Obliveon - Metal und Gothic Webzine
 :: Suchen 

 :: Obliveon.de
· Home
· MySpace
· Links

  Info...
· FAQ
· Kontakt
· Impressum
 

 :: Magazin
· GESAMT
· News
· Interviews
· Konzert/Festivals
· Specials
· Foto Galerie

 :: Reviews
· GESAMT
· CD Reviews
· CD Import
· Eigenpressungen
· White Metal
· DVD/Video
· Bücher/Magazine

Interview-Section :: Index: 'S' :: SAVIOUR MACHI ....

SAVIOUR MACHINE
Ungeschminkt…
Drei lange Jahre hat es gedauert, bis Saviour Machine in der Lage waren, die "Legend"-Trilogie über die Apokalypse, die Regentschaft des Antichristen und die Rückkehr Jesus´ fortzusetzen. Drei Jahre, die für die Band geprägt waren von dem unbeugsamen Willen, das einmal Begonnene zu einem würdigen Abschluß zu bringen, ungeachtet all der Probleme, die sich durch Line-Up-Wechsel und finanzielle Engpäße immer wieder ergaben. Ganz zu schweigen von der physischen und psychischen Kraft derer es bedarf, um solch ein umfangreiches Werk unbeschadet zu überstehen. Eric Clayton, der geniale Kopf dieser Band - oder wie er es lieber nennt - dieses Projektes, ist dabei mehr wie einmal an seine Grenzen gestoßen. Neben der Kraft, die nötig war, um die Songs zu komponieren und die Texte zu schreiben, galt es immer wieder nicht nur Überzeugungsarbeit im Hinblick auf Label und Management zu leisten, sondern sich auch mit dem Unbillen der christlichen Musikszene, vor allem in den USA, auseinanderzusetzen, wo sich bis zum heutigen Tage bestimmte christliche Buchläden aufgrund angeblich pornographischer und blasphemischer Textinhalte weigern, CD´s von Eric Clayton und seiner Band zu verkaufen.
Kurz vor der Christmas Rock Night in Ennepetal Anfang Dezember, bei der Saviour Machine Headliner des Sonntags waren und das Publikum ohne Make-Up und ohne die sonst opulente Bühneneshow mit ihrem ersten Europa-Auftritt seit drei Jahren zu wahren Begeisterungsstürmen hinrissen, hatte ich telefonisch Gelegenheit, Eric Clayton über die Arbeiten an "Legend 3.1", dem musikalisch bislang härtesten Werk der Trilogie, zu befragen.
>> Ich versuche, jedes Mal ein neues Album zu machen. "Legend 2" unterscheidet sich sehr stark von "Legend 1", und "Legend 3.1" unterscheidet sich grundlegend von beiden Vorgängern. <<
Verlangt der Teil der Geschichte, die in "Legend 3.1" nun beschrieben wird, nach derart harter Musik?
>> Der Inhalt dieses Teils der Geschichte verlangte nach einer sehr klaren, sehr starren und aggressiven, zeitweise aber auch sehr gesetzten Umsetzung. Die Atmosphäre ist zum Teil sehr verzweifelt, beinahe traurig. "Legend 2" war solch eine kalte und verrückte Platte, eine Platte, die das Chaos, welches beschrieben wurde, perfekt widerspiegelte. "Legend 3.1" hat mit diesem Chaos nichts mehr gemein. Ausgehend von dem Chaos erreicht die Geschichte eine düstere und beängstigende Ära voller Trauer und Verzweiflung. Dieses Album reflektiert die Traurigkeit sehr gut und ist zudem ein sehr intimes und vertrautes Album. Genau so, wie dieser Teil der Geschichte auch erzählt werden sollte. <<
"Legend 3.1" handelt, wenn ich mich nicht irre, von der Regentschaft des Antichristen mit all der Tyrannei und all den Schrecken, die damit verbunden sind. Was können wir thematisch abschließend von "Legend 3.2" erwarten?
>> "Legend 3.1" beinhaltet den Beginn des Niederganges des Antichristen durch den Urteilsspruch Gottes, indem die Rache und der Zorn Gottes das Königreich des Antichristen überschwemmt. Zum Ende des Albums halten wir inne und werfen nochmal einen kurzen Blick zurück, bevor der letzte Part beginnt und "Legend 3.2" die Geschichte bis zur Rückkehr Jesus beenden wird. <<
Die Pause zwischen "Legend 2" und nun "Legend 3.1" betrug lange drei Jahre. Hast du während dieser Zeit ausschließlich an "Legend 3.1" gearbeitet oder bereits auch Lieder für den abschließenden Teil der Trilogie, "Legend 3.2" komponiert?
>> Ich habe beinahe zweieinhalb Jahre darauf verwendet, die Musik für beide Alben zu komponieren und zu arrangieren. Ursprünglich sollte "Legend 3" ja als Doppel-CD veröffentlicht werden. Als Massacre, unsere Plattenfirma, auf mich zukam und mir deutlich machte, "Legend 3" als Einzel-CD´s zu veröffentlichten, habe ich mich darauf konzentriert, den ersten Teil im Laufe des letzten Jahres zu veröffentlichen und die Arbeit am zweiten Teil ruhen lassen. Das haben wir dann auch so umgesetzt, indem wir sechs Monate darauf verwendet haben, das Album aufzunehmen und zu produzieren. Jetzt gönnen wir uns eine kleine Pause und in Kürze werde ich damit beginnen, den letzten Teil aufzunehmen und zu produzieren. <<
Die ersten Demos, die "Legend 3" musikalisch skizzierten, sollen dem Vernehmen nach sehr schwer zugänglich gewesen sein und sich deutlich von dem unterschieden haben, was nun mit "Legend 3.1" veröffentlicht wurde. Es war auch zu hören, daß die Zusammenarbeit mit Carljohann Grimmark von Narnia in der Qualität dieser Demos begründet lag, verbunden mit der Hoffnung, so zu songdienlicheren Strukturen zu gelangen.
>> Für eine Plattenfirma oder ein Management ist es manchmal sehr schwierig sich
Visionen hinzugeben, wie ein Projekt letzten Endes wirklich klingen wird. Ich habe meinem Management vor über einem Jahr Demos von Orchesterarrangements zukommen lassen, die dort wohl einen ziemlichen Schock ausgelöst haben. Ich habe dann versucht ihnen zu erklären, daß sie sich zu diesen Arrangements noch eine Rockband vorstellen müßten und so habe ich einige Zeit gebraucht um ihnen zu verdeutlichen, daß sie den Melodien zuhören und sich vorstellen sollten, daß sich das am Ende schon wie ein Saviour Machine-Album anhören wird. Dies mag aber auch einer der Gründe dafür sein, daß ich seit Jahren als unabhängiger Künstler tätig bin. Selbst für Leute innnerhalb der Band ist es nicht immer ganz einfach meiner Vision zu folgen, zumindest so lange, bis sie beginnt, Formen anzunehmen. Calle kam dazu, als wir mit den Aufnahmen begannen und ich erkannt habe, daß dieses Album noch nach etwas Besonderes verlangte, eine andere Art des Gitarrenspiels. Mein Bruder hat sich immer mehr als Rhythmusgitarrist verstanden. Er hat hier und da ein paar Melodien eingefügt, aber dieses Mal bedurfte es einer experimentelleren Gitarrenarbeit. Calle habe ich 1998 während der Christmas Rock Night kennen gelernt, wir haben uns dort unterhalten und ich habe ihn bereits damals wissen lassen, daß ich sehr daran interessiert wäre, mit ihm an "Legend 3" zusammenzuarbeiten. Diese Möglichkeit ergab sich also nun während der Produktion und unser Management half dabei, alles zu organisieren. Wir hatten eine tolle Zeit zusammen und haben viel mit den Gitarren experimentiert. <<

Hat sich sein Input bei Saviour Machine alleine auf das Einspielen der Gitarrenparts beschränkt oder hat Carljohann auch seinen Anteil am Songwriting gehabt?
>> Nein. "Legend 3.1" war bereits fertig geschrieben, bevor wir überhaupt ins Studio gegangen sind. Es gibt im Studio aber immer die Möglichkeit, etwas herum zu experimentieren, was wir dann auch mit verschiedenen Stilen und Techniken gemacht haben. Für mich war es sehr interessant mit ihm zu arbeiten, da er ein absoluter Profi ist, der unglaublich viel Talent mit sich bringt und sehr offen dafür ist, neue Dinge auszuprobieren. <<
Wird Carljohann auch an "Legend 3.2" mitwirken?
>> Auf jeden Fall. Wir haben bereits darüber diskutiert. Wir hatten leider nur zwei Wochen Zeit, zusammen an "Legend 3.1" zu arbeiten, ich hoffe aber, daß wir für die nächste Platte etwas mehr Zeit haben. <<
Die Position des Gitarristen ist, zumindest in Bezug auf Konzerte, bereits seit einiger Zeit vakant. Jeff Clayton, Eric´s Bruder, wurde bereits vor drei Jahren für den Auftritt bei der "Christmas Rock Night" in Enneptal durch Joshua ersetzt, der nun seinerseits durch Carljohann ersetzt wurde. Jeff Clayton erhält jedoch Credits für "Legend 3.2", so daß sich natürlich die Frage stellt, welche Position dein Bruder nun bei Saviour Machine einnimmt.
>> Jeff ist nur daran interessiert im Studio zu arbeiten und seine Verantwortung der Band gegenüber dort wahr zu nehmen. Er ist nicht mehr in der Lage live aufzutreten. Wir haben uns vor ein paar Jahren dahingehend geeinigt, daß wir "Legend" gemeinsam beenden werden, er aber nicht mehr mit uns auftreten wird. Er hat eine harte Zeit hinter sich, ist nun wieder glücklich verheiratet und hat einen Sohn, was für ihn viel wichtiger geworden ist und aus dem er auch nicht mehr herausgerissen werden möchte. Das ist okay und jede Show, die wir in Zukunft bestreiten werden, wird zusammen mit Calle sein. Was Joshua angeht, so ist er mit vielen Dingen beschäftigt. Als wir mit ihm 1998 aufgetreten sind, war dies aus der Not heraus geboren. Er ist ein Freund und ich wußte, daß er der Einzige ist, der dies in so kurzer Zeit bewerkstelligen konnte. Mit Calle haben wir im Juli auf dem Cornerstone-Festival unseren ersten gemeinsamen Auftritt bestritten, was wirklich klasse war. <<
Würdest du Carljohann denn nun als Bandmitglied im herkömmlichen Sinne betrachten, oder doch eher als Session-Musiker?
>> Ich bin mir gar nicht mal sicher, ob man bei Saviour Machine überhaupt von wirklichen Bandmitgliedern sprechen kann. Saviour Machine ist eigentlich ein Projekt, das viel zu groß ist, um es nur als Band zu betrachten. Vor allem, seitdem wir damit begonnen haben, an "Legend" zu arbeiten. Im Laufe der Jahre haben viele Leute mitgewirkt und ich glaube, niemand von uns betrachtet Saviour Machine als Band im herkömmlichen Sinne. Ich bezeichne Saviour Machine immer als ein Projekt, das größer ist, als wir alle zusammen. <<
Saviour Machine wurden im Laufe ihrer Geschichte, wie so viele Bands auch, immer wieder mit Line-Up-Wechseln konfrontiert. Einer der schmerzlichsten Wechsel ging wohl mit dem Ausstieg von Schlagzeuger Jayson Heart einher, wie Eric bitter konstatieren muß.
>> Jayson wurde gefeuert. Es gab vor seinem Rausschmiß bereits erhebliche Probleme mit ihm, die anschließend noch größer wurden. Das war eine sehr komplizerte Situation, die besser nicht in einem Interview erörtert werden sollte. <<
Jayson wurde durch Victor Deaton (ex-Wedding Party) ersetzt, die mit "Anthems" ein erstklassiges, von Eric produziertes Album veröffentlichen konnten. Was ist eigentlich aus dieser großartigen Band geworden?
>> Wedding Party haben sich im Juli 1999 aufgelöst und kurze Zeit danach begannen wir mit Victor zu arbeiten. Wedding Party waren eine großartige Band, die etwas sehr Bewegendes in sich vereint haben. <<
Kommen wir zurück zu "Legend 3.1" und der Tatsache, daß die Chöre abermals in Würzburg aufgenommen wurden, was einen nicht unerheblichen Kostenfaktor im ohnehin recht schmal bemessen Budget der Band ausmacht. Wäre es nicht einfacher mit einem amerikanischen Chor zu arbeiten, alleine um die Flugkosten zu sparen?
>> (lacht). Ja, das Problem besteht jedoch darin, einen Chor zu finden, mit dem wir wirklich Geld sparen. Viele der amerikanischen Chöre sind extrem teuer und nur schwer in der Lage, in der Kürze der Zeit auf das einzustellen, was verlangt wird. Ich hatte hier einen guten Chor gefunden, einen Universitätschor, aber als es daran ging mit den Aufnahmen zu beginnen, waren Semesterferien. Ich bin aber guter Dinge, daß sich eine Gelegenheit ergibt, für das letzte Album mit einem amerikanischem Chor zu arbeiten. <<
"Legend 3.1" beginnt mit dem "Vater unser", allerdings in Abwandlung des Textes und aus der Sicht des Antichristen. Welche Intention versteckt sich hinter dieser Abwandlung?
>> Er spricht hier in der 1.Person, wie ein Operncharakter, und wenn der Antichrist betet, so betet er zu seinem Vater. Wie die Bibel uns lehrt, wird der Antichrist immer versuchen, durch seine Mimik und seine Gestik Jesus und seine Existenz zu imitieren. Er kommt als der falsche Prophet, der uns davon zu überzeugen sucht, daß er der Messias ist. Seine Rolle ist die des Spötters, der alles verhöhnt, der die ultimative Blasphemie verkörpert. <<
Wir beide haben uns bereits häufiger über den Zustand unserer Gesellschaft und ihrer Normen unterhalten. Blickt man sich um in der Welt und betrachtet all die Mißstände oder die Versprechungen falscher Propheten, seien es nun Politiker, religiöse Führer oder sonstige Menschen mit Vorbildfunktion, könnte man durchaus zu dem Schluß gelangen, daß wir bereits in dem in "Legend 3.1" beschriebenen Babylon leben.
>> Das könnte sein. Es hat immer falsche Propheten, falsche Messias´, falsche Doktrinen und falsche Gelehrte gegeben. Vom Anfang der Erde bis zu ihrem Untergang. Von daher ist es schwierig zu sagen, ob wir nun während der letzten Stunden der Geschichte leben. Es ist schwierig für uns die Zeit richtig einzuschätzen. Wir messen den Begriff der Zeit an unseren menschlichen Maßstäben und der Geschichte der Menschheit, um Gottes Zeitempfinden nachzuempfinden. Dies zu übertragen ist schier unmöglich. Ich denke jedoch, verfolgt man den Ablauf so mancher Geschehnisse des letzten Jahrhunderts, daß jeder, der Eschatologie studiert und sich mit Bibelstudien beschäftigt, sich schwer tun wird Argumente zu finden, die nicht darauf hindeuten. Zu viele Ereignisse der letzten hundert Jahre deuten darauf hin, daß wir nicht sehr weit von diesen Ereignissen entfernt sind. Wie weit, das wissen wir nicht. <<
Vor dem Milleniumwechsel gab es eine Reihe selbsternannter Propheten und Auguren, die das Ende der Welt zu diesem Wechsel der Jahrtausende vorher gesagt haben. Nun schreiben wir bereits das Jahr 2002 und wir leben immer noch. Waren all diese Leute einfach nur nach Sensation haschende Spinner?
>> Ich denke es war falsch, daß zu viele Leute einem ganz bestimmten Jahr soviel Bedeutung zugemessen haben. Es war falsch so viele Vorhersagen zu treffen und zu erwarten, daß zum Jahrtausendwechsel irgend etwas Großes passieren wird. Historisch gesehen haben die Menschen dies während der letzten Jahrhunderte immer wieder getan und zu jedem Jahrhundertwechsel gab es eine große Massenhysterie. Wir sollten jedoch auf die Bibel hören und einzelnen Jahreszahlen nicht zuviel Bedeutung zumessen. Wir sollten stets vorbereitet sein und uns auf die Prophezeiungen der Bibel stützen, wonach niemand den Zeitpunkt voraussagen kann. <<
Die "Legend"-Trilogie nähert sich so langsam ihrem Ende, doch drängt sich mir die Frage auf, aus welcher Position dieses Epos geschrieben wurde. Aus der Position eines unbeteiligten Erzählers, eines direkt Beteiligten oder der eines neutralen Beobachters?
>> An diesem Punkt muß ich sagen, daß es aus der Geschichte eines Erzählers, also aus der Sichtweise einer dritten Person, heraus geschrieben wurde. Bei einer Geschichte solch eines Ausmaßes ist es schwierig, einen Erzähler zu nehmen und ihn an den Geschehnissen teil haben zu lassen. Der Erzähler der "Legend"-Trilogie besitzt so etwas wie eine übergeordnete Perspektive, der zu allem einen Bezug besitzt und all dies auch beobachtet. Sei nun als Visionär, als jemand, der interpretiert, als Träumender. Vieles von der Geschichte wurde in der 1.Person erzählt und die Position des Erzählers ist vielleicht vergleichbar mit der von Johannes, als er die Apokalypse beschrieb. Johannes als jemand, der Dinge offenbart und Dinge widergibt, die er beobachtet hat. <<
Nach drei bislang veröffentlichten Alben der Trilogie ist es langsam an der Zeit ein Zwischenfazit zu fällen. Hast du die selbstgesteckten Ziele und Erwartungen erfüllen können oder gibt es Dinge, die du aus heutiger Sicht bereits ändern würdest?
>> Das ist eine gute Frage. Es wird niemals einen Künstler geben, der hundertprozentig zufrieden sein wird mit dem, was er vollbracht und erschaffen hat. Als Künstler wird man immer das Gefühl haben, daß man mit etwas mehr Zeit oder etwas mehr Geld ein besseres Ergebnis mit Änderungen hier und dort erzielt hätte. Zurückblickend auf das, was ich bislang erreicht habe, bin ich Gott sehr dankbar für die Möglichkeit, das geschafft zu haben, was wir erreicht haben. Natürlich wünscht sich ein Teil von mir mehr Zeit und mehr Ressourcen zur Verfügung gehabt zu haben, aber nichtsdestotrotz bin ich sehr dankbar für das, was uns ermöglicht wurde. Betrachtet man all die Umstände, unter denen "Legend" von Anfang an entstand, so war dies ein besonderes Projekt. <<
Ein Projekt, daß nicht nur dich, sondern auch deine Familie und dein Leben über Jahre hinweg bestimmt und zweifelsohne auch belastet hat. Du hast dein ganzes Leben und deinen ganzen Tagesablauf darauf ausgerichtet, indem du nachts an Saviour Machine arbeitest. Denkst du dennoch, daß du in der Lage bist, auch deiner Verantwortung als Vater gerecht zu werden?
>> Ich habe sicherlich ein normales Familienleben. Der Grund, warum ich nachts arbeite, liegt darin, daß ich mich so tagsüber, wenn meine Frau ihrem Job nachgeht, um meine Kinder kümmern kann. Am frühen Abend verbringen wir dann gemeinsam die Zeit miteinander und wenn meine Kinder ins Bett gehen, kümmere ich mich um Saviour Machine. Ich schlafe, wann immer ich die Zeit dafür finde (lacht), meist morgens ein paar Stunden. <<
Drei Alben voll düsterer und furchteinflößender Themen, voll dramatischer und aufwühlender Kompositionen, voller Hoffnungs- und Ausweglosigkeit. Beschleicht dich nach dieser langen und intensiven Auseinandersetzung mit solch einen komplexen und schwierigen Thema nicht manchmal das Gefühl fröhlichere Musik zu komponieren und positivere Texte zu schreiben?
>> Das ist ohne Frage schwer und solch ein Projekt verlangt einem sehr viel ab. Das ist ein sehr emotionaler Fluß, eine mentale und spirituelle Müdigkeit. Aus diesem Grunde dauert es auch so lange, die Geschichte zu erzählen. Dies über einen Zeitraum von nur drei Jahren zu schaffen, würde jeden mit Sicherheit umbringen. Letzten Endes wird es sieben Jahre gedauert haben, diese Geschichte zu erzählen. Der Grund, warum es so lange gedauert hat, die letzten Platten in Angriff zu nehmen war der, daß ich vor ein paar Jahren gemerkt habe, daß wir zu schnell an diesem Projekt gearbeitet haben. Hätte ich in diesem Tempo weiter gearbeitet, hätte "Legend" nicht nur mich sondern auch meiner Familie und dem Projekt geschadet. Ich brauchte die Zeit um wieder frei atmen zu können und die Konturen zu gewinnen; um eine Balance für mein eigenes Leben zu finden. <<
Hat sich die Intensität, mit der du an "Legend" arbeitest, im Laufe der Jahre verändert? Anders gefragt, warst du jemals an dem Punkt wo du versucht warst, die Brocken hinzuschmeissen?
>> Beinahe täglich (lacht). Ich denke, es ist schwierig für Außenstehende und Ungläubige nachzuvollziehen, wie jemand über solch einen langen Zeitraum die Motivation für dieses Projekt aufbringen kann. Der Glaube ist etwas sehr kraftvolles und mein Glaube war vom ersten Moment an die treibende Kraft hinter diesem Projekt. Ohne meinen Glauben an Gott, meine Beziehung zu ihm und meinem Verständis seiner Souveränität und seiner Gnade wäre es einem Menschen unmöglich, sich dermaßen für solch eine lange Zeit auf ein Projekt zu konzentrieren und immer neu zu motivieren. Ich habe versucht, das Menschenmögliche für dieses Projekt zu tun und glaube fest daran, daß die Beendigung dieses Projektes ein kleines Wunder ist. Das mag ein großes Wort sein, aber ich empfinde es so. <<
Du hast bereits mehrfach angedeutet, daß das Ende von "Legend" auch das Ende von Saviour Machine sein wird. Was kommt danach?
>> Ich hoffe, mich auch nach Saviour Machine weiter der Musik widmen zu können. Ich bin mir über die Richtung und das Medium allerdings noch nicht sicher. Ich versuche in meinem Leben dem zu folgen, was Gott mir vorgibt. Ich wurde 1995 dazu berufen, dieses Projekt zum Leben zu erwecken und ich wußte damals, daß dies viele Jahre meines Lebens in Anspruch nehmen würde. Während der letzten sechs Jahre habe ich gelernt zu verstehen, daß es nicht so wichtig ist zu wissen, was als Nächstes kommen wird. Davon abgesehen weiß ich es auch nicht. Ich weiß nur, daß Gott es mich rechtzeitig wissen lassen wird. Ich hoffe, daß ich die Möglichkeit bekomme, mich weiter mit Musik zu beschäftigen. <<
"Legend 2" hast du mit Bruno Kramm von Das Ich produziert. Bei "Legend 3.1" findet sich mit Michael Wagener jemand hinter dem Mischpult wieder, der in Produzentenkreisen einen ausgezeichneten und Ruf genießt. Wie ist der Kontakt und die Zusammenarbeit mit ihm zustande gekommen?
>> John Billings, der das Album gemischt hat, ist ein guter Freund von Michael Wagener und das Ganze entstand aus einem merkwürdigen Zufall heraus. Ich hatte keine Ahnung, daß John in Verbindung zu Michael Wagener stand. Ich bin nach Nashville gefahren um mit John Billings, von dem ich bis dahin nur Gutes gehört hatte, das Album zu mischen. Er wurde mir von allen Seiten empfohlen. Ich habe mit jedem Album versucht denjenigen zu finden, von dem ich den Eindruck hatte, daß er sich in das Material einfühlen konnte. "Legend 2" war ein sehr chaotisches Album und Bruno war jemand, der dieses Chaos nachvollziehen und gut mit Soundeffekten umgehen konnte. Für "Legend 3" habe ich jemanden gesucht, der sehr rockorientiert und in der Lage war, diese organischen Sounds umzusetzen. Jemanden, der in der Lage war, die Intimität der Aufnahmen auch beim Mischen umzusetzen. Wir waren also bereits mehrere Tage bei den Aufnahmen, als plötzlich vollkommen unangemeldet Michael Wagener auftauchte. Er half uns einen großartigen Drumsound hinzubekommen und anschließend gaben wir ihm das Album zum Mastern an die Hand. Dies war niemals so geplant und ergab sich einfach, fast wie ein kleines Wunder. <<
Michael Wagener war und ist bekannt dafür, mit einer bestimmten Art von Bands zusammengearbeitet und ihnen seinen produktionstechnischen Stempel aufgedrückt zu haben. Hast du während der Zusammenarbeit mit ihm Angst gehabt, er könne Saviour Machine in eine andere musikalische Richtung lenken?
>> Nein, denn ich habe das Album zusammen mit John in einer ganz bestimmten Art und Weise gemischt und darauf mußte Michael aufbauen. Michael hat eine Geschichte und er hat sicherlich auch Alben von Bands produziert, die mir nicht sonderlich viel bedeuten. Er hat aber einige wirklich großartige Alben produziert, vor allem im Hinblick auf den Sound. Er hat ein erstklassiges Gehör und hat uns einen wirklich erstklassigen Sound beschert. <<
Hohe Wellen hat die Internet-Auktion auf eurer Homepage geschlagen, bei der ihr einen großen Teil eurer Bühnenrequisiten zum Ersteigern angeboten habt. Dabei waren die Mindestgebote recht happig, was schon die Frage nach den Gründen für diese Aktion aufwirft.
>> Die Gebote waren sehr hoch, das stimmt. Als unabhängige Band können wir uns leider nicht den Luxus erlauben, auf das großzügige Budget einer Plattenfirma zurückzugreifen. Wir sind über all die Jahre immer weitestgehend alleine dafür verantwortlich gewesen, das Geld für unsere Alben zusammen zu bekommen. Da wir drei Jahre weder getourt noch eine Platte veröffentlicht hatten, war es sehr schwierig, genug Geld zusammen zu bekommen, um "Legend 3.1" aufnehmen zu können. Massacre helfen uns wo sie können, aber sie sind kein finanzstarkes Label. Sie haben uns geholfen, so gut sie konnten. Dann lag es an uns, die Differenz auszugleichen. Von daher mußten wir jede Gelegenheit ergreifen, Geld zusammen zu bekommen. Die einzige Möglichkeit, die wir gesehen haben um an Geld zu kommen, war diese Auktion, wo wir bestimmte Dinge an Leute veräußert haben, die diese unbedingt haben wollten. Selbst Matthias, einer unserer Manager, hat uns durch den Kauf der großen Maske, die wir immer auf der Bühne im Hintergrund hängen hatten, unterstützt. Sie hängt jetzt bei ihm zuhause im Treppenhaus, was wirklich klasse aussieht. <<
Dieser Ausverkauf dieser zum Teil langjährigen Bühnenrequisiten hat natürlich zur Folge, daß sich eure Bühnenshow zwangsläufig verändern wird.
>> Das Problem der Tourneen von 1997 und 1998 war, daß sie immer theatralischer wurden und während der gesamten Show immer etwas passierte. Lange Songmedleys und der ständige Gebrauch von theatralischen Bühnenutensilien, vor allem während der "Legend 2"-Tour, haben unseren Shows damals eine künstlerisch sehr beeindruckende Atmosphäre vermittelt. Ich bin mit dieser Tour vor allem im Hinblick auf das, was wir visuell erreicht haben, sehr zufrieden. Ich habe aber auch den Eindruck gehabt, daß es die Leute überforderte und mancher, der unsere Shows besucht hat, das Gefühl mit nach Hause nahm, daß es zuviel an Show-Elementen war. <<
War es aber nicht gerade diese theatralische und mitreißende Show, die zum Markenzeichen der Band wurden und ihre Besucher auf einen wahren Seelentrip in ihr tiefstes Inneres geschickt haben?
>> Wir haben es vielleicht etwas auf die Spitze getrieben. Ich habe sehr viel Kritik von Leuten gehört, die unsere Show zu kompliziert, zu politisch und zu düster empfunden haben. Sie haben diese Shows nicht genießen und sich nicht wohl fühlen können, was auch verständlich ist. Die Leute wollen nicht das Gefühl vermittelt bekommen, daß sie einer Predigt beiwohnen. Unter dem Strich stand aber auch die Erkenntnis, daß sowohl die "Legend 1"- als auch die "Legend 2"-Tour für uns sehr teuer waren und es uns unmöglich war, dieses Level auch im Sinne einer finanziellen Stabilität beizubehalten. Wir haben bei beiden Tourneen sehr viel Geld verloren. Wir waren von dieser Sitaution sehr frustriert und um als Band überhaupt weiter auftreten zu können war es an der Zeit, einen Schritt zurück zu wagen und den Fans eine Show zu präsentieren, die sich mehr auf die Musik als auf das Drumherum konzentriert. Eine Saviour Machine-Show war und wird immer theatralische Elemente beinhalten, aber nicht mehr so ausufernd wie in der Vergangenheit. Eine Show, die man genießen kann und Saviour Machine nicht in den Bankrott treibt (lacht). Ich habe auch so ein Gefühl, daß uns nicht mehr viel Zeit bleibt. Es wird nicht mehr allzu viele Saviour Machine-Shows geben um uns von unseren Fans zu verabschieden und die Songs zu spielen, die sie von uns erwarten. Wir haben eine zehnjährige Karriere hinter uns und sollten unseren Fans eine Art "Best Of"-Show bieten, die unter dem Motto "Saviour Machine präsentiert seine Musik" stehen sollte. <<
Ist es aber nicht so, daß viele Fans gerade jetzt möglichst viele Songs der "Legend"-Trilogie hören wollen?
>> Wir werden natürlich viel Material von der "Legend"-Trilogie spielen, aber auch viele Songs von unseren ersten Alben. Wir haben in Cornerstone drei Stunden und nicht weniger als dreiundzwanzig Songs gespielt, die fünf Alben umfaßt haben. Die Balance war perfekt und es war in der Tat eine "Greatest Hits"-Show, was den Leuten sehr gut gefallen hat. <<
Aber sicherlich auch eine enorme physische Herausforderung für deine Stimme dargestellt hat.
>> Das stimmt. Es hat aber einen Riesenspaß gemacht. <<
Gibt es Pläne für eine Europa-Tournee in absehbarer Zeit?
>> Im Moment existieren keine Pläne für eine komplette Tour. Wir werden erst uns dann wieder mit diesem Gedanken befassen, wenn "Legend 3.2" fertig ist. Ich habe keinen Einfluß darauf, wann Masscre "Legend 3.2" veröffentlichen werden. Ich denke aber mal, daß "Legend 3.2" im Spätherbst diesen Jahres veröffentlicht werden könnte. <<
Dein Traum war und ist es, "Legend" in seiner Gesamtheit in Israel aufzuführen, was nicht nur aus finanziellen Erwägungen sondern vor allem aufgrund der politischen Situation dort wohl nicht realisierbar sein wird. Gibt es weitere Träume, die du dir mit Saviour Machine noch gerne erfüllen würdest?
>> Der Traum in Israel aufzutreten ist immer noch sehr lebendig, auch wenn die Chancen dafür sicher nicht sehr gut stehen. Wenn Gott uns diese Möglichkeit geben wird, so werden wir die Chance nutzen. Im Moment konzentriere ich mich darauf, "Legend" fertigzustellen. Mein Traum wäre es, die "Trilogie" in seiner Gesamtheit in ausgewählten Shows und an ausgewählten Orten zu präsentieren, selbst wenn uns dies nur einmal vergönnt sein sollte. Saviour Machine werden aber immer Teil meines Lebens bleiben. Zehn Jahre, meines Lebens, die ein besonderes Projekt kennzeichnen. <<
Zehn Jahre, die der (Rock)Musikwelt das vielleicht umfassendste Projekt einer Band hinterlassen wird, erarbeitet und konzipiert von jemandem, für den der Begriff des Künstlers, vielmehr aber der des Menschen in seiner offenherzigen und sympathischen Art, heutzutage nur noch selten ist; von jemandem, der die Probleme der Welt wahr nimmt und sie auf seine Weise zu lösen sucht. Eric Clayton ist ein Visionär, ohne religiöses Sendungsbewußtsein, aber mit festem Glauben an Gott und die ihm verliehenen Fähigkeiten. Zuzuhören ist der beste Weg, sich seinen Visionen anzunähern und sie zu verstehen.
http://www.saviourmachine.com
Michael Kuhlen


[ Zurück zum Index: 'S' ]
 

[ Unsere Webseite weiterempfehlen ] [ Impressum ] [ Seitenanfang ]

© Oblivion 1998-2002 Alle Rechte vorbehalten

Haftungsausschluss/Disclaimer

technisches Konzept, Programmierung & Webdesign by M. Koschinski / C. Fessler