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Georg Hösler-Weiß Brauner Filz im schwarzen Schafspelz Die brauenen Schafe der schwarzen Szene :: I`M THE MAN - ....

I`M THE MAN - Die Geschichte dieses Typen von ANTHRAX

SCOTT IAN

Verlag Nicole Schmenk

301 Seiten / EUR
Ich muss zugeben, Anthrax haben mich nach „Among The Living“ nie mehr so richtig interessiert und begeistert schon gar nicht. Auch ihr Mitwirken bei den Big 4 des Thrash habe ich - angesichts der Nichtberücksichtigung von Exodus und Testament - immer für beschämend gehalten und eher für ein Zugeständnis des Metallica-Managements an die amerikanische Ostküste angesehen. Nichtsdestotrotz sind „Fistful Of Metal“ als auch „Among The Living“ astreine Thrash-Alben und „Spreading The Disease“ ist sicherlich unter den besten 15-20 Thrash-Werken zu verorten.

Wie dem auch sei, Scott Ian (Rosenfeld), seines Zeichens Mitbegründer, Gitarrist und Haupttexter (übrigens eben nicht Hauptsongwriter) von Anthrax legt mit diesem Buch seine Lebensgeschichte vor, wobei es sich explizit um seine Lebensgeschichte handelt, wenngleich Anthrax sicherlich 75-80% des Buches in Anspruch nehmen. So beginnt die Geschichte denn mit der Kindheit und Jugend unseres Protagonisten in New York, die nicht so richtig glücklich war. Und spätestens mit der Beschreibung seiner Teenagerjahre fällt dem Leser an dieser Eigenbeschreibung des Menschen Scott Ian etwas auf, was in einem totalen Widerspruch zu seinem späteren Lebensweg steht. Scott Ian behauptet, er sei nie ein großer Trinker gewesen. Wenn der Leser aber erfährt, dass er schon früh mit regelmäßigem Alkoholkonsum beginnt und dann die Beschreibung der späteren Exzesse an der Seite von John Bush im nächtlichen New York oder die Tourerfahrungen mit Dimebag Darrell liest, so kommt man eher zu dem Schluss, dass Abhängige wohl dazu neigen (müssen) ihre Sucht zu relativieren. Diese Einsicht und ein verändertes Verhalten kommen spät, bedingt durch Scotts dritte Ehefrau Pearl (Tochter von Meat Loaf), retten dem Guten aber wohl das Leben.

Uns so liest sich „I’m The Man“ recht witzig, unterhaltsam und kurzweilig, gibt Einblicke in das Bandleben als auch die private Seite Scott Ians. Witzig wird es immer dann, wenn Scott private Anekdoten zum Besten gibt, wie etwa die ersten Kontakte mit Metallica im New Yorker Probebunker (für den, der das nicht bereits aus der Metallica-Bio oder jener von Dave Mustaine auswendig kennt), sein erstes Treffen und das anschließende Saufgelage mit Lemmy Kilmister oder seine ersten Treffen mit seinem zukünftigen Schwiegervater bis hin zum denkwürdigen Mailänder-Konzert der „The Big 4 Of Thrash“-Tour. Bei vielen dieser Gigs wurde Scott aufgrund der bevorstehenden Niederkunft seiner Frau bzw. den ersten Wochen nach der Geburt seines Sohnes durch Andreas Kisser an der Rhythmus-Klampfe vertreten. Als Revel 14 Tage alt war, ließ es sich allerdings nicht vermeiden, dass Scott für einen Promotermin nach Mailand nachreisen musste. Als sich die Frage stellte, ob Scott das am Abend anstehende Konzert für Andreas spielen sollte, wurde verabredet, dass Andreas beginnen und Scott bei „Indians“ zusätzlich einsteigen sollte. So stand der Gute für drei Songs seitlich hinter der Bühne und wartete nervös auf seinen Einsatz als sich Kerry King zu ihm gesellte. Der folgende Dialog lief etwa so. Kerry: “Wow, das ist ziemlich cool, oder?“ Scott: „Hast Recht, ist es!“ Kerry: „Ja, und ich bin nie dazu gekommen, mir Slayer anzusehen!“ Das ist schon einen Lacher wert.

Natürlich ist nicht alles in diesem Buch lustig. So verwundert es einen beispielsweise, mit wie wenig Emotionen Anthrax immer wieder Musiker ausgetauscht haben. Bei Neil Turbin war der Rauswurf noch eine Erleichterung, aber bei den folgenden erwartet der Leser doch mehr als nur ein minimal schlechtes Gewissen. Sei es bei Dan Lilker kurz nach dem Release des Debüts oder bei Joey Belladonna, für den der Rauswurf völlig überraschend stattfand. Und das alles wurde noch in extrem schlechtem Stil durchgezogen. So wurde Joey sein Laufpass telefonisch vom Zazula-Management mitgeteilt. Aber entgegen dem, was der Fan wohl von so einer Band erwartet, waren zumindest Anthrax nie eine wirkliche Einheit. Nirgends wird das deutlicher, als wenn Scott zum Ende des Buches vom Wiedereinstieg Joeys zu „Worship Music“ berichtet, als er freimütig gesteht, dass er nun zum ersten Mal ein recht gutes, gar freundschaftliches Verhältnis zu Joey aufgebaut hat, weil er sich einfach auf ihn als Menschen eingelassen bzw. sich überhaupt für ihn als Menschen interessiert hat. Etwas was ihm 25 Jahre zuvor anscheinend noch am Arsch vorbei gegangen war.

Kurzum, „I’m The Man“ wird nie einen Pulitzerpreis gewinnen, gewährt aber einen guten, recht ehrlichen Einblick in das Leben des Mannes, der zu großen Teilen Anthrax ausmacht…und schildert damit auch den Karrieverlauf eben jener Band! http://www.verlag-schmenk.de

Stephan Becker


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