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Georg Hösler-Weiß Brauner Filz im schwarzen Schafspelz Die brauenen Schafe der schwarzen Szene :: TALKING METAL

TALKING METAL

FRANK SCHÄFER

SCHWARZKOPF & SCHWARZKOPF

268 Seiten / 14,95 EUR
„111 Gründe, Heavy Metal zu lieben“ präsentierte Frank Schäfer zuletzt, nun spricht er METAL. Was für andere Szenen, beispielsweise die Punk-, Goth- oder Wave-Kultur bereits ein alter Hut ist, wendet Schäfer, Dr. phil., Schriftsteller, Musik- und Literaturkritiker, Hobby-Klampfer und Teil des Metal-Satire-Trios ’Read em all’ in Personalunion, nun auf die Metal-Welt an: er liefert anhand von Interviews aufschlussreiche Einsichten in das Innere der HM-Bewegung. Dabei kommt ihm ein Umstand zugute, den er selber äußerst treffend wie folgt formuliert: „…wenn man mit Metalheads über ihre Profession spricht. Man muss sich vorher eigentlich keine Fragen überlegen, die ergeben sich von selbst.“ Dies spiegelt sich in teilweise durchaus ausführlichen Interviews wider (z.B. 24 Seiten mit Produzent Sascha Paeth oder 21 Seiten mit Rock-Hard-Götz), in deren Verlauf eine Frage zur anderen kommt und sich beinahe zwangsläufig konstruktive Dialoge ergeben.

Insgesamt hat Schäfer 14 Interviews transkribiert und sich hierbei mit Szenegängern auseinander gesetzt, die vom reinen Status des ’Konsumenten’ in die Rolle des produzierenden Szene-Teils hineingewachsen sind und ihre Begeisterung entweder zum Vollzeitjob gemacht haben oder als leidenschaftliche bzw. semiprofessionelle Passion betreiben, als da wären Journalisten, Onliner, Radiomoderatoren (Spartensendung), Logo-Designer, Coverkünstler, Verleger, Produzent, A&R-Manager, Musiker, Roadie, Konzertveranstalter und Musikwissenschaftler. Der geneigte Leser erlangt hierbei sowohl Kenntnisse bezüglich der metallischen Sozialisation der Befragten als auch weit reichende bzw. tief greifende Einblicke in deren Tätigkeiten und darüber hinaus in generelle Szene-Strukturen, so dass man durchaus von einem Blick hinter in den Vorhang, hinter die Kulissen der Metal-Szene in Deutschland sprechen kann. Wer selber z.B. als Musiker, Schreiberling, Label-Mitarbeiter, Booker (…) aktiv ist, wird zwar nichts generell Neues erfahren, aber schon des Öfteren „Stimmt schon“-Aha-Erlebnisse vorfinden, dem geneigten Fan wird sicherlich die eine oder andere Neuigkeit vermittelt (Exempel: Verdienst eines Roadies, Tourkosten für einen Support, Vorkommnisse im Rahmen einer Studioproduktion usw.).

Kritikpunkte? Klar! Gibt es die nicht immer? Erstens ist der Untertitel ’Headbanger und Wackengänger - Die Szene packt aus!’ unnötig reißerisch, deplatziert und irreführend. Klingt eher nach investigativem RTL2- Enthüllungsjournalismus und die Reduktion Metal = Wacken geht mir doch erheblich gegen den Strich, denn der beinharte Szenekern lässt sich im Ballermann des hohen Norden sicherlich nicht mehr antreffen. Zweitens hätte es dem Buch vielleicht noch gut getan, wenn ein Metal-Freak, der – bewusst oder unbewusst – nicht zum ’Szene-Macher’ mutierte, sondern „einfach nur“ beinharter Fan verblieben ist, zu seiner Geschichte, seiner Passion, seiner Metal-Sozialisation befragt worden wäre. Und drittens verkommen – zum Glück nur einige wenige – Passagen zur oberflächlichen, leicht desinformierten Plauderei (Bsp.: S. 41, Interview mit Cripper-Sängerin Britta Görtz: „Einen Plattendeal haben wir ja auch nicht.“ „Habt ihr nicht?“ „Nö, nur so etwas Ähnliches.“ „Und was ist dann SAOL? “…; dies hätte man z.B. vorher recherchieren oder durch Szene-Kenntnisse wissen können, was verbales Geplänkel vermieden hätte.)

Abgesehen von dieser Erbsenzählerei ist „Talking Metal“ allerdings ein hochinteressanter, sehr empfehlenswerter Schmöker, der aufgrund seiner Struktur und Methodik dazu noch erfreulich leicht zu verschlingen ist.

Christoph Lücker


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