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:: STEVEN WILSON ....

STEVEN WILSON, 19.01.2016, FRANKFURT - ALTE OPER


FRANKFURT - ALTE OPER

19.01.2016
Dank einer Last-Minute-Akkreditierung (Danke nochmals, Iris von CMM!) komme ich doch noch in den Genuss einer STEVEN WILSON-Show, nachdem es letztes Jahr leider nicht geklappt hatte. Umso größer ist die kurze Vorfreude, zumal das Konzert in der Alten Oper zu Frankfurt stattfindet, die ich seit der "Under The Pink"-Tour von TORI AMOS nicht mehr von innen gesehen habe. Dies ist wohl auch die letzte Gelegenheit, Wilsons Konzeptalbum "Hand.Cannot.Erase" in voller Länge live dargeboten zu bekommen. Als ich das Foyer betrete und die Merch-Preise sehe, denke ich jedoch eher "Shirt.Cannot.Afford". Für die neue Scheibe "4 1/2", die Outtakes der "Hand"- und "Raven"-Sessions enthält und am Ende der Woche offiziell erscheint, hätte ich gerne 30€ hingeblättert, aber die ist leider noch nicht im Sortiment und für ein Shirt ist mir das einfach zu viel. Im großen Saal angekommen, flackern auch schon erste Bilder aus der Kamera von Lasse Hoile auf der Leinwand hinter der Bühne. Die Sequenzen von Mr. Wilsons Haus- und Hoffotograf/-filmer werden insbesondere den ersten Teil des Konzerts begleiten und bereichern. Die charismatische Hauptdarstellerin, die die tragische Heldin Joyce Vincent der Story hinter "Hand.Cannot.Erase." so sinnlich verkörpert, sollte für den Oscar nominiert werden. Überhaupt gewinnt das Konzept dieses Meisterwerks, welches aus meiner Sicht nicht ganz an "The Raven That Refused To Sing" (Für mich das perfekte Prog-Album!) heranreicht, durch die Liveperformance nochmals enorm Strahlkraft. Aber der Reihe nach:
Zunächst überrascht uns der Meister, neben seinem ABBA-Shirt, mit einer partiell erneuerten Hintermannschaft. Die beiden ARISTOCRATS Minnemann und Govan werden, wie bei der Amerikatour vor einem Jahr, durch Craig Blundell (Drums) und Dave Kilminster (Gitarre) ersetzt. Während Letzterer mit seinem extrem gefühlvollen Spiel fast besser zum emotionalen "Hand"-Material passt als der Shredder Guthrie, vermisse ich Marcos Präzision und Punch an manchen Stellen schon ein wenig. Aber wer außer Gavin Harrison hätte das deutsche Uhrwerk auch adäquat ersetzen können? Dazu kommen wie gehabt Adam Holzman an den Keyboards und Nick Beggs an...äh...allem. Das britische Urgestein ist mittlerweile die Wilsonsche Allzweckwaffe und übernimmt neben Bass, Chapman-Stick und Backing-Vocals auch gerne mal Keyboards und Gitarre. Der Typ ist der helle Wahnsinn! Bei ´Routine´ und ´Ancestral´ erscheint, wie auf Platte, die israelische Sängerin Ninet Tayeb für den weiblichen Gesangspart und erledigt diese Aufgabe mit Bravour. Insbesondere das tieftraurige ´Routine´, das optisch durch einen animierten Videoclip unterstützt wird, ist wirklich ergreifend. Weitere Höhepunkte der ersten Konzerthälfte stellen für mich ´3 Years Older´ und ´Hand.Cannot.Erase´ dar.
Die anschließende Pause benötigt man dann auch dringend zur mentalen und körperlichen Entspannung, gerade wenn man es nicht gewohnt ist bei Konzerten zu sitzen. Das Publikum ist für einen Metalhead auch recht gewöhnungsbedürftig. Vor mir sitzt beispielsweise eine Familie mit kleinen Kindern und Papa trägt ein OPETH-Shirt aus dessen Halsausschnitt ein feiner Hemdkragen herausragt. STEVEN WILSON spricht nun mal mittlerweile ein breiteres Publikum an als vor 15 Jahren, als ich ihn mit PORCUPINE TREE zum ersten Mal im Kölner Underground live sah. Rein optisch hat sich der schlaksige Spargeltarzan seither kaum verändert. Die Haare trägt er kürzer, aber auf der Bühne läuft er immer noch barfuß rum. Seine Rolle interpretiert er mittlerweile anders und wirkt mit seinen Gesten oftmals wie ein Zeremonienmeister, der ein Orchester dirigiert. Dabei kommt er zuweilen ein wenig ungelenk rüber, insbesondere wenn er seine Gitarre nicht umhängen hat. Vom Charisma seines großen Vorbilds David Bowie, dem er im zweiten Teil des Abends ´Lazarus´ (von PORCUPINE TREE) und ´Space Oddity´ widmet, ist Steven jedenfalls noch weit entfernt. Künstlerisch ist er jedoch ein ebensolcher Gigant, was er im zweiten Teil des Sets noch einmal eindrücklich unter Beweis stellt. Er selbst spricht zwar von "some older, shittier stuff", aber jedes Stück lässt die Kinnladen vor Erstaunen weiter runterklappen.
Alleine der Einstieg mit dem beklemmenden STORM CORROSION-Track ´Drag Ropes´ ist Gänsehaut pur. Der "Grace for Drowning"-Track ´Index´ wird mit bandkollektivem Fingerschnippen eingeleitet und wirkt dank der visuellen Serienkiller-Untermalung völlig verstörend und morbide. Oder PORCUPINE TREE-Klassiker wie ´Open Car´, ´Sleep Together´ und ´Don`t Hate Me´, das dank der Unterstützung von Ninet als das Duett vorgetragen wird als das es laut Steven von Anfang an geschrieben, aber nie umgesetzt, wurde. ´My Book Of Regrets´ macht tierisch Bock auf "4 1/2" und das abschließende ´The Sound Of Muzak´ bei dem der Mitsingpart leider völlig in die Hose geht, runden ein perfektes Konzert ab. Vorher hatte Wilson sich noch über das Münchner Publikum beschwert und den Frankfurter Enthusiasmus gelobt. Vielleicht sollte er beim nächsten Mal wieder auf eine Bestuhlung verzichten, dann ist die Stimmung auch besser. Was die Setlist betrifft, so hätte zumindest eine "Raven"-Nummer ins Programm gehört. Aber hätte man allen Ansprüchen gerecht werden wollen, hätte man mindestens doppelt so lange spielen müssen und dann wären immer noch Projekte wie NO-MAN oder BLACKFIELD unberücksichtigt geblieben. Insgesamt kann man aber sicherlich jetzt schon von einem Konzerthighlight des Jahres 2016 sprechen. "Show. Will Not. Forget."
AF. - Pics: AF


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