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obliveon :: LEPROUS

LEPROUS

PITFALLS (55:11 min.)

INSIDE OUT / SONY
Wie ist das eigentlich, wenn man nichts erwartet? Der Volksmund sagt ja, dass man dann nicht enttäuscht wird. Das ist so ähnlich, als ob ein Sechstligist gegen Bayern München spielt und am Ende tatsächlich 0:12 verliert. So ähnlich müssen sich die Jungs von LEPROUS gefühlt haben, als "Pitfalls" fertig und im Kasten war. Doch was soll uns das sagen? Sogar das Label ist vorsichtig und geht mit den warnenden Worten in die Offensive, dass "Pitfalls" nicht mit dem vergleichbar ist, was die Band bisher gemacht hat. Wollen sich die Norweger also neu erfinden, nur experimentieren oder verfolgt man gar ein ganz anderes, mir nicht schlüssiges Ziel? Mit dem Einstieg ´Below´ gibt es erst einmal den gewohnten LEPROUS-Wiedererkennungswert. Einar Solbergs hohe Stimme und Gesangsstil sticht heraus und unterstreicht das besondere Merkmal der Formation. Auch musikalisch trifft man den erwartbaren Stil…wenn es dann nicht mit der Neuorientierung losgehen würde. Auf einmal ist sie weg, diese Aggressivität der Instrumente und die gesanglichen Ausbrüche in die unendlichen Höhen des Tenors. Stattdessen beherrschen die ruhigen Töne die Szenerie, es kommt so etwas wie intime Stimmung auf. Man möchte nicht stören, die Spannung knistert förmlich und auch poppige Gefilde machen sich unverhohlen breit und erschrecken mich etwas. So ganz können LEPROUS - zum Glück - nicht aus ihrer Haut, so dass es die gewohnten Ausbrüche dennoch gibt. So kommt ´Alleviate´ als spezielles Highlight daher und ´At The Bottom´ bündelt zum dramaturgisch gut aufgebauten Finale noch einmal alle Kräfte, um ordentlich Gas zu geben. Ein ´Distant Bells´ stellt den Hörer dann wieder auf eine Geduldsprobe und auch hier scheinen die alten LEPROUS durch, wenn erst nach etlichen Minuten und zähem Ringen. Neuorientierung ist ein wichtiges Thema im Rahmen einer Bandentwicklung. Die Verarbeitung persönlicher Themen – so soll Solberg mit einer Depression gekämpft haben – in der Musik sowieso und somit nicht wegzudenken. Was für die Band – wahrscheinlich – während des Entstehungsprozesses ein harter Weg war, kommt nach der Veröffentlichung zwangsläufig auf den Hörer und Fan zu. Ich mag da fast schon keine Position beziehen, aber meine Ambivalenz mag ich nicht verhehlen. Irgendwie, auch wenn die Notengebung sehr stark subjektiv geprägt ist, fällt mir die Bewertung zu "Pitfalls" schwer. Dennoch will ich mich positionieren, auch wenn ich stellenweise mit den Songs hadere und tatsächlich etwas Anderes erwartet habe. Macht euch bitte ein eigenes Bild.
7,5/10 - RB.


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