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MEKANIK DISORDER
Spiel der Gegensätze
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César, Frontmann und Soundtüfftler der Spanischen EBM-Formation "Mekanik Disorder" spricht nicht weniger als vier Sprachen. Das alleine wäre schon Grund genug für ein Interview. Kommt dann noch die Veröffentlichung des Albums „Cold & Strong“ hinzu, wird ein Interview zur Pflicht, zumal das Gebotene internationalen Ansprüchen absolut gerecht wird und EBM aus Spanien zudem nicht unbedingt als Massenphänomen einzustufen ist. Lucy von der „Promofabrik“ nahm sich der Band an.
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Hallo César, vielen Dank, dass du dir ein paar Minuten Zeit für das Beantworten unserer Fragen nimmst. Am besten wäre es, wenn du uns Mekanik Disorder einmal kurz beschreibst.
César: >> Hallo, ich könnte Mekanik Disorder als eine Plattform beschreiben, wo man einige Dinge, die tief in mir liegen und die mit einem Sound meiner stärksten musikalischen Einflüsse nach außen gehen. Es ist ein sehr persönliches Projekt der Electronic Body Music (den Synthpop-Touch oder gar Post-Punk-Geist nicht zu vergessen, Genres, welche ich ebenso wie EBM liebe). Aber alles in einer „oldschooligen“ Weise. <<
Wann hast du deine Leidenschaft für das Musikmachen entdeckt und was hat dich letztendlich dazu gebracht, deine Songs auch zu veröffentlichen?
César: >> Nachdem ich jahrelang Musik hörte und sich eine Hingabe zu manchen Bands entwickelt hat, entschied ich mich, auch etwas zu sagen. Plötzlich realisierte ich eines Tages, dass ich mehr Zeit damit verbrachte, Musik zu kreieren, als Musik zu hören. Das war der Punkt. Und nun, wo „Caustic“ Records mir die Chance gab, ein Album zu veröffentlichen, ist das, was vor nicht einmal all zu langer Zeit immer ein Traum war, in Erfüllung gegangen. <<
Internia - ein Bandname, der in der Biografie fällt. Was kannst du uns zu diesem Projekt erzählen?
César: >> Internia war ursprünglich ein elektronisches Solo-Projekt, in welchem (seit Mitte der 90er) mein Bruder José Carlos beschlossen hatte, sich selbst musikalisch auszudrücken. Mehr oder weniger an einen ähnlichen Punkt bin ich dann ein paar Jahre später gestoßen. Niemand ahnte, wie der nächste Track klingen würde: Experimentell, Techno Pop... Internia war unberechenbar und das machte es so brillant. Auf jeden Fall öffnete er mir die Türen, um mir erstens den Sound anzuhören und mich dann daran zu wagen, an dieser Art von Musik mitzukreieren. Ich wurde ein Fan der Genres wie Synthpop und Industrial und das habe ich ihm zu verdanken. <<
Wie kam es, dass dein Bruder und du zusammen musizierten?
César: >> Er komponierte ein paar sehr nette Instrumentalstücke und dann hatte er die Chance, an einem der besten Veranstaltungsorte von Granada, dem „Planta Baja“, aufzutreten. Auf der Bühne mochte er es lieber etwas wie Vince Clarke darzustellen als selbst Frontmann zu sein, verstehst du? So bat er mich, sein Sänger zu sein und das war fantastisch für mich. Ich gab half ihm, indem ich ein paar Texte schrieb, und dank der Cover hatten wir schnell eine sehr attraktive Setlist gestaltet. <<
Unter Internia habt ihr u. a. auch Coversongs von Bands veröffentlicht, die euch selbst sehr gefallen. Welche drei Coversongs fallen dir auf Anhieb ein?
César: >> Natürlich: „Running“ (Information Society), „Photographic“ (Depeche Mode) und „Felines“ (Front 242). Zweifelsohne spreche ich hier von einigen Songs, die Teil meines Leben sind. <<
Gab es auch mal Feedback der Bands, die den Originalsong geschrieben haben?
César: >> Damals haben wir es nicht versucht, Feedback zu bekommen. Es war noch nicht das totale Internet-Zeitalter. Heute wäre es einfacher gewesen. Als ich mein erstes Cover mit Mekanik Disorder machte, bekam ich Feedback von Absolute Body Control zum Song „Melting Away“. MySpace sei Dank! Ich kontaktierte Dirk Ivens und er mochte es. <<
Was ist aus Internia geworden? Immerhin hast du ja nun dein eigenes Projekt Mekanik Disorder gegründet...
César: >> Arbeit und Familie waren Stück für Stück der Grund, weshalb mein Bruder keine Zeit mehr hatte, Musik zu machen und eine Band zu haben. Doch sicherlich, spreche ich hier von etwas ganz Normalem. Es war genau zu dem Zeitpunkt, als ich mich entschied, ein eigenes Projekt zu starten (seit Internia vermisste ich es vor allem, auf der Bühne zu sein). Wie auch immer, er liebt die Bands seines Lebens natürlich immer noch und er unterstützt Mekanik Disorder, so gut er kann. <<
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Deine Texte schreibst du in vier Sprachen: Englisch, Deutsch, Spanisch und Holländisch. Kannst du alle vier Sprachen fließend sprechen?
César: >> Gut, als erstes kann ich sagen, dass ich durchaus in der Lage bin, in diesen vier Sprachen zu schreiben und zu singen. Abgesehen von Spanisch, meiner Muttersprache, habe ich mir fließendes Englisch angeeignet. Ich habe vor Jahren einmal angefangen Deutsch zu studieren, aber ich konnte es nicht weitermachen und habe noch viel zu lernen. Trotzdem habe ich mir die Grammatik verinnerlicht und eine ganz gute Aussprache angeeignet. Niederländisch war die letzte Sprache auf die sich meine Aufmerksamkeit bezog und ich konnte es mir Dank meiner Deutschkenntnisse aneignen. <<
Was hat dich auf die Idee gebracht, so multilingual zu schreiben?
César: >> In erster Linie die Bedeutung, die ich meinen Texten gebe und natürlich auch meine Leidenschaft für Sprachen, speziell die deutschen. Meiner Meinung nach sind es die am meisten verständlichen, was Elektronik betrifft, so wie ich es verstehe. Außerdem ist es für mich wie eine neue Herausforderung. Ich versuche immer Gefühle in Deutsch auszudrücken und ich genieße es regelrecht, wenn ich es geschafft habe, etwas zu basteln. <<
Nun kommt das Debütalbum „Cold & Strong“ heraus. Was möchtest du uns mit diesem Albumtitel vermitteln?
César: >> Ich möchte dir hierzu eine kurze Antwort aus der Vergangenheit geben. Eines Tages, zu Zeiten von Internia, fragte man mich, was es heißt ein Electro-Musiker zu sein. Ich habe nur gesagt: „der kälteste Weg, um die stärksten Gefühle zum Ausdruck zu bringen“. Ohne ein Konzeptalbum zu sein, spiegelt der Titel „Cold & Strong“ mehr oder weniger das wider, was man auf dem Album finden kann, was EBM für mich bedeutet und er spricht für meinen persönlichen Weg, dies umzusetzen. <<
Welche Kriterien hattest du beim Schreiben der Texte, in welcher Sprache du einen Song verfasst? Möchtest du die Leute direkt mit dem jeweiligen Song in ihrer eigenen Sprache ansprechen?
César: >> Ich bevorzuge es, zuerst die Musik zu schreiben und dann die Texte. Die erste Idee kommt mir durch Gedanken, Gefühle, Leidenschaften, Dinge, die ich erlebt habe oder von denen ich noch immer träume. Das alles ist eng mit meiner Persönlichkeit verbunden. Und ja, die Idee kann sich auf die Sprache begrenzen, die ich gerade benutze, verstehst du: Man muß die Stimme als zusätzliches Instrument verstehen, die Sprache kann als ein erster Effekt dienen, einfach so kalt und hart wie möglich zu klingen. Chorus- und Delay-Effekte machen dann einfach nur den Rest. <<
„Stigmatized“ – ganz klar Old School EBM und absolut catchy! Was kannst du uns über diesen Song verraten?
César: >> Ich wählte „Stigmatized“ als Opener für das Album, weil ich einen bauchgefühl-mässigen Anfang wollte, ganz ohne Intro oder was auch immer. Etwas, das in der Lage war, zu zeigen, wofür Mekanik Disorder vom ersten Augenblick an steht, und das war genau dieser Song. Während man „Stigmatized“ lauscht, kann man sich mit vielen Elementen, die Mekanik Disorder definieren, identifizieren. Und es scheint, als ob die Synthiemelodie am Ende einen ruhigen Platz beschreibt, an den sich die gequälte Seele zurückziehen könnte, von der im Text gesungen wird. <<
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„Das Letzte Mal“ und auch „Ich Kontrolliere“ erinnern stark an DAF. Ist das gewollt?
César: >> Ehrlich gesagt war das mit „Ich kontrolliere“ schon gewollt. Von Anfang an war das als eine Art Tribute an den DAF-Sound gedacht, auch an deren Einstellung und Konzept. Und das ist das Resultat. Mit „Das Letzte Mal“ kam das eher unterbewußt, vielleicht weil es meine erste Komposition in Deutsch war und ich da den gesamten DAF-Geist in mir in die Waagschale geworfen habe. <<
„Hate At First Sight“ – ein schönes Wortspiel. Was gibt es über diesen Song zu berichten?
César: >> Ich liebe es mit Gegensätzen zu spielen, die eigentlich zwei Gesichter einer einzigen Sache sind. Dahinter steckt die Geschichte einer Beziehung, in der die Leidenschaft der Liebe zu schnell wuchs und dann plötzlich zu etwas wurde, was man nicht mehr kontrollieren und beherrschen konnte. Das Paradies, in dem man glaubte zu leben, was nicht mehr real. Wo hört Liebe auf und fängt der Hass also an? Oder sprechen wir über ein und dasselbe? Es ist nur eine Reflektion, aber das ist der Stoff, aus dem meine Songs geschrieben sind.
Was kann man unter dem Titel „Pieces Of Mine“ verstehen?
César: >> Das ist wahrscheinlich mein persönlichster Song überhaupt. Stell dir vor, du wachst in einer Stadt auf und bist ganz allein. Stell dir vor, du läufst herum und niemand ist da. Nach ein paar Bier und spät in der Nacht bringt jede Straße die Erinnerungen hoch, dass du hier einmal gelebt hast. Und überall ist ein Teil von dir, von den Bruchstücken, in die du zerfallen bist. An jeder Straßenecke, wo du einmal gelacht, geweint, geküsst oder getrunken hast. Das bin ich, wie ich durch Granada gehe. <<
Da meine Spanischkenntnisse nicht weit reichen, worum geht es bei „Orgullo Minero“.
César: >> Das ist vielleicht der einzige Track auf dem Album mit einer starken sozialen Inspiration. Der Song ist Almadén gewidmet, einer kleinen Stadt in Spanien, in der ich einige Monate gelebt habe. Bekannt ist sie durch ihre Quecksilber-Miene. Der Ort gelangte vor Jahren zu Wohlstand, doch jetzt ist die Miene geschlossen. Als ich das Bergwerk besichtigte, erfuhr ich die Geschichten von den Verurteilten, die hier Zwangsarbeit verrichten mussten und wie die Gefangenen vom Gefängnis in langen unterirdischen Korridoren zum Bergwerk laufen mussten – ohne je das Tageslicht sehen zu können. Und das über viele Jahre hinweg. <<
Und auch mein Holländisch ist sehr schlecht. Erzähle uns doch bitte noch etwas zu „Ik Ben God Niet“.
César: >> Die Antwort liegt in meiner Leidenschaft für das Radfahren. Vor etwa zwei Jahren las ich in der Zeitung, dass der Radsportler Frank Vandenbroucke (einer meiner Idole, leider letzten Oktober gestorben) seine Autobiographie mit dem Titel „Ik ben God niet“ geschrieben hatte. Was soviel bedeutet wie „Ich bin nicht Gott“. Und glaube mir, das hat meine Neugier für Holländisch geweckt. Ich habe den Namen gewählt, um das Stück nicht nur Vandenbroucke zu widmen, sondern auch z. B. Johan Museeuw, einem Belgischen Radfahrer, und all denen, die diesen Sport zu groß gemacht haben. Ich habe versucht, mich selbst zu inspirieren, indem ich mir vorstellte, was das Radfahren den Flämen wohl bedeutet. Die schmücken all die Straßen mit den Löwenflaggen. Ich bewundere sie wirklich. <<
Live findest du von Fran Rubiño und Gilberto Gámez. Wie kann man sich ein Konzert von euch vorstellen?
César: >> Von Anfang an wollte ich das Projekt auf die Bühne bringen. Dann brauchte ich jemanden, der mir dabei helfen konnte. Fran und Gilberto, beides Freunde von mir, sind wirklich nette Bandkollegen und sie genießen es sehr, Teil von Mekanik Disorder zu sein. Sie spielen Keyboard und Synths auf der Bühne, während ich hauptsächlich die Rolle des Frontmannes übernehme und alles rauslasse, was ich in mir habe. Wir geben den Live-Auftritten tiefe Momente, von sehr aggressiv bis verträumt. Und immer suche ich die engst mögliche Verbindung zum Publikum. <<
Wo ward ihr schon überall unterwegs und auf welchen Bühnen wird man euch zukünftig antreffen?
César: >> Neben Granada, der Heimatstadt, waren wir bisher in Südspanien: Sevilla, Almería. Nachdem ich die letzten Monate hart am Album gearbeitet habe, gibt es derzeit keine neuen Termine. Aber es ist sehr wahrscheinlich, dass wir das neue Album in Granada präsentieren werden, wo alle unsere Freunde kommen werden. Darüber hinaus wollen wir aber auch in Deutschland, Belgien und Osteuropa spielen. Und überall sonst, wo wir gefragt werden, aufzukreuzen. Ich wünschte, ich könnte jetzt bereits etwas ankündigen, aber es ist noch nichts bestätigt! <<
Im Pressetext fallen einige Bandnamen. Lass uns doch kurz auf diese eingehen und erzähle uns ganz spontan, was dir zur jeweiligen Band einfällt:
Front 242: >> The Atomium, Brüssel. <<
Calva Y Nada: >> Einer, der sich wie ein Mönch anzieht und ein Kreuz trägt... <<
à;GRUMH: >> Jesus springt über das Wasser. <<
Nitzer Ebb: Technoclub, Frankfurt - 1989.
DAF: >> Gaby Delgado, Mikrofon in der Hand, entzündete Venen, in der Menschenmenge <<singend.
Absolute Body Control: >> Ein Abschied. Eine wertvolle Art „Auf Wiedersehen“ zu sagen zu jemandem oder zu einem Ort. <<
Depeche Mode: >> Ein frisch verheiratetes Pärchen, dass ihre Flitterwochen in einer Fabrik verbringt. <<
Information Society: >> “Running“, der erste Song, den ich jemals auf der Bühne gesunden habe. <<
Portion Control: >> Electro-Punk. Lässt den Puls schneller schlagen!! <<
Force Dimension: >> Einer der am meisten in Vergessenheit geratenen EBM-Acts aus dem goldenen Zeitalter. <<
The Neon Judgement: >> Zu kalt zum atmen! <<
Vielen Dank für deine Antworten! Viel Erfolg mit „Cold & Strong“ und nun hast du doch bestimmt noch ein paar abschließende Worte für unsere Leser?
César: >> Ich danke dir für das Interview. Viele Grüße aus Spanien! <<
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Lucy von Leibnitz (Promofabrik)
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