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Interview-Section :: Index: 'S' :: STILLSTE STUN ....

STILLSTE STUND
Stillste Stund, alleine der Name der Formation um Oliver Uckermann sagt mehr über die Musik und das Konzept dieses Projektes aus, als Worte es darzustellen in der Lage sind. Ruhe, Geborgenheit, innere Einkehr, Nachdenklichkeit, Melancholie, Einsamkeit..., dies alles sind Begriffe, die man mit der stillsten Stunde assoziieren mag und die einen Hinweis darauf liefern, was den Hörer erwartet. Einfühlsame und melancholische Klangkörper, die durch die lyrischen Texte erst wirklich zu wahrem Leben erwachsen, zuweilen tanzbar, in der Mehrzahl jedoch getragen und voller Sehnsüchte nach Harmonie und friedvoller Ausgeglichenheit; sich ergänzend in dem faszinierendem Wechselspiel zwischen dem verhaltenen Sprechgesang Olivers, dem Heavenly Voices-Gesang von Birgit Strunz und Inanis Kurzweil sowie den ungewöhnlich natürlich klingenden, auf rein elektronischem Wege erzeugten Sounds, die sich in der Summe zu einem fasznierendem Klangerlebnis etherischen Zuschnitts aufsummieren und "Ein Mensch, ein Ding, ein Traum" zu einem der wohl beeindruckendsten Debüt-Alben der vergangenen Jahre hat werden lassen.
Dabei ist die in den Texten immer wiederkehrende bewußte Nähe zur Natur und all ihrer Pracht Stilmittel und Inspiration zugleich, die in der Widmung des Albums ihren entsprechenden Niederschlag findet. Dort heißt es: "Für alle, die sich fremd fühlen in dieser Welt und oftmals eher eine Verbundenheit zu Bäumen als zu den meisten Menschen verspüren..." Diese Zitat läßt sehr deutlich darauf schließen, daß man von Seiten der Band dem Sozialisationsverhalten ihrer Mitmenschen doch sehr kritisch gegenüber steht und lieber die Distanz zu ihnen, denn ihre Nähe sucht, wie Oliver bestätigt. >> Kritisch auf jeden Fall und oft gehe ich wohl auch auf Distanz. Vielleicht eine Art Selbstschutz. Aber irgendwo fühle ich mich auch mitverantwortlich und versuche etwas zu ändern. Das geht natürlich eher im direkten Umfeld als in größerem Rahmen - leider. Ich gehöre jedenfalls nicht zu den Leuten, die sich nur beschweren und nicht versuchen etwas zu bewirken. << Ist das Komponieren daher eher der Ausdruck der Verarbeitung derjenigen Einflüße und Dinge, die uns tagtäglich umgeben und - vielleicht ganz unbewußt - beeinflussen, oder die bewußte Flucht aus einer Realität, die als Bürde empfunden wird und von der man so versucht, die Augen zu verschließen? >> Beides trifft gleichermaßen zu. Die Musik war für mich immer schon ein Refugium. Musikalisch und textlich kann ich mich dort in andere Welten zurückziehen oder Bilder, die oft vor meinen Augen ablaufen, umsetzen. So drängte sich mir z.B. auch die Geschichte in "Tausende von Welten" geradezu auf. Ich bin der Überzeugung, daß diese Traumwelten irgendwo existieren - so lange wir nur an sie denken und sie nicht vergessen. Ja, manchmal fühle ich mich diesen Welten näher, als der scheinbar "realen". << Nun spricht diese Widmung von einer Nähe zu Bäumen, zur Natur im allgemeinen, die in Ruhe und Abgeschiedenheit genießen zu können in unserer dicht besiedelten Landschaft und einer Zeit, in der Hektik unser tägliches Leben bestimmt, nur noch den Wenigsten vergönnt ist. >> Ich würde tatsächlich nicht mehr in einer Stadt leben wollen. Ich komme zwar ursprünglich aus einer Großstadt und es ist auch oft ein gutes Gefühl sie in der Nähe zu wissen, um mal was erledigen zu können oder zu kulturellen Zwecken, aber ich brauche auch die Möglichkeit, mich von all dem Trubel jederzeit zurückziehen zu können. Am besten in meinen Wald. << Wie der Wald, so spiegelt auch das Album ein Bild von Harmonie, Ruhe und Frieden wider, indem Texte und Musik ein fein aufeinander abgestimmte Einheit bilden, die durch keinerlei Mißtöne oder Dissonanzen gestört wird und sich auf wundervolle und künstlerisch höchst anspruchsvolle Art und Weise miteinander verbinden. Präferenzen, gleich ob musikalischer oder lyrischer Art, sind Oliver fremd und so ist diese beeindruckende Einheit Ausdruck tiefempfundener Leidenschaft und Hingabe für das Geschaffene. >> Das einzige Ziel ist es, sich keinem Konzept zu unterwerfen. Musik und Texte sind ganz natürlich zusammengewachsen. Teilweise sind die Sachen parallel entstanden. Und wenn es darum ging zu einem älteren Titel einen Text zu schreiben, oder umgekehrt, habe ich nicht angefangen, bevor ich mich wieder in der entsprechenden Stimmung befand. Es ist für mich wichtig, eine sehr konkrete Stimmung in einem Stück festzuhalten und zu verfolgen. Ob mir das gelungen ist, merke ich dann erst später, wenn ich nach längerer Zeit und mit Abstand die Sachen höre. Kommen die alten Gefühle dabei wieder hoch, hat es funktioniert. Prioritäten auf Musik oder Text gibt es bei Stillste Stund generell keine. <<
Was zum Teil die Homogenität des Albums erklären mag, aber eben nur zum Teil, denn "Ein Mensch, ein Ding, ein Traum" spiegelt dermaßen unterschiedliche Stimmungen wider, daß die Ausgeglichenheit, die sich durch alle musikalischen Stimmungen des Albums zieht, nur das Produkt einer Persönlichkeit sein kann, die ihren Lebensmittelpunkt gefunden hat und eine tiefe innere Ausgeglichenheit und Zufriedenheit ihr Eigen nennt, sich aber nicht vor der Welt verschließt und durch diese Aufgeschlossenheit ständig neue Inspiration gewinnt. >> Inspirationsquellen können überall liegen. Ich habe mich in der Zeit, in der "Ein Mensch, ein Ding, ein Traum" entstanden ist, viel mit Friedrich Nietzsche beschäftigt. Das hat sich dann in "Furchtbare Herrin" niedergeschlagen. Aber es ist eher selten der Fall, daß ich ein Stück auf eine konkrete Quelle zurückführen kann. Oft ist es ja ein Zusammenspiel von Eindrücken, das man in Musik und Text verarbeitet. Generell entstehen neue Titel, wenn mich etwas besonders aufwühlt. Gut tanzbare Stücke wie beispielsweise "Der Untergang", "Kains Kinder" oder "Von der Tiefe" kommen dann zustande, weil sich ihre Inhalte nur mit dieser brachialen Energie entsprechend transportieren lassen. << Wobei selbst diese (vermeintliche) Brachialität eher den Ausdruck von Emotionalität und innerer Ruhe in sich birgt, als das, was man sonst so langläufig mit diesem Begriff in Verbindung bringt. Bei soviel Homogenität liegt jedoch auch der Verdacht nahe, daß "Ein Mensch, ein Ding, ein Traum" ein Album ist, dem ein feststehendes Konzept zugrunde liegt. >> Nicht wirklich, oder zumindest nicht geplant. Für mich persönlich gibt es natürlich einen sehr intensiven gefühlsmäßigen Zusammenhang zwischen allen Titeln auf diesem Album. Ob es diese Wirkung dann auch nach außen hat kann ich nicht objektiv beurteilen und das steht für mich auch nicht unbedingt im Vordergrund. Das ergibt sich dann schon. << So wie die Musik Ruhe und Geborgenheit ausstrahlt, so paßt sich auch das Cover mit seinem fantasymäßigem Motiv hervorragend in den ruhigen Gesamtkontext des Albums ein, wobei das Motiv des unschuldigen Mädchens inmitten von kleinen und zartfühligen Wesen die Intensität und Integrität des Albums kaum besser hätte treffen können. >> Ich wollte einfach etwas unschuldiges, feinfühliges haben. Das Bild von dem Mädchen umgeben von elfenhaften Gestalten auf einer Waldlichtung schien mir irgendwie passend. Elfen spielen ja ein zentrale Rolle in einigen Texten auf dem Album. <<
Im krassen Gegensatz zum Bild der Unschuld, das einem das Bild der Elfe suggeriert, steht der biblische Kain und somit all der Symbolgehalt des Brudermordes, der sich dahinter verbirgt. Entsprechung findet diese Symbolik in "Kains Kinder", wobei sich das Bild der Kinder Kains doch wohl nur auf den Zustand der heutigen Gesellschaft und somit jeden Einzelnen, der in dieser Gesellschaft sein Dasein fristet, beziehen kann? >> Wir waren immer Kains Kinder und es wird sich in absehbarer Zeit auch nichts daran ändern. Aber es wird zum Glück auch immer Leute geben, die sich gegen Gewalt aussprechen, die sich nicht anpassen, deren Gedanken nicht mit dem großen Strom fließen ... hoffe ich. << Dem kann man nur beipflichten, obwohl die Tendenz, sich der Gewalt gegen Minderheiten in unserer Gesellschaft durch Wegsehen zu entziehen, stetig wächst. Eine mögliche Alternative scheint da, wie Stillste Stund eindringlich darstellen, die intensive Beschäftigung mit sich selbst und seiner Phantasie, während für unsere Träume und unsere Sehnsüchte im hektischen Alltagsleben ohnehin kein Raum mehr zu sein scheint und die von nicht wenigen so sehnsüchtig vermißt werden, Oliver eingeschlossen. >> "Vermissen" - absolut! Es sind doch immer Sehnsüchte, die den Antrieb geben. Die Sehnsüchte der meisten Menschen werden meiner Meinung nach viel zu stark überlagert von den oberflächlichen Nutzlosigkeiten des Alltags. Man findet dann schwer zu den ursprünglichen Dingen zurück, die wirklich wichtig sind. << Gleichzeitg läuft man aber auch Gefahr, den Blick und den Sinn für die Realität zu verlieren, indem man sich in seine Traumwelten ergibt. >> Oh, nein, es ist nicht in diesem Sinne eine Flucht. Es ist kein Rückzug, um sich geschlagen zu zeigen oder aufzugeben. Das würde meiner Natur auch nicht entsprechen. Es ist ein Rückzug zum Sammeln von Kräften, zum Schaffen von Klarheit, um den Sinn für wichtige Dinge im Leben zu schärfen, um sich immer wieder klar zu machen, wohin man überhaupt gehört. Du hast absolut recht: man muß sich seinen Problemen stellen. Wer dies nicht tut, wird nie wachsen und sich nie weiterentwickeln können. << Es fällt auf, daß sich Stillste Stund respektive Oliver in Liedern wie "Kains Kinder", "Der Untergang", "Eleonores Auge" oder "Heimweg" häufig religiöser Motive bedient, wobei sich natürlich die Frage stellt, ob dies alleine auf dem Symbogehalt beruht, der religiösen Motiven im allgemeinen zugesprochen wird, oder die Verwendung dieser Motive aus einem möglichen Glauben Olivers heraus resultiert. >> Ich glaube nicht im Sinne irgendeiner Religion und schon gar nicht im Sinne der christlichen Religionen. Man kann sich doch nur an den Kopf fassen, wenn man sieht wie viele Menschen einen Ersatz für die gähnende Leere in sich benötigen und sich daher blind auslutschen lassen von irgendwelchen selbstsüchtigen, raffgierigen religiösen Vertretern. Die Menschheitsgeschichte verdankt ihren Religionen die meisten Kriege! Tatsächlich geht von biblischen Bildern eine besondere Energie aus. Wahrscheinlich, weil in den Leuten mit diesen Bildern seit je her Ängste hervorgerufen wurden, um sie an die Kirchen zu binden. << Wagen wir zum Abschluß unseres Interviews zusammen mit Oliver noch einen kurzen Ausblick auf die Zukunft Stillste Stund´: >> Wir sind bereits mit neuen Titeln voll beschäftigt. Musikalisch wird es eine Weiterentwicklung zu "Ein Mensch, ein Ding, ein Traum" geben. Inhaltlich wird sich die Thematik leicht verlagern. Viel Absurdes und Surrealistisches wird neben sehr persönlichen Themen auftauchen. Aber ich will da nicht zu viel verraten. <<
http://www.stillstestund.de
Michael Kuhlen


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