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ALLE REVIEWS :: Index: 'M' :: METALLICA

METALLICA

HARDWIRED... TO SELF-DESTRUCT (2CD) (77:49 min.)

VERTIGO / UNIVERSAL
Nein, ich lege die "(Re)Load"-Scheiben heutzutage nicht mehr auf (außer gelegentlich "Bleeding Me"); ja, ich habe dereinst versucht, mir "St Anger" schön zu hören (erfolglos übrigens); nein, ich freute mich dereinst nicht wirklich auf die VÖ von "Death Magnetic", das trotz einiger guter Songs ("All Nightmare Long") ein Durchschnittsalbum mit vielen selbstverliebten und nichtsnutzigen Instrumentalpassagen bleibt. Und dann erschienen im Vorlauf von "Hardwired..." jene drei Songs, die mich umgehend in einen ehrfürchtig vor seiner Anlage knienden Teenager, der jede Sekunde von "Master Of Puppets" auf dem Tennisschläger nachspielen kann, rückverwandelten: der endgeil rockend-speedige Titeltrack, das melodisch inbrünstige "Moth To Flame" und das mit einem wunderbaren Riff, einem fantastischen old school-Refrain und zum Heulen schönen Harmonien (das Video wurde sicherlich beabsichtigt vor Burton-Fanfahnen inszeniert) begeisternden "Atlas, Rise!" (mit der coolen Textzeile "blame the world and blame your maker, wish ´em to the undertaker...") bewirkten, dass ich mich in die 80er und 90er zurückversetzt fühlte, als man den Alben seiner Lieblingsbands noch im Plattenladen hinterherlief. Endlich hatten Hetfield & Co. ihre Bestimmung, endlich "Motorbreath", "The Four Horsemen" sowie "No Remorse" Entsprechungen im 21ten Jahrhundert gefunden, und zwar ohne jede peinliche Anbiederung an speedig-thrashige Zeiten. Vielmehr schienen Metallica ihre Einflüsse aus Hardrock (Thin Lizzy!) und NWOBHM endlich in einen ureigen neuen, gleichsam zupackenden und melodiösen Sound gefiltert zu haben, bei dem auch Hetfield eine neue Meisterschaft erreicht zu haben schien, was die Harmonisierung seiner Gesangslinien mit den Riffs und Breaks sowie die Wortgewalt seiner Texte anbetrifft. Schienen?

Nun, dieses Niveau vermag "Hardwired..." erwartungsgemäß nicht durchgängig zu halten, jedoch besitzt es genügend Ideenreichtum und Bumms, um auch verloren geglaubte Fans wieder für die Band begeistern zu können. Da wären die interessant aufgebaute, von einem mächtigen Melody-Riff getragene und im melodischen Schlusspart schier mitreißende Halbballade "Halo On Fire" (eine beinahe feminine Seite von Hetfields Stimme offenbarend), die PTBS-Vertonung "Confusion" verbindet (auf "All Nightmare Long"-Niveau) die einleitenden militärischen Rhythmen und ein bärenstark treibendes Riff mit den das Thema umsetzenden Brüchen (sprich: Breaks), "Dream No More" ist mit seinen unerwartet massiven Riffs im Downtempo ein echter Grower, und der lässige Rocker "Now That We´re Dead" wird zu Hetfields "Born To Be Wild" (und bietet nebenbei Hammetts seit langem bestes Solo). Wem der endgeil-speedige Rausschmeißer "Spit Out The Bone" (hier geht die NWOBHM in "Damage, Inc." auf) nicht den Zeiger auf zwölf Uhr stellt (diese Harmonien im Mittelteil!), ist eh kein potenzieller Metal(lica)-Fan. Und damit sind auch schon 8/12 des Albums abgefrühstückt! Was bringt das restliche, samt und sonders auf der zweiten CD versammelte, Drittel? Mit "Here Comes Revenge" verhält es sich ähnlich mit "Dream No More": lässt man sich auf die dem zunächst sperrig anmutenden Song innewohnenden dichten Grooves ein, gewährt der Song reichliche Belohnung. "Am I Savage?" hilft Omma von nebenan mit dem Sludge-Knüppel über die Strasse, könnte dabei jedoch etwas besser auf den Punkt kommen, sonst läuft Omma Gefahr, verlustig zu gehen. Die Lemmy-Hommage (textlich, nicht musikalisch) "Murder One" strotzt ebenfalls nicht eben vor Ideenreichtum und kommt ausgerechnet etwas behäbig daher (stattdessen hätte man sich das deutlich stärkere "Lords Of Summer" auf dem regulären Teil des Albums gewünscht). "ManUNkind" ist ein unheilvoll dräuendes Experiment und klingt irgendwie, als würden sich Metallica an einer Verbindung von Proto-Metal und progressiven 70ies-Strukturen versuchen, dabei allerdings gepflegt vor die Wand fahren.

Knapp 80 Minuten Musik also, und davon sind ca. 65 Minuten voller Klasse und Emotionen, da lassen sich zwei bis drei schwächere Songs absolut verkraften. Ein Album, auf dem Cliff Burton mit stolzgeschwellter Brust gerockt hätte und welches man wohl auch Rob Trujillos psychologischem Einfluss aufs Bandgefüge zuschreiben muss, jedenfalls eines, welches genau den Übergang vom schwarzen Album zu den modernen Metallica nachzeichnet, ohne die inzwischen erfahrenen und eingangs skizzierten Brüche. Aber die Freude ist nach der Durststrecke umso größer... Endlich ist dieses stetig wachsende Monster mit seiner ursprünglichen Fanbase zusammengewachsen. Wer anderes behauptet, ist mindestens ein Träumer, denn das hier ist nach gefühlten Äonen wieder ein Album, für dessen Songs echte Fans bei einem Livekonzert gerne auf den einen oder anderen Klassiker verzichten werden - und das mich persönlich überhaupt erst anfixt, Metallica Mk III mal live zu erleben. Und nur so wird man schließlich nicht zu seiner eigenen Jukebox. Irgendwann, da bin ich mir sicher, wird dieses Album zu den Klassikern in der Diskographie der Band zählen. Ohne die drei erwähnten Schwachstellen wäre mir "Hardwired..." auf einer einzigen CD versammelt noch einen halben Zähler mehr wert gewesen. Und ist damit nicht schwächer, aber eben komplett anders, als "... And Justice For All".
9/10 - PM.


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