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obliveon :: FATES WARNING ....

FATES WARNING - AWAKEN THE GUARDIAN LIVE

METAL BLADE

FSK 12 / 167:28 Min. / / /

EUR
Jetzt also Butter bei die Fische: 2016 gab es genau EIN Highlight für einen Großteil der nicht eben kleinen Schar der Underground-Metaller, und die Frage muss jenseits dröger Inhaltsangabe sein, ob dieses Event die schlaflosen Nächte und die begeisterten Berichte jener, die beim Keep It True anwesend waren, rechtfertigt. Und zwar gerade, wenn man selbst nicht das Privileg hatte. Schließlich wird "Awaken The Guardian" von einigen Fans quasi-religiöse Verehrung zuteil – und gerade deshalb, weil ich das Album seit Erscheinen nicht jährlich 7.132 Mal rauf und runter gehört habe, ist mein Blick auf eine der wichtigsten VÖs des Jahres relativ ungetrübt.

Zunächst: die gut 50 Euro für die Deluxe-Version lohnen sich absolut. Das Hardbook bietet neben viel Musik eine wertige Verarbeitung und wartet zudem mit vielen großformatigen Bildern sowie drollig verpackten Postkarten auf. Was die Musik angeht: Auf Konserve lässt sich die wahre Magie eines Konzerts natürlich nur bedingt nachvollziehen; einen Versuch ist es dennoch wert. Interessant wird dieses Package insbesondere dann, wenn man seine Chronologie aufbricht: zwischen den beiden hier festgehaltenen Gigs liegen gut vier Monate, und es ist verblüffend zu sehen, wie viel selbstsicherer die Band während des ersten Konzerts in Lauda-Königshofen agiert. Anhand der reinen, kompetent abgemischten und natürlich nicht ohne Overdubs auskommenden (Jim Matheos ist schließlich Perfektionist) musikalischen Performance ist dies anhand der CDs kaum wahrnehmbar, die DVD und BluRay sind diesbezüglich jedoch äußerst informativ: wirkt die Band auf dem Deutschland-Gig relativ entspannt, ist die Nervosität bei der zwölften Ausgabe des American ProgPower geradezu bildlich greifbar, schauen die Musiker doch kontinuierlich in Richtung Mastermind Matheos, um sich zu versichern. Woran es liegt? Ein Interview könnte eventuell Licht ins Dunkel bringen.

Ansonsten: An der schieren Reproduktion von Songs lässt sich Ausstrahlung nicht fest machen. Verehrt man "Awaken The Guardian" bedingungslos, nähert man sich diesem Zeitdokument wohl genauso, wie man es tun sollte, nämlich ohne Erwartungen an die schauspielerischen Fähigkeiten der Musiker. Theatralische Musik ruft schließlich nach ebensolcher Performance, und genau diese bieten die rüstigen Mittfuffziger nur äußerst bedingt. John Arch tut, was er kann, seine Bühnenphobie zu überspielen (mit wechselhaftem Erfolg), aber eine Dickinson-reife "Rime Of The Ancient Mariner"-Darbietung ist von ihm natürlich nicht zu erwarten. Aber wenn er seine jung gebliebene Stimme zum Höhepunkt der Scheibe erhebt, nämlich jener unsterblichen Zeile "Answer me, save my will", dann will man diesen sympathisch tapsigen Ozzy-Bär des Prog schlicht umarmen – großartig! Matheos selbst, surprise, surprise, mag auch nicht Harris-like über die Bühne fegen, sondern dirigiert das Orchester stoisch und mit der Gelassenheit des wahren Philosophen. Der Rest des Ensembles schlägt sich entweder passabel (Drummer Steve Zimmerman biegt die Songs so hin, dass seine offensichtlichen Limitierungen nicht wirklich im Vordergrund stehen), solide (Basser Joe DiBiase hätte insbesondere auf das Heranzüchten seines untruen HiLaVoGaKus [hinten lang vorne ganz kurz] verzichten dürfen) oder bravourös (der unwirklich fitte Frank Aresti soliert sich ohne größere bloopers durch das komplexe Material).

Die Bürde des Entertainments liegt hier jenseits von Pyros und großen Egos insbesondere auf der schieren Sogwirkung von Songs wie "Fata Morgana", deren Melodien vom deutlich enthusiastischeren Keep It True-Publikum dank der anwesenden griechischen Touristen im Stadionformat begleitet werden. Und genau dies wird auch verhindern, dass "Awaken the Guardian Live" ein größeres Publikum ansprechen wird: hier geht es um Bedürfnisbefriedigung für (zumindest partiell) Ewiggestrige, und das ist nix Schlimmes, wenn man diese Rückwärtsgewandheit eben nicht zum Gospel erhebt. Fans werden vor diesem Package niederknien, ich werde es mir in Zukunft immer mal wieder mit Genuss zu Gemüte führen – junge Hörer werden ob der genannten, von heutigen Konsumgewohnheiten abweichenden "Defizite" die Stirn runzeln. Und genau so muss das auch sein. Hier gibt es Musik von Nerds für Nerds zu hören. "Awaken The Guardian" ist eben Stoff für eine sympathische Sekte und keine Schriftensammlung für eine Weltreligion.

PM.


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