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Georg Hösler-Weiß Brauner Filz im schwarzen Schafspelz Die brauenen Schafe der schwarzen Szene :: SOUL ON FIRE ....

SOUL ON FIRE - Leben und Musik von Peter Steele

JEFF WAGNER

VERLAG NICOLE SCHMENK

308 Seiten / 19,90 EUR
Mit dem herausragenden Schmöker “Mean Deviation: Four Decades of Progressive Heavy Metal” setzte Jeff Wagner sich und den entsprechenden (Sub-)Genres vor rund sechs Jahren ein journalistisches Denkmal. Nun hat er sich in einem wahrscheinlich mehr als aufwendigen Prozess daran gemacht die musikalische Karriere, das öffentliche Leben und die Privatsphäre eines gewissen Peter Thomas Ratajczyk, besser bekannt unter seinem Alter Ego ’Peter Steele’, zu porträtieren. Hierzu zieht er diverse, auch sauber belegte Interview-Quellen, sechzehn farbige Fotoseiten und vor allem unzählige Gespräche heran, die er persönlich mit Peter und zahlreichen Personen in seinem nahen wie weiteren Umfeld geführt hat. Dass die menschliche Erinnerung durchaus subjektiv eingefärbt ist, insbesondere in der Retrospektive verklärt erscheint und recht häufig der eigenwilligen Interpretation des jeweiligen Betrachters unterworfen wird, sollte bekannt sein und führt dazu, dass der Tatsachengehalt einiger Statements in Frage gezogen werden kann. Macht aber rein gar nichts, die gebundene Ausgabe vermittelt auch mitsamt eventueller Übertreibungen oder Nicht-Wahrheiten umfassende und interessante Einblicke in das Leben einer ambivalenten, hochkomplexen Persönlichkeit.

Dabei bildet der musikalische Weg, von ersten Schritten mit Fallout über die rüden Provokationen Carnivores bis hin zur konzeptionellen Neuerfindung (und riesigen Erfolgen) mit Type O Negative, nur eine große Säule des Buches. Vielmehr beleuchtet der Autor darüber hinaus die Selbstzweifel, die Neurosen, die Depressionen und Todessehnsüchte, die Ratajczyk schon seit frühester Jugend trieben und plagten. Dabei gelingt es Wagner die Antagonismen im Leben und Wirken des häufig (bewusst wie unbewusst) provokativen Kreativkopfes herauszuarbeiten, der nicht nur für Songwriting, Lyrik und Produktion (gemeinsam mit ’partner in crime’ Josh Silver) verantwortlich zeichnete, sondern auch die konzeptionelle, visuelle und graphische Ausrichtung seiner Bands immer entscheidend lenkte. Nachgezeichnet - ohne es vollends erklären zu können bzw. zu wollen - wird ebenso das unglaubliche Spannungsfeld, in dem sich Peter zeitlebens bewegte: der Rockstar, der seiner Zeit als Parkarbeiter in Brooklyn hinterher trauert; das sich nach der großen Liebe und einer eigenen kleinen Familie sehnende Sexsymbol; der Tabubrecher mit zwanghaftem Ordnungswahn und einem enormen Faible für Strukturen, Recht und Gesetz; der beinahe abstinente Gesundheitsfreak, der erst im Alter von 35 Jahren illegale Drogen für sich entdeckt und in eine Dekade der Abhängigkeit (Alkohol, Kokain) abrutscht; der Goth-Halbgott und Posterboy, der sich zum Ende seines Lebens dem bereits in der Kindheit erlebten Katholizismus öffnet und verschreibt (und hierbei - vielleicht auch als Folge des übermäßigen Koksens - durchaus paranoide Züge entwickelt). Dass Ratajczyks Körper just in einer mit Hoffnung und Neuorientierung einhergehenden Phase der Abstinenz und Rekonvaleszenz aufgrund einer Sepsis kollabiert, fügt sich in das mit kleinen und großen Dramen versehene, durchaus tragisch zu nennende Bild eines Lebens zwischen unvereinbaren Polen.

Das alles und noch viel mehr, inklusive Rückblicken auf Albumproduktionen und Tourneen, enthält das von Andreas Schiffmann eloquent ins Deutsche übertragene „Soul On Fire“, das mich dazu angeregt hat die Diskographie des Peter Steele mal wieder genauer in Augen- und Ohrenschein zu nehmen. Einzig und allein die immer wiederkehrenden Erklärungen welch’ besonderer Mensch Peter Thomas Ratajczyk doch war, nerven auf Dauer, denn das erschließt der Leser / die Leserin auch ohne große Vorkenntnisse (die man bei Fans dagegen voraussetzen darf), und zwar ohne es andauernd vorgekaut zu bekommen.

Fazit: sehr lesenswert!

ISBN: 978-3-943022-34-6

http://www.verlag-schmenk.de
CL.


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