kann. Die Jungs brachten eine recht eingängige Form progressiven Metals zu Gehör, der immer mal von ruhigen Passagen in härtere und symphonisch angehauchte Fahrwässer wechselte. Besonders markant war der Gesang von Jeroen Voogd, der nicht nur optisch an Ray Alder erinnerte, sondern seine Stimmbänder auch auf ähnlich ausladende Weise einzusetzen verstand. Gitarrist Martijn Balsters poste noch einigermaßen akzeptabel, während Kollege Robert Spaninks an den Drums schon ein wenig nervte mit seinem ständigen Gehampel. Trotzdem war es ein gelungener Auftakt, der Lust auf mehr machte. (CB)
ALL TOO HUMAN konzentrierten sich bei ihrem Europa-Debüt auf das Material ihres zweiten Albums "Entropy" und konnten mit ihrem US-Prog Metal in der Schnittmenge aus Digital Ruin, Queensryche, Divine Regale und den melodischsten (alten) Dream Theater-Tracks ordentlich Pluspunkte sammeln, speziell die feine Schlagzeugarbeit von Drummer Chris sowie der - trotz aller Technik - sehr gefühlvolle Stil von Klampfer Clint ließen aufhorchen. Aber musste das Instrumental "Arrhythmia" bei der nicht gerade üppigen Spielzeit einer früh im Zeitplan agierenden Band wirklich sein? Sänger Don, leicht affektiert und wenig Rock´n´Roll-like wirkend (geile Götz George-Matte übrigens!:)), konnte die Bühne doch schon bei den langen, gesanglosen Zwischenteilen genügend oft verlassen, so dass seine reine Netto-Singzeit verdammt gering ausfiel. Höhepunkte des Sets: "The Jester" und "e-Killer" mit seinem sehr einprägsamen Refrain. (CL)
Ich nehme an, PLATITUDE klingen aus der Konserve recht passabel, denn an den Live-Qualitäten der Schweden kann es nicht gelegen haben, dass die Veranstalter sie verpflichtet hatten. Ziemlich übles Outfit, bei dem zumindest einige Musiker eine Mischung aus Haarspraygruftie und Schwanzrockzocker auftrugen, ist eine Sache, die musikalische Performance eine andere. Wenn beides in die Hose geht, wird es bedenklich. Dabei ist den Jungs rein spieltechnisch wahrscheinlich nicht viel vorzuwerfen, nur sollte das Ergebnis irgendwie ein gemeinsamer Song sein. Nicht nur für mich klang das alles aber reichlich uninspiriert und ätzend. Wenn gleich zwei Keyboards am Start sind, man aber nur Klänge vernimmt, die man mit einem einzelnen locker auf die Reihe gekriegt hätte, wird es albern. Ebenso überflüssig war das Lobpreisen des eigenen Drummers, der ja ach so jung ist, und dann auch noch ein Solo spielen darf. Leute, Drumsoli wollte schon vor zwanzig Jahren keine Sau hören (außer von Neil Peart, Mann ;-) - CL)! Der größte Nervfaktor war allerdings der Sänger, der an jeder Stelle, an der er eigentlich gar nicht dran war, mit "Hey, hey!"-Rufen und ähnlichen Anfeuerungen das Publikum zu penetrieren wusste. Das war mal eine wirklich überflüssige Band, die im Übrigen wohl versuchte, Stoff in der Richtung Malmsteen / Stratovarius zu verüben. Ihren Namen haben sie allerdings passend gewählt, denn Platitude heißt ja nichts anderes als "Plattheit"....
Eigentlich schade, dass S.O.T.E. anschließend im Basement "verheizt" wurden, denn das Trio hätte durchaus auf der Hauptbühne eine gute Figur abgeben können. Zwar wohnten die Kollegen von All Too Human dem schmissigen Gig bei, ansonsten hatten sich aber nicht allzu viele Leute in den Keller verlaufen. Dabei erinnerte das Material des Trios nicht selten an eine frickelige Variante von Rush. Leider war der Sound nicht ansatzweise so brillant wie in der obigen Halle, aber trotzdem bekam man den Eindruck, dass S.O.T.E. technisch sehr beschlagen agierten, während die überzeugenden Songs ein Übriges taten. Bleibt zu hoffen, dass diese Band bald eine angemessenere Bewährungschance erhält.
Zurück im oberen Stockwerk sollten die Franzosen ADAGIO den Abend einläuten. Ich muss zugeben, dass ich schon beim Blick auf den Bassisten die Vorurteile in mir hochkommen spürte. Der Mann war so was von einem John Myung-Verschnitt, dass er problemlos als dessen Double auftreten könnte - na ja, zumindest beinahe. Auch seine Kollegen machten nicht den Eindruck, als wäre ihnen Dream Theater bis dahin kein Begriff gewesen. Wie auch immer, übermäßig originell war es jedenfalls nicht, was die Band zu bieten hatte. Der neue brasilianische Frontmann Gus Monsanto kam immerhin ziemlich sympathisch rüber, und wirkte wie seine Mitstreiter technisch beschlagen. Der Großteil des Publikums schien auch ganz angetan vom Gehörten, den Obliveon-Gesandten fehlte jedoch eindeutig ein dicker Batzen eigener Identität. (CB)
ALCHEMIST kamen, zockten, und bliesen schlichtweg um!!! Sich vornehmlich auf das Songmaterial der letzten beiden Alben "Organasm" und "Austral Alien" konzentrierend, hauten die Aussies ihren brettharten, atmosphärischen und komplett eigenständigen Metal fernab der Stil-Schubladen in einer dermaßen intensiven Form ins Auditorium, dass man einfach von einer genialen Performance sprechen muss! Hier wurden Songs nicht einfach nur reproduziert, sondern in all´ ihren emotionalen Facetten dargestellt, vorexerziert, erlebt, gelebt. Große Kunst und definitiv einer DER Momente der diesjährigen ProgPower-Party. Mit dieser grandiosen Killer-Show avancierten Alchemist für mich persönlich jedenfalls zum absoluten Festival-Abräumer!
Mit der Verpflichtung von DEVIN TOWNSEND und seiner Solo-Combo, die recht spät an Stelle der zunächst angekündigten Amorphis als Headliner des ersten Tages gebucht wurden, war dem Veranstalter-Team ein echter Coup gelungen, schließlich spielten die Kanadier keine weiteren Gigs mehr in Europa, sondern flogen nur für das proggige Happening ein. Die Messlatte lag allerdings selbst für HevyDevy nach dem grandiosen, vorangegangenen alchemistischen Triumphzug verdammt hoch und - so viel sei vorweggenommen - selbst der Canuck-Meister konnte da letztendlich nicht mehr mithalten. Der Sound war zwar fett und einnehmend überwältigend, die Songauswahl sehr fein, schließlich sind Nummern wie "Earth Day", die fantastischen "Ocean Machine-Gaben "Seventh Wave", "Life" oder "Night" (Jaaaaa!!!) oder "Accelerated Evolution"-Hits wie "Storm" ganz, ganz geiles Kino, und Charisma, ein edel gefühlvolles Gitarrenspiel und überirdische Vocals hatte Devin auch auf den Bühnenbrettern Baarlos parat. Seine Begleittruppe, schon im Rahmen der letzten Tour nicht übermäßig engagiert zu Werke gehend, präsentierte sich allerdings als lahme Bande von Erfüllungsgehilfen, die technisch einwandfrei, aber ohne erkennbare Leidenschaft, ohne Feuer, Ausstrahlung und Begeisterung zu Werke gingen. So konnte man den als Towensend-begeistert verschrieenen Obliveon-Gesandten zwar zufrieden stellen, aber nicht entflammen. Was folgte war die obligatorische AfterShow-Party im Keller des "Sjiwa" sowie eine relativ geruhsame Nacht im Auto (CL) bzw. Zelt (CB). That´s Rock´n´Roll....:) (CL)
INTO ETERNITY bereisten Europa gerade im Schlepptau von Kataklysm und nutzten recht kurzfristig die Gelegenheit zum zweiten Mal in ihrer Bandgeschichte bei der europäischen ProgPower-Variante aufzutrumpfen. Da die Kanadier aber bereits am frühen Abend in Hengelo im Knüppel-Package aufspielen mussten, blieb keine andere Wahl als den hochgelobten Death-Proggern die Opener-Rolle zu überlassen. Das bedeutete letztendlich einen kernigen Arschtritt um die frühe Mittagsstunde herum, mit jener unnachahmlichen Melange aus Prog-, Death- und vielleicht etwas modernem Thrash Metal sowie einer dem Rock Hard-Festival nicht unähnlichen Setlist mit Highlights wie den aktuellen Smashern "Splintered Visions", "Spiraling Into Depression" oder "Embraced By Desolation", sowie großartigem älteren Futter wie "Shallow" und "Distant Pale Future", wobei sogar ein brandneuer und daher logischerweise noch unveröffentlichter Schädelspalter ausgepackt wurde. Nur der neue (Aushilfs-?)Sänger Dean Sternberg, laut meinem werten Kollegen Carsten dem französischen Tennisspieler Henri Leconte wie aus dem Gesicht geschnitten und zu dem mit der ersten offiziellen Chris Caffery-Cover-Frisur aufwartend, konnte Chris Krall nicht hundertprozentig ersetzen. Ganz nette Stimme, nervöse Darbietung und letzten Endes wirkte die Performance eher, als habe er die Songs zwar gut gelernt, könne sie aber emotional noch nicht wirklich fühlen. Vielleicht hätte Klampfer Tim Roth stattdessen lieber alle klaren Linien singen sollen? Dennoch: dieser Band gehört ohne Zweifel die Zukunft des technischen Extrem-Metal! (CL)
Nach diesem deftigen Auftakt war eigentlich klar, dass die ursprünglich für die Opener-Position vorgesehenen Holländer NOVACT einen schweren Stand haben würden. Dazu kam verlockend spätsommerlich-sonniges Wetter, welches sicherlich den einen oder anderen Into Eternity-Banger zwecks Relaxen nach draußen zog, wodurch es in der Halle merklich geräumiger wurde. Dabei konnte man auch beim Sound der Truppe amtlich entspannen, denn was die Jungs fabrizierten, war eher melodischer Stoff ohne allzu große Heaviness. Sänger Eddy Borremanns ist mir mit seiner leicht souligen Weise zu singen besonders in Erinnerung geblieben, ließ er mich doch des Öfteren an André Carswell von Anyone´s Daughter denken - und es gibt wahrlich ungünstigere Vergleiche. Nicht dass Novact wirklich Überwältigendes boten oder sich ein bestimmter Song unauslöschlich in meinen Gehirnwindungen hätte festsetzen können; ein feiner Gig war es jedoch allemal.
...was man von den daran anschließenden TOMORROW´S EVE leider nicht behaupten konnte, denn nun war Dream Theater-Clone-Alarm Teil zwei angesagt. Meine Fresse, wenn die Musiker schon optisch versuchen, ihren Vorbildern möglichst nahe zu kommen, kann da doch nichts Essentielles bei rauskommen. Kam es auch nicht. Vielleicht wäre es besser und vor allem unterhaltsamer gewesen, wenn die Combo aus deutschen Landen (traurig aber wahr, dass besonders deutsche Bands beim Progpower immer wieder das Niveau nach unten ziehen) eine Playback-Show zu "Images And Words" gebracht hätte. So aber langweilte sie mit eigenen Kreationen, die jeglichen Biss vermissen ließen. Besonders der Frontmann glänzte zudem noch mit Anticharisma bis zum Abwinken, weswegen ich hier auch nichts weiter ausführen möchte, weil Tomorrow´s Eve mehr Worte leider nicht verdient haben. Wir stellen fest: Der zweite Totalausfall des diesjährigen Festivals.
Also schauten wir zum Trost doch wieder im Keller vorbei, wo wir erneut erfreut bemerken durften, dass in den Katakomben selten Schlechtes passiert.
IN TENSION unterhielten ein wiederum überschaubares Publikum inkl. eigener Verwandtschaft mit netten Songs, die von einer zwar leicht bieder wirkenden, dafür aber notensicher singenden Chanteuse veredelt wurden. Recht häufig weckten sie dabei Erinnerungen an Pale Forest, agierten allerdings einen Zacken härter. Wahrlich kein übles Pausenprogramm, und auf jeden Fall cooler als das, was eben noch im großen Saal vonstatten ging.
Vom Veranstalter zwar als Geheimtipp gepriesen, wusste man nicht so wirklich, was man von den kurzfristig verpflichteten Polen RIVERSIDE erwarten konnte. Da sie an drittletzter Position im Billing platziert waren, mussten sie ja bereits diverse Leute beeindruckt haben, und siehe da, auch wir gehörten bald zu letzteren. Sänger und Bassist Mariusz Duda sah zwar ein bisschen aus wie ein Bruder Alberts von Reverend Bizarre, brachte aber gänzlich andere Qualitäten zum Ausdruck. Melancholisch-atmosphärischer Stoff der Marke Anathema / Pink Floyd ergoss sich über das staunende Auditorium. Die Songs packten einen an der schwarzen Seele, spielten Katz-und-Maus mit ihr, um sie am Ende erleuchtet in den Körper zurück kehren zu lassen. Ich wünschte, ich hätte eine der in viel zu geringer Stückzahl eingeschifften CDs der Polen erstehen können, um das Erlebte noch einmal nachvollziehen zu können, doch leider prangte kurz nach Ende des Sets bereits ein "Ausverkauft"-Schild am nämlichen Stand. So kann ich nur mitteilen, dass die Jungs mit dynamischen, dichten Kompositionen fette Gefühlswallungen ausbrechen ließen. Sehr stilvoll auch ihr Abgang der Reihe nach, inklusive höflicher Verbeugungen. So hinterlässt man bleibenden Eindruck. Zum ersten Mal an diesem Tag verlangte das Publikum lautstark nach Zugaben, wurde aber nicht erhört. (CB)
KATATONIA sind als nicht gerade mitreißender Live-Act verrufen, auch im Rahmen ihrer Tour mit Opeth erlebte ich sie zwar an einem ganz guten Abend, aber so richtig packend waren sie dort ebenfalls nicht. Jonas Renske wird wohl nie ein echter, charismatischer Frontmann werden, seine Ansagen werden sich auch weiterhin auf ausgelutschte Standards a la "The next song is from the "Tonight´s Decision"-album and is called...." beschränken, er wird wahrscheinlich zukünftig auch noch so wirken, als sei er gar nicht gerne Sänger und seine Bandkollegen haben - vielleicht mit Ausnahme von Anders Nyström - ebenfalls null Charisma (ich wiederhole: 0 Charisma). Aber mit "Viva Emptiness" haben die Schweden eines der schönsten Alben des letzten Jahres veröffentlicht und da man den Gig dann vornehmlich auf eben diesem ergreifenden Material aufbaute ("Ghost Of The Sun", "Sleeper", "Criminals" oder "Evidence"), griff die Magie der Kompositionen auch auf die Zuhörer über, die mit den Katatonia-Alben vertraut und der Band ergeben waren, wobei das sicherlich nur auf einen Teil der anwesenden Fans zutraf. Dazu gesellten sich dann noch einige Tracks der Vorgänger-Alben wie zum Beispiel "For My Demons", das eher selten gebrachte "Black Session", "Sweet Nurse" oder "Teargas", der Depri-Hit des vorletzten Albums "Last Fair Deal Gone Down". Auf ganz altes Zeug musste man dagegen natürlich verzichten, denn die DoomDeath-Tage der Schweden-Formation sind unwiederbringlich vorbei. Cooler Gig! (CL)
Nachdem wir bei Katatonia noch mal ordentlich die Hopfenspeicher gefüllt hatten, hieß es jetzt volle Aufmerksamkeit für eine der begnadetsten Bands dieses Planeten. Wo manch eine Combo, leider auch beim Progpower, Progressivität mit Gefrickel bzw. bloßer Technikbeherrschung verwechselt, sind THE GATHERING eine Formation, die tatsächlich ihre Grenzen auslotet auf der Suche nach dem ultimativen Sound, dem perfekten Song, der dichtesten Atmosphäre. Dazu kommt dann noch eine Ausstrahlung, speziell natürlich bei Frontengel Anneke, die einen ehrfürchtig zur Salzsäule erstarren ließe, wären da nicht diese unwiderstehlichen Grooves, die sich mittlerweile im Material der Holländer eingenistet haben. Freudigst erregt ließ ich also die ersten Songs auf mich einregnen, wobei ich natürlich nicht leugnen will, zunächst beobachtet zu haben, ob die voll im Gang befindliche Schwangerschaft der Sängerin merklichen Einfluss auf ihre Performance haben würde. Mal abgesehen vom Bäuchlein trat sie aber auf wie eigentlich immer, nämlich himmlisch trällernd und hochsympathisch lächelnd. Kann sein, dass sie sogar einen noch glücklicheren Eindruck machte als sonst... Wie auch immer, der Sound stimmte, die Setlist bestand fast ausnahmslos aus Highlights, doch irgendetwas war nicht perfekt. Normalerweise hätten mich "Marooned" oder "Saturnine" jetzt zu Tränen getrieben, während "Even The Spirits Are Afraid" und "Analog Park" zum ausschweifenden Mithampeln animiert hätten. Okay, das mit dem Gehampel hat schon ziemlich funktioniert, aber die letzte emotionale Tiefe wollte sich bei mir an diesem Abend nicht einstellen. Ich denke, es lag am relativ lethargischen Publikum, das mich ein wenig abtörnte. Nicht dass ich erwartet hätte, mir mit Dutzenden wildfremden Menschen in den Armen zu liegen, aber ein wenig mehr Begeisterung hatte ich schon um mich herum erwartet. So empfand ich es, dass die Barriere zwischen Band und Publikum nur ansatzweise niedergerissen werden konnte. Da wäre mehr drin gewesen, nämlich ein absolut denkwürdiges Konzert. Immerhin blieb es trotzdem bei einem großartigen Headliner und tollen Abschluss eines wiederum gelungenen Festivals. Wenn die Veranstalter weiterhin ein geschicktes Händchen für eine solch gelungene Zusammenstellung von Bands beweisen, kann uns der eine oder andere Rohrkrepierer nicht davon abhalten, auch nächstes Jahr wieder unsere morschen Knochen gen Baarlo zu schleppen. (CB)
Carsten Buchhold (CB), Christoph Lücker (CL) - Pics: Christoph Lücker


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