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MAGAZIN :: Index: 'B' :: BISCLAVERET

BISCLAVERET
Düstere Visionen
Aus Polen kommen mittlerweile in zunehmendem Maße Bands aus dem Dark Ambient- und Industrialbereich, die über ihre Landesgrenzen hinweg für Aufmerksamkeit und Furore sorgen. Bisclaveret ist eine von ihnen, die nach einer Vielzahl von selbstproduzierten Veröffentlichungen ihr letztes Album „Psyche noMine“ beim irsraelischen Label „The Easter Front“ vorgelegt hat. Die düstere und bedrohliche Stimmung nimmt den Hörer dabei vom ersten bis zum letzten Ton gefangen und erinnert in seiner Intensität an die Grossen des Genres, an Bands wie In Slaughter Natives, Sanctum oder Mondblut. Vor diesem Hintergrund war ein Interview mit Biscalveret und hier mit Sänger Dragos unvermeidlich.
Kannst du mir einige Information über die Gründung Bisclaverets geben, vor allem im Hinblick auf andere Projekte, in die ihr vorher involviert gewesen seid? Konzentriert ihr euch heute ausschliesslich auf Bisclaveret oder gibt es andere Projekte, in denen ihr aktiv seid?

>> Was kann ich noch über Bisclaveret erzählen, was nicht bereits in unserer Biographie erwähnt ist? Wir existieren seit 2000 und haben als Duett begonnen, da wir uns entschieden haben Musik zu spielen, wie du sie auf unseren Alben hören kannst. Viele unterschiedliche Bands und Leute haben uns während vielen Konzerten unterstützt. Wir sind mit Schauspielern vom Wybrzeżak Theater und der „The New Performance Group“ aufgetreten. Zuletzt hat uns Wookie mit Backing Vocals und Performance unterstützt. Es gibt eine Möglichkeit für Kollaborationen mit anderen Künstlern, aber die nächste Zeit werden wir als Duett arbeiten. Andere Projekte aus der Zusammenarbeit sind keiner besonderen Erwähnung wert. Thorn ist noch Mitglied bei einer Metal-Band (Mastabah, Anm. der Verf.), wobei Metal mich aber nicht sonderlich interessiert. Ich arbeite zwar noch an einem Nebenprojekt, aber es ist noch viel zu früh darüber zu sprechen. <<

Ich finde, es ist eine sehr interessante Konstellation, dass eine polnische Band bei einem Label aus Israel unter Vertrag steht. Wie ist der Kontakt zu „The Eastern Front“ zustande gekommen?

>> Das ist wahr, man könnte meinen, dass es ein wenig exotisch oder ungewöhnlich ist. Natürlich haben wir viele Labels in Polen, aber ich finde, Musik kennt keine Grenzen und es gibt viel interessante Labels auch ausserhalb Europas. Igor und Tanya sind wirklich tolle Menschen, die in der Dark Ambient- und Industrialszene sehr aktiv sind und sehr viel Zeit investieren ihre Veröffentlichungen zu promoten. Ich hoffe, es wird auch zukünftig bei anderen Veröffentlichungen möglich sein mit ihnen zusammen zu arbeiten. Das heisst jetzt aber nicht, dass The Eastern Front das einzige Label wäre, mit dem wir zusammen arbeiten wollen. Uns ist wichtig, dass die Alben in der Form erscheinen, wie wir es uns vorstellen. Unser Manager hatte Kontakt zu Igor und Tanya aufgenommen, die unsere älteren Releases kannten. Sie wussten also, was sie von „Psyche noMine“ zu erwarten hatten. Das Produkt unserer Zusammenarbeit ist diese CD. <<
“Pyche noMine” ist mein erster Kontakt mit Bisclaveret und ich war vom ersten Moment an schwer beeindruckt., erinnert mich das Album doch an Bands wie Mondblut, In Slaughter Natives oder Sanctum. Kannst du diesen Vergleich nachvollziehen?

>> Vielen Dank für deine enthusiastische Reaktion und die hohe Meinung, die du von „Psyche noMine“ hast. Ich muss gestehen, dass wir sehr stolz sind auf das Album, sowohl in musikalischer, aber auch in graphischer Hinsicht. Wir sind sehr dankbar für die Arbeit, die Rafa in Bezug auf das Layout geleistet hat. Wenn man Vergleiche zieht, dann doch wohl immer auf Basis der Erfahrungen, die man selbst mit Musik gemacht hat. Man kann sicher immer versuchen Vergleiche zu finden, aber wir als Musiker versuchen diese zu vermeiden und unsere Inspiration nicht aus anderen Projekten oder Bands zu ziehen. <<

Kannst du ein paar eurer musikalischen Einflüsse nennen?

>> Wir hören die unterschiedlichsten Formen von Musik, die sehr oft gar nicht mit Dark Ambient zu tun hat. Ich könnte jetzt lange über Bands philosophieren die ich mag. Ich sammle CDs aus allen möglichen Stilbereichen. Neben Dark Ambient und Industrial wirst du in meiner Sammlung auch Rock, Punk, Jazz, elektronische Musik oder Weltmusik finden. <<

“Psyche noMine” klingt wie ein sehr verzweifeltes, fast hoffnungsloses Album. Ein Album, bei dem die düstere und dunkle Atmosphäre jedes Zeichen von Freude und von Leben zu überlagern scheint. Was war euer konzeptionelle Ausgangspunkt für das Album?

>> Verzweifelt? Hm, wahrscheinlich hast du damit sogar ein klein wenig recht. Das Album ist düster und bedrückend und voller psychedelischer Transformationen. Wir lieben die Atmosphäre des Albums, die sehr gut zu den Texten passt, die nicht gerade die strahlenden Seiten des Lebens und die Freude hervorheben. „Psyche noMine“ ist ein Konzeptalbum über einen Menschen, der der Welt, die ihn umgibt, kraftlos gegenübersteht und im Angesicht seiner Ideen das Göttliche anfleht. Der Warnungen ausspricht und aufzeigt was all jene erwartet, die voller Inkompetenz nach Antworten suchen. Es ist ein Blick auf die Welt aus dem Blickwinkel eines Wahnsinnigen, oder vielleicht auch eines Visionärs. <<

Der Titel erinnert mich an einen Trip in der Unterbewusstsein eines Menschen, seine Hoffnungen und all seine Ängste. Ich gehe daher davon aus, dass ihr sehr an Psychologie und paranormalen Phänomenen interessiert seid.

>> Ja, du bist sehr nahe an der richtigen Interpretation. Der Titel ist ein Wortspiel, frei übersetzt ungefähr so viel wie die „Negation einer mentalen oder spirituellen Ebene“ meinend. Lass mich, aus gegebenem Anlass, daher noch die vorherige Antwort ergänzen. Die Welt, aus den Augen eines Irren betrachtet, besteht aus wahnsinnigen Visionen, einer pervertierter Leidenschaft und narkotischer Illusionen, die das wahre Bild unserer Existenz darstellen. Eine Welt ohne Masken, ohne Interpretationen, die durch ein gemeinsames Verständnis oder Schemata gefiltert werden, die durch die grössten Gehirne der Welt designed wurden. <<

Spielt Psychologie und Themen aus diesem Bereich eine generelle Rolle für das Konzept von Bisclaveret?

>> Ja, auf jeden Fall. Psychologische Themen spielen eine sehr wichtige Rolle in unserer Kunst und Psychologie ist einer der Bereiche, der misch sehr stark interessiert. Das findest du in den Texten und hat sich durch das Lesen medizinischer Fachbücher herausgebildet. Ich liebe es psychologischen Novellen zu lesen, beispielsweise von Stanisław Przybyszewski. Ich beobachte sehr gerne Menschen, die als psychisch krank bezeichnet werden und liebe ihre künstlerischen Arbeiten. In das menschliche Bewusstsein einzudringen ist ein faszinierender Trip in das Ungewöhnliche, Fremde und Deformierte, wo es andererseits auch schöne Bilder zu entdecken gibt. Ich glaube, dass Leute, die als verrückt betrachtet werden, über eine grosse Gabe verfügen: den sechsten Sinn. Sie sind wie ein Medium, ein Schamane oder ein Prophet. <<
Wie wichtig ist ein ritueller Aspekt für eure künstlerische Arbeit? Ist eure Musik durch okkulte Themen beeinflusst, und vor diesem Hintergrund auch bezogen auf satanische Einflüsse? Ihr verwendet ja auch Texte von Aleister Crowley.

>> Der rituelle Aspekt unserer Alben ist sehr wichtig. In Themen die wir ansprechen oder in unserer künstlerischen Arbeit aufgreifen. Modernisten und ihre Erben, Witkacy zum Beispiel, haben die These begründet, dass Kunst in der modernen Welt die höchste Form der Religion darstellt und die Künstler ihre Priester und Propheten sind, die durch ihre Arbeit die Wahrheit widerspiegeln. Die Schöpfer des modernen Theaters wie Grotowski oder Kantor sind dieser These gefolgt. Wir auch. Wir proklamieren mit der Zensur und einer rationalen Auffassung durch unsere Kompositionen zu brechen. Was während unserer Konzerte passiert ist ein Ritual und unsere Zuschauer sind die Teilnehmer. Meiner Meinung nach hat Crowleys Philosophie nichts mit dem Satanismus zu tun, wie man ihn heute versteht. Sein Thelema kommt von altertümlichen und magischen Religionen und nicht von einer Philosophie, die auf Negation beruht. Wir respektieren Crowley als grossen Denker und beharrlichen Kommentator des Lebens. <<

Auf eurer Myspace-Präsenz heist es, dass das Jahr 2006 den Beginn einer neuen Ära für Bisclaveret darstellt. Was bedeutet dies im Hinblick auf die Musik wie auch die Texte? Müssen wir mit dramatischen Änderungen im Konzept Bisclaverets rechnen?

>> Ja, 2006 bedeutet für Bisclaveret den Beginn einer neuen Ära. Die Zeit von 2004 bis 2006 stand für das Projekt unter einem schlechten Stern. Das heisst nicht, dass wir unser musikalisches Profil ändern werden. Wir werden die gleichen Themen berühren und auch stilistisch nichts verändern, die über eine normale musikalische Entwicklung hinausgeht. <<

Wenn ich mich nicht irre, haben Sanctum musikalisch einen besonders grossen Eindruck hinterlassen, verwendet ihr doch einen Ausschnitt vom „Let’s Eat“-Album, wenn ich mich nicht irre.

>> Samples von Sanctum? Das wäre mir neu. Ich habe „Let’s Eat“ vielleicht zweimal gehört und war nicht sonderlich gross beeindruckt. Wenn du Gemeinsamkeiten entdeckt hast, dann ist purer Zufall, mehr nicht. <<

Habt ihr Pläne einen Teil eurer älteren und mittlerweile längst vergriffenen Veröffentlichungen noch einmal neu aufzulegen?

>> Ja, solche Pläne gibt es. Wir haben bereits mit einigen Labels darüber gesprochen und ich hoffe, dass wir das so umsetzen können, wie es uns vorschwebt. Das ist nur eine Frage der Beschränkung. <<
Soviel ich weiss, habt ihr im Laufe der Jahre diverse Shows in Polen gespielt, von denen einige auch auf VCD veröffentlicht wurden. Können wir uns auch auf Shows in Deutschland einrichten? Wie wichtig ist der visuelle Aspekt eurer Shows, wobei ich weiss, dass einige Shows durch eine Theater-Performance begleitet werden.

>> Wir haben viele Konzerte in Polen gespielt und spielen gerne live. Wir versuchen in jede Performance das bestmögliche hinein zu legen. Wir kümmern uns um die Visualisierung wie auch die Performance an sich. Wie ich bereits gesagt habe, die Atmosphäre ist uns sehr wichtig, der sakrale und theatralische Aspekt unserer Shows. Wenn wir über Konzerte in Deutschland sprechen, dann stehen wir dem sehr aufgeschossen gegenüber. Wir würden uns freuen die unterschiedlichen Gegenden in Deutschland zu besuchen. Wenn Organisatoren uns einladen würden, würden wir jede Einladung akzeptieren. <<

Benutzt ihr auch Video-Sequenzen, wenn ihr live spielt? Seid ihr vielleicht auch daran interessiert Soundtracks zu schreiben?

>> Bislang noch nicht, aber sollten wir die Möglichkeit haben, werden wir uns das mit Sicherheit durch den Kopf gehen lassen. Wir sind enthusiastisch allen Kunstformen gegenüber und wenn wir uns in ihnen versuchen könnten, wären das eine grosse Herausforderung und Erfahrung für uns. <<

Es scheint, dass die polnische Szene sehr im Wachsen begriffen ist, denn immer mehr Bands werden auch bei uns im Westen bekannt. Was denkst du über die polnische Szene? Unterstützen sich die Bands gegenseitig?

>> Ja, das ist wahr. Die polnische Szene hat in den letzten Jahren einen grossen Schritt vorwärts getan. Als wir begonnen haben, gab es mit Ausnahme von Job Karma, Karpaty Magiczne oder Infamis kaum Bands, Jetzt gibt es viele gute Labels und Bands wie [haven], Rukkanor, Dead Factory oder HATI. Ich könnte auch noch weitere nennen. Es gibt eine Reihe von Festivals wie das „Wrocław Industrial Festival“ oder das „Temple of Silence“. Überall in den verschiedensten Städten Polens werden mehr und mehr Konzerte organisiert und alles entwickelt sich grossartig. Das Publikum wächst stetig, wird reifer und erkennt, dass es viele verschiedene Bands gibt, nicht nur Bands von Labels wie „Cold Meat Industry“ oder „World Serpent“. <<

Ihr habt bereits mit den Arbeiten für das neue Album begonnen. In welche musikalische Richtung wird es sich entwickeln? Sind grosse stilistische Änderungen zu erwarten?

>> Wir haben gerade das Material für unser neues Album fertig gestellt. Wir nennen es Bisclaveret Collaboration vs. Bruno. Die Musik ist eine Illustration des Textes von Bruno Schulz’ „Tract About Mannequins“. Man kann immer noch Bisclaveret erkennen, aber das Arrangement und die Konzeption geht mehr in die Trance- und Ambient-Ecke. Wenn alles gut geht wird das Album im Sommer zum Geburtstag des Autors fertig sein. <<
http://www.bisclaveret.com
Michael Kuhlen


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