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obliveon :: ARMORED SAINT

ARMORED SAINT


Essen - Turock

04.11.2018
Sonntags zur besten Tatortzeit die Leute hinter dem Ofen vorzulocken ist sicherlich nicht ganz einfach, muss doch das Alternativprogramm einen entsprechenden Anreiz bieten. Jetzt könnte man meinen, dass der bevorstehende Live-Auftritt der Kalifornier als Grund ausreicht, doch bis kurz vor Einlass gab es immer noch Karten zu kaufen. Letztlich haben es aber die Spätentschlossenen doch noch geschafft und den Laden vollgemacht, so dass das Event doch noch mit der entsprechenden Kulisse gewürdigt wird.

Als Opener fungiert wie auch schon bei den bisherigen Auftritten eine lokale Band. Einerseits sicherlich ein guter Schachzug, weil Supporter aus dem näheren Umkreis der Band ebenfalls das Konzert besuchen. Andererseits sympathisch durchdacht, denn so erhalten verschiedene Bands die Möglichkeit, sich einem größeren Publikum vorzustellen und eine größere Bekanntheit zu erlangen. Die Lokalmatadoren in Essen sind GREYDON FIELDS, wobei es die Band bereits seit 10 Jahren gibt und man mit einer EP und zwei Langrillen im Gepäck aufwarten kann. Für den heutigen Auftritt stehen den Essenern 6 Tracks und eine Spielzeit von 30 Minuten zur Verfügung. Für das - unterstellt - anspruchsvolle Publikum hat sich das Quartett gut funktionierende Heavy Metal-Songs ausgewählt, die das Genre gut bedienen und einen ordentlichen Eindruck hinterlassen. Kleine Soundprobleme am Anfang können schnell bereinigt werden und so liefern die Jungs einen soliden Auftritt ab. Die normale Bühnenroutine ist bei den Essenern noch nicht in Fleisch und Blut übergegangen, denn die Aktionen wirken noch etwas verhalten und hölzern. Basser Patrick legt sich besonders ins Zeug, wenn er die Kamera auf sich gerichtet weiß, ein Joey Vera ist da sicherlich noch ein weit entferntes Vorbild. Auch Sänger Volker darf gerne etwas mehr aus sich herausgehen, denn die Metal-Screams habe ich bei ihm förmlich gespürt, nur kamen sie leider nicht. Trau dich, Junge, da geht noch was und es würde dem Material gut zu Gesicht stehen. Nach einer halben Stunde verabschiedete man sich mit dem Hinweis auf den nächsten Auftritt am nächsten Wochenende in Witten.
Setlist GREYDON FIELDS:
Golem
The Key
Tunguska
Sole Survivor
Island
Walking Dead
Der folgende Umbau gestaltete sich als recht einfach, dennoch zog sich der Auftritt des Headliners noch etwas hin, denn die geplante Pause beträgt 30 Minuten. Zeit, sich noch ein leckeres Giunness zapfen zu lassen. Dies schätze ich im Turock übrigens sehr, denn hier kommt das Guinness frisch vom Fass, womit das Turock so etwas wie ein Alleinstellungsmerkmal der Metal-Locations im Ruhrgebiet hat. Zwischenzeitlich hat sich der Saal auch deutlich gefüllt und die Umgebungstemperatur ist bestimmt um einige Grade angestiegen. An ein Durchkommen bis zur Bühne, insbesondere mit der Kamera, ist nicht zu denken, so dass ich mich für einen erhöhten Stand auf der Treppe entscheide.

Nach weiteren Minuten der Wartezeit verstummt dann endlich die Musik und AMORED SAINT kommen auf die Bühne, um fulminant und wie nicht anders zu erwarten mit ‘March Of The The Saint‘ loszustürmen. Die Musiker scheinen wie entfesselt und das Bewegungsspiel auf der Bühne im Vergleich zur Vorband gleicht einem guten organisierten Ameisenhaufen. Die Jungs, alle irgendwo in den Mittfünfzigern angesiedelt, sind deutlich aktiver und bewegungsfreudiger als noch die Jungspunde von GREYDON FIELDS, die zu ihrer Ehrenrettung auch etwas weniger Bühnenspielfläche hatten.

John Bush gehört definitiv zu den besten Sängern, die im Heavy Metal aktiv sind und ich kann, wenn man dem Band-Portrait zu ARMORED SAINT Glauben schenken darf, ANTHRAX verstehen, dass man als Ersatz für Joey Belladonna unbedingt ihn haben wollte. Auch an diesem Abend ist er leidenschaftlich bei der Sache und performt in seiner unnachahmlichen Art, häufig mit geschlossenen Augen und seinen Oberkörper verbiegend, dabei stimmlich von der ersten bis zur letzten Minute absolut top.
Weiter geht es mit Joey Vera, der sicherlich Namensgeber hätte sein können, wenn es für Perfektion in Sachen Bassspiel einen Namensvater gebraucht hätte. Auch Joey geht in seiner Arbeit auf, spielt häufig mit geschlossenen Augen und mit leicht vornüber gebeugtem Kopf sein Fünfsaiter. Wie sehr in der Musik aufgeht, kann man seinen stets wechselnden Grimassen entnehmen. Auch wenn die Turock-Bühne nicht so viel Platz hergibt, ist auch Joey ständig unterwegs und im Platztausch mit John, der die schmale Bühne in der Breite auslotet.

Gonzalo “Gonzo“ Sandoval machte 2016 auf sich aufmerksam, weil er sich öffentlich zu Donald Trump bekannt hat. Aber auch da war – und ist vielleicht auch noch – in guter Gesellschaft. Hier und jetzt sitzt er hinter seiner Schießbude und verleiht dem Sound eine ordentliche Portion Wucht, dass sich die Balken biegen. Bei der Soundabstimmung hat man besonderen Wert auf Drums und Bass gelegt, so fett wie der Sound aus den Boxen kommt.

Abgerundet wird der Auftritt von den beiden Gitarristen Jeff und Phil, die jeweils die Bühnenseiten flankieren und mit diverse Showeinlagen und Solis aufwarten. Womit wir auch wieder beim Auftritt angelangt sind, bei dem die Amis nach dem Opener noch ‘Long Before I Die‘ und ‘Chemical Euphoria‘ ins Publikum feuern. Warmspielen? Nicht nötig, das Quintett ist auf den Punkt da und bereit. Das Publikum? Folgt den Jungs wie Lemminge, grölt bei den Refrains mit und reckt Fäuste und Pommesgabeln.

Nach der Dreier-Auftaktrunde ein paar begrüßende Worte an das Publikum und dann geht es auch direkt los mit dem Opener ‘Reign Of Fire‘ des wahrscheinlich besten ARMORED SAINT-Albums „Symbol Of Salvation“, dessen Wiederveröffentlichung bei dieser Tour im Vordergrund steht und vollständig live gespielt wird. Nicht nur dass, es wird auch in der Reihenfolge gespielt, wie die Songs auf dem Album platziert sind. Die Fans feiern zwischendurch immer wieder die Band ab und skandieren „Armored Saint!“, was von der Band dankbar aufgenommen und honoriert wird. Gegen Ende folgt noch der Dank an das Publikum, dass es sich an einem Sonntag nicht hat nehmen lassen dieses Konzert zu besuchen. Man merkt der Band während des gesamten Auftritts an, dass jedes einzelne Bandmitglied für die Musik brennt und man mit jeder Faser will, dass dieser Auftritt einfach nur eine geile Show wird. Mit dieser Tour hat man auch ein paar schwarze Stellen in der Setlist ausgemerzt, denn angeblich wurden ‘Hanging Judge‘ und ‘Warzone‘ vorher noch nie live gespielt.
Nachdem die letzten Töne zu ‘Spineless‘ verklungen sind, räumt John auch noch mit dem Bullshit der Zugaben auf. Die Jungs bleiben einfach auf der Bühne, trinken einen Schluck und weiter geht es mit dem sogenannten Zugabeteil, den man sich einfach schenkt zu zelebrieren. Mit ‘Win Hands Down‘ und ‘Can U Deliver‘ feuert man noch zwei fette Salven ins Publikum, um sich dann nach einem fulminanten Auftritt vom Publikum zu verabschieden und einen sicheren Heimweg zu wünschen.

Setlist ARMORED SAINT:
01. March Of The Saint
02. Long Before I Die
03. Chemical Euphoria

04. Reign Of Fire
05. Dropping Like Flies
06. Last Train Home
07. Tribal Dance
08. The Truth Always Hurts
09. Half Drawn Bridge
10. Another Day
11. Symbol Of Salvation
12. Hanging Judge
13. Warzone
14. Burning Question
15. Tainted Past
16. Spineless

17. Win Hands Down
18. Can U Deliver


Was soll man nach einem solchen Auftritt noch sagen oder schreiben? Der Auftritt hat meine Erwartungshaltung tatsächlich noch toppen können, denn ich habe die Band im Sommer noch beim Rock Hard Festival gesehen und da schon das Gefühl gehabt, sie wollten die Bühne abreißen. Heute Abend und trotz der geringeren Platzverhältnisse hat die Band mindestens genauso Gas gegeben und das Publikum musikalisch ordentlich in den Arsch getreten. Sind sind definitiv eine Live-Band und jeder, der heute Abend dabei war, wird sein Kommen nicht bereuen. Wenn es nach mir geht, können die Jungs gleiches auch mit den anderen Alben machen, wobei man getrost auch auf die Vorband verzichten kann. Bei ARMORED SAINT muss kein Besucher warmgespielt werden, denn Band und Publikum sind von der ersten Sekunde an bereit. Heute gehen wir erst einmal mit einem breiten Grinsen nach Hause und freuen uns im Quadrat.
Robert Buder - Pics: Robert Buder


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