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Interview-Section :: LANCE KING

LANCE KING
Metal rund um die Uhr
Glaubt mir, ich habe selber nicht damit gerechnet jemals ein Interview mit Lance King zu führen, da mich all’ seine bisherigen Spielwiesen wie etwa Avian, Pyramaze oder Balance Of Power nicht gerade begeistern konnten. Solide, technisch versiert, aber nicht meine Baustellen. „A Moment in Chiros“, das erste tatsächliche Soloalbum des US-Sängers, vermochte aber – völlig unerwartet – Begeisterung zu entfachen. Mit Kings zahlreichen Aktivitäten (Bands, Nightmare Records, eigene Radioshow etc.) war zudem genügend Gesprächsstoff vorhanden und glücklicher Weise hatte Lance auch mehr als nur den üblichen Promo-Kram zu erzählen…
Lance, Du bist seit jeher in diverse Bands und Projekte involviert. Wie kam es zur Idee und letztendlichen Entscheidung vorerst alles auf Eis zu legen und Dich auf ein Soloprojekt unter eigenem Namen zu konzentrieren?

>> Nun, beim Großteil meiner Arbeiten reduzierten die jeweiligen Songwriter meine Kreativität auf die Stimme an sich und meinen Sinn für Melodien, ich konnte somit kaum eigene Texte und meine vollständige kreative Kraft einbringen. Um keinen falschen Eindruck zu erwecken: ich mochte die Alben, Bands und Projekte an denen ich mitgearbeitet habe, zur jeweiligen Zeit immer sehr, sonst hätte ich nicht teilgenommen, aber ich wollte im Endeffekt mein eigenes Ding durchziehen. Eigentlich plante ich beim neuen Album auch den Löwenanteil der Musik zu schreiben, aber ich war mit Nightmare Records so beschäftigt, dass mir irgendwann klar wurde, dass ich trotz des Anspruchs ein Solo-Album zu verfassen, nicht alles alleine stemmen kann. Diese Einsicht und die Tatsache, dass ich viele großartige Musiker kenne, machten die Entscheidung diverse Songschreiber einzubinden dann doch recht einfach. Ich habe die Kooperation mit anderen Musikern und das Jonglieren mit neuen Ideen eh schon immer gemocht und mein Geschmack hinsichtlich Rock und Metal ist breit gefächert, daher war es letztendlich toll viele kreative Köpfe an Bord zu haben. <<

Wie hast Du die Inklusion der diversen Songwriter (u.a. Jacob Hansen (der auch an der überzeugenden Produktion beteiligt war), Fred Colombo (Spheric Universe Experience), Kim Olesen (Anubis Gate), Markus Sigfridsson (Darkwater), Michael Harris (Darkology, Thought Chamber), Tore St Moren (Jorn), Elyes Bouchoucha & Melek Ben Arbia (Myrath)) letztendlich initiiert?

>> Am 30.Juni 2011 gab ich ein dreiseitiges grobes Konzept an potenziell interessierte, musikalische Freunde heraus, zu diesem Zeitpunkt hatte ich ein paar Basisfassungen einiger weniger Songs beisammen, die ich ebenfalls zur Verfügung stellte, frei nach dem Motto „wer will dabei sein und etwas beisteuern?“. In drei Monaten hatte ich das Album, bereit fürs Presswerk, vor mir liegen. <<

Da ich beim besten Willen keine Fließband-Arbeit hören kann, spricht dies wohl eher für den tatsächlich vorhandenen kreativen Geist und die reibungslose Kooperation der involvierten Musiker.

>> In der Tat, Kommunikation war in diesem Prozess äußerst bedeutsam, ebenso Organisation und eine Idee bzw. Vision, wie man die Fragmente ohne stilistische Brüche verbindet. Zum Glück hatten Kim Olesen und Jacob Hansen, meine Co-Produzenten, ein Konzept parat, wie man die vielen beteiligten Akteure und die verstreut über den Globus getätigten Aufnahmen wie ein schlüssiges Gesamtbild wirken lässt und nicht wie eine Aneinanderreihung verschiedener Bruchstücke. Über die Aufnahme- und Mixtechniken hinaus war es aber ebenso wichtig, dass Kim die basischen Songs verschiedener Autoren mit seinen zusätzlichen kompositorischen Ideen zu einem Ganzen geführt hat.
Was meinen Part betrifft, so verlief alles unglaublich schnell, nachdem ich die besagten Notizen verschickt hatte. Das kam mir wirklich gelegen, da ich es liebe zügig und konzentriert zu arbeiten und meine Deadlines in der Regel auch sehr knapp setze, weil es mir hilft mich auf Essentielles zu fokussieren. Zwei Wochen nach der Verschickung an jene Leute, mit denen ich arbeiten wollte, hatte ich Rohmaterial für zwei Alben in meinem itunes-Bereich. Ich hörte mich aufmerksam durch alles hindurch und pickte mir jene Sachen heraus, die dem Konzept zu entsprechen schienen und die mich umgehend zu Texten und Melodien inspirierten. Ich nahm mir dann Track für Track vor, schrieb jeweils einen Song zu Ende und nahm ihn am gleichen Tag auf. Als somit ein Grundgerüst stand, schickte ich die Demos mitsamt Gesangsaufnahmen zu Kim und Jacob. Zum Glück gefiel ihnen alles, was ich ihnen zukommen ließ, haha, und sie begannen ihre produktionstechnische und ergänzende kompositorische Arrangement-Arbeit. Um Dir ein Beispiel für ihren Job zu geben: Ich liebte die Vorschläge der Myrath-Jungs, woraus “Joy Everlasting” wurde, aber ich konnte keinen Refrain entdecken, also bat ich Kim noch eine Chorus-Vorgabe beizusteuern. Was er mir daraufhin zusandte klang unglaublich gut und verband die vorhandenen Teile perfekt. <<
Ich kann Dir nur beipflichten, „A Moment In Chiros“ klingt eben gerade nicht nach einem Puzzle diverser Komponisten und müffelt auch nicht nach charakterlosem Projekt, sondern wirkt - trotz aller Vielseitigkeit - wie eine Einheit. Ein anderer wichtiger Aspekt ist meines Erachtens die großartige Balance zwischen Metal und Melodie.

>> Oh, Danke! Das war auch genau die Idee, denn mein persönlicher Anspruch an gute Musik ist immer die Verbindung von ’Einstellung & Kunst’ oder ’Metal & Musikalität’. Melodien und Harmonien sind meine großen Anliegen. Das Album vereint viele Aspekte von Rock & Metal, es ist sehr dynamisch, von zurückhaltend und brodelnd über intensiv bis hin zu aggressiv. <<

Dein Werk setzt sich mit dem so genannten ’11:11 Time Prompt Phenomenon’ auseinander, welches sich letztendlich mit möglichen Bedeutungen hinter mysteriösen Zeichen, Zahlencodes, zeitlichen Abläufen und Synchronizität befasst und ein “die Wahrheit ist irgendwo da draußen und wir sind nicht allein“ - Flair versprüht. Hierzulande ist der Begriff an sich allerdings eher unbekannt.

>> Stimmt schon, bis unlängst gab es recht wenige Informationen rund um dieses Phänomen. Seit digitale Uhren weit verbreitet sind, recherchierten aber viele Menschen zu diesem Thema und warfen Fragen auf. Die Elf ist eine ursprüngliche, universelle Zahl, auf der das Universum basiert. Wer sich für Numerologie interessiert, wird durch dieses Zahlenphänomen interessante Informationen erhalten. Wer seine Bibel kennt, erfährt Interessantes. Wer Quantenphysik versteht ebenso und wer Esoterisches und Spirituelles in sich trägt hat sowieso. Die Nummer 11 ist Teil der heiligen Geometrie und beinhaltet eine tiefere Bedeutung als ich es Dir jemals erklären könnte. Es existiert eine solch’ große Menge an Information, ich habe z.B. mehr als fünfhundert Seiten zusammengetragen, die letztendlich auch das Material für die elf Songs beinhalteten, und dies kratzt immer noch nur an der Oberfläche. Aber es gibt viele Schlüsselwörter und Symbolik, die man ohne Vorwissen nicht begreifen oder einordnen kann, die aber vielleicht doch von den Hörern auf ihre Weise interpretiert werden können. <<

Was genau hat Dich dazu gebracht umfassend in diesen Themenkomplex einzusteigen und zu der Entscheidung geführt, dass es ein passender Rahmen für ein Albumkonzept sei?

>> Ganz einfach weil ich eine persönliche Beziehung hierzu habe. Ich habe damit gelebt und es erlebt und wollte mehr darüber wissen. Es hat mich geradezu verfolgt, je mehr ich eintauchte und allgemeine Bedeutungen erfasste, desto mehr sah ich die doppelten und dreifachen Zahlenkombinationen. Wenn ich wieder hiermit konfrontiert wurde, recherchierte ich und versuchte herauszufinden welche Bedeutungen sich für meine Gefühle in den jeweiligen Momenten ergaben, was in meinem Leben auf persönlicher und spiritueller Ebene passierte. Vieles hiervon und weite Teile meiner Ausführungen richten sich an spirituell Suchende, es werden keine konkreten Dinge angesprochen, die Du sehen und berühren kannst, sondern Aspekte die eher als Teil einer Reise zur persönlichen Erweckung gelten könnten. Ein Aufwachen und Sehen von Dingen, die größer sind als wir uns vorstellen können, eine unbekannte Welt hinter jenem uns bekannten Vorhang, den wir mit unseren limitierten Sinnen begreifen. <<
Unabhängig vom konzeptuellen Inhalt, den man nicht unbedingt teilen muss, sondern auch als esoterisches Phantasiegebilde abtun könnte, funktionieren Melodiemonster wie „Awakening“ und „A Given Choice“, ProgPower-Smasher wie etwa der Opener „A Sense Of Urgency“, die Klavierballade „Kibou“ oder das straighte Traumtheater „Infinity Divine“ auf allen erdenklichen Meta-, äh, Metal-Ebenen. Was ich überaus begrüßenswert finde und Dich als Menschen auszeichnet, der nicht mit geschlossenen Augen durchs Leben läuft, ist die Tatsche, dass Teile des Verkaufserlöses an ’Not For Sale’ weitergereicht werden, wobei es sich um eine gemeinnützige, wohltätige Organisation handelt, die sich gegen "Human Trafficking", Menschenhandel zu perfiden Zwecken (Zwangsarbeit, sexuelle Ausbeutung), engagiert.

>> Genau, ich wurde vor kurzem auf die Problematik des "Human Trafficking" aufmerksam gemacht und hatte zuvor keine Vorstellung davon, wie groß und dringlich dieses Thema ist. Ich bin mir nicht mal sicher warum es mich wirklich derart geschmerzt bzw. mein Herz berührt hat hiervon zu erfahren, aber es ist wirklich ein globales Thema, denn es passiert überall. Ich meine, wenn Du ein Soldat bist, der in den Krieg zieht, hast Du zumindest eine gewisse Ahnung, dass Dir Gräueltaten begegnen können, aber wenn Du z.B. ein kleines Kind bist, hast Du keinerlei Vorstellung, dass Dir etwas derart Schreckliches passieren kann. Ich hatte selber kein Geld in der Tasche, um die Vorhaben von ’Not For Sale’ unterstützen zu können, dachte mit aber, dass wir als Gruppe, als Metal-Familie, einen gemeinsamen Beitrag leisten können. Daher spende ich meine gesamte Künstler-Lizenzgebühr, die ich pro verkaufter CD erhalte, und das sind 1,11$ pro Silberling, für die genannten karitativen Zwecke. <<

In einem Gespräch mit Dir kann man Nightmare Records nicht ignorieren. Kannst Du uns diesbezüglich mal einige Einblicke verschaffen? Speziell würde mich interessieren welche täglichen Aufgaben für Dich anfallen, wie das Label strukturell konzipiert ist und wie Du die Entwicklung(en) des Labels und der die Firma umrahmenden Musikwelt beurteilst…

>> Nun, Du fragst mich also danach die Illusion einer Firma darzulegen bzw. zu zerstören und vielleicht ist es auch Zeit hierfür. Nightmare Records bin ich, es ist - bis auf meinen sehr hilfreichen Webdesigner, der auch Cover-Artworks anfertigt - schlichtweg eine ’one man show’, daher sind meine zahlreichen täglichen Verpflichtungen auch kaum zu benennen. Natürlich habe ich Vertriebspartner, aber die in anderen, vergleichbaren Firmen auf mehrere Leute verteilten Jobs liegen alle bei mir. <<
>> Ich habe das Label parallel zum Start meiner eigenen musikalischen Aktivitäten 1990 ins Leben gerufen. Über die Jahre verändern sich Stile, Moden, Hörgewohnheiten. Die Tage der ’Rockstars’ sind vergangen, natürlich gibt es noch aktuelle Bands, die ziemlich groß werden, aber die Kontrolle der Labels hierüber verschwindet, egal wie viel Geld Du für Marketing hast, im Endeffekt musst Du den Geschmack der Leute treffen. Die technologische Entwicklung führte dazu, dass wir fünftausend Metal-Alben pro Jahr vorgeworfen bekommen, da jeder zu Hause oder für ein kleines Budget ein Album aufnehmen kann, um den Markt hiermit zu füttern und zu übersättigen. Dieser Markt teilt sich in eine immer größere Anzahl Subgenres auf, zersplittert quasi und helle Sterne sind in der Masse schwierig zu finden. Technische Evolution hat diesbezüglich nicht nur Musikszenen verändert, sondern beispielsweise auch Radiostationen, Print-Mags oder die wenigen TV-Musiksendungen. All’ dies existiert in unglaublich hoher Anzahl, ebenfalls fragmentarisch, im Netz. Mehr ist heutzutage also wörtlich genommen tatsächlich mehr, haha. <<

Bands, Projekte, Soloalbum, Radioshow, Plattenfirmenboss bzw. alleiniger Business-Kämpfer, woher zur Hölle hast Du den 30-Stunden-Tag bekommen? ;-) Woher kommt das Feuer, die Energie, die Motivation Dir derartig viele Aufgaben vorzuknöpfen, gerade in nicht gerade (finanziell) rosigen Zeiten für Musikschaffende?

>> Ganz einfach, ich gebe niemals auf. Ich bin ein Metal-Krieger, der keine Niederlage akzeptieren will und wenn Du mich fragst sind die meisten Leute einfach Weichlinge, hahaha. Ich arbeite viel, weil ich liebe was ich mache, das macht alles wesentlich einfacher. Zudem möchte ich Musik an die Leute bringen, Musik die es meines Erachtens verdient hat gehört zu werden. Natürlich muss auch ich meine Rechnungen bezahlen und Du musst hierfür einfach härter arbeiten als in diversen anderen Geschäftszweigen. Du musst auch bezüglich der Business-Seite kreativ, neugierig und erfinderisch sein. Manches funktioniert und manches entpuppt sich als Zeitverschwendung, das muss man akzeptieren. Zudem muss eine gute Selbstorganisation vorhanden sein. Für mich ist es einfach der perfekte Job, ich besitze den Drang immer nach vorn zu sehen und meinen Weg zu gehen, bin stur und arbeite eh am liebsten alleine, mit vielen Leuten um mich herum würde ich mich verzetteln und vielleicht gar weniger schaffen als es momentan der Fall ist. <<

Auch die finalen Worte fallen bei einem umtriebigen Geist wie Lance entsprechend weniger stereotyp aus.

>> Kriegt Eure Metal-Ärsche hoch und unterstützt die Bands, die genau das tun was Ihr liebt! Tourneen ziehen nicht mehr wie sie sollten, Bands verkaufen weniger als sie sollten. Kauft Merchandise Eurer Lieblingsbands, erzählt anderen von tollen Acts, seid Teil der Lösung und nicht Teil des Problems. Verkommt nicht in Apathie, sonst werdet Ihr genau jene Dinge verlieren, die Ihr am meisten liebt. Bands benötigen Euren Support! Ich würde mich freuen wenn ihr meine Webseite ancheckt, wenn ihr mein Album oder irgendetwas von anderen Künstlern mögt, deren Werke ihr zum Teil in voller Länge dort hören könnt, wisst Ihr also was zu tun ist. Ich wünsche Euch ein fantastisches Jahr 2012! <<

Ebenso. Und Danke für ein informatives Gespräch fernab der Interview-Konfektionsware.
http://www.NightmareRecords.com http://www.lancekingvox.com
Christoph Lücker.


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