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Live in Concert :: Index: 'ALL' :: DOOM SHALL RI ....

DOOM SHALL RISE - FESTIVAL
Crailsheim-Triensbach, Turnhalle

07.02. + 08.02.2003
Die Idee eines eigenen Doom-Festivals schwebte Frank Hellweg (Well Of Souls) und Jochen Fopp (Mirror Of Deception) - beide seit einer Ewigkeit als Musiker und Genre-Fanatiker in der Szene unterwegs - schon länger durch die Hirnkästen, in Zusammenarbeit mit Roman Astalosch, dem - mittlerweile ehemaligen - Wirt der metallischen Szene-Kneipe ´Eiche´ setzten sie ihren Traum nun in die Tat um. Das Veranstalter-Team nutzte hierbei seine langgehegten Kontakte in der Szene und stellte ein sechszehn Bands umfassendes, höchst interessantes Billing zusammen, das jeden Underground-Freak schon im Vorfeld vor Freude heftigst rotieren ließ. Die limitierten Karten für die ´Eiche´ waren jedenfalls nach wenigen Tagen ausverkauft, so dass man kurzfristig in die in einem Vor-Dorf von Crailsheim gelegene Turnhalle in Triensbach umzog, die nun Anfang Februar als Schauplatz für den bislang ersten zweitätigen, europäischen SlowMotion-Event herhalten musste. Geschätzte dreihundertfünfzig Freaks strömten zusammen, um in unglaublich entspannter, freundlicher, beinahe schon familiärer Atmosphäre ein absolut einzigartiges Kult-Happening zu feiern. Das deutsche Quartett DOOMSHINE durfte den Reigen eröffnen und mit ihrem an die ersten Solitude Aeturnus-Gaben angelehnten Sound konnten die Mannen um den mit einer markanten Stimme brillierenden Sänger Timmy die Doom-hungrige Meute natürlich locker auf ihre Seite ziehen. Wenngleich noch nicht alle Kompositionen der jungen Formation die Klasse der beiden auf ihrer Webseite zur freien Verfügung stehenden Hammer-Tracks "Where Nothing Hurts But Solitude" und "Shine On Sad Angel" (war auch auf dem letzten Heavy oder was-Sampler zu finden) aufweisen, so wird man von Doomshine in Zukunft sicherlich noch einiges hören, denn hier schlummert riesiges Potential! Ach ja, eine Bierhalterung am Mikrofonständer sieht übrigens scheiße aus...:) DREAMING waren mir bis dato nur vom Namen her bekannt und auch wenn sie ihre Sache mehr als ordentlich machten und eine engagierte Performance zeigten, so konnte mich ihr fett groovender Doom-Rock nicht wirklich begeistern, eine nette Show bot das Trio aber allemal. Im Anschluss folgte mit FORSAKEN aus Malta der erste wirkliche Höhepunkt. Das Quintett riss die Zuschauermenge mit einer unglaublich engagiertem und spielfreudigen Show mit, der offensichtliche Spaß, den die Combo an ihrem ersten Deutschland-Auftritt hatte, übertrug sich jedenfalls spielend auf die Fans, die sich gar dazu mitreißen ließen, die geniale Gitarrenmelodie des vielleicht besten Forsaken-Tracks "Via Crucis (The Way Of The Cross)" mitzusingen. Aber auch das Material des "Evermore"-Albums fand erstaunlichen Anklang, ebenso die Tatsache, dass eine relativ unscheinbare, schmale Erscheinung wie Sänger Leo Stivala über eine so mächtige, erhabene Stimme verfügt. Kurzum: Hammer-Show!
MIRROR OF DECEPTION hatten ihre pünktlich zum ´Doom Shall Rise´ erschienene neue Mini-CD "Conversion" im Gepäck und präsentierten sich nach dem Ausstieg des langjährigen Frontmannes Baumi nun nicht mehr nur als Quartett-Notlösung, sondern hochoffiziell als Vierer-Truppe mit Gitarrist Michal "Siffi" Siffermann am Mikro. Neben neuen Doom-Killern wie dem deutschsprachigen "Entgleiten" oder dem mit einer elegischen Melodie verzauberten "Vanished" (was für ein geiles Teil!) vergaßen die Schwaben glücklicherweise nicht, dass sie mit älteren Tracks wie "Asylum" ähnlich starkes Futter für die Seele zu bieten haben. Sauberer Gig, "I have been mirrored", wenn ich das in Anlehnung an das neue Shirt der Truppe mal so sagen dürfte...:) Die Schweden von SEMLAH gefielen mir auf ihrer Demo-CD "Ruin" richtig gut und so hatte ich eigentlich mit einer verdammt packenden Show gerechnet. Leider war Sänger Joleni jedoch mehr als dicht, worunter erstens seine Stimme litt (eigentlich erstaunlich, dass er in seinem Zustand noch ganz ok singen konnte:)) und zweitens seine Performance eher unfreiwillig komisch wirkte. Zum Glück konnten seine Nebenleute verlorenen Boden gut machen, speziell die Leistung von ex-Count Raven-Basser Wilbur war ziemlich cool, und auch Songs wie "Silent Sermons In The Plastic Church" sorgten für Pluspunkte. Hätte dennoch ein besserer Gig werden können! THUNDERSTORM stiegen mit dem epischen "Reality" in ihren Set ein und ließen bei bestem Sound gleich das Groove-Monster "Inside Me" folgen. Was sollte da noch schief gehen? Doom or be doomed! Neben diversen Kompositionen des neuen, famosen "Witchhunter Tales"-Albums gab das Quartett um den obersympathischen Bandkopf Fabio "Thunder" Bellan mit "Dark Knight" oder dem melancholisch-hymnischen "Sad Symphony" noch einige Smasher des Debüts zum Besten. Die Italiener müssen folglich dank ihrer energetischen, intensiven Performance ebenfalls eindeutig zu den Highlights des Events gerechnet werden und waren ein würdiger Abschluss des ersten Festival-Tages.
Nicht viel Verschnaufpause nach dem gestrigen Doom-Marathon, denn am äußerst frühen Nachmittag starteten am ´Doom Shall Rise´-Samstag TOLLWUET ihre halbstündige Opener-Show in der noch nicht wieder vollbesetzten Halle. Der relativ obskure, mitunter stark von Saint Vitus beeinflusste, aber deutlich experimentellere Sound des Schweizer Trios wurde nett aufgenommen, mehr als ein Weckruf und lockerer Einstieg in den Tag war der Auftritt allerdings nicht. Auch WEED IN THE HEAD konnten mit ihrer relativ identitätslosen "The Obsessed meets Stoner Rock"-Mucke allenfalls Höflichkeitsapplaus verbuchen. War also ganz ok, mehr nicht. Die Doomer von WYTCHCRAFT hatten unmittelbar vor der Anreise ihre erste Mini-CD "Grenzgänger" aus dem Presswerk abgeholt und feierten somit quasi zusätzlich eine Release-Party-Show, in deren Verlauf natürlich die vier Tracks ihres Debüt-Silberlings serviert wurden, wobei sich das obercool betitelte "From Dusk Till Doom" als mein persönlicher Favorit entpuppte. Auch Wytchcraft fanden sichtlich Gefallen daran, eine Show vor ihrer primären Zielgruppe spielen zu können und schlossen den bisher größten Gig ihrer noch jungen Bandgeschichte mit einer Coverversion des Anvil-Klassikers "Forged In Fire". Gute Show! Auf die deutsch-schweizerische Allianz von VOODOOSHOCK hatte ich schon richtig Bock, denn ihr kürzlich veröffentlichtes Debüt bot schließlich oberamtlichen, Obsessed-beeinflussten SlowMotion-Sound. Auch ´on stage´ boten ex-Naevus-Mastermind und Wino-Fan Uwe Groebel und seine beiden auch bei Tollwuet lärmenden Bandkollegen feine Kost, wobei sich einmal mehr Groebels geschmackvolle Gitarrenarbeit und seine charismatischen Vocals sowie der heimliche Voodooshock-Kracher "Fountain Of Freedom" als Ohrenweiden entpuppten. Verdammt stark, dudes!
DAWN OF WINTER-Gigs sind ja nun wirklich rar gesät, aber bei einem derartigen Anlass ließen sich auch die Doomer um Gerrit Mutz nicht lange bitten. Man mag zu Gerrits markanten Vocals stehen wie man will, aber bei den tieftraurigen Kompositionen des leider immer noch einzigen Albums "In The Valley Of Tears" (mein Live-Favorit: "Return To Forever") passen sie meiner bescheidenen Meinung nach vorzüglich und Mutz wusste zu dem mit einer authentischen Show und locker-flockigen Ansagen zu glänzen, der Basser des Quartetts missfiel dagegen leider mit seinem lahmen, unbeteiligt und kraftlos wirkenden Auftreten. Ebenfalls in der Setlist vertreten: die Saint Vitus-Huldigung "Titus Vanis" sowie der Titeltrack der ´Vinyl-only-EP´ "Slow Is The Suffering". Geil! Man nehme ältere Katatonia, alte Anathema, etwas My Dying Bride sowie die Gitarrenbreitwände von Shape Of Despair und schon hat man eine gewisse Vorstellung von OFFICIUM TRISTE. Die eher der Doom/Death-Fraktion zuzurechnenden Holländer, die in ihrer Heimat bereits für die Götter Candlemass eröffnen durften, nahmen die Festival-Menge mit einer vollkommen intensiven, brachialen und ergreifenden Vorstellung für sich ein und überraschten mit einer sehr professionellen Bühnenshow. Als Resultat erhielten sie die vielleicht besten Reaktionen des Festivals und massive, ekstatische Zugaberufe, die mit einer Coverversion von Anathemas "Sleepless" befriedigt wurden. Ergo waren die Alben der Band ruckzuck nach dem Ende des Gigs ausverkauft.
WELL OF SOULS konnten dieses Stimmungslevel im Prinzip gar nicht halten, legten aber - mit Ausnahme des statischen Bass-Players - dennoch einen zünftigen Gig auf das Parkett. Der Kern der Truppe (Gitarrist Frank Hellweg und Sänger Petro Kapakos) liebt Doom, fühlt Doom, performt Doom! Die Passion für die persönlichen Kreationen ist spürbar, greifbar, da sieht man auch gerne darüber hinweg, dass sich aufgrund nur weniger gemeinsamer Proben der eine oder andere kleine Fehler im Zusammenspiel einschlich. Vor allem wenn die betreffende Combo eine Hymne wie "Legion Of Doom" in der Hinterhand hält. SUBVERSION waren mir noch nicht geläufig und knallten eher in die Crowbar-Ecke, sorgten also für mächtig Dampf und integrierten den Doomcore-Style in das Festival-Billing. Aufgrund akuter Bedürfnisse nach viel Nahrung brauchte ich jedoch in der Mitte des Gigs erst mal eine kurze Verschnaufpause, sorry! REVEREND BIZARRE sind definitiv extrem, keine Frage. Monotonie als Stilmittel, das Ausreizen von Extremen, das Trio predigte zweifellos ganz, ganz schlürfig-langsam. Die Finnen polarisierten, waren für einige Besucher ein echter Höhepunkt, für manche - mich eingeschlossen - jedoch eher nervenzehrend und hinaustreibend. Not my cup of tea und ein Grund im Foyer mit gleichgesinnten Freaks zu plaudern. Als besonderen Clou konnten die Veranstalter die eigentlich schon in den ewigen Bandjagdgründen verweilenden REVELATION verpflichten, was offensichtlich viele Fans freute, denn vor der Bühne versammelte sich trotz der um sich greifenden Ermüdungserscheinungen noch mal ein ansehnlicher Pulk, um die drei Amis abzufeiern. Die spieltechnisch extrem fitten Musiker (die Gitarrenarbeit von Dennis Cornelius, der vor einiger Zeit übrigens mit Oversoul eine leider viel zu wenig beachtete Scheibe eingetütet hat, bewegte sich jedenfalls zumeist mal wieder fernab üblicher Standardakkorde; Drum-Urgestein Steve Branagan zockte wie gewohnt mehr als versiert und auch der mittlerweile wohl in jeder fünften US-Underground-Combo:) vertretene Bassist Jim Hunter hat flinke Fingerchen) boten einen gelungenen Querschnitt ihrer drei regulären Alben. Aber wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, wurde leider meine persönliche Lieblingsnummer "...Yet So Far" vergessen. Nun denn, war trotzdem geil, denn speziell Tracks von eben jenem "...Yet So Far"-Album wie "Morning Sun" oder "Alone" oder der "Never Comes Silence"-Brecher "Wounds Which Never Heal" sorgten in den ersten Reihen für strahlende Gesichter (oder waren da andere Substanzen im Spiel?:)).
Resümee: Selten traf der Satz ´von Fans für Fans´ den Kern der Sache besser. Das ´Doom Shall Rise´-Festival war ein Event mit Kult-Charakter, getragen von einem idealistischen Veranstalter-Team und zu einem Erfolg gemacht von wirklich allen Beteiligten! Es bleibt zu hoffen, dass die Ankündigung einer möglichen Fortsetzung im nächsten Jahr in die Tat umgesetzt werden kann. In diesem Sinne: Doom has risen!!!

Christoph Lücker - Pics: Christoph Lücker


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