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ALLE REVIEWS :: Index: 'M' :: MARC ALMOND

MARC ALMOND

HEART ON SNOW ( min.)

XIII BIS / EDEL
Die russische Seele (zumindest die künstlerische!) wird von zwei Emotionen bestimmt: tiefer, schon kitschiger Traurigkeit, und einer gleichermassen fast sarkastischen Ironie. Zwischen diesen beiden Polen bewegen sich, Tee- und Wodka trinkend, filterlose Zigaretten rauchend, Schriftsteller, Musiker und Schauspieler dieses riesigen Landes seit Jahrhunderten. Nachempfinden kann man dies als Westeuropäer kaum, nur ansatzweise beim Lesen (gerade jüngerer) russischer Literatur, dem Betrachten der Architektur und (wenn man sich denn darauf einlassen will) vor allem in ihrer Musik erahnen. Kein Wunder also, dass der Meister des gepflegten Kitsch, der theatralischen Intonation und (meiner Meinung nach) beste "Torchsinger" des 20. Jahrhunderts, Mr. Marc Almond, nach Ausflügen in die spanische Gefilde (Mitte der 80er), diese Gefühle nach der Wende für sich entdeckte. So tourte er Anfang der 90er Jahre mehrmals durch Russland, Sibirien und die baltischen Staaten und wurde mit großer Begeisterung empfangen. Verwunderlich eigentlich nur, dass die Idee zu dem neuesten musikalischen Outputs des kleinen Engländers nicht von ihm selbst, sondern von dem russischen Produzenten Misha Kucherenko stammt. Dieser nähmlich war der Meinung, dass Almond der einzige westliche Künstler sei, der die russische Seele der Musik in seinen Songs zum Ausdruck bringen kann.
Von der ursprünglichen Idee, ein russisch orientiertes Album mit ausschließlicher Pianobegleitung aufzunehmen, wich man in den Jahren mehr und mehr ab. Nachdem Almond die russischen Texte ins Englische übersetzen ließ und halbwegs erahnte, welche Kraft, welche Trauer, welche Sehnsucht hinter den einzelnen Stücken lag, beschloss man, diese mit allen möglichen russischen Musikern zusammen aufzunehmen. Heraus gekommen ist ein Album, das es in sich hat. Schon beim Intro "So Long The Path" erklingt neben Almonds unvergleichlichem Organ ein klassicher, russischer Männerchor a la Wolgatraidler, das es einem nur so kalt und wohlig den Rücken hinunterläuft. Die restlichen Stücke wandern spielend zwischen leicht jazzigen Arrangements ("Oh My Soul") und den erwarteten schwülstig, traurig, gebrochenen Stücken ("Two Guitars", "Gosudariunia") hin und her. Hier werden Geschichten von verzweifelten Menschen und zerbrochenen Liebschaften erzählt und so bewegt sich Marc Almond also trotz der sprachlichen Barriere auf vertrautem Boden; trieft der Wodka als ständiger Begleiter, das Blut der Wunden, die Traurigkeit der Augen, die Kälte des Winters und die Wärme des Kaminfeuers gleichermaßen aus den Boxen, das man nur noch heulen möchte.
Fast schon kongenial sind vor allem die vielen Duette mit russischen Sängerinnen und Sängern, allem voran die über achtzigjährige Alla Bayanova, die mit Almond zusammen eine perfekte Einheit bildet und ein wenig den Geist, die Seele dieser Lieder in unsere westlichen Ohren transportieren. Besonders an den Stellen wo Mr. Almond sogar russisch singt. Mit diesem Album beweist "die alte Schwuchtel", dass er immer noch den Mut zum Experiment hat und einer der ganz großen Ausnahmekünstler unserer Zeit ist, denn die westlichen Hitparaden wird "Heart On Snow" garantiert nicht stürmen.
Wer aber ein offenes Herz für die ganz großen Gefühle, den gepflegten Kitsch und die genussvoll zelebrierte Traurigkeit hat, sich nicht an der ungewohnten Sprache stört, sollte hier auf jeden Fall zugreifen. (Taschentücher bereit halten!)
9/10 - TS


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