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:: Index: 'ALL' :: 12. WGT 2003 ....

12. WGT 2003 Leipzig vom 06.06. - 09.06.2003 - 1.Tag


"Gib mir deinen Saft, ich geb dir meinen!" oder "Wie leidensfähig sind Grufties?"

Das Wasser lief in Strömen! Diesmal aber Dank der Wettergötter (welcher auch immer!) nicht vom Himmel, sondern über die Gesichter und Körper all der geschminkten und gestylten "Gotenjünger".
Darum könnte man das Motto des diesjährigen WGTs auch mit eben jener Zeile, oder einer anderen bekannten Songline überschreiben, auch wenn sie nicht von "schwarzen" Künstlern stammen. Ich denke da an Sven Väths "Dein Schweiß".
Bei durchschnittlichen 34 Grad war es jedenfalls oft genug ein Rätsel, und Grund für allerlei Überlegungen, welche medizinischen Eingriffe manche der in Lack, Gummi oder Leder gekleideten und tonnenweise geschminkten "Rügenwalder", haben vornehmen lassen, um eben nicht im Schweiß zu ertrinken.
Aber der Reihe nach. Wie jedes Jahr zeigte sich (das inzwischen zu unser aller Zweitlieblingsstadt gewordene) Leipzig wieder von seiner besten Seite. Auch diesmal ertrugen die Sachsen den Ansturm von 19.000 Gothics mit der gewohnten Herzlichkeit bis Desinteresse. Es ist immer wieder ein Erlebnis durch eine Stadt zu laufen, in der man einfach nur registriert, aber nicht mehr angestarrt oder als Aussetziger behandelt wird und wo Schwarz die alles bestimmende Farbe ist, selbst im eigentlichen Stadtzentrum.
Das Programm dieses Jahr war insgesamt eher mager. Lag es nun an InMoves Politik, keine Band zweimal hintereinander spielen zu lassen? Das Fehlen von richtigen Headlinern werden dieses Jahr auch noch die später stattfindenden Festivals als Manko zu bedauern haben. Gibt es keine potentiellen Headliner mehr? Uns würden schon eine Menge einfallen, aber wie auch immer. Das ersparte einem zumindest die Hetzerei von einem Auftrittsort zum Nächsten, man konnte sich ganz in Ruhe einige wirklich gute Acts ansehen und sich ansonsten dem (der Hitze angemessenen) süssen Nichtstun, dem Trinken und Treffen von Leuten hingeben.
Überdenken sollte man das Konzept der Mitternachtskonzerte, die nachts nicht vor halb eins begannen und die vermeintlichen Headliner des WGT sahen, denn wenn man vier Tage lang tagsüber nur unterwegs und auf den Beinen ist, macht der Körper zwangsläufig irgendwann schlapp und man ist froh, sich - alleine oder zu zweit - in seinen Schlafsack oder ins kuschelige Hotelbett zurückzuziehen.
Zwischendurch gab es dann aber doch das eine oder andere Highlight, vor allem bei den vermeitnlich "kleineren Acts", auf die nachfolgend nun näher eingegangen werden soll.

Freitag, 06.06.2003

Morgens um sieben am ersten Tag des WGT, mitten auf der Dresdner Straße unweit des Stadtzentrums: Ich wache auf und frage mich, wieso ich zwischen fahrenden Autos und Strassenbahnen liege. Ach nee, bin doch im Hotel, aber der durchs offene Fenster auf mich einbrüllende Sound ist ein unsanfter Wecker. Egal, ich wollte ja eh früh aufstehen. Nachdem die Formalitäten der Pass-Ausgabe am AGRA-Gelände geklärt sind, mache ich mich auf den Weg zur Parkbühne. Diese erweist sich als sehr geräumig, wohingegen der Zuschauerraum jedoch arg begrenzt ist. Das macht aber nichts, denn bis zum Headlinerauftritt zu späterer Stunde verlieren sich kaum mehr als 300 Nasen im idyllischen Rund. Eigentlich schade angesichts der perfekten äußeren Umstände, aber vielleicht war es für viele Schwarzkittel einfach zu sonnig.
Den Auftakt machen DEMENTI mit unspektakulärem Gothic Rock mit deutschen Lyrics. Was die Jungs mit ihrem Sound nicht reissen, versuchen sie anscheinend mit einer effektheischenden Pyroshow wett zu machen. Nicht nur, dass es bisweilen mächtig rumst auf der Bühne, es stehen auch diverse Metallrohre umher, aus denen es gar mächtig emporflammt. Leider passen diese Elemente so gar nicht zur Musik, so dass das gemütlich kauernde Publikum auch auf Aufforderung nicht zum Aufstehen zu bewegen ist. Was soll´s, aller Anfang ist schwer. (CB)
GOD´s BOW Bow treffen dann zwar eigentlich noch weniger meinen Geschmack, doch dem Duo merkt und hört man Inspiration und Musikalität an. Und in diesem Fall kann ich mir auch mal Elektrosound mit Elfengesang ziehen. Waren ganz nette Songs, die die beiden zum besten gegeben haben, und so haben sie sich ihren Applaus redlich verdient. (CB)
Jetzt war ich einigermaßen gespannt, was THE EQUINOX OV THE GODS Gods bieten würden, denn ich konnte mich dunkel erinnern, dass die Band in grauer Vorzeit mal im legendären "Reflections Of Doom" gefeatured worden war. Und tatsächlich, es war beeindruckend, was jetzt auf der Bühne abging. Ganz klar im Mittelpunkt des Geschehens stand der imposante Sänger, der gruftig geschminkt in mönchsartiger Kutte das Publikum in seinen Bann zog. Sein Gesang kam leicht grunzig, war aber ein gutes Stück von todesmetallischen Gefilden entfernt. Die Mitmusiker begleiteten ihn größtenteils im metallischen Midtempobereich, wobei oftmals auch doomige Regionen angetastet wurden. Allerdings nutzte sich die Wirkung des Ganzen nach drei, vier Stücken langsam ab, was wohl ein Zeichen dafür ist, dass das Songwriting durchaus ausbaufähig ist. Da ist noch mehr drin, Leute, macht was draus. (CB)
Hatte der Nachmittag bis dahin nett vor sich hin geplätschert, stieg der Spannungspegel plötzlich in schwindelerregende Höhen. VIRGIN BLACK schickten sich an nach ihrem Europa-Debüt am Vorabend wenige Kilometer entfernt, den zweiten Auftritt in Leipzig auf die Bretter zu legen. Und was mich wirklich erstaunte: Das bis dahin träge herum sitzende Auditorium erhob sich zum größten Teil und rückte näher an die Bühne heran. Es hat sich also scheinbar zumindest in Kennerkreisen herum gesprochen, was diese Australier zu bieten haben. Und das war wiederum enorm viel. Trotz fehlenden Soundchecks flossen ihre orchestralen Hymnen in beeindruckender Weise aus den Speakern. Im Gegensatz zum Clubgig tags zuvor war ich mir diesmal sicher Samples zu vernehmen, was mich in gewisser Weise beruhigte, denn sonst hätte ich mir einen derart kompletten Sound kaum erklären können. Auch im gleißenden Sonnenlicht verfehlten die düster-romantischen Epen ihre Wirkung nicht. Vor Rührung hatte ich mindestens zweimal Tränen in den Augen - weitere Kommentare meinerseits zur Show erübrigen sich daher wohl. Was die rohen Fakten angeht, will ich noch vermerken, dass erneut das "Sombre Romantic"-Album den Hauptteil der Show ausmachte, ergänzt durch jeweils einen brandneuen und einen Demo-Track. Die übrigen Anwesenden schienen ähnlich über das Dargebotene zu denken, denn der Schlussapplaus war gewaltig und mündete in Zugaberufen. Was angesichts des Zeitplans leider nicht erwidert werden konnte, doch die Band schien sichtlich erfreut über die heftigen Reaktionen. Man hatte den Eindruck, dass hier der Grundstein zu Größerem gelegt wurde. Mal schauen, ob sich das auf der hoffentlich in Kürze anstehenden Tour fortsetzt ... (CB)
Nach einer Abkühlung an einer der gut bewirteten Theken ging es weiter mit VIRGIN BLACKs Labelkollegen EVEREVE. Jetzt musste das Niveau einfach abfallen, so viel war klar. Und wie bei meiner letzten Begegnung mit selbiger Truppe hatte ich auch diesmal wieder den Eindruck, dass Anspruch und Talent bei EVEREVE nicht ganz konform gehen. Die Kompositionen laufen mir zum einen Ohr hinein und zum anderen direkt wieder heraus. Da berührt nichts, bleibt keine Melodie hängen. Okay, so richtig schlecht ist der Stoff nun auch nicht, bisweilen habe ich meinen Fuß sogar beim Mitwippen erwischt. Allerdings kann das auch daran gelegen haben, dass die Show des Frontmanns wirklich erstklassig ist. Er hat Ausstrahlung, hängt sich rein und versucht permanent etwas mehr zu bieten als blosse Vocals. Höhepunkt des Treibens war dann beim letzten Stück sein Ausritt ins Publikum auf den starken Schultern eines Fans, der sogar noch selber kurzzeitig das Mikro übernommen hat. Wat ´n Tier! (CB)
Gespannt durfte man nun sein, wie FLOWING TEARS mit neuer Sängerin ankommen würden. Und ohne große Umschweife: Die Gute hat eine ähnliche Klasse wie ihre verehrte Vorgängerin. So sehr unterscheidet sie sich in ihrem Stil nicht, wie das vorher in Interviews angeklungen war. Etwas derber kommt sie rüber, aber sie kann die große Lücke füllen. Einzig am Outfit sollte sie noch arbeiten... (Details erspare ich mir aus Pietätsgründen.) Hoppla, Musik haben die Saarländer ja auch gespielt, und die war wieder mal vom Feinsten. Auch wenn die leicht gotischen Rocksongs beim flüchtigen Hören eher unspektakulär wirken - sie haben fast durchweg Hooks mit Langzeitwirkung und nicht zu verleugnendem Groove. Für meinen Geschmack könnten das bald ein paar mehr Leute honorieren.
Die Zeit für den Headliner war gekommen, und plötzlich füllte sich der Raum vor der Bühne. Zurecht, wie sich bald heraus stellen sollte, denn TIAMAT boten ein rockiges Programm erster Kajüte. Wer immer noch denkt, die Truppe würde im Drogentran spannungslos vor sich hin dümpeln, sollte ihr eine neue Chance geben. Die "Slumber"-Zeiten mit dem unsäglichen Headliner-Auftritt beim Dynamo-Festival sind nämlich schon lange vorbei. Heutzutage wird hauptsächlich Stoff der beiden letzten Alben gespielt, was heisst, sie treten Arsch, reissen mit, grooven amtlich. Okay, hier und da wird das Tempo auch mal geschickt rausgenommen. Das ist dann aber gleichbedeutend mit fetter Atmosphäre, so dass beide Seiten des Edlundschen Universums bestens zur Geltung kommen. Überhaupt ist Johan E. einer der wenigen echten Rockstars der Neuzeit, schon gemerkt? (CB)
Beinahe zeitgleich beenden die US Death Rocker CINEMA STRANGE mit lautem Getöse ihren Set und
verschwinden in den Katakomben der AGRA-Halle, nicht ohne sich ausgiebig feiern zu lassen. Der Mob vor der Bühne tobt erwartungsgemäss, sind CINEMA STRANGE doch die erklärten Darlings der Deathrock-Szene, denen in Sachen Optik und Bühnenshow nichts zu peinlich ist. Auch die aufblasbaren Rubber Dolls - gibt´s die eigentlich im Dutzend billiger? - nicht, mit denen die Bühne dekoriert ist und an denen sich die Musiker während der Zugabe gerne und hingebungsvoll gütlich halten. Coole Band, coole Show … (MK)
Nun aber nichts wie raus aus der Halle, Luft tanken, durchatmen und bei einigen Bierchen die formidable Aussicht auf das stil- und prunkvoll gewandete Publikum geniessen, bevor Deutschlands Zeremonienmeister der Goth-Szene, Mozart, die Bühne betritt. Mozart, der bislang meist durch einen verwegenen Haarkranz um die spärlichen Haupthaare auffiel, glänzt mittlerweile wieder mit einer beachtlichen Haarpracht. Auch wenn von der grosspurig angekündigten neuen Show unter dem Strich wenig übrig blieb, UMBRA ET IMAGO boten den erwarteten Querschnitt durch ihr Schaffen, liessen wie gewohnt Pyros und Feuersäulen krachen, während im Hintergrund die mittlerweile sattsam bekannte S/M-Show in ihrer FSK 18-Version ablief. Musikalisch verpasste der neue Gitarrist UMBRA ET IMAGO abermals einen deutlich härteren Anstrich, was vom Publikum jedoch sattsam toleriert und angenommen wird. Routinierte und viel umjubelte, aber nicht überragendes Konzert der Badener. (MK)
Um pünktlich zum Auftritt THE GATHERINGs zu kommen, verlasse ich die Parkbühne noch, bevor TIAMAT ihre Zugaben beendet hat. Zum Glück stellte sich die dortige Schlange am Eingang als Treffpunkt für passionierte Wartefreaks heraus, denn es gab genügend andere Pforten mit sofortigem Einlass. Drin angekommen blieb einem aber erstmal die Luft weg angesichts des massenhaften Gedränges, was sich jedoch legte, nachdem UMBRA ET IMAGO ihren Set beendet hatten. Trotzdem war es beeindruckend, wieviele der Waver und Gothics sich immer noch für die Holländer interessieren, obwohl deren Sound mittlerweile nicht mehr viel der früheren Düsternis aufweist. Fragte sich, ob die Band Kompromisse eingehen und verstärkt alte Klassiker auskramen würde. Mitnichten! THE GATHERING spielten ihren wohl neuzeitlichsten Set überhaupt, basierend auf allem ab "How To Measure A Planet?" Und das war gut so, das Volk war einverstanden und ließ sich willig ins Triprock-Nirwana beamen. Sie haben einfach alles richtig gemacht, einen Hammer nach dem nächsten gespielt und ungekünstelt sich selbst dargestellt. War Anneke jemals so bezaubernd? Oder waren es schon ausserkörperliche Erfahrungen inkl. Engelserscheinungen, die mich zu später Stunde heimsuchten? Wie auch immer, THE GATHERING waren noch nie dermaßen brillant, es war einfach zum Heulen schön. Die "Liberty Bell" zum Abschluss läutete mir das finale Grinsen ins Gesicht, das ich wohl auch am nächsten Morgen noch mit mir tragen sollte. Was juckte mich jetzt noch das Geseiere von DAF? Dann schon lieber ein Schlummifix und gemütlich ins KFZ gebettet. (CB)
Während der Rest der gemeinsamen Redaktionsgang aus The-Gothicworld.de- und http://www.obliveon.de
Während der Rest der gemeinsamen Redaktionsgang aus The-Gothicworld.de- und http://www.obliveon.de Redakteuren die AGRA unsicher machte, pilgerte ich abends zur Moritzbastei um meinen Freund Max bei seinen massiven Promotionbemühungen für die neue CD des L´ORCHESTRE DE CHAMBRE NOIR zu unterstützen. Neben dem wirklich bemerkenswert umfangreichen Verteilen von Merchandising und Promomaterial (Shirts, Flyer, Aufkleber, Poster... wo nehmen die nur das Geld her?) stieg ich irgendwann in die Tiefen der Moritzbastei hinab. Eben jene ist wirklich ein genialer Ort für solche Veranstaltungen. Neben den vielfältigen Möglichkeiten an Bars und in Cocktaillounges ein paar Drinks zu sich zu nehmen, besticht vor allem das Gewölbe mit seinen roten Backsteinbögen als perfekter Auftrittsort für eine eher klassisch, akkustisch arbeitenden Band wie CHAMBER. Vorher durfte ich noch den Rest einer Band namens THE FICTION sehen, welche in schon fast unverschämter Weise nach einer (sehr) schlechten Kopie von THE CURE klangen und dies auch noch in einer Coverversion von "Lulaby" gipfeln ließen. Nicht weiter von Bedeutung, was man auch dem erst danach überraschenderweise, zahlreich hereinströmenden Publikum anmerkte.
Auch wenn das Kammerorchester auf Grund kurzfristiger Absage, mit einem völlig unvertrauten Techniker arbeiten musste, was bei akustischen Instrumenten ja nicht gerade toll ist, so lieferten CHAMBER die gewohnt perfekte Show. Hauptsächlich noch Songs des alten Albums spielend, aber immer wieder auf das Erscheinen des Neuen hinweisend, versprühte Max pures Entertainment, schaffte es so die oft langen Stimmpausen und kleiner Fehler immer wieder perfekt zu überbrücken. An diesem Abend schienen CHAMBER extrem gut gelaunt, was auf schnell auf das Publikum übersprang, welches den kammermusikalischen Ouvre des "schwarzen Orchesters" auch frenetisch wie einer Rockband applaudierte. Soviel Energie wünscht man sich hin und wieder auch von anderen Bands. (TS)
Nach CHAMBER gaben sich dann ARTWORK mit ihren komplexen und sehr gelungenen Soundlandschaften und Unterstüzung Oswald Henkes die Ehre. Was ich aber auf Grund der Hitze eher nebenbei, im kühlen Garten der Moritzbastei wahrnahm.
Ein Problem das sich in den folgenden Stunden und Tagen noch öfter aufbauen sollte.
Daniel Bartsch, Nicola Baumann, Carsten Buchhold, Michael Kuhlen, Thomas Sabottka, Simone Schröter - Pics: Michael Kuhlen


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