Obliveon - Metal und Gothic Webzine
 :: Suchen 

 :: Obliveon.de
· Home
· MySpace
· Links

  Info...
· FAQ
· Kontakt
· Impressum
 

 :: Magazin
· GESAMT
· News
· Interviews
· Konzert/Festivals
· Specials
· Foto Galerie

 :: Reviews
· GESAMT
· CD Reviews
· CD Import
· Eigenpressungen
· White Metal
· DVD/Video
· Bücher/Magazine

Interview-Section :: Index: 'H' :: HELIUM VOLA

HELIUM VOLA
In lichter Farbe klingt die Muse
Ernst Horn ist ein Klangmagier und ein Ausnahmekünstler par excellence, sei es nun zusammen mit Alexander Veljanov als Deine Lakaien, als Soloartist, als Mitbegründer Qntals oder mit Helium Vola, die er zusammen mit Sabine Lutzenberger nach seinem Ausstieg bei Qntal gegründet hat. Horns Klangtüfteleien und akribische Soundcollagen sind einzigartig und in der Kombination mit seinem klassich geschulten Ohr und der Vorliebe für Musik vergangener Epochen voller Faszination für seine Zuhörerschaft. „Liod“ ist das in Kürze erscheinende zweite Album Helium Volas, ein Album voller Lieder für und über die Frauen, das einen Bogen spannt aus den grauen Tagen des Mittelalters bis hin zum Hier und Jetzt, wobei ganz deutlich zu spüren ist, dass die gesellschaftlichen Probleme sich über die Jahrhunderte hinweg kaum verändert haben. Erstaunlich ist jedoch, dass Ernst Horn mit seinem Schaffen sowohl den musikalischen Avantgardisten, den klassischen Gruftie, die anspruchsvolle Pop Musik-Fraktion aber auch die Mttelalterszene anspricht und dabei gleichermassen viel Akzeptanz erfährt. So traf sich Thomas mit Ernst Horn, um einen Blick auf seine Arbeitsweise als Musiker und Komponist und dem möglichen Ansinnen hinter Helium Vola zu werfen.
Laut Infozettel hast du mal gesagt „dass du keine Musik für die Love Parade machst, sondern für ein anderes Publikum“. Könntest du dein anderes Publikum definieren?
>> Nein eigentlich nicht. Das ist so ein Spruch, ich weiß auch nicht warum das jetzt da drin steht. Das ist so ein Spruch, der wäre vielleicht vor zehn Jahren noch zündend gewesen. Aber inzwischen schimpft eh jeder über die Love Parade. Da ist es müssig noch so ein Spruch rauszuhauen. Das schreiben die halt immer so. Aber im Grunde wäre mir natürlich das liebste Publikum einfach alle. Alle, die gerne Musik hören. Aber das ist ja auch ein Spruch. (lacht) Doch was solls. Es ist natürlich klar, das ich irgendwo mit der „Szene“ behaftet bin. Dann sind da vielleicht ein paar, die von einem anderen Zirkel kommen, so von der klassischen Musik, von der Mittelaltermusik usw. Ansonsten ist es schwierig. Viele Leute sagen: „Ach ja, der Horn, von Lakaien und Helium Vola… dass ist so Zeugs das hören wir uns gar nicht erst an!“ <<
Hast du in dem Zusammenhang den Eindruck, dass das Publikum, das Helium Vola hören möchte, ein Anderes ist als das, welches Deine Lakaien hört, oder überschneidet sich das?
>> Naja, ich denke schon, dass sich das sehr überschneidet. Helium Vola ist ja um einiges kleiner, quantitativ. Darum würd ich schon sagen, dass es zum größten Teil schon Hörer sind, die eben auch Lakaien hören und von daher natürlich auf Helium Vola gekommen sind. Dann gibt es vielleicht noch einen ganz kleinen Teil der vielleicht mehr von der Mittaltermusik oder der klassischen Musik kommt. Vielleicht auch Leute die Lakaien nicht so kennen, aber auf so avantgardistische, elektronische Sachen stehen. Aber eigentlich stossen die Leute schon über die Lakaien auf mich und meine Arbeiten.
Oder eben über die Szene, denn bekannt geworden sind wir ja letzten Endes doch durch „Omnis Mundis Creatura“. <<

Eigentlich wollte ich die Frage ja später stellen, aber jetzt, wo du es schon angesprochen hast. War es eigentlich sehr überraschend für euch, als sich vor zwei Jahren „Omnis Mundis Creatura“ plötzlich zu so einem absoluten Tanzflächenknaller entwickelt hat?
>> Na ja, es ging. Es war ja so. Ich habe das damals als neue Sache gestartet und wir haben mit dem Label und dem Verlag ausgemacht, dass Qntal in diesem Zusammenhang nicht erwähnt werden darf, weil wir da auch den Betrieb nicht irgendwie stören wollten. Und das es eben wirklich eine neue Sache ist und nicht ein Nachfolger von Qntal. Von daher stand ich natürlich schon erstmal in den Startlöchern. Meine Soloplatten wie „Skies Over Baghdad“ verkaufen ja auch überhaupt nicht. So hab ich im Vorfeld schon gedacht, dass „Omins Mundis Creatura“ doch ein Stück ist, das sich gut für die Tanzfläche eignen würde. Insofern war ich dann natürlich auch ganz froh das es geklappt hat, weil es natürlich auch dem Album ganz erheblich geholfen hat. Sonst bleibt man ja gleich wieder hängen damit. Was mich eigentlich eher überrascht hat war, wie manche Kritiker reagiert haben. Ich dachte immer, „gut die Fans werden es lieben, aber die Kritiker werden vielleicht sagen: ’Ach das ist doch ein bisschen arg volkstümlich, da sind die anderen Sachen auf der CD zwar ganz schön…’“, aber es gab da komischerweise einige, bei denen da schon das Ende der Fahnenstange erreicht war. Die gesagt haben „Ja Omins Mundis Creatura, toller Electrokracher und so…“, aber die anderen Sachen, das ist denen dann schon zu verschroben, zu kompliziert geworden. Da war es dann auch schon aus. <<
In diese Richtung zielte auch meine erste Frage, wie du dein Publikum siehst. Weil ich schon den Eindruck habe, dass Helium Vola ein weit mehr versponnenes Kunstprojekt als meinetwegen Deine Lakaien sind.
>> Ja ist es! Ist es absolut. <<
Also auch weit aus anspruchsvoller, nicht irgendetwas, das man einfach mal so nebenbei hört.
>> Klar. Von daher hoffe ich natürlich, das so was auch mal andere Leute hören, die jetzt nicht so in der „Szene“ sind. Ich kenne auch ein paar Leute die das sehr mögen, die sonst eben eher Avantgarde-Elektronik hören, aber das kann ich gar nicht steuern. Das ist eher eine Sache des Labels und der Promotion. <<
Das ist eine gute Überleitung zu den Leuten die eher Avantgarde-Elektronik hören. Ich finde ja, dass man dich aus all deinen Projekten schon ganz deutlich heraus hört. Dein Stil ist es doch offensichtlich, aus Sounds, Samples, Geräuschen und eher ungewöhnlichen Elementen eine schöne Melodie zu schaffen?
>> Ja ich bin natürlich schon eher Elektronikbastler, der einen bestimmten Stil hat, der aber auch schon sehr auf Melodien geprägt ist. Und gerade natürlich bei so einem Projekt wie Helium Vola, das vor allem auch durch die Schönheit, die von den Stimmen herkommt, geprägt ist. Ich versuche aber schon da eigene Wege zu gehen und das nicht so in der üblichen Weise umzusetzen. Da bastele ich auch schon immer ganz elend lange rum an diesen Sachen, wobei ich gerade jetzt sagen muss, dass ich natürlich auch versuche mich kompositorisch weiter zu entwickeln und gerade jetzt auch in Richtung Mehrstimmigkeit und Satzgesang und so gearbeitet habe. Mir also schon Mühe gebe, die Sachen neu zu gestalten und ein bisserl voran zu kommen. <<
Die Sachen also ein bisschen runder zu machen?
>> Das ist ja auch wichtig! <<
Irgendwo hast du auch mal erwähnt, du hättest ein schier unerschöpfliches Archiv an Samples…
>> Na ja, da habe ich vielleicht nen bisschen angegeben, ne? Den Mund zu voll genommen. (lacht) … <<
Wenn du jetzt an einem neuen Stück arbeitest, ist dann zuerst eine Melodie da, eine Idee, eine Linie wo du dann in deinem „schier unerschöpflichen Archiv“ nach den passenden Samples suchst? Oder ist es eher umgekehrt, dass du irgendwelche Samples hast, bei denen du denkst: „Au da muss ich unbedingt was draus machen!“?
>> Da müsste man doch nen Stück draus machen können…. Jaaaa im Vorfeld denke ich das manchmal so… bei so grundsätzlichem Material. Aber jetzt, bei Helium Vola, ist das überhaupt nicht so! Da war es wirklich so, wie du es zuerst gesagt hast. Ich geh halt erstmal mit den Texten ins Café und lass mir die durch den Kopf gehen. Stelle mir da irgendetwas zu vor und dann arbeite ich es langsam musikalisch auf. Da sind dann schon zuerst immer Melodie, Harmonien, Aufbau und so was da. Dann mache ich immer so Skizzen und Klavierfassungen davon und überlege! Danach durchforste ich so meine Sachen, was da passen könnte, wie ich mir das dann so hinbiege. Jau, das ist so im Grunde meine Arbeit. <<
Dann passt ja dazu der schöne Satz, der auch in dem Infozettel steht, dass du für die neue Helium Vola-CD zum ersten Mal die Stücke in Notenschrift verfasst hast, damit die anderen Musiker damit was anfangen können.
>> Ja das stimmt ja auch wieder nicht! Ich musste ja schon für die erste Helium Vola-CD Noten schreiben. Und für die Gastmusiker bei Lakaien muss ich die Sachen ja auch schon so schreiben. Früher als Jugendlicher habe ich eh viel komponiert, da war ich ja mal auf so ’nem Trip mit klassischen Kompositionen und so… da hab ich schon viel geschrieben. Klar, bei Deine Lakaien mit Alexander zusammen mache ich das nicht. Da würde es mir höchstens als Gedächtnisstütze oder wenn ich eine besondere Idee hätte einfallen, das irgendwie so aufzuschreiben. Wenn man dann Noten sieht, kommt man auch auf ganz andere Ideen, als wenn man jetzt die Bilder laufen lässt. <<
Vor allem für die Zusammenarbeit mit klassischen Musikern notwendig?
>> Sicher. Es ist halt eine wahnsinnige Hilfe, als wenn ich es ihnen einfach nur vorspiele. Die spielen es nach und man bastelt da irgendwie dran rum. Vor allem für mehrstimmigen Satzgesang, da muss ja irgendwo der Satz stimmen. Ich bin ja nun auch Komponist und die wollen das auch so. Klar, das sind klassisch ausgebildete Sänger und die kriegen dadurch einen sehr schnellen Zugang zu den Sachen. Wie sie es dann interpretieren, oder ob nicht sogar die eine oder andere Note doch nicht so günstig ist, weil sie unter Umständen zu hoch oder zu tief ist. Das sind dann natürlich die anderen Sachen, die man zusammen macht. <<
Worin besteht eigentlich der Reiz in der Zusammenarbeit von sagen wir mal avantgardistischer Elektronik mit klassischen Musikern, Sängern?
>> Es sind gar nicht mal so sehr klassische Musiker dabei, sondern, sagen wir mal, Musiker der alten Musik, die ich sehr mag. Ab Monteverdi rückwärts, quasi. Von Mittelalter bis Renaissance und Frühbarock. Ich weiß nicht. Die singen einfach anders. Ich meine, Sabine singt nicht wie eine Opernsängerin. Sie hat eine sehr schlanke Stimme und das mag ich schon wahnsinnig gerne. Diese Stimmen sind sehr beweglich. Ja und einfach die Art und Weise wie sie es ausdrückt. Für mich hat das sehr viel Ähnlichkeit mit keltischer Folklore. Es gibt so irische Folksängerinnen die auch so in diese Richtung singen. Vielleicht nicht so beweglich wie Sabine, mit so vielen Verzierungen, aber vom Gefühl her. Das ist ein Gefühl, was ich wahnsinnig mag. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass mir auch das „Balladenbuch“ von Joan Baez sehr gefällt. Wo alle anderen Leute sofort ein schiefes Gesicht kriegen. (lacht sich an der Stelle fast kaputt). Ich hab schon lang nicht mehr gehört, was sie jetzt noch so gemacht hat. Aber damals, diese alten keltischen Balladen, dass hat mir einfach gefallen.
Ich hab einfach eine ganz große Liebe zu so sehr alter Folkmusik. Speziell zu den schwermütigen Sachen. Nicht so zu den „tamdaratei Tänzchen“ und so. Das ist einfach so eine innere Beziehung, das spüren auch andere Leute. Dieses Gefühl, das man bei der Musik hat. Da ist auch viel weltfremdes irgendwo und das hat in diesem Fall auch gar nichts mit meiner klassischen Herkunft zu tun. Da bin ich eigentlich viel später drauf gestoßen. <<

Also ich würde Helium Vola auch nicht in die Mittelalter Ecke stecken wollen. Da sehe ich mehr so die trinkenden Jungs…
>> Ja so Corvus Corax und sowas, das mag ich überhaupt nicht, musikalisch… <<
Ich denke doch schon, dass Helium Vola einen ganz anderen Ansatz verfolgen …
>> Ganz klar. Diese alten Texte… ich habe ja auch überhaupt nichts Historisches damit vor. Ich interpretiere diese Texte, ich lege sie aus. Manchmal verfälsche ich sie auch von ihrem ursprünglichen Gehalt in der Art und Weise, wie ich sie anpacke. Aber das mache ich eben so. <<
Ja gut, aber da bist du ja auch nicht der Erste. Gerade auch die „Carmina Burana“ von Orff, wenn die in Hollywoodfilmen eingesetzt wird, dann immer an so ganz mystischen, sakralen Stellen, dabei sind das doch zum größten Teil „Trinklieder“.
>> Ja von allem eben. Eine Liedersammlung, die der Orff damals vertont hat. Mit ganz verschiedenen Facetten. Der würde sich wahrscheinlich auch im Grabe umdrehen wenn er sehen würde, wie sein Werk da irgendeinen Endkampf untermalt. <<
Wo wir schon dabei sind, da die „Carmina Burana“ ja auch in Latein ist. Deine Vorliebe für diese alten Sprachen, Lateinisch, Alt-Portugiesisch, Alt-Deutsch … entstammt die eher dem Klang dieser Sprachen, oder geht es da auch um den Inhalt?
>> Ja, das ist eine gute Frage. Das kommt bei jeder Sprache auf so ganz bestimmte Sachen an. So diese Troubadour Lieder, diese Geschichte, dass man da nachts mit de Geliebten im Turm liegt und morgens vom Ruf des Wächters geweckt wird, dass ist für mich so eine typisch, provinzialische Atmosphäre. So die französische Art eben. Bei Latein mache ich meistens etwas strengere Rhythmen. Das ist ganz lustig. Es hat natürlich schon mit den Inhalten zu tun, ich klopf die schon auch ab. Wenn man nach Gedichten schaut, die sich von der Form her besonders gut für einen Song eignen, dann schau ich schon, in wie weit das jetzt auch thematisch passt. Vor allem auch in wie weit es für mich auch irgendwie eine zeitlose Aussage hat. <<
Latein hat ja auch gerade durch die Verwendung in der christlichen Lithurgie eher etwas Sakrales… während ja Alt-Portugiesisch eher schön, oder melancholisch klingt.
>> Ja vor allem sehr traurig. Das ist überhaupt die portugiesische Lyrik, ich habe da so einen Band mit Lyrik aus allen Zeiten, vom Mittelalter bis heute. Die haben schon einen sehr schwermütigen Touch, die Portugiesen. Ganz anders als die Spanier. <<
Thematisch, wenn man sich das neue Album anhört, und musikalisch, durch die Verwendung von wiederkehrenden Leitmotiven, handelt es sich ja schon um ein Konzeptalbum. Würdest du das auch für die textliche Ebene sagen?
>> Ja. Das ist diesmal halt eine geschlossene Geschichte. Das hat sich halt so ergeben. Ich dachte am Anfang auch, „na ja ich pack da mal wieder ein bisschen CNN rein, und dies und jenes“, und da hatte ich ja auch Einiges. Ich wollte auch irgendwas mit Raumfahrt und so machen, aber dann haben sich diese Frauenlieder so dermaßen in den Vordergrund geschoben. Das kommt auch von der „Lillie Marlene“-Platte her, wo das eine Stück ja richtig lang drauf war und nicht so in einzelnen Schnipseln, wie jetzt auf „Liod“. Und da kam ich dann plötzlich darauf ein Album über ein Frauenschicksal zu machen. Das hat einfach viel mit Sabines Gesang zu tun. Dann habe ich gezielt solche Songs gesucht und so ist das dann tatsächlich eine Geschichte geworden. Das fängt halt an mit einem Lied über die hohe Liebe, dann kommt so ein Frühlingsgetändel, sich Anlocken, dann gibt es eine richtig deftige Verführung, Entjungferung, manche halten es auch für eine Vergewaltigung … also ich weiß es nicht. Würde ich jetzt mal nicht so sagen. Dann ist sie eben schwanger und mahnt ihn eben an, dass er sich doch zurückhalten soll auf seinen Reisen… Dann singt er halt in einem Lied, das es ihm Leid tut, denn wenn er einen Rock sieht, dreht er eben durch. Dann kommt eben das Lied „Frauenklage“ wo sie unehelich schwanger ist, was ich einen enorm eindrucksvollen Text finde. Das ist so schlicht, so einfach und doch so ergreifend beschrieben, in einer relativ nüchternen Sprache, was das eben für ein Elend damals war, wenn man schwanger wurde ohne verheiratet zu sein. Das war einfach ein Verbrechen, da war man definitiv unten durch und das Kind eben auch, leider. Ja und dass Kind das kränkelt dann von Anfang an, das hustet, ächzt rum, dann kommt das „Schlaflied“ … das ist also die Geschichte einer Frau und da habe ich so die Geschichte des Kindes hinein gewoben. Das ist so angelegt, dass das Kind im Grunde im ersten Stück schon stirbt. Da fliegt dann so ein Vogel weg, so Vogelgesang, als würde eben die Seele irgendwo hinfliegen, und dann stirbt es eben doch nicht, weil ihm da in Stück neunzehn so ein ganz lächerliches Gedicht einfällt. „Du Dämon, du bist ja ein ganz dummer Wicht, vor dir habe ich überhaupt keine Angst, du kannst ja nicht mal Schnurzpinzi sagen.“ Ich finde das total infantil und albern, aber in dem Moment fand ich es total lustig, weil es diese ganze verschwurbelte Geschichte, dieses ganze Unglück und Elend, eben so ganz lächerlich auflöst. Dann kommt so ein Frühlingslied und alles ist wieder gut. Da ist dann ganz zum Schluss noch so ein Schnipsel dran… ich weiß nicht ob Du das gehört hast… <<
Dazu wollte ich eigentlich auch erst am Schluss was fragen, aber dann greifen wir es eben jetzt schon auf. Dieser Schnipsel der nach dem letzten Stück kommt. Da baut sich mir folgendes Bild auf: Ernst Horn steht in der Küche, räumt den Geschirrspüler ein, pfeift dabei ein Lied, diese Melodie und sein Kind kommt rein und sagt: „Hallo“.
>> Ja genau! Exakt! <<
Die Frage die ich mir dabei stelle: bist du jemand der ständig ein Aufnahmegerät laufen lässt und auf der Suche nach irgendwelchen Geräuschen ist, so dass vielleicht schon mal deine Frau sagt: „Ach Ernst, jetzt mach die Kiste vielleicht lieber aus, das musst du nicht auch noch aufnehmen!“?
>> (Lacht) Nein, mache ich nicht! Nein, diesen Schnipsel habe ich wirklich so aufgenommen. Ich habe die Sabine das Lied pfeifen lassen, hab dazu dann selber ein bisschen in der Küche rumgewurschtelt und hab die Eva, meine Tochter, die auch dieses Gedicht da aufsagt, noch mal „Hallo“ sagen lassen. Weil ich einfach so dachte: Na ja, was man so alles ins Mittelalter reindichtet, die große mystische Erklärung, Hildegard von Bingen und das alles. Die ganzen Esoteriker der Welt kommen eingeschwebt in den Maitanz usw. Ich dachte einfach, dass es so schön nicht war. Am Schluss ist es eben Alltag. Ein Kind großzuziehen … also eine Grippe ist ja heutzutage nicht mehr lebensgefährlich, aber damals war es das schon. Ich weiß auch nicht so richtig, warum ich das gemacht habe. Irgendwie hatte ich das Bedürfnis die Platte diesmal gut ausgehen zu lassen. Bei Lakaien haben wir eigentlich immer ein schwermütiges Lied am Schluss. Bei der ersten Helium Vola war es auch so. Da war es zwar ein „Maienlied“, das aber so richtig absäuft am Schluss, und diesmal wollte ich nicht … ich weiß auch nicht … ich kann kein Kind sterben lassen. Wenn man selber Kinder hat, wird man da vielleicht ein bisschen empfindlicher. Ich dachte einfach, dass es eine schöne Kehrtwendung ist. <<
Schauen wir ein wenig in die Zukunft. Ich habe euch damals mit dem Material vom ersten Album auf dem WGT gesehen, Trotzdem würde ich sagen, dass Helium Vola nicht unbedingt eine Band, ein Projekt für ein Festival, ja vielleicht nicht mal unbedingt für einen Club ist. Wo würdest Du Helium Vola am liebsten live sehen?
>> Ach?... Ich müsste gar keinen exklusiven Rahmen haben. Muss ich ganz ehrlich sagen. Ein guter Saal, eine gute Halle wäre für mich in Ordnung. Wenn man da gutes Licht reinhängen kann. In dem Moment wo es los geht und da ist die Optik dann dabei, da ist man dann ja woanders. Dann muss ich jetzt nicht unbedingt eine Kirche oder so was haben. Ich würde natürlich gerne eine Tour machen, die man richtig schön vorbereiten kann. Ich meine, das vor zwei Jahren mit dem WGT, das war schon gut um uns ein bisschen in Erinnerung zu bringen. Wenigstens diesen einen Liveauftritt, ich wollte es einfach auch mal ausprobieren und es hat ja eigentlich auch ganz gut geklappt. Ich würde bei einer Tour aber gerne mehr eine optische Komponente dazu bringen, so dass es schon noch so ein bisschen von einer Kunstperformance bekommt. Da wären halt total interessante und spannende Sachen die man da machen könnte. Und so was dann über eine Tour von zehn Konzerten oder so, das wäre schon sehr schön. Ist bei uns nur leider sehr schwer zu organisieren. Es sind vier Sänger, die alle sehr beschäftigt sind, und die alle unter einen Hut zu bringen ist eben sehr schwer. <<
Also nicht in irgendeinem Konservatorium oder Schloss auftreten?
>> Nein, gar nicht. Das ist eher was für akustische Sachen. Aber wir arbeiten ja schon so dermaßen mit Licht, dass das Drumherum überhaupt nicht wichtig ist. Wenn die Bühne und die Akustik gut sind und man wirklich etwas auf die Bühne stellen kann. Das ist dann eher meine Idee dabei. Man könnte soviel machen. Ich könnte mir sogar vorstellen mal was mit ner richtigen Band zu machen, mit Bass, Gitarre und Schlagzeug … ach ja Ideen gibt’s schon genug… <<
Also Träume und Ideen sind noch genügend da?
>> Auf jeden Fall, aber für viele Sachen fehlt einfach auch die Zeit. <<
Ja dann wünsche ich Euch viel Erfolg mit dem Album und…
>> Danke. <<
Thomas Sabottka


[ Zurück zum Index: 'H' ]
 

[ Unsere Webseite weiterempfehlen ] [ Impressum ] [ Seitenanfang ]

© Oblivion 1998-2002 Alle Rechte vorbehalten

Haftungsausschluss/Disclaimer

technisches Konzept, Programmierung & Webdesign by M. Koschinski / C. Fessler