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7.CASTLE ROCK - 08.07.2006, Mülheim, „Schloss Broich“
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Mülheim, „Schloss Broich“
08.07.2006
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„Castle Rock“, die siebte Auflage dieses mittlerweile fest etablierten Festivals im malerischen Innenhof des „Schloss Broich“ im Mülheim, und wieder zog es 1.800 Fans aus ganz Deutschland an die Ruhr, wo Michael Bohnes und sein Team es erneut verstanden, das besondere Flair dieses Festivals aufleben zu lassen und auch der Wettergott es gut mit allen meinte. Selbst kleine Pannen wie die späte Anlieferung der Zuschauerabsperrungen vor der Bühne liessen keine grosse Hektik aufkommen, so dass der Burghof pünktlich für den grossen Showdown und die sieben Bands des diesjährigen Festivals geöffnet werden konnte. Auch wenn abends das Spiel um den 3. Platz der Fussballweltmeisterschaft stattfand – was so in der Planung von Michael Bohnes eigentlich nicht vorgesehen war, sollte Deutschland eigentlich doch erst einen Tag später im Endspiel stehen – war der Zuschauerzuspruch ungebrochen. Und dies selbst zu einem Zeitpunkt, als zeitgleich zum SUBWY TO SALLY-Auftritt Deutschland Portugal in Stuttgart mit 3:1 nach Hause schickte.
REMEMBER TWILIGHT eröffneten pünktlich um 13:00 Uhr das 7. Mülheimer „Castle Rock“ und konnten bereits die ersten Fans vor der Bühne versammeln. Was auf CD noch ganz passabel und musikalisch ausgewogen klingt, war live dann doch relativ ernüchternd. Vom selbst proklamierten Kammermusik-Core blieb nur das „Core“ übrig, und die kammermusikalischen Elemente durch zwei Geigen und die Klarinette blieben in der Wucht der Gitarren und dem Gesang doch weitestgehend auf der Strecke. Sänger Timo sollte zudem noch stark an seiner Bühnenpräsenz feilen, denn die Kommunikation mit dem Publikum wirkte doch recht holprig und besaß eher das Niveau einer Schülerband, und auch die „Solo-Einlage“ von Gitarrist Felix mag eher das Auditorium der örtlichen Krabbelgruppe zum Ausrasten bringen, nicht aber ein Publikum, dass mit ASP und SUBWAY TO SALLY professionell agierende Bands erwartet. Musikalisch boten REMEMBER TWILIGHT solide Kost, die spielerisch kompetent, unter dem Strich aber nett und wenig aufdringlich wirkte. Ein Opener, der nicht weh tat, aber es gab in der Vergangenheit schon deutlich bessere Opener beim „Castle Rock“. (MK)
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Mit einer gewissen Skepsis schaute ich zur Bühne um dem Auftritt von THE BEAUTIFUL DISEASE beizuwohnen. Wie würden die versponnenen, vertrackten Klänge live auf einem Open Air und bei nachmittäglichem Sonnenschein funktionieren? Nach anfänglichen Schwierigkeiten beim Soundcheck, besonders beim Aussteuern des Mikrophons, konnten THE BEAUTIFUL DISEASE dann endlich anfangen. Etwas verloren wirkten sie, die drei Herren auf der grossen Bühne, mit ihrem spartanischen Equipment. Die Skepsis und ein gewisses Unverständnis ob der Darbietung, schien sich auch bei großen Teilen des Publikums weiterhin zu halten. Jene aber, die offensichtlich aufgeschlossenen Geistes waren, offenbarte sich schnell die Faszination, die THE BEAUTIFUL DISEASE ausmachen und die überraschenderweise sogar live und bei strahlendem Sonnensschein funktionierte. Die manchmal simplen, wie Kinderlieder klingenden, versponnenen Melodien, gelegentlich mit tanzbaren Rhythmen unterlegt, wurden auf der Bühne durch verstärkten E-Gitarreneinsatz etwas druckvoller gestaltet. Über allem aber thronte, die verwirrende, nicht minder faszinierende Stimme des Sängers. Wie ein kleines, schizophrenes oder gar manisch depressives Kind, vor allem aber unter ganzem Körpereinsatz, mit geschwollenen Halsadern, weit aufgerissenen Augen, erzählte, sang, kreischte, jammerte, lebte Chris Göllnitz die surrealen Texte und Sprachbilder und so entstand ein Sog, dem man sich schwer entziehen konnte. Ja, entgegen ihrem Namen, kann man THE BEAUTIFUL DISEASE als „krank“ bezeichnen, der Auftritt wirkte ein wenig, wie eine Führung durch eine psychiatrische Anstalt. Man ist fasziniert und abgestoßen gleichermaßen, man staunt, man schüttelt den Kopf und doch bleibt ein ganzer Teil dieser Melodien, dieser Darbietung im Hirn zurück, ob man will oder nicht. Auch wenn sie im restlichen, eher stimmungs- und partyorientierten Line-Up sicher die ungünstigste Position hatten - denn für THE BEAUTIFUL DISEASE braucht es mehr als den bloßen Willen zum Konsumieren - für mich gehörten die Jungs zu den Hightlights des diesjährigen „Castle Rock“. (TS)
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THANATEROS, mittlerweile ohne ex-Dreadful Shadows Basser Jenne, hatten zu Beginn ihres Sets gleich mit technischen Problemen zu kämpfen, denn das Mikro von Sänger Ben war defekt und es dauerte einige Minuten, bis Ersatz herbeigeschafft wurde. Das verbesserte die Laune des Frontmanns zwar nicht gerade, wurde aber dennoch professionell gemeistert, indem man sich einfach das Mikro von Gitarrist Karsten angelte. THANATEROS an sich, die bereits zum wiederholten Male die Bühnenbretter in Mülheim unsicher machten, stehen für harten Rock, der mit elektronischen und vor allem irischen und keltischen Elementen angereichert und vor allem live professionell dargeboten wird. Die Band ist engagiert und ist auch in der Lage das Publikum mitzureissen, doch bleibt von den Berlinern unter dem Strich einfach zu wenig übrig, um den Schritt ins wirklich grosse Rampenlicht zu tun. Wenn selbst nach Jahren als einziges Stück einer Band die Coverversion des Klassikers „Dirty Ol’ Town“ im Gedächtnis bleibt, stimmt es generell mit dem Songwriting der Band einfach nicht. Da mag die Resonanz des Publikums auf den Set THANATEROS’, so wie an diesem Tag, noch so begeisternd ausfallen. (MK)
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Lange Zeit einfach nur als billige Kopie der Dreadful Shadows abgetan, stellten die Berliner SCREAM SILENCE schon beim letzjährigen WGT unter Beweis, dass sie mehr, viel mehr sind. Und irgendwie schienen sie sich in Mülheim noch zu steigern. Man mag darüber diskutieren, ob es an der dauerhaften Einstellung des Tunes Of Dawn Gitarristen René an der zweiten Gitarre liegt … (der Bassist dieser Band ist ja schon längere Zeit bei SCREAM SILENCE an den Seiten beschäftigt). Immerhin spielen Tunes Of Dawn deutlich härteren Sound und so könnte es schon der Einfluss dieser beiden Musiker sein, der den Berlinern gerade live, eine stärkere Präsenz verschafft. SCREAM SILENCE sind straighter, schnörkelloser Gothrock, in dem sich einschmeichelnde Melodiebögen mit treibendem Rhythmus und harten Gitarrenriffs paaren, über allem eine ehr sanfte, aber nicht weniger charismatische Stimme. Vor allem dann, wenn Sänger Hardy seinen, eher zwiespältig wirkenden Hüftschwung, mit Growleinlagen ad absurdum führt. Bei SCREAM SILENCE wird nicht unnötig gepost, die Gitarren- und Bassfront tritt ab und zu nach vorne an den Bühnenrand, der Sänger setzt hin und wieder den Fuß auf die Monitorboxen … ansonsten beschränken sie sich auf ihr Handwerk. Außerdem erweisen sich die Jungs als erfrischend bodenständig und sympathisch. Gesten wie, die recht vorsichtig und nur nach vorhergehender Warnung von Basser Hagen ins Publikum geworfene Wasserflasche, könnten arrogant wirken. Aber im Endeffekt, merkt man ihnen hier an, dass da einfach nur ein paar Jungs sind, die immer schon Rock’n’Roll machen wollten und genauso von diesen Attitüden geträumt haben. Ein wenig paart sich bei SCREAM SILENCE, der Sympathiebonus einer Schülerband aus dem persönlichen Bekanntenkreis, mit musikalisch-handwerklichem Perfektionismus, was auch schnell auf das Publikum übersprang und so zog es von diesem Zeitpunkt an, deutlich mehr Leute vor die Bühne als bei den vorhergehenden Bands. Zu Recht. (TS)
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Es folgten XANDRA, die mit Abstand erfolgreichste Gothic Metal-Band aus deutschen Landen, die ich zuletzt auf ihrer gemeinsamen Tour mir ASP vor einigen Jahren erleben durfte. Seitdem hat sich einiges getan, sowohl im Lager ASPs, als auch bei XANDRIA, die bühnen- und showtechnisch erheblich an Sicherheit und Ausdrucksstärke gewonnen haben und voller Spielfreude dem mittlerweile gut gefüllten Burghof des Schlosses einheizten. Sängerin Lisa tanzte mit nackten Füssen über die Bühnenbretter, immer auf der Suche nach Blickkontakt mit einzelnen Fans oder der nach einem dankbaren Motiv gierenden Meute der Photografen im Bühnengraben, die jeder Bewegung der ausdrucksstarken Sängerin mit ihren Kameras folgten. Dass XANDRIA dabei natürlich immer wieder an Bands wie Within Temptation oder Nightwish erinnern liegt in der Natur der Sache, störte die Begeisterung des Publikums über den gelungenen Auftritt der Bielefelder Formation aber nicht im geringsten. Komisch stossen, mir zumindest, immer noch die häufig etwas arrogant wirkenden Ansagen Lisas auf, vielleicht als Folge der Nervosität. Doch das störte den positiven Gesamteindruck dieses Auftritts nicht. (MK)
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Die akustische „Once In A Lifetime“-Tour ist Geschichte, ab jetzt geben ASP wieder Volldampf, und zwar mit voller Kraft. Zum zweiten Mal rockten die Frankfurter das „Schloss Broich“ und der Popularitätsschub, den die Band in den letzten beiden Jahren und seit ihrem ersten Auftritt beim „Castle Rock“ 2004 machte sich in wahren Begeisterungsstürmen bemerkbar. Selbst die erneuten Probleme mit dem Gesangsmikro, wie bereits bei THANATEROS, brachten ASP himself nicht aus der Ruhe, sondern wurden souverän gemeistert und so konnte der Siegeszug beginnen. Beginnend bei „Singchild“ brodelte der Burghof für die nächsten fünfundsechzig Minuten und das „Ich will brennen“ für Basser Tossi durch eine verstopfte Düse aus einer der beiden Pyros und einer daraus resultierende riesigen Stichflamme beinahe zur bitteren Realität geworden wäre, ist wohl nur mit einer ganzen Schar von Schutzengeln zu erklären. Fans und Bands gaben von der ersten Sekunde an wirklich alles und die Frage, wer der eigentliche Headliner des Festivals war, manifestierte sich wohl nicht nur in meinen Gedanken. Matze, Tossi, Himmi und ASP genossen diesen Siegeszug jedenfalls in vollen Zügen und als die letzten Töne des Auftritts mit der Zugabe „Ich will brennen“ verklungen, brannten auch die Herzen der Fans wohl lichterloh. (MK)
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SUBWAY TO SALLY gehören mittlerweile wohl fest zum Stamminventar des „Castle Rock“ und auch das zeitgleich stattfindende Spiel um den 3.Platz der Fussballweltmeisterschaft liessen den Zuschauerzuspruch des ausverkauften Festivals kaum geringer werden. Nach 2001 und 2003 boten SUBWAY TO SALLY auch 2006 eine engagierte und solide Mannschaftsleistung, die von dem begeisterungsfähigen Publikum getragen wurde, sich bis auf das Bühnenbild aber kaum von den Auftritten der zurückliegenden Jahre unterschied. SUBWAY TO SALLY sind ein Stimmungsgarant und wenn der ganze Burghof gemeinsam mit dem „Knochenschiff“ in See sticht um Sieges trunken und vor Begeisterung taumelnd „Blut, Blut ... Räuber trinken Blut“ zu singen, erschliesst sich dem unvoreingenommenen Betrachter vielleicht etwas von der Faszination dieser Potsdamer Mittelalterinstitution. Eric Fish ist nach wie vor ein begnadeter Frontmann, der es weiss die Massen zum mitmachen und zum hüpfen zu animieren, während Frau Schmidt, immer etwas entrückt in die Ferne zu blicken scheint. Dass SUBWAY TO SALLY musikalisch dabei eine Klasse für sich sind, die die rockende Mittelalterszene entscheidend mitgeprägt hat, steht nach diesem wieder einmal hervorragendem Auftritt ausser Frage. Und auch die Frage nach dem eigentlichen Headliner hatte sich damit schnell wieder erledigt.
Fazit: Um es kurz und knapp zu machen: so muss ein Festival sein. Gute Bands, faire Preise, strahlendes Wetter, familiäre Atmosphäre ... wir sehen uns nächstes Jahr wieder.
Weitere Fotos vom "Castle Rock" findet Ihr in der Foto Galerie.
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Michael Kuhlen, Thomas Sabottka - Pics: Mandy Böttcher, Michael Kuhlen
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