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ANTIMATTER / KRISTOFFER GILDENLÖW, 25.03.2016, Zoetermeer - Boerderij


Zoetermeer - Boerderij

25.03.2016

Wir leben in einer säkularen Gesellschaft? Nun ja, zumindest anhand „stiller Feiertage“ und diesbezüglich wirksamer Feiertagsgesetze kann man hierüber doch schon wieder ins Grübeln und Diskutieren geraten. Während an Karfreitag hierzulande also unterhaltsame Tanzveranstaltungen verboten sind, Hunderte von Filmen für diesen jährlich wiederkehrenden Kalendermoment auf dem Index stehen und die Initiative ’Religionsfrei im Revier’ den Monty-Python-Klassiker „Das Leben des Brian“ nur unter Androhung (und Vollzug) eines Bußgeldes im vierten Jahr in Folge zeigen kann, erschien es für mich in meiner Konfessionsfreiheit logisch Richtung Den Haag nach Zoetermeer zu fahren, um im feinen Kulturpodium ’Boerderij’ die DVD-Recording-Show ANTIMATTERs und die „The Rain“-CD-Präsentation von KRISTOFFER GILDENLÖW leibhaftig zu erleben. In Sachen säkularer Gesellschaft sind uns unsere westlichen Nachbarn also (mal wieder) einen guten Schritt voraus, was mich in meiner Haltung einmal mehr bestätigt: ich mag die Niederlande!

KRISTOFFER GILDENLÖW mit Sicherheit auch, denn der gebürtige Schwede lebt seit vielen Jahren im Land der formidabel ausgestatteten Kulturzentren bzw. Konzerttempel. In der ´Boerderij´ zelebrierte er im Rahmen einer Albumvorstellung sein neues Solowerk „The Rain“ in voller Länge. Da ich Kristoffers diverse Aktivitäten mit PAIN OF SALVATION über DIAL und FOR ALL WE KNOW bis hin zu THE SHADOW THEORY arg schätze und auch sein Solodebüt „Rust“ sehr mochte, war ich wirklich gespannt auf eine der seltenen Performances des Multiinstrumentalisten.

Bis zu neun Musiker tummelten sich dabei zeitweise auf der geräumigen Bühne und agierten hierbei hinter einem Vorhang, auf den fortwährend filmische Sequenzen projiziert wurden, welche die anrührend melancholische bis tieftraurige Stimmung des Konzeptwerks über einen an Demenz erkrankten Menschen gehaltvoll untermalten und über die visuelle Stimulation tiefer ins Thema glitten ließen: das große Drama um Liebe, Verlust, Erinnerungen und Trauer, um Festhalten und Loslassen. Egal ob Gildenlöw dabei alleine zur simplen Pianomelodie intonierte oder sich (akustische und elektronische) Gitarren, zwei Keyboards, Geige, das formidable Rhythmusduo und bis zu fünfstimmig arrangierter Gesang zu einem eindringlichen Gesamtklang erhoben, diese spezielle Show war nichts anderes als ergreifend!
Mit der bedächtigen Atmosphäre, die die „The Rain“-Aufführung umgab, konnten noch nicht mal ANTIMATTER mithalten. Wollten sie wohl auch gar nicht, denn sie setzen - trotz aller melancholischen Schattierungen - anno 2016 auf andersartige Facetten ihres Schaffens. Ohne Gastsängerin oder Akustikblock kümmerte sich Mick Moss mit seiner mittlerweile bewährten 3er-Backing-Mannschaft nämlich um den eher rockigen Teil des Songkatalogs. Mit tollem Sound und „Killer“ vom aktuellen „The Judas Table“ (eine schönere Analogie zum Karfrei-Show-tag kann sich kein Regisseur ausdenken) gab sich der Einstieg fulminant, bevor wegen einer gerissenen Gitarrensaite (und fehlender Ersatzklampfe) gleich mal eine unfreiwillige, aber mit wenigen Worten geschickt überbrückte Zwangspause eingelegt werden musste. That’s live, und das macht es doch irgendwie auch aus, oder? Da ich erst mit „Leaving Eden“ wirklich zum ANTIMATTER-Fan bekehrt wurde und eben jenes Album mein persönliches Kleinod in der Songwriting-Diskographie des Mick Moss ist, ließen mich insbesondere der entsprechende Titeltrack und „Redemption“ abdriften, ähnliche Wirkung erzielten aber auch die „Judas...“-Kreationen „Black Eyed Man“, „Can Of Worms“ und „Stillborn Empires“ als finale Zugabe. Das Sleeping-Pulse-Projekt wurde ebenso kurzzeitig berücksichtigt wie man Pink Floyd mit „Welcome To The Machine“ Tribut zollte. Ein wenig alter Stoff („The Last Laugh“, „Over Your Shoulder“) und immer wieder eingestreute, große Teile von “Fear Of A Unique Identity” (“Paranova”, “Firewalking“, “Monochrome“, “The Parade”, “Uniformed & Black“, “Wide Awake In The Concrete Asylum”) lebten, egal wie unterschiedlich der Arrangement-Ansatz auch sein mochte, einmal mehr von Moss’ einzigartigem Timbre, seinem Gespür die emotionalen, so simpel wie genialen Lyrics in betörende Melodien zu kleiden, seiner Fähigkeit mit nur wenigen Standardakkorden eindringliche Tracks zu kreieren. Großes Gefühlskino (wahlweise: die hohe Kunst des Songwritings) nennt mal sowas wohl landläufig.

Bin schon gespannt auf die DVD, die voraussichtlich ´Live Between The Earth And Clouds´ betitelt sein wird...
Christoph Lücker - Pics: Christoph Lücker


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