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MAGAZIN :: Index: 'C' :: CAPUTT - LIST ....

CAPUTT - LISTENING SESSION
Mitten in Oberhausen, unweit der rauchenden Kaminschlote der „Ruhrchemie“, befindet sich das Homestudio von CAPUTT wo wir die Gelegenheit hatten in den ersten vollständiger Longplayer der Band,„Djindustrie“, hinein zu hören und von Mattes und Daniel herzlich begrüsst wurden. Dem Album liegt ein umfangreiches Konzept zugrunde, beginnend beim Artwork, für das sich Pit Hammann (u.a. ASP) verantwortlich zeichnet und das den konzeptionellen Inhalt graphisch hervorragend in Szene setzt, und über die Texte und die Musik die Geschichte natürlich weiter führt. Doch bevor wir auf die Musik zu sprechen kommen erläutert Mastermind Mattes das Konzept und den Hintergrund für den ungewöhnlichen lyrischen Ansatz:
„Bei der "Djindustrie" ging es mir darum, meine sonst stets an ganz realen Problemen orientierten Texte ein wenig mehr zu entfremden, etwas mehr Erzählung einzuarbeiten und so entschied ich mich für ein klassisches Märchenmotiv und so entwickelte ich einen Plot, in dem es um eines meiner persönlichen Reizthemen geht: Macht in den falschen Händen stellt für die "Leidtragenden" des Machtausübenden eine wahre Tortur dar. Was also, wenn so ein mieser Kerl eine Wundelampe fände? Vermutlich würde er sich keinen Weltfrieden wünschen. Keine Gesundheit für seine Familie. Meinen bisherigen Erfahrungen nach würde er sich erstmal ganz genau Gedanken darüber machen, wie er seinen Gewinn nun maximieren kann. Und da wir ja alle spätestens seit der Disneyschen Aladdin-Interpretation wissen, dass man sich keine weiteren Wünsche wünschen kann, führt der Umweg eben über eine "Wunschfabrik", die "Djindustrie". Eine Fabrik, die exakte Duplikate der gefundenen Wunderlampe fertigt, mit jeweils einem weiteren Geist darin, der weitere Wünsche erfüllen kann, so das unser Bösewicht auf diese Art und Weise doch zu seinen zahllosen Wünschen kommt. Diese Wunschfabrik, geleitet von einer missgünstigen, verbitterten und bösartigen Gestalt, stellt natürlich eine enorme Gefahr für den Rest der Menschheit dar, denn diese wird nun unterdrückt, versklavt und ausgebeutet. Schon recht früh während der Konzeptionierung des Plots wurde mir klar, dass unsere Lampengeister mehr Bedeutung, mehr Tiefe brauchten. Also forschte ich nach, erkundigte mich nach tatsächlichen religiösen und mythologischen Wurzeln - Die Djinn der islamischen Mythologie sind Elementargeister, die den Kontakt zu Menschen meiden. Diese Geister sind an Gegenstände gebunden - Vielleicht an einen Ring, vielleicht an eine Lampe, an eine Flasche, aber auch an ein Element, wie das Feuer, kann ein Geist gebunden sein
Ruft ein Mensch diesen Geist, indem er den Gegenstand in seinem Besitz hat und den Namen des Geistes kennt, so kann er sich einen Wunsch von diesem Geist erfüllen lassen. Doch die Prozedur dieser Beschwörung bereitet den Geistern enorme Schmerzen. Das ist der Grund dafür, dass sie die Menschen hassen und sehr genau auf die Formulierung ihrer Wünsche achten - Gibt es Raum für eine Fehlinterpretation, für Missverständlichkeiten, dann wird der Lampengeist diese mit Freuden wahrnehmen und dem Menschen idealerweise ein grausames und endgültiges Schicksal bescheren. Dieses neu erworbene Wissen nahm ich zum Anlass, unsere Geister eine Warnung aussprechen zu lassen, die sich durch einige Songs der ersten Albumhälfte zieht. Mir gefiel die Idee, dass unsere Geister nicht grundlegend missgünstig sind, sondern den geneigten Wünscher klar vorwarnen. Wenn er doch bereit ist, über Leichen zu gehen, um seine Zwecke durchzusetzen, dann ist er offensichtlich ein schlechter Mensch und führt sich dieses Schicksal bewusst selbst zu. Daher haben unsere Djins es auch schlichtweg nicht nötig, auch noch seine Wünsche zu verdrehen. Für die Konsequenzen sorgt der Herr der Lampe schon ganz allein.“
So weit in (ganz) groben Zügen das Konzept der „Djindustrie“ das nun in einer Mixtur aus elektronischen und rockigen Elementen düsterer Prägung über zwölf Stücke seine musikalische Umsetzung findet und den Hörer in eine neuzeitliche Welt aus Flaschengeistern und massiver Gesellschaftskritik entführt, die nach nur einmaligem Hören noch schwer greif- und nachvollziehbar scheint. Bereits von der „Mach mich“-EP bekannt bieten „Tanz der Djin“, „Alakazam!“ und „Mach mich“ musikalische Anhaltspunkte die vertraut sind, während neue Songs wie „Kalif an Stelle des Kalifen“, das Titelstück „Djindustrie“, „Geboren aus Feuer“ oder „Kein Herz“ selbst nach nur einmaligem Hören klar aufzeigen, welch gute musikalische Weiterentwicklung Mattes und Daniel mit ihrem Album gemacht haben und sich der eine oder andere Song mit Sicherheit noch im Ohr einprägen wird
Das hervorstechendste musikalische Merkmal CAPUTT’s ist ohne Frage der hohe Textanteil, bei dem die Musik meist etwas in den Hintergrund tritt aber dennoch deutlich mehr als nur schmückendes Beiwerk ist. CAPUTT, das merkt man in dem Gespräch mit Mattes und Daniel sehr deutlich, ist ihr ganzer Lebensinhalt, in den das volle Engagement der beiden einfliesst, sei es in Sachen Eigenwerbung, besserem Equipment oder eben auch Fan-Nähe, die bei den beiden „CAPUTTEN“ ganz oben steht. Das abschliessende Statement von Mattes fasst die Einstellung und das Engagement der Band wohl am besten zusammen: „Wir sind weder Nihilisten noch Misanthropen. Es ist die Befreiung der Geister von ihren Schmerzen und ihrer Fremdbestimmung - Und die traurige, resignierte Formulierung des Gedankens, dass soziales Bewusstsein und der Erhalt von Individualismus und Kultur schwindende Werte sind, die zwischen Fliesbandmusik und Klingelton-Abos keinen Platz mehr zu haben scheinen.Wir für unseren Teil haben die Welt noch nicht völlig abgeschrieben. Also ist "Djindustrie" als eine Art möglicher Ausblick bei gleich bleibendem Kurs zu verstehen. Und als unser Vorsatz, im Rahmen unserer künstlerischen Tätigkeit alles erdenklich mögliche zu leisten, um diesen Kurs abzuwenden.“
Sobald das Album veröffentlicht ist lassen wir CAPUTT auch interviewtechnisch zu Worte kommen.
http://www.caputt.de
Michael Kuhlen


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