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MAGAZIN :: Index: 'A' :: ASP

ASP
„Requiembryo“ Prelistening
Noch einmal durch das „Portal der Augen“ schreiten. Noch einmal die „Weltunter“, den „Dunklen Turm“ betreten. Noch einmal sich in den „Kokon“ des „Schwarzen Schmetterlings“ einspinnen lassen. Noch einmal seinem Rufen folgen, denn: „In der Tiefe, in der Tiefe singen sie“.
„Erinnerungen eines Fremden“: Vor fast genau zwei Jahren, saß ich in dem selben Raum, auf dem selben Stuhl und durfte, als einer der wenigen Auserwählten, das letzte ASP Album „Aus der Tiefe“ vorab hören.
Nun, ist es also wieder soweit. ASP haben angekündigt die Saga um den Schwarzen Schmetterling zu Ende zu bringen, ich sitze wieder hier und…
„Offährte“: Sie könnte all denen recht geben, die meinen, dass ASP sich seit der „Once In A Lifetime“-Tour immer mehr der Akustik zuwenden. Sanfte Gitarrenklänge, Gesang, mehr nicht… aber dann: Streicher, E-Gitarren, Bombast, Pathos, das erinnert irgendwie schon an Lacrimosa, nur ist die Melodieführung straighter, schlüssiger, nicht so vertrackt und voller Brüche.
„Coming Home“. Nein, dies ist keine Coverversion des Österreichers Falco. Dies ist eine ziemliche Hammernummer, kombiniert Electro und Rock, was all denen gefallen dürfte, die seit dem „Krabatzyklus“ glaubten, ASP würden jetzt eine Folk-Band werden.
„De Profundis“ für mich eindeutig der erste Höhepunkt des Albums. Treibende Voodoodrums, die sich immer mehr steigern, die in die Tiefe ziehen, magisch, beschwörend der Gesang, ein Mantra: „In der Tiefe, in der Tiefe singen sie“. Ich versinke in meinem Stuhl, kralle die Finger an der Lehne fest, versuche mich zu halten, zu wehren… Nein, es gelingt nicht. Der Gesang, die Trommeln ziehen mich, ich bemerke kaum den genialen Schlenker, den der Text am Ende macht, „In die Tiefe, in die Tiefe singen sie“… denn sie haben mich längst in ihrem Bann. Die „Incubi“, die mir in ihrem „Minnelied“ kanonartig, über einer Rock-Folk-Tanznummer, ihre sich gleichzeitig ergänzenden, wie auch widersprechenden Textpassagen im ungleichen „Duett“ entgegen singen.
Mir wird kalt. Der „Frostbrand“ greift nach mir. Schön wie eine Eisblume, hymnenhafter Gesang, düstere, mystische Gitarren, die an „Twin Peaks“ erinnern, wabernde Elektronics kalt wie Eis. Wer schon mal wirklich Erfrierungserscheinungen hatte weiß, dass diese genau wie Feuer brennen. Das ist es. Das Lied entwickelt sich plötzlich zu einer knallharten Death Metal-Nummer, mit kreischendem Gesang, der Wunden reißt, der weh tut, der verletzt, der einen endgültig in der Tiefe zerschmettert.
„Ich bin ein wahrer Satan“. Dieses Lied holt einen ein wenig zurück an die Oberfläche. Es ist ein Ohrwurm, fast schon beschwingt. Nur der Text. Der ist überhaupt nicht beschwingt. Ein politisches Lied, das ASP einen fulminanten Charteinstieg verschaffte.
Asp erzählt, dass der Text zu dem Lied schon sehr alt sei. Er habe ihn lange vor ASP geschrieben.
„Ist es dann nicht ein wenig deprimierend, wenn man heute merkt, dass sich eigentlich nichts geändert hat?“, frage ich.
Asp zuckt mit den Achseln.
„Umso wichtiger so ein Stück zu machen, oder?“
Ich konzentriere mich wieder auf die Musik. „Raserei“ überfällt uns. Eine fast schon klassische Gothrock-Hymne. Gitarren und Piano, wie sie uns die Finnen seit einiger Zeit immer wieder vormachen. Ein Element aus „Lykanthropie“ taucht irgendwo im Hintergrund auf. Erinnerungen? Bilde ich mir das ein? Ich versinke wieder in der Musik, gleite in die Tiefe… um doch irgendwann wieder zu „Erwachen“. Aber was für ein Erwachen? Fängt es dezent, wie ein Arrangement von der „Once In A Lifetime“ an, steigert es sich nach und nach mit Gitarrensoli und Streichern in eine epische, fast an Pink Floyd erinnernde Nummer, die dort weitermacht, wo „Die Ruhe vor dem Sturm“ aufhörte.
Wie dem entkommen? Vielleicht, indem man „Finger weg!“ schreit? Kann man diese Musik einfach ausschalten? Ein hitverdächtiger Ohrwurm, der die würdige Nachfolge all der großen ASP Tanzflächen- und Konzerthallenknüller antritt.
„Ich wollte wieder ein Lied gegen die Werbung machen“, meint Asp schmunzelnd. Es lässt einen zumindest schnell mitschunkeln, mitwippen, mitsingen und es entlässt einen versöhnlich in den Tag…
Doch Stop!!
Da war doch noch was?
Richtig.
Zweite CD.
Dies ist ein Doppelalbum.
Kurz Luft holen und schon erklingt das „Requiem“.
Siebenundzwanzig Minuten, die man eigentlich nicht in Worte fassen kann. Ein klassischer, gregorianischer Choral, bei dem Asp alle vierzig (!) Stimmen alleine eingesungen hat. Einen ganzen Nachmittag lang.
„Matze hatte schon dicke Augen am Mischpult“, meint er grinsend.
Aus diesem Choral geht das Stück in eine kalte Electro-Nummer über. Sequencer, hämmernde Rhythmen, klirrende Samples, die sich plötzlich und unerwartet in ein wüstes Folk Metal.Feuerwerk ergießen, das so pompös, bombastisch und vertrackt daher kommt, wie alte Tristania- oder Haggard-Sachen. Auch hier wieder mit der Unterstützung von Ally an der Violine. Während sich das „Die arIse“ an dem Reimschema des klassischen „Dies Irae“ orientiert, ein Gruftsong par exellence, der textlich und musikalisch Elemente von der „Ballade der Erweckung“ aufgreift, um versöhnlich in einem entspannten Spaziergang auf einer irischen Sommerwiese auszuklingen, um dann doch wieder zu einem Metal-Gewitter umzuschlagen, mit E-Gitarren und bombastischen Streichern, die noch einmal eine Nähe zu Lacrimosa aufweisen.
Völlig erschlagen und endgültig vernichtet, wird man nach der „Totenmesse“ plötzlich um etliche Jahre zurückgeworfen. „Schwarzer Schmetterling (Nekrolog)“ erinnert nicht nur vom Titel an den gleichnamigen Song vom ersten ASP-Album.
Die folgenden Songs nimmt man als Hörer als solche kaum noch wahr. Zu erschlagen ist man, zu sehr gefangen in der Musik, in diesem Wahnsinnsfeuerwerk, das sich zur Aufgabe gemacht hat, den Zyklus musikalisch wie auch textlich zu Ende zu führen. Neben dem schon bekannten „How Far Would Your Go?“, das einem beinahe wie ein Lichtblick erscheint, wird man immer tiefer gezogen, bis man sich, endgültig entrückt, immer mehr in den letzten hymnenhaften Klängen entspannt und zurücklehnt, um mit einem ähnlich harschen Bruch, am Ende der „Offährte (Reprise)“, den sanften Akustikgitarrenklängen und dem vorgetragenen Wunsch nach dem „Nie mehr“ plötzlich und unerwartet, ohne jede Blende, in einem leeren Raum wiederfindet. Die Musik ist zu Ende.
Aus!
Schluss!
Vorbei!
Ich reibe mir die Augen.
Was soll ich sagen?
Dieses Album ist das krankeste, verrückteste, faszinierendste, vertrackteste, genialste Album, das ASP je gemacht haben.
Asp erzählt, dass dieses Album im Grunde für die Fans sei, die ihn von Anfang an begleitet hätten. Seit dem ersten Album.
„Mir ist klar, dass dieses Album wahrscheinlich ein sehr schweres Album ist, trotz all der Hits, die es auch enthält. Aber ich wollte wieder so etwas wie die „Weltunter“ machen. Etwas Hässliches, nicht ganz so glatt wie „Aus der Tiefe“. Etwas wie „Demonlove“.“
Ja, dies wäre auch mein erster Gedanke. Die ASP typischen Hits sind drauf, aber die Komplexität, die Verwendung von Soundtrack-Elementen, hypnotisch wie „Der letzte Mohikaner“, faszinierend wie Ennio Morricone, die sehr atmosphärisch, ohne Worte die Musik, die Emotionen und die Geschichte weiterführen, die Motive aus früheren Werken aufgreifen…
„Gerade die zweite CD ist ein ziemlicher Brocken, aber ich musste musikalisch und textlich alle Fäden irgendwie zu Ende führen. Klar, hätte ich an manchen Stellen auch am liebsten weiter gemacht, weiter geschrieben, aber es musste einfach mal Schluss sein.“, führt Asp weiter aus.
Ob er von diesem Moment, wo sich der Kreis geschlossen hat, am ersten Album irgendetwas anders machen würde, frage ich.
„Nur die Produktion. Die Texte, die Songs sind schon gut so, wie sie sind.“
Er überlegt einen Moment.
„Ich glaube dies ist kein Album, bei dem man sofort auf die Repeat-Taste drücken möchte. Das muss man wahrscheinlich erstmal sacken lassen.“
Und genau das ist es. Es gibt nur eine einzige Möglichkeit nach dem Hören von „Requiembryo“ mit diesem Werk umzugehen. Die CD aus dem Player nehmen, „Hast du mich vermisst“ einzulegen und den Zyklus von vorne beginnen zu lassen.
Ein grandioser Abschluss einer der faszinierendsten musikalischen Geschichten, die in den letzten zehn Jahren erzählt worden sind. Was nach „Weltunter“ schon kaum greifbar schien, nach „Aus der Tiefe“ nur noch unmöglich sein konnte, ASP haben das Wunder vollbracht und sich mit „Requiembryo“ nach mal gesteigert. Sich mit ihrer Mischung aus lyrischer Perfektion, die sich an den klassischen Gothic Novels von vor knapp hundert Jahren orientiert, und musikalisch großer Bandbreite moderner Musik, dennoch ihrem Stil treu bleibend, in ungeahnte Sphären katapultiert. Wie soll man damit umgehen? Wie soll man sich dem stellen, wenn nicht, in dem man von vorne beginnt. Ganz von vorne! Indem man aus dem „Requiem“ ein „Embryo“ macht. Zwischen der Geburt und dem Tod liegen fünf Alben. Zwischen dem Tod und der Geburt liegt kein einziges, sondern nur die Alternative mit dem ersten Album erneut zu beginnen. Und keine Angst, viel länger als die komplette, ungeschnittene „Herr der Ringe“-Trilogie von Peter Jackson ist der „Schwarze Schmetterling“ auch nicht.
Also, beginnen wir von vorn.
„Hast du mich vermisst?“
http://www.thetalesofasp.com
Thomas Sabottka


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