Obliveon - Metal und Gothic Webzine
 :: Suchen 

 :: Obliveon.de
· Home
· MySpace
· Links

  Info...
· FAQ
· Kontakt
· Impressum
 

 :: Magazin
· GESAMT
· News
· Interviews
· Konzert/Festivals
· Specials
· Foto Galerie

 :: Reviews
· GESAMT
· CD Reviews
· CD Import
· Eigenpressungen
· White Metal
· DVD/Video
· Bücher/Magazine

Interview-Section :: Index: 'V' :: VIRGIN BLACK

VIRGIN BLACK
Natürlich Düster
Virgin Black stellen für mich das Nonplusultra dar, wenn es um die tiefgreifende Vertonung menschlicher Emotionen geht. War schon das Debüt-Album "Sombre Romantic" aus dem Jahr 2001 ein Klassiker avantgardistischen Düsterstoffs, so sind die Kompositionen des aktuellen Release "Elegant... And Dying" erst recht nicht mehr in Worte zu fassen. Da hilft eigentlich nur das tägliche Intensivhörbad unter der Ohrmuschelbrause als allabendliches Ritual, um die ganze Tiefe des Werkes irgendwann vielleicht doch zumindest ansatzweise erfassen zu können. Da ich erst gar nicht versuchen wollte, in einem per E-mail geführten Interview mit Frontmensch Rowan London Unerklärliches zu erklären, habe ich mich auf eher "technische" Fragen konzentriert, die sogar ein paar Überraschungen zutage brachten.
Euer neues Album "Elegant... And Dying" ist ein solch monumentales Kunstwerk mit einer Spielzeit von 75 Minuten, die mit perfekt ausgearbeiteten Kompositionen gefüllt sind - wieviel Zeit habt ihr dafür im Studio verbracht? Waren die Songs komplett fertig, bevor ihr ins Studio seid? Wieviel Input kommt von den anderen Bandmitgliedern neben Samantha und dir?
>> Es hat fast ein Jahr gedauert, das Album fertig zu stellen. Das bedeutet nicht, dass wir ein Jahr permanent daran gearbeitet haben, aber auch so war es sicherlich genug Arbeit. Alle Songs und jedes einzelne Detail jedes Instruments waren geschrieben, bevor wir ins Studio gegangen sind. Es war eine enorme Aufgabe, die ganze Instrumentierung zu verwirklichen; zum Beispiel war der Produktionsaufwand, den wir in einen Song wie "The Everlasting" gesteckt haben, ähnlich groß wie für ein komplettes Durchschnittsalbum. Samantha und ich schreiben alles, und wenn es ans Aufnehmen geht, sind wir verantwortlich dafür, dass es die entsprechende Umsetzung findet. <<
Wie sollte der Hörer eure Musik genießen - muss man das Album im Ganzen hören, um die Essenz zu erfassen oder können die einzelnen Tracks auch für sich selbst stehen?
>> Nach meinem Empfinden war "Sombre Romantic" ein Album, das als Ganzes gehört werden musste, denn wenn man zwischen den Tracks hin und her springt, hört es sich zerfasert und unzusammenhängend an. "Elegant... And Dying" ist da vielleicht etwas anders, obwohl die Songs noch immer sehr wichtig füreinander sind und sich gegenseitig ergänzen. Generell sind die Stücke länger und in sich geschlossener. Der Abschnitt des Albums, der die größte Herausforderung beim Zuhören stellt, kommt im Mittelteil. Möglicherweise könnte der Zuhörer von den vorangehenden Songs, die leichter zu verdauen sind, mitgerissen werden, während "Sombre Romantic" einen geradewegs ins Gemetzel stürzte. <<
Spielt es für euch eine Rolle, wenn jemand die Texte anders auslegt, als sie von euch gedacht waren? Würdet ihr Hinweise dazu geben, wie das manch andere Künstler tun (z.B. im Booklet)?
>> Die Lyrics sind allegorisch gehalten, und wie die Leute sie interpretieren, bleibt ihrem Urteil überlassen. Unser Publikum bekommt von uns in musikalischer Hinsicht viel Achtung und Respekt und wir wollen dies im textlichen Bereich fortführen. Ich bin nicht beleidigt, wenn jemand die Bedeutung eines Songs dahingehend ändert, dass er/sie ihn in einer ihn/sie ansprechenden Weise auffasst. "Museum Of Iscariot" ist ein gutes Beispiel, bei dem die Botschaft ziemlich weitläufig gedeutet werden könnte. Obwohl der Texter einige Fußnoten zur Anleitung gegeben hat - die dazu tendieren, dass es sich um spirituelle Themen dreht - sind dort genauso Tatsachen enthalten, die man in die politische oder soziale Richtung auslegen könnte. <<
Eure Musik und Texte sind in erster Linie düster und melancholisch, bergen aber auch viele positive Momente in sich. Seid ihr ein Haufen Optimisten in schwarzer Verkleidung?
>> Du liegst absolut richtig aber vielleicht nicht ganz mit dem Wort "Verkleidung". Ich glaube daran das auszudrücken, was für einen natürlich ist. Wir präsentieren uns auf eine düstere Weise, da es so in uns aussieht, doch wir sind mehr als eindimensional. Ich will kein Gimmick sein, das einem Publikum gerecht wird, nachdem mal eben schnell das Image festgelegt wurde. Virgin Black erkunden Möglichkeiten der Harmonie zwischen Aspekten des Lebens, die normalerweise auf Kriegsfuß miteinander stehen; Dunkelheit und Licht, Reinheit und die Menschheit, Spiritualität und Weisheit. <<
Ihr seid auf verschiedenen Labels in Europa bzw. Amerika. Welches ist denn für die Produktion aufgekommen? Für wieviele Scheiben seid ihr unter Vertrag?
>> Jede Band zahlt letztlich die eigene Aufnahme, nur nicht immer direkt. In unserem Fall haben The End und Massacre beide beigetragen. Der einzige Vertrag, den wir momentan nach diesem Album haben, ist für ein weiteres Album bei Massacre Records. <<
Virgin Black sind eine Band, die vieles im Alleingang erledigt (Produktion, Artwork,...). Wäre es nicht das beste, wenn ihr eines Tages vollkommen unabhängig von Plattenfirmen arbeiten würdet, so in etwa wie The Gathering?
>> In der Tat neigen wir dazu, bis zum fertigen Produkt für alles die Verantwortung zu übernehmen, aber anschließend betritt man ein anderes Terrain. Unser Profil ist nicht so, dass wir erwägen könnten, einen ähnlichen Kurs wie The Gathering einzuschlagen. Ich denke, im Moment ist es für uns wichtig uns darauf zu konzentrieren, gutklassige Musik zu schreiben. Ich weiß nicht, was die Zukunft bringen wird, aber es ist beruhigend, dass solch leidenschaftliche Fans uns unterstützen. <<
Im Mai ward ihr auf Tour in den USA, wie ist es für euch gelaufen? Welche Publikumsreaktionen habt ihr bekommen? Bitte sage auch etwas zu den Eindrücken aus Leipzig, wo ihr für zwei Shows ward.
>> Unsere interkontinentalen Shows haben sich ziemlich von dem unterschieden, was wir normalerweise in Australien erleben. In den USA ist es hauptsächlich eine Herausforderung in einer schnelllebigen, absurd kommerziellen Musiklandschaft einen Platz zu finden. Aber wenn das Business einmal erledigt war und es an die Auftritte ging, waren wir mit einem sehr respektvollen und begierigen Publikum gesegnet, das es gewöhnlich schätzte, dass eine Tour mit Virgin Black, Agalloch und Antimatter wohl eine einmalige Gelegenheit sein würde. Was allerdings wahren Enthusiasmus betrifft, geht nichts über das Publikum beim Wave-Gotik-Treffen in Leipzig. Für eine relativ obskure Band wie uns war es überraschend und atemberaubend diese Reaktionen zu bekommen. <<
Wer ist momentan eigentlich offizieller Bassist von Virgin Black? Ist Ian dabei, wenn ihr in Australien auftretet? Müsst ihr jedesmal einen Ersatz verpflichten, wenn ihr im Ausland unterwegs seid?
>> Zurzeit spielen wir Shows mit Ian Miller. Ian wird durch seinen Beruf als Sound Engineer sehr beansprucht, so dass er uns nicht immer zur Verfügung steht. Bei unserer kürzlich gelaufenen Tour ergab sich eine spezielle Situation dadurch, dass er zum Mischen einer anderen Band in Großbritannien verpflichtet war. Wir haben Ian dann in Amerika getroffen, wo er die gesamte Tour für alle drei Bands als Mischer gemacht hat. Wir hatten dafür einen amerikanischen Aushilfsbassisten. <<
Habt ihr jemals Material aufgenommen, das nicht veröffentlicht wurde?
>> Soll ich es wagen, ja zu sagen? Zwischen dem Demo und "Trance" haben wir tatsächlich zwei Songs aufgenommen, die niemals veröffentlicht wurden; sie wurden für bestimmte Promotion verwendet, die wir damals gemacht haben und es ist unwahrscheinlich, dass wir sie jemals veröffentlichen werden. <<
Wie steht es um eine Wiederveröffentlichung eures Demos? Wie denkst du heute über das darauf enthaltene "Black Corsage"?
>> Ich glaube, es wäre womöglich das Richtige, das Demo in naher Zukunft auf CD wiederzuveröffentlichen. Es begann damals als bescheidene Aufnahme-Session, die nur für lokale Promo-Zwecke gedacht war, aber das Ganze entwickelte sich über unsere Erwartungen hinaus und brachte uns eine Menge ein. Wir sind immer noch extrem stolz auf dieses Demo. Was "Black Corsage" angeht: Ich denke, das Demo wurde im Vergleich zu den beiden Alben anders zusammen gestellt. Während die Alben eine sich entfaltende Geschichte wiedergeben, wobei jeder Song von Bedeutung für alle anderen ist, war das Demo bloß eine Ansammlung von vier unserer Songs. "Mother Of Cripples" ist mein Lieblingsstück, aber ich mag sie alle, inkl. "Black Corsage", das für viele aus dem Rahmen fällt. Wenn man aber bedenkt, dass wir unter der Vorgabe ins Studio gegangen sind, vier Songs für Promo-Zwecke aufzunehmen, macht es mehr Sinn. Ich denke, die Tatsache, dass die anderen drei Songs so gut zusammen gepasst haben, hat dazu beigetragen, dass "Black Corsage" scheinbar etwas fehl am Platz war. <<
Könntest du dir vorstellen, ältere Songs nochmal in neuen Versionen aufzunehmen, falls ihr zu der Ansicht kommt, diese hätten noch nicht ihre endgültige Fassung erreicht?
>> Wir haben nicht geplant, etwas am Sound zu basteln, geschweige denn zu Re-mastern, wenn wir das Demo wiederveröffentlichen, weil es etwas besonderes mit dieser Aufnahme auf sich hat, was ich nicht zu verändern wagen würde. Genauso könnte ich es mir nicht vorstellen, Songs von irgendeiner Veröffentlichung neu aufzunehmen. Mir scheint, man kann dabei nichts gewinnen, denn wenn ein Song erfolgreich verbessert wurde, leidet die alte Version darunter, oder aber die Leute bleiben dem Original treu und mögen die neue Version nicht. Ich würde viel eher eine Art Coverversion einer unserer Songs als interessante Interpretation machen. <<
Würdet ihr euch irgendwann gern an Filmmusik versuchen? Welche Art Film müsste das sein?
>> Ich bin zuversichtlich, dass es eines Tages dazu kommen wird, nur ist es eine sehr schwierige Situation, so massiv auf das Werk eines Anderen zu bauen; es wäre verheerend, wenn unsere Musik für einen Film mit fürchterlicher Schauspielerei und Regie verschwendet würde. Überflüssig zu sagen, dass wir unser Bestes tun würden, damit sich Musik und Film gegenseitig ergänzen, falls sich die Gelegenheit ergeben würde. <<
Was haltet ihr davon, Songs zu covern? Irgendwelche Kandidaten?
>> Wir haben schon gecovert - das war nur zum Spaß und viele werden überrascht sein zu erfahren, dass es "Slowly We Rot" von Obituary war. Sollten wir jemals einen Coversong aufnehmen, würde es eine Interpretation werden, da ich es für wertvoll halte, dass man etwas ausdrückt, was jenseits dessen ist, das bereits vorhanden ist. Fragt sich, welcher Song das sein könnte... Ich werde keine Kandidaten nennen, denn meistens ist der Überraschungseffekt sehr wichtig. <<
Besteht eine Chance, euch in naher Zukunft live in Deutschland erleben zu können? Würdet ihr eine Club-Tour als Headliner oder den Support für eine größere Band bevorzugen? Für wen würdet ihr gern als Vorgruppe auftreten?
>> Ich bin total begeistert, dass sich Candlemass mit Messiah wiedervereinigt haben; sie sind eine der brillantesten Bands. Ich wäre überwältigt, wenn sich die Gelegenheit ergeben würde, mit ihnen zu spielen. Unser USA-Tour-Package war gewiss etwas besonderes; Virgin Black, Agalloch und Antimatter - und ich wäre damit gern auch nach Europa gekommen. Aus unserer Sicht hat eine Tour zwei Seiten, nämlich wie die Musiker soundmäßig zusammen passen und auch wie die Bandmitglieder miteinander auskommen. Das US-Package war die perfekte Kombination von beidem. Wir haben keine Ego-Probleme und sind sehr relaxed, was Headliner- oder Support-Tour angeht. Für mich ist am wichtigsten, dem Publikum eine verlockende Zusammenstellung anzubieten. 2004 sieht es vielversprechend für Virgin Black in Europa aus. <<
http://listen.to/virginblack
Carsten Buchhold


[ Zurück zum Index: 'V' ]
 

[ Unsere Webseite weiterempfehlen ] [ Impressum ] [ Seitenanfang ]

© Oblivion 1998-2002 Alle Rechte vorbehalten

Haftungsausschluss/Disclaimer

technisches Konzept, Programmierung & Webdesign by M. Koschinski / C. Fessler