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"BURGFOLK" - 18.08.2007, Mülheim, Schloss Broich
Mülheim, Schloss Broich

18.08.2007
Zum wiederholten Male lud Veranstalter Michael Bohnes und das „Schloss Broich“ in Mülheim zu einer Neuauflage des „Burgfolk“-Festivals und erneut war der Burghof mit ca. 1800 Besuchern nicht nur gut gefüllt, sondern auch restlos ausverkauft, was für die Klasse und die weit über die Stadtgrenzen Mülheims hinausgehende Akzeptanz des Festivals spricht. Sieben Bands spielten an diesem Spätsommertag auf, von denen wir die Mittelalterformation RABENSCHREY und die bretonische Folk-Band AN ERMINIG leider verpassten. Dem Vernehmen nach haben RABENSCHREY ein überragendes Konzert gespielt, während AN ERMINIG, von denen wir die letzten beiden Songs noch mitbekamen, spielerisch überzeugen konnten.
Es folgten RAPALJE, die für das Gros der Gäste die grosse Unbekannte waren und selbst Veranstalter Michael Bohnes hatte die Holländer vorher nie live sehen können, doch was RAPALJE dann boten, kam einen Triumphzug der Art „Veni, Vidi, Vici“ gleich. Authentischer, erfrischender und mit mehr Begeisterungsfähigkeit kann man keltischen Folk kaum darbieten und wer das Glück hatte die Band vorher bereits einmal live in Holland zu erleben, wird dies vorbehaltlos bestätigen können. Die geniale Musikalität des Trios, bestehend aus Dieb, William und Maceál, ergänzt durch einen weiteren Musiker am Dudelsack und der Flöte, ist einfach nur atemberaubend und absolut brilliant und wer die mitreissende und erfrischende Interpretation des Traditionals „Whisky In The Jar“ gehört hat, kann nicht anders als begeistert sein. Getoppt wurde dies allerdings noch durch eine Folk-Version des Manowar-Klassikers „The Crown And The Ring“, die wir für RAPALJE geschaffen war und spätestens hier auf ungeteilte Zustimmung ob der Klasse der Holländer unter den Besuchern stiess. Kaum eine andere Band im Laufe der Geschichte des „Burgfolk“-Festivals hat zu solch einem frühen Zeitpunkt des Tages soviel Zuspruch und Applaus bekommen und ich bin mir sicher, dass wir RAPALJE nicht zum letzten Mail in Mülheim erleben durften.
Schon die extrem lange Umbaupause mit pausenlosen Rückkopplungsorgien liess Schlimmes für den Auftritt von CULTUS FEROX erwarten und der gute Eindruck, den ich von den Berlinern noch vom „Miroque“-Festival aus dem „Pulp“ in Duisburg von vor einigen Jahren hatte, war schnell verflogen. Mit ohrenbetäubender Lautstärke pusteten CUTLUS FEROX ihre Interpretation mittelalterlicher Weisen in den prall gefüllten Burghof, dass es fast schon einer Körperverletzung gleich kam und sämtliche musikalische Feinheiten in einer Kakophonie aus Lärm untergingen. Zudem liess sich nicht verhehlen, dass die Band, allen voran Sänger „Der heilige St. Brandanarius“, anscheinend bereits schon vor dem Auftritt heftigst dem Alkohol zugesprochen hatte, was wenig professionell ist. Auch wenn CULTUS FEROX engagiert und mit Spielfreude zu Werke gingen, hier vor allen in Gestalt von Gitarrist Donar von Avignon und Bassist Der Professor und mit der mitgereisten Tänzerin auch was für das Auge der männlichen Festivalbesucher boten, so hinterliess der Auftritt aufgrund der gnadenlosen Lautstärke nicht nur bei mir einen faden Nachgeschmack. Den Besuchern schien es dennoch gefallen zu haben, wie die Reaktionen auf den Auftritt und die „Zugabe“-Rufe bewiesen.
Es folgten FAUN, die musikalisch im Bereich heidnisch inspirierter Mittelaltermusik unbestritten eine Kapazität sind mit ihren verhaltenen keltischen Weisen einen höchst willkommenen Kontrast zu der Lärmorgie CULTUS FEROX’ boten. Die Münchener hatten zwar mehrfach während des Konzertes mit technischen Problemen zu kämpfen, liessen sich dadurch allerdings nicht aus der Ruhe bringen und konnten nahtlos an den gelungenen Auftritt aus dem Jahre 2005 anknüpfen. Das Zusammenspiel der MusikerInnen war wieder einmal traumhaft und auch der wechselseitige Satzgesang ein wahrer Ohrenschmaus. Die elektronischen Elemente im Sound FAUNs kamen auch live gut zum Tragen und als zum Ende des Sets der Härtegrad ein wenig angezogen wurde und sich Oliver S.A. Tyr und seine Band in einen wahren Rausch spielten, kannte die Begeisterung keine Grenzen mehr und die Band rechtfertigte ihre erneute Berufung in das Line Up des diesjährigen „Burgfolk“. Ein Auftritt, der FAUN sicher viele neue Freunde beschert hat.
Auch QNTAL zählen mittlerweile schon zu den Stammgästen beim „Burgfolk“-Festival und boten auch in diesem Jahr mit ihrer Mischung aus mittelalterlichem Liedgut und elektronischen Einflüssen eine erstklassige Show, bei der Sängerin Syrah, Keyboarder Fil und Multiinstrumentalist Michael Popp einmal mehr ihre herausragende Musikalität unter Beweis stellen konnten. Unfassbar immer wieder, mit welcher Leichtigkeit QNTAL dabei diese Einflüsse, die unterschiedlicher nicht sein könnten, zu einer homogenen Mischung zusammenfügen und diese live mit einer traumwandlerischen Leichtigkeit und einer Vielzahl unterschiedlichster mittelalterlicher Instrumente präsentieren, im Mittelpunkt immer wieder Sängerin Syrah. Der Burghof wogte vor tanzenden Besuchern hin und her und als zum Ende des Konzertes mit „Ad Mortem Festinamus“ der grösste Hit in der Geschichte der Band gespielt wurde, kannte die Begeisterung keine Grenzen mehr und QNTAL bestätigten ihren Ruf als erstklassiger Live-Act mit Nachdruck.
Headliner des „Burgfolk“ waren die Finnen KORPIKLAANI, die bereits im letzten Jahr mit ihrem Humpa Metal das „Schloss Broich“ zum Wanken gebracht hatten und sich viele neue Fans erspielen konnten. So wurde der Clan des Waldes begeistert empfangen und zahlte es dem headbangenden und heftigst feiernden Publikum, darunter eine grosse Anzahl Metaller, mit einer schwungvollen und energiegeladenen Performance wieder. Showtechnisch hatte sich im Vergleich zum Vorjahr nicht viel verändert. Eine Band, die vor Spielfreude nur so strotzte und die ganze Breite der Bühne nutzte und mit Sänger Jonne ein Frontmann, der über alle Backen grinste und sich immer wieder an seinem Rentier-Geweih, das als Mikroständer fungierte, festhielt. Musikalisch kompetent sind KORPLIKAANI von der songschreiberischen Seite und der Festlegung auf eine Mischung aus finnischer Folklore, vornehmlich halt Humpa, und Metal sicher extrem limitiert, aber der Stimmung und der Partylaune des Publikums tat dies keinen Abbruch, so dass KORPIKLAANI ihre Stellung als Headliner rechtfertigen konnten.
So ging ein wieder mal hervorragendes „Burgfolk“-Festival zu Ende, das die Vorfreude auf das nächste Jahr zu schüren wusste. Der Termin steht auch bereits fest, der 16.08.2008. Wir sehen uns ...

Weitere Fotos des "Burgfolk"-Festivals findet Ihr bei den Fotogalerien.
Michael Kuhlen - Pics: Michael Kuhlen


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