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PROGPOWER-FESTIVAL 04.10. + 05.10.2003, Baarlo, Sjiwa
Baarlo, Sjiwa

04.10. + 05.10.2003
Nach nahezu ausschließlich positiven Erinnerungen an die Veranstaltungen der beiden letzten Jahre war eigentlich klar, dass auch Progpower 2003 wieder beehrt werden musste. Einige hatten zwar im Vorfeld Bedenken ob der Qualitäten des Line-ups, doch für meinen Geschmack waren genug vielversprechende Bands gebucht. Also machte ich mich mit dem Kollegen Mohr aus Marsberg des Samstagsmorgen auf den Weg gen Westen, den wir zum ersten Mal bis zum Ziel problemlos fanden, da die Wegbeschreibung der Veranstalter endlich Sinn machte. Da wir keine Lust hatten wie in den Vorjahren im Auto zu nächtigen (man wird halt auch nicht jünger), steuerten wir einen der beiden örtlichen Campingplätze namens "De Berckt" an, was sich als geschickter Schachzug erweisen sollte. Nicht nur dass so der Komfort deutlich gesteigert wurde, auch bekamen wir einen Hauch von Open Air-Festival-Feeling zu spüren, was wir sogleich mit einer frisch geöffneten Dose Pilsener begossen. Der angenehm kurze Fußweg zum "Sijwa" tat sein Übriges und schon waren wir wieder drin und Teil der proggigen Gemeinde. Fast schon traditionell hatten wir den Auftakt verpasst, diesmal aber nur um Schamhaaresbreite, denn SYMMETRY konnten noch nicht lange auf der Bühne sein. Anscheinend brachten die Holländer hauptsächlich neues Material, denn wirklich bekannt kam mir kaum einer der Songs vor. Insgesamt kamen sie ein ganzes Stück härter ´rüber, als ich das von ihren Scheiben gewohnt bin, so dass man die Band schon eher in die Power-Metal-Schublade stecken konnte, wobei die technischen Fähigkeiten allerdings ziemlich beeindruckten. Einziges Manko war in meinen Augen und Ohren die etwas überambitionierte Darbietung des Sängers, der einfach öfter ´mal relaxter singen sollte, denn permanentes Jaulen am oberen Limit nutzt sich irgendwann ab. Aber insgesamt war es ein amtlicher Auftakt. Dann folgten die mir bis dahin unbekannten CHROME SHIFT aus Dänemark, die das technische Level annähernd halten konnten, dabei aber weniger heftig klangen. Von der Eingängigkeit der Songs her fand ich sie sogar noch einen Tick angenehmer. Besonders hervor taten sie sich mit ihrer Optik: Kultglatze Collinas an der Klampfe und den jungen Klaus Kinski am Mikro bekommt man auch nicht alle Tage auf einer Bühne zu sehen! Derart auffällig dürften sie so schnell nicht in Vergessenheit geraten....
In Form von NOVEMBRE zeigte sich dann die stilistische Vielseitigkeit des Progpower, denn jetzt wurde es düsterer und emotionaler. Im Fahrwasser von Größen wie Anathema und Opeth beschworen die Italiener schon mal die eine oder andere Gänsehaut herauf. Besonders Sänger und Gitarrist Carmelo trug mit seinem leidenschaftlichen Gesang, der von meist sanften Gefilden des öfteren auch mal in heftige Bereiche wechselte, einiges zur dichten Atmosphäre bei. Ein starker Auftritt, der mich rätseln ließ, warum die Band bis dahin nicht meine Aufmerksamkeit erregen konnte. In der Mitte des Billings gibt es in Baarlo jeweils einen drolligen Diner-Break, während welchem in dem im Untergeschoss gelegenen Club diesmal eigentlich eine Queensryche-Cover-Band auftreten sollte. Diese hatten wohl kurzfristig abgesagt, so dass stattdessen die einheimischen SPACE AGE 70s zum Zuge kamen. Ihrem Namen keine Ehre machend boten sie recht frickeligen Sound, der vom eingängigen Gesang einer jungen Dame veredelt wurde. Ziemlich starker Stoff, den allerdings nur wenige Besucher näher verfolgten. Schade eigentlich, denn selbst eine frühe Position im Hauptprogramm wäre für diese originelle Formation denkbar gewesen. Weiter ging´s danach mit einer Band, auf die ich mich richtig gefreut hatte: GREEN CARNATION. Und sie enttäuschten mich keineswegs mit ihrem recht melodischen, auf eigentümliche Weise atmosphärischen Material. Okay, showtechnisch bzw. optisch wirkten die Schweden recht bieder, aber die Songs sind wirklich ansprechend und eingängig. Eindeutiger Höhepunkt war ein Extrakt des Monumentalwerks "Light Of Day, Day Of Darkness", das einige absolut mitreißende Passagen aufweist. Leider ist das Progpower-Publikum in Sachen Abrocken recht zurückhaltend, so dass auch jetzt keine Moshorgien zu beobachten waren...
In eine ähnliche musikalische Richtung zielend und damit perfekt ins Programm passten NIGHTINGALE, die anscheinend mittlerweile zu Dan Swanös Hauptbetätigungsfeld geworden sind. Eigentlich könnte man ja befürchten, der gute Mann würde vielleicht einiges an Starallüren mit sich rumschleppen, aber die Tatsache, dass er mit seinen Jungs am mickrigen Merchandise-Stand in guter Untergrund-Manier abhing, sprach eindeutig dagegen. Und auch auf der Bühne wirkte er wie auch seine Sidekicks sehr sympathisch und ambitioniert. Mir ist ja leicht rätselhaft, wieso er mit dieser eingängigen Mucke keinen rechten Erfolg einheimsen kann. Nightingales Bekanntheitsgrad scheint mir jedenfalls noch nicht allzu groß zu sein. Liegt´s vielleicht an des Meisters Todesblei-Image? Wie auch immer, der Auftritt bot eine geballte Ladung anspruchsvollen melodischen Hard Rocks mit einigen leicht düsteren Zwischentönen, die live allerdings nicht so offensichtlich waren wie auf Scheibe. Die verschiedenen Veröffentlichungen, die ja textlich einem zusammen hängenden Konzept folgen, wurden einigermaßen ausgewogen berücksichtigt, vielleicht mit gewissem Schwerpunkt auf dem neuesten Werk. Ich fand´s klasse! Diesmal zum Headliner aufgestiegen waren VANDEN PLAS, die mir von vor zwei Jahren in keiner so guten Erinnerung geblieben waren. Auch heute ließ es sich etwas nervig an, denn die Umbaupause schien im Gegensatz zum sonst perfekten Ablauf unverhältnismäßig lang. Als es endlich los ging, flog mir fast der Hammer vom Amboss, so schweinelaut war es. Doch nach zwei, drei Stücken wich meine Skepsis langsam und ich musste anerkennen, dass die Band mir heute doch einigermaßen gefiel. Zwar klingen mir viele Kompositionen nach wie vor zu sehr nach den Genre-Königen Dream Theater, aber Vanden Plas bringen ihre Show zweifellos sehr professionell ´rüber und technisch gibt es ebenfalls nichts zu motzen. Hier und da erkannte ich sogar einige Melodien wieder, was schon ´was heißen will. Trotzdem mag ich das Auftreten des Sängers noch immer nicht, der einfach irgendwie überheblich und dadurch nur bedingt sympathisch wirkt. Die gar nicht mal so wenigen Fans schien es nicht zu stören und so gab es recht fetten Applaus. Mohr und mir wurde es dann aber tatsächlich zu laut, weshalb wir vorzeitig das Handtuch warfen und zum Campingplatz zurück trotteten.
Nach einer ruhigen Nacht, Dusche, Dosenfrühstück und Frühschoppen im Club ging es auf in die zweite Runde. Ein erneut holländischer Opener stimmte die bereits zahlreichen Anwesenden auf das sonntägliche Programm ein. Und wie kaum anders zu erwarten war, machten auch XYSTUS ihre Sache äußerst gut. Es ist wirklich erstaunlich, wo Veranstalter René immer wieder diese vielversprechenden Acts herholt. Jedenfalls ließen sich zum proggigen Material der Combo optimal die ersten Heineken verhaften. Sehr angenehm auch die beispielhafte Einstellung des Frontmanns, der die Aufforderung aus dem Publikum, er möge die Ansagen in seiner Muttersprache machen, mit dem einleuchtenden Argument niederschmetterte, Progpower sei schließlich ein internationales Festival mit internationalem Publikum. That´s it! Next in line waren die Schweden ANDROMEDA, die den Heftigkeitsgrad um einige Prozentpunkte erhöhten. Da die Jungs mir optisch seltsam bekannt vorkamen, musste ich mal eben einen Blick auf die Plakate der voran gegangenen Festivals werfen. Und siehe da, auch sie waren nicht zum ersten Mal in Baarlo. Inzwischen war ich auch zumindest mit dem Album "II=I" vertraut, was erstklassigen Prog Metal bietet, so dass ich feststellen konnte, dass die Band mit der Live-Umsetzung keinerlei Probleme hat. Wenn man davon absieht, dass einige Zuschauer das Kettenhemd-Outfit des Sängers zu bemängeln hatten (wen juckt´s?), konnte man einen weiteren gelungenen Auftritt abnicken. Mit der LMP-Band PAGAN´S MIND wurde es nun deutlich powermetallischer. Was auf CD über weite Strecken wegen fehlender eigener Identität eher belanglos wirkt, konnte mich erstaunlicherweise an diesem Nachmittag einigermaßen überzeugen. Ganz ähnlich geht es mir mit Tad Morose, die live für einigen Spaß gut sind, deren Scheiben aber nicht so richtig beeindrucken können. Auch musikalisch lassen sich diese beiden Acts vergleichen, wobei aber Pagan´s Mind das brachialere Brett fahren. Erneut hieß es jetzt "Diner Break", und diesmal nahmen mein ergrauter Begleiter und ich dieses wörtlich, da unsere Energievorräte zur Neige gingen. Erstaunlicherweise bietet das kleine Städtchen nahe der deutschen Grenze eine ansprechende Infrastruktur, so dass man nur wenige Schritte laufen muss, um zur nächsten Pizzeria zu gelangen. Dort gibt es nicht nur üppige Mafiatorten, sondern sogar Veganer-kompatible Pommes Frites in riesigen Portionen. Kann man empfehlen, den Laden! So gestärkt kehrten wir dann zum Ort des Geschehens zurück, wo wir in der Zwischenzeit leider den "Pausenact" verpasst hatten.
Dafür gab es eine Überraschung im Ablauf des Hauptprogramms: At Vance hatten wohl kurzfristig abgesagt, so dass Elegy eins nach oben rückten und ihre vorgesehene Position an EVERON abgaben. Von diesen hatte ich zwar schon einiges an Positivem vernommen, aber noch nicht wirklich Musik gehört (mal abgesehen von Oli Philipps´ Gastauftritt auf der fulminanten re-Vision-Scheibe "Whore Venus"). Dieses Manko sollte ich alsbald bitterlich bereuen, denn was die Band um den charismatischen Frontmann zu bieten hatte, war mehr als entzückend. Extrem hingebungsvoller Gesang traf auf atmosphärisch dichte, packende Kompositionen, die sofort ins Mark trafen. Man merkte, das war Stoff, der den Musikanten wirklich am Herzen liegt, was ihnen, speziell Oli, auch anzusehen war. Die Krönung des Ganzen war dann das Hinzuziehen einer Sängerin, die mir fast die Tränen der Rührung heraus getrieben hätte. Welch´ fette Überraschung! Die Ersatzband war also mein persönlicher Festivalhöhepunkt - fragt sich nur, warum Everon bisher ein Schattendasein fristen. Danach konnte es nur noch schlechter werden, und das wurde es. Nicht dass ELEGY richtig mies waren, aber mir fehlte jetzt einfach die Genialität, die ihre Vorgänger versprüht hatten. Also versuchte ich mir die Band schön zu trinken, was aber nicht wirklich funktioniert hat. Mehr als durchschnittlichen Metal in Richtung Stratovarius & Co. bekam ich nicht zu hören. Eigentlich hatte ich mich auf den heutigen Headliner EVERGREY ziemlich gefreut, da mir deren letzte drei Alben durchweg prächtig munden. Leider hatte ich es mit dem vorhergehenden Schöntrinken wohl etwas übertrieben, denn meine Erinnerung will partout keine Daten zum Gig der Schweden frei geben. Peinlich! Laut Mohr sind wir auch bereits nach wenigen Nummern gegangen, die härter rüber kamen, als von Tonträger gewöhnt. Tja, da haben Everon wohl so eingeschlagen, dass alles, was danach noch kam, einfach keine Chance mehr bei mir hatte. Bleibt festzustellen, dass das Progpower 2003 ein erneut rundum gelungenes Ereignis war. Als Fan der entsprechenden Klänge kann man scheinbar blind alljährlich an diesem Event teilnehmen, denn selbst die unbekannten Bands können regelmäßig überzeugen, wenn nicht gar begeistern. Hinzu kommt ein auffallend nettes Publikum, das zwar selten enthusiastisch aus sich heraus geht, aber jeder Band die gebührende Aufmerksamkeit zukommen lässt. Die Besucherzahlen scheinen konstant zwischen dreihundert und fünfhundert zu liegen, was für das Venue eine nahezu ideale Auslastung bedeutet. Ganz zu schweigen von der immer fast perfekten Organisation, bei der man sich auf die Zeitpläne verlassen kann. Die Atmosphäre in Baarlo ist wirklich speziell, so dass sich hier eine echte Institution entwickelt hat. Wie könnte man die Festival-Saison schöner ausklingen lassen?
Carsten Buchhold - Pics: Nico Wobben, http://www.nicowobben.com


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