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Interview-Section :: Index: 'S' :: STILLSTE STUN ....

STILLSTE STUND
Wir brauchen wieder mehr Inhalte und weniger Verpackung!
Nach dem kongenialen, klassisch inspirierten Konzeptalbum „Biestblut“ scheinen sich Stillste Stund mit ihrem aktuellen Album „Blendwerk Antikunst“ wieder auf „alte Tage“ zu besinnen und schließen nahtlos dort an, wo sie mit „Ursprung Paradoxum“ aufgehört haben. Wir fragten Mastermind Oliver Uckermann nach dem „Warum“ und noch nach einigen anderen Sachen.
Nun, sind wohl seit “„Biestblut“” mittlerweile zwei Jahre vergangen. Dennoch erscheint diese Zeit im Vergleich zur Entstehung von “„Biestblut“” erheblich kürzer. War es einfacher das neue Album zu machen?

>> Hm, schwer zu sagen. Wir haben zwischen allen Alben eigentlich bisher anderthalb Jahre gehabt weil immer etwas dazwischen kam. Die äußeren Einflüsse sind bei uns scheinbar die größeren Faktoren, die dabei eine Rolle spielen. Die Musik selbst weniger. Mir geht das Stücke schreiben an sich sehr leicht und schnell von der Hand, egal ob frei oder mit Konzept. Aber es ist deprimierend, wenn man dann immer wieder über ein halbes Jahr, oder so, dazwischen aussetzen muss, weil andere Sachen ja auch wichtig sind. So kam dieses Mal ein etwas umfangreicherer Umzug dazu und ich hatte über viele Monate mein Studio nicht zur Verfügung. <<

Du hattest in unserem Interview zu „Biestblut“ erzählt, dass die Grundidee sehr viel älter als das Album sei und die anderen Alben sozusagen „dazwischen kamen“.

>> Das stimmt. Wenn man es genau nimmt, stammt der Grundstein zu „„Biestblut““ aus 1996. In dem Jahr hatte ich mich sehr intensiv mit Werken von Richard Wagner und der Deutschen Spätromantik überhaupt auseinandergesetzt und war auf einer Art Klassik-Trip. Viele Themen und Motive, die später zu „„Biestblut““ wurden, sind in der Zeit entstanden. Gleiches gilt für die Texte einzelner Szenen. Ich habe heute sogar noch sehr viel unbenutztes Material herumliegen, sowohl textlich als auch musikalisch, was man glatt zu einem „„Biestblut“ II“, vielleicht aus der Sicht eines weiblichen Parallel-Wesens, werden lassen könnte. <<

“Blendwerk Antikunst” scheint eine gewisse Rückbesinnung auf die ersten zwei Alben zu sein. Ihr scheint hier wieder mehr wert auf die Tanzbarkeit gelegt zu haben. Warum nicht wieder ein Konzeptalbum wie „Biestblut“?

>> Das war eine reine Kopfentscheidung, die schon vor der Veröffentlichung von „Biestblut“ gefällt war. Ich wollte einfach kein zweites Konzeptalbum sofort nachschieben. Es gäbe viele sehr schöne Ideen und skurrile Geschichten für weitere Konzeptalben und ich brenne darauf, sie irgendwann in größerem Rahmen umsetzen zu können. Aber wir haben ja dafür auf der Limited Edition zu „Blendwerk Antikunst“ das dreiundzwanzigminütige "Endwerk" mit drauf. Die Leute, die unsere konzeptionelle und hörspielartige Seite mögen, werden „Endwerk“ sicher zu schätzen wissen. Es ist ein Track, der sich sehr langsam aufbaut, dabei eine hörspielartige Geschichte erzählt und zwar vom Ablauf her rückwärts, als wenn immer mehr Erinnerungsbröckchen bis hin zum Beginn dazukommen. Der Beginn der Geschichte stellt somit die Auflösung dar, in der einige entsetzliche und blutige DInge zum Vorschein kommen. Der Track hat etwas Rituelles und Dramatisches, was sich dann so nach ca. zwanzig Minuten entlädt. Obwohl er "nur" auf einer Bonus-CD zu finden sein wird, ist er ein echtes Stillste Stund-Highlight, finde ich. <<
Waren die Reaktionen auf „Biestblut“ zu “schlecht” und zu enttäuschend? Wie waren die Reaktionen überhaupt darauf? Oder fehlte einfach die Kraft sich noch einmal an ein so komplexes Werk zu wagen?

>> Hehe, nein, im Gegenteil, die Reaktion war überraschend gut! Der Markt hat ja zur Zeit ziemliche Absatzprobleme und die CD-Verkäufe sind allgemein eher rückläufig und dennoch konnte sich „Biestblut“ prima behaupten und hat sich genauso gut verkauft wie „Ursprung Paradoxon“. Es hat uns gezeigt, dass viele Leute gerne atmosphärische Alben mit Geschichten hören mögen und dass man sich als Musiker da ruhig mal trauen darf entgegen marktpolitischer Strategien zu handeln und der Kunst den Vorzug zu gewähren. Hierfür muss ich mich auch bei meinem Label bedanken, welches diese Eskapaden einfach mit durchgezogen hat. Ein Major-Label würde sich sowas nicht trauen, glaube ich.
Und ich kann bei der Gelegenheit vielleicht auch schon mal ein Statement zu „Blendwerk Antikunst“ abgeben. Jetzt, nur knapp einen Monat nach dem Release, ist es bereits unser meistverkauftes Album! Dafür möchten wir uns an dieser Stelle unbedingt einmal bei unseren Fans ganz groß bedanken!! <<


Wie bekommt ihr eigentlich diese Reaktionen? Live bei Konzerten doch wohl weniger. Über eure Homepage? Wie intensiv pflegt ihr überhaupt den Kontakt mit euren Fans und Hörern? Wie wichtig ist euch die Meinung „Aussenstehender“, also der Presse, der Fans, der Hörer und der Konsumenten?

>> Wir bekommen ziemlich viele Emails von den Leuten. Auch sehr lange und ausführliche Sachen manchmal. Man kann nicht alles beantworten, aber einige Kontakte bleiben sogar. Dabei ist mir gerade in diesem Jahr aufgefallen, dass das nie abebbt. Auch lange nach dem Release von „Biestblut“ nicht. Das ist im Gegensatz dazu beim Presserummel natürlich anders. Da ist viel zur Veröffentlichung los aber das wird dann auch wieder weniger.
Mir ist die Meinung der Leute schon wichtig, aber sie wird nie großen Einfluss auf unsere weiteren Vorhaben haben. Das wäre auch der falsche Weg. Mir würde das keinen Spaß machen, dann könnte ich auch Auftragsmusiker sein. Musik ist, wie andere kreative Vorgänge auch, in erster Hinsicht Selbstverwirklichung für mich, Therapie vielleicht sogar. Wenn es sich ergibt, dass wir mal Anregungen nachkommen können, weil es gerade ohnehin geplant war oder passt – immer gerne. Aber verbiegen werden wir uns nicht. <<
Ein wenig, beim ersten Hören, erscheint “Blendwerk Antikunst” sogar ein wenig wie ein “Best Off” der ersten beiden Alben. Gerade wenn man es mit “„Biestblut“” vergleicht, würde man sagen, hätte es “„Biestblut“” nicht gegeben, gäbe es nicht viel Neues auf “Blendwerk Antikunst”. In der Verwendung mancher musikalischer Elemente, Sounds und Rhythmen. So erinnert mich “Untertage” musikalisch schon sehr an “Untergang”.

>> Natürlich, es ist dieselbe Band. Wir wollten stimmungsmäßig dort anschließen, wo wir mit „Ursprung Paradoxon“ aufgehört hatten, allerdings nicht ohne in einige Richtungen zu experimentieren. Das heißt, wenn Stimmungen, Charakter und Atmosphären ähnlich wirken, haben wir dieses Ziel für uns erreicht. Musikalisch haben wir jedoch schon ein bisschen Abwechslung reinbringen können, meine ich. So sind einige Tracks extrem elektronisch, andere extrem akustisch geworden. Dazu viele Taktwechsel über das Album verteilt und Ausflüge in andere Stilistiken, bis hin zu einem mittelalterlich anmutenden irischen Jig. Und natürlich vieles dazwischen. Insgesamt ist es das energiereichste Stillste Stund-Album geworden und damit auch wesentlich tanzbarer als alle unseren vorigen Veröffentlichungen. <<

Andererseits gibt es “Alice 2” das nur das musikalische Grundthema aufgreift, ansonsten die Geschichte und die Musik aber weiter entwickelt. Stand schon damals fest, dass es von “Alice” einen zweiten Teil geben wird?

>> Nein, definitiv nicht. Das ist das Ergebnis der Reaktionen auf diesen Track. Die Leute haben uns unheimlich viel geschrieben und wollten wissen, was mit Alice los war, ob sie sich selbst im Spiegel gesehen hat oder ob sie komplett durchgeknallt ist. Ich musste diese Geschichte geradezu fortführen. Und ich kann wohl schon mal sagen, dass alles auf sehr entsetzliche Weise in einem dritten Teil "Alice III (Schwesterherz)" enden wird. <<

Ebenfalls als eine Veränderung fällt auf, das Birgit jetzt mehr singt, und nicht „nur“ Backing Vocals, oder Duettpartnerin ist. Aaber auch die Verwendung von englischen Texten fällt auf. Kannst du etwas dazu sagen?

>> Das sind einfach Experimente, die uns selbst aber so gut gefallen haben, dass wir das weiterführen wollen. Birgit wird auch in Zukunft öfter solo zu hören sein und mehr ihrer Text- sowie Songideen beisteuern. Stillste Stund wird immer mehr zu einer Einheit, was mich sehr freut.
Und die englischen Tracks haben sich einfach so ergeben. Zum einen, weil wir beide viele englische Texte herumliegen haben, zum anderen sind diese Tracks ein kleines Dankeschön an unsere Fans im Ausland. <<


Habt ihr viele Fans im Ausland, und wenn ja, wo? Ich bin etwas überrascht darüber. Für mich war Stillste Stund vor allem auch immer eine Band die gerade ihre sehr guten deutschen Texte einen eigenen Stil kreiert hat.

>> Genau das hat mich auch überrascht. Ich dachte anfangs nicht daran, dass sich jemand im Ausland für uns interessieren könnte. Aber das täuscht wohl. Nur für deutsche Ohren sind unsere Texte das Vordergründige an Stillste Stund.
Andere Leute hören eben auch die Musik und so haben wir viele Fans in Ländern wie Frankreich und Kanada, frag mich nicht warum gerade dort. Vereinzelt erreichen uns auch Zuschriften aus Südamerika oder Asien. Mich freut das sehr. Das zeigt mir, dass man die Musik auch hören kann, wenn man die Texte nicht versteht. <<
Mit “Geistunter” werdet ihr ungewohnt sehr politisch! Glaubst du, es ist an der Zeit, das Künstler und Musiker wieder politischer sind?

>> Kann man sicher mal machen. Wenn einen etwas beschäftigt und man es herausschreien muss, sollte man das tun. Ich habe mich schon öfter gefragt, ob man mal politischer werden sollte. Nicht unbedingt, um eine politische Linie zu unterstützen, sondern mehr um dieses ganze System in Frage zu stellen. Aber das ist viel Stoff und würde eher einem Manifest als einem Album entsprechen. <<

Gerade in diesem Song fällt dann auch die Verwendung einer relativ harten E-Gitarre auf.

>> Auch ein Experiment. Ich versuche mich gerne mal in alle möglichen Richtungen mit diversen Instrumenten. <<

“Blendwerk Antikunst”. Möchtest du etwas zu dem Titel sagen? „Blendwerk“ assoziiert man ja gemeinhin mit “Teufel”. Was ist “Antikunst”? Kann Kunst nicht auch Blendwerk sein? Sind Stillste Stund “Kunst”, “Antikunst” oder gar “Blendwerk”?

>> Es war irgendwie ein reizvoller Titel für mich. "Antikunst" als Begriff kenne ich eigentlich nur aus der Malerei. Ich glaube, eine extremere Bewegung innerhalb des Dadaismus, eine Gegenbewegung zu Kunst und gutbürgerlicher Gesellschaft. Antikunst hat also die Bedeutung von Gegenströmung, Non-Konformismus und vielleicht Underground im heutigen Verständnis. Blendwerk hingegen als Fassade und Maskerade.
Der Titeltrack soll einfach aufzeigen, dass Subkultur als leicht verdauliches Massenphänomen aufbereitet nur ein Widerspruch in sich sein kann.
"Blendwerk Antikunst" enthält einige gesellschaftskritische Botschaften in Hinblick auf Massenkonsum und das Fehlen der Ursprünglichkeit gerade auch in der Kunst der Subkultur. Das wird in "Untertage" und im Titeltrack "Blendwerk Antikunst" mehr als nur angedeutet.
Dieser Ausverkauf einer Subkultur, indem sie massenkompatibel gemacht wird, kann schnell dazu führen, dass Künstler sich nicht mehr trauen, etwas Neues und Ungewöhnliches zu machen und somit ihre Ideale aufgeben. Das hemmt die gesamte kulturelle Entwicklung und geht in Richtung Kommerz.
Es bleibt also nichts weiter übrig, als sich noch stärker abzugrenzen. Abgrenzung ist ein starkes Thema, das in Tracks wie "Untertage", "Lass uns der Regen sein", "Secludia X" und "Blendwerk Antikunst" zum Ausdruck kommt.
Ich muss dazu auch sagen, dass ich das alles ganz bewusst überzogen sehe um die nötige Energie in diese Thematik zu legen. Unsere Gesellschaft ist so furchtbar stumpfsinnig und blank. Das gilt ja nicht nur für die Musikkultur in diesem Lande, sondern auch für viele andere Bereiche wie Lebensmittelkonsum, Politik, Medien, Kunst usw. Was ich mir wünschen würde, ist der kritischere Umgang mit dem, was man vorgesetzt bekommt. Von einem schönen Teller wird man nicht satt, wie es so schön heißt. Wir brauchen wieder mehr Inhalte und weniger Verpackung. <<


In diesem Sinne, ein schönes Schlusswort, auf das uns Stillste Stund weiterhin „mehr“ Inhalt, aber weiterhin auch in schöner Verpackung präsentiert. Vielen Dank für das Interview und vielleicht noch ein letzter Satz.
Was wünscht du dir, für euch, für Stillste Stund, für die Zukunft und was wünscht du dir/ihr euch für/von euren Hörern?

>> Wir wünschen uns eigentlich nichts weiter, als das nächste Album möglichst schneller als die letzten fertig gestellt zu bekommen. Ich persönlich wünsche mir mehr Zeit für das alles, mehr Energie, die ich in die Musik investieren kann und irgendwann in Live-Umsetzungen vielleicht. Das ist bei mir ein echtes Problem geworden. Die Zeit fließt mir wie Sand durch die Finger, dabei habe ich so viele Ideen. Es ist manchmal sehr deprimierend.
Von unseren Fans wünsche ich mir nichts weiter, als dass sie bleiben wie sie sind und uns auch weiterhin so toll unterstützen. <<
http://www.stsillstestund.de
Thomas Sabottka


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