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Interview-Section :: MOURNING BELO ....

MOURNING BELOVETH
Philosophische Abgründe
Mit ihrem sechsten Album liefern die irischen Death Doomster Mourning Beloveth wie gewohnt Qualitätsarbeit. Nach dem monströsen Brocken "Formless" zeigt "Rust & Bone" die Band jedoch von einer zugänglicheren Seite, auch wenn weiterhin pechschwarze Dunkelheit und Melancholie herrschen. Obliveon begab sich mit dem wie immer redseligen Gitarristen Brendan Roche auf Entdeckungsreise durch die Abgründe des Bandsounds.
"Formless" war und ist ein sehr forderndes und langes Stück Musik. Habt Ihr instinktiv gefühlt, dass nach diesem großen, aber auch schwer verdaulichen Wurf neue Aspekte Eurer Musik ausgelotet werden mussten?

>>Zunächst möchte ich meine Zustimmung bezüglich Deiner Einschätzung der Qualitäten von "Formless" zum Ausdruck bringen.Wir haben damals ohne größere Unterbrechungen drei Jahre an dem Material gearbeitet, länger als jemals zuvor, zumindest seit seligen "Dust"-Zeiten. Als wir das Album endlich fertig aufgenommen hatten, waren wir alle vollkommen erschöpft. Wir hatten sowohl emotional als auch mental alles gegeben, um das Bestmögliche aus diesen sechs Songs herauszuholen, und beinahe das gesamte Material, an dem wir gerabeitet hatten, fand auch Verwendung. Es gab also nicht wie üblich halbfertige Songfragmente, nichts, auf das wir uns hätten stützen können, als wir mit der Arbeit an neuen Stücken begannen. "Rust & Bone" bedurfte so eines kompletten Neustarts. Rückblickend muss ich sagen, dass dieser Ansatz sowohl uns als auch unserer Musik zugute kam, da wir nun brandneue, von allen Altlasten befreite Ideen entwickeln konnten. Der größte Einfluss, den "Formless" auf "Rust & Bone" schließlich hatte, lag wohl in dem Ansatz, mutig neue Wagnisse einzugehen. Es führt eine direkte Linie von der Bündigkeit eines Songs wie "Old Rope" und den akustischen Klängen von "Transmission" hin zu den neuen Stücken "A Mantle Tomb" und "A Terrible Beauty Is Born". Wir schauen ausschließlich nach vorne, und unser Ehrgeiz richtet sich darauf, jedes unserer Alben anspruchsvoll zu gestalten. Unsere Musik wird sich immer neuen Formen widmen, je nachdem, was wir wie ausdrücken wollen. <<

Mit Eurem letzten Album habt Ihr die Formlosigkeit zur Kunstform erhoben und den Hörer auf der Reise durch die zahlreichen akustischen wie seelischen Untiefen alleine gelassen. Auf "Rust & Bone" gebt Ihr ihm jedoch eine Art Kompass an die Hand: die Zwischenspiele "Rust" und "Bone" können als Orientierungspunkte angesehen werden. Folgt auf Formlosigkeit also Struktur?

>> Gute Frage, und aus meiner Sicht lautet die Antwort eindeutig Jein. Alles ist doch irgendwie verbunden, wenn nicht unbedingt linear, so doch zumindest zyklisch. Wie wir die Dinge wahrnehmen wird massiv davon beeinflusst, welche mentalen Sperren sich im Laufe der Zeit in unserem Wahrnehmungsapparat herausgebildet haben. Man kann dies begrüßen oder verdammen, aber wir können schlicht nicht nicht denken, und zwar bis zu einem Punkt, da wir alles, was außerhalb unserer etablierten Denkstrukturen liegt, als verstörend und beängstigend empfinden. Es gibt jedoch unendlich viele Möglichkeiten, Erfahrungen und logische Ansätze um uns herum, die wir jedoch ständig ignorieren, bzw. deren wir uns gar nicht erst bewusst werden, da wir konditioniert werden, Dinge bloß aus einer einzigen Perspektive zu betrachten. Die Frage ist doch: wer, welche Autorität entscheidet letztgültig, was der vermeintlich "richtige Weg" ist, und welche Auswirkungen haben solche Entscheidungen für den Durchschnittsmenschen, der, wann immer er neue Denkmuster ansetzt, nicht selten verlacht wird? Schließlich glaubte man einst, die Erde sei flach und die Sonne drehe sich um sie. "Formless" war ein herausfordernder Trip, eine Einladung, sich fallen zu lassen und Dinge selbständig zu ergründen; ihr da draußen hattet den Raum und die Zeit, auf Entdeckungsreise zu gehen und Eure eigenen Schlüsse zu ziehen. Ich möchte das Album mit einem formlosen Gas vergleichen, das sich nach seinen eigenen Gesetzen ausbreitet und wieder zusammenzieht. "Rust & Bone" ist hingegen einer Flüssigkeit ähnlich, die durch klar definierte Kanäle läuft. Wir geben dem Hörer dieses Mal nicht so viele Freiheiten, wir führen ihn auf vorbestimmte Wege und fungieren als Reiseführer. Allerdings geschah dies während der Arbeit an den Songs eher unterbewusst. Erst wenn Du Dich zurücklehnst und Dein Schaffen analysierst, realisierst Du diese neuen Muster oder Züge, die sich aus der Musik ergeben. Aber nochmal: es kommt auf Deine eigene Perspektive an, und genau darum handelt es sich bei meinen Antworten auch, um meine eigene Sicht der Dinge. Ich bin mir sicher, dass meine Mitstreiter Dir andere Antworten geben würden. Und so soll es auch sein. <<

Lass uns über den Opener "Godether" sprechen, vielleicht Euer bisher bester Song, der in über 16 Minuten leichtfüßig alle Facetten Eurer Musik in sich vereinigt, ohne auch nur eine einzige überflüssige Note zu enthalten. Wie denkst Du über das Stück, und wofür steht der Titel des Songs?

>> Wir lieben dieses Stück Musik tatsächlich sehr, und Du hast recht wenn Du sagst, dass es je einen kleinen Teil der gesamten DNA der Band enthält. Es war der erste Song, an dem wir arbeiteten und er durchlief zwei sehr unterschiedliche Entwicklungsstufen im Laufe des kreativen Prozesses, was für uns allerdings nichts Ungewöhnliches ist. Für mich handelt es sich um einen sehr gelungenen Ausdruck all unserer musikalischen Absichten, der sich natürlich entwickelte, sowohl im Hinblick auf die sukzessive Entstehung des Stücks als auch bezüglich der Methodik, wie wir unserem ureigenen Sound hier neue Elemente hinzufügten. Der Drive des Songs ist sehr fordernd und intensiv - er schreckt nicht davor zurück, Dich in die Knie zu zwingen mit seiner aggressiven Rauhheit, die wir in dieser Form bisher noch nicht erreicht haben. Es ist eine Anklage, eine Schelte der gesamten Menschheit. Was den Titel angeht: "Godether" klingt schlicht angemessen mächtig und bedeutsam. Wir nähern uns menschlichen Befindlichkeiten und dem Weltgeschehen oft, indem wir die zwischen den Zeilen der offiziellen Interpretationen lesen. Hier blicken wir auf den "Äther", der die Räume zwischen den uns stündlich durch Massenmedien, soziale Medien und Werbung in den Schlund gezwungenen "Wahrheiten" einnimmt. Wir sind umgeben von Propaganda, und obwohl wir mit Nachrichten überschüttet werden, erfahren wir paradoxer Weise häufig doch weniger als jemals zuvor. Alles ertrinkt in einem Meer aus Hintergrundgeräuschen, die produziert werden, um uns vom Eigentlichen abzulenken und nur dasjenige zu hören, was man uns glauben machen will. Wie ich schon sagte: alles hängt irgendwie zusammen. Theoretisch liegt die gesamte Geschichte menschlichen Kunstschaffens vor uns, alles wurde bereits hinterfragt, über alles philosophiert, und wir könnten uns leicht dieser Ressourcen bedienen. Allerdings geht es uns auch nicht darum, einfache Antworten auf schwierige Fragen zu liefern. Es geht vielmehr darum, jenen "Godether" zu erkunden. Wir schlagen hier und da Pflöcke ein, die verbunden vielleicht zur Orientierung beitragen können. Wir stellen die Frage, welchen Platz wir alle im großen Ganzen einnehmen: "Are we mere space dust, drifting through time?" <<
"The Mantle Tomb" ist der bisher epischste aller Mourning-Beloveth-Songs, klingt er doch beinahe wie ein SloMo-Version Primordials.

>>Kann man so sehen, muss man aber nicht. Aber es ist sicherlich eine andere, vielleicht auch neue Art von Mourning-Beloveth-Song, die es in unserem bisherigen Schaffen noch nicht gab. Die klare Stimme von Frank (Brennan, Gitarrist und Sänger der verblichenen Old Season - PM) trägt sicher zum "epischen" Gesamteindruck bei. <<

"A Terrible Beauty Is Born" erkundet ebenfalls neues Territorium und klingt für mich wie die von einer Doom-Death-Band aus dem heimischen Boden gerissene Alraune des irischen Folk.

>> Das ist ein anderer jener Songs, die uns alle mit großem Stolz erfüllen, und zwar aus mehreren Gründen. Wir haben uns weit aus unserer Komfortzone bewegt, was unsere übliche Art und Weise des Komponierens betrifft. Zudem haben wir zum ersten Mal den Text nicht selbst verfasst, sondern den letzten Vers des berühmte Gedichts "Easter 1916" des irischen Nationaldichters W.B. Yeats vertont. Das Gedicht handelt von der gescheiterten irischen Rebellion gegen die englische Herrschaft im Land und wurde direkt im Anschluss verfasst. Die Rebellion dauerte nur 3-4 Tage, sie wurde im wahrsten Sinne des Wortes zermalmt und die Innenstadt Dublins dem Erdboden gleich gemacht. Aber im Laufe dieser wenigen Tage schafften es ca. 150 Iren doch, sich dem mächtigen Empire entgegenzustellen. Warum das Gedicht uns jedoch so anspricht, liegt weniger an den landestypischen Ressentiments gegen die englische Herrschaft oder an dem Impuls, einen blutigen aber gescheiterten Aufstand zu glorifizieren. Vielmehr treibt uns die Frage um, warum diese Menschen all dies auf sich nahmen, wohl wissend dass ihre Handlungen ihnen den Tod bringen würden - warum akzeptierten sie dies nicht nur, sondern umarmten den Tod sprichwörtlich? Es geht um die Idee des Blutopfers, das eigene Blut als Inspiration für andere herzugeben und, obwohl das Scheitern vorprogrammiert war, so einen Katalysator für die folgende, erfolgreiche Rebellion zu schaffen. Und was hat sich 100 Jahre danach geändert? Schau Dir doch die EU an, die Politik der "austerity" (die Politik [nicht nur] der deutschen Regierung, die hochverschuldeten EU-Mitgliedern strenge Finanzvorschriften auferlegte - PM), schau Dir die ganzen Möchtegernmachtmenschen an. Wir werden noch immer von außen gesteuert. Es scheint, als sei unsere Gesellschaft so gestrickt, und zwar bloß aus dem einen Grund, die Macht der Herrschenden zu sichern. Das Thema ist also universal, es betrifft uns alle gleichermaßen. Wir erzählen die Geschichte lediglich auf der Grundlage unserer eigenen Historie und Literatur. Der Unterschied liegt allerdings darin, dass heute niemand mehr kämpfen will. Niemand stellt sich dagegen, wir schirmen uns davon ab. Den meisten von uns geht es noch immer so gut, dass wir das Kämpfen getrost anderen überlassen. Nach dem Motto: "Mir geht´s doch gut, mein Leben ist ganz ok, also ist das nicht mein Kampf." Dies scheint mir die vorherrschende Attitüde in der heutigen Zeit. Ich "like" lieber jemanden oder etwas auf Facebook, draußen ist es schließlich zu kalt, um sich für etwas zu engagieren. So wurde ein Keil zwischen uns getrieben, so wurden wir vereinnahmt: "Nothing happens, nobody comes, nobody goes. It´s awful" (Brendan zitiert Samuel Becketts "Warten auf Godot" - PM). <<
Zu weltlicheren Dingen. "Rust & Bone" ist Euer erstes Album für Ván Records. Warum der Wechsel?

>> Es fühlte sich so an, als wären wir in einem natürlichen Prozess am Ende der Kollaboration mit Grau angelangt. Wir hatten eine Vision, wohin wir wollten, und dies beinhaltete die Suche nach einem neuen Partner. Wir hörten uns in aller Stille ein wenig um, betrieben eigene Nachforschungen über verschiedene Labels und deren Inhaber, berieten untereinander, wonach wir eigentlich suchten. Es gab keine öffentliche Bekanntmachung oder ähnliches. Um Geld kann es bei uns eh nicht gehen, lediglich um die Interessen der Band, unsere künstlerische Vision, die wir ohne Einmischung vorantreiben wollen. Als alle Faktoren auf dem Tisch lagen, blieb lediglich eine Option: Sven und Ván Records. Wir hatten keinen Plan B. Als sich also die Möglichkeit ergab, Sven hier in Dublin zu treffen, lockten wir ihn in einen Hinerhalt, füllten ihn mit Ale ab und beschwätzten und folterten ihn, bis wir einen Handschlag erpresst und darüber hinaus einen losen Plan hatten. Bisher sind wir schlicht begeistert vom Support des Labels. Für uns kommt dies einer Frischzellenkur gleich, denn wir können uns rein auf die Musik konzentrieren, anstatt uns mit Labelpolitik auseinandersetzen zu müssen. Hoffentlich beruht die Begeisterung auf Gegenseitigkeit...<<

Mourning Beloveth geistern seit geraumer Zeit durch die Szene, genau genommen seit mehr als 20 Jahren. Wie würdest Du in wenigen Worten die Entwicklung der Band beschreiben?

>> Wir haben uns sowohl als Menschen als auch als Kollektiv entwickelt. Da die Band schlicht eine Projektion ihrer Charaktere ist, hat sich auch unser Sound stark verändert. Daher sagen wir auch, dass jedes unserer Alben einem klanglichen Schnappschuss gleicht, der einen Einblick in unsere jeweiligen Befindlichkeiten ermöglicht. <<

Und wie stand und steht es um die Doomszene in diesem Zeitraum?

>> Sie hat sich definitiv verändert, und nicht unbedingt zum Besseren. Die Szene ist was sie ist, und obwohl sie nach wie vor wichtig für uns ist, fühlen wir uns nicht mehr so zugehörig wie wir es mal taten. Wir sind älter geworden, und vielleicht ist es gut, den Kampf um die Szene von jüngeren Bands ausfechten zu lassen, die sich in ihr genau so wohl fühlen, wie wir es zu Beginn unserer Karriere taten. Sind wir überhaupt noch "Doom"? Sicher, und zwar zu 100 Prozent. Aber unsere Definition des Begriffs hat sich radikal verändert, ebenso wie unser Platz innerhalb der Szene. <<

Wann haben deutsche Fans endlich wieder die Chance, Euch live zu bewundern?

>>Momentan ist leider nur eine Show terminiert, und zwar für das ´Acherontic Arts Festival´ unseres Labels Anfang Mai. Das Line-up ist wirklich beeindruckend, und wir freuen uns sehr auf diese Erfahrung. Allerdings gibt es weitergehende Pläne, also checkt regelmäßig unsere Facebook-Seite für Details. <<

Bis dahin liegt mit "Rust & Bone" jedoch eine potente Ersatzdroge vor, deren Genuss die Vorfreude weiter steigern wird.
http://www.mourningbeloveth.com
Patrick Müller.


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