Obliveon - Metal und Gothic Webzine
 :: Suchen 

 :: Obliveon.de
· Home
· MySpace
· Links

  Info...
· FAQ
· Kontakt
· Impressum
 

 :: Magazin
· GESAMT
· News
· Interviews
· Konzert/Festivals
· Specials
· Foto Galerie

 :: Reviews
· GESAMT
· CD Reviews
· CD Import
· Eigenpressungen
· White Metal
· DVD/Video
· Bücher/Magazine

MAGAZIN :: Index: 'A' :: ALAS

ALAS
Nachdenkliche Vitalität
Erik Rutan, bekannt als Gitarrist der Death Metal-Götter Morbid Angel und treibende Kraft hinter seinem eigenen Projekt Hate Eternal, machte unlängst mit einem neuen musikalischen Betätigungsfeld von sich Reden. Dabei verlässt er nicht nur gewohnte musikalische Wege, sondern präsentiert scheinbar aus dem Nichts mit Alas (s)eine neue Formation, die vor Vitalität nur so strotzt. Dementsprechend gut gelaunt gab sich der Gitarrist bei einem Telefongespräch, in dessen Verlauf nicht nur das Alas-Debüt "Absolute Purity" im Mittelpunkt stehen sollte.
Meine erste Frage an Erik betraf den Status von Alas. Dürfen wir in Zukunft mehr erwarten, vielleicht sogar Live-Shows, oder hat die Sache doch eher Projekt-Charakter?
>> Ich arbeite bereits seit langer Zeit an den Ideen für Alas und sehe unsere Formation definitiv als Band. Ich spiele seit vierzehn Jahren Death Metal und Alas ist eine völlig andere Geschichte, mit der ich auf jeden Fall touren möchte. Diese Band kann eine lange Zeit bestehen. Eines meiner Ziele ist die Veröffentlichung vieler Alben. Neben meiner Mitgliedschaft bei Morbid Angel und Hate Eternal hat auch die Arbeit mit Alas einen besonderen Stellenwert in meinem Leben. Ich würde niemals an einem Sideprojekt teilnehmen, denn jede der drei Bands ist für mich aus verschiedenen Gründen gleichberechtigt. Mein Tagesablauf unterliegt dabei zwar einer konstanten Hektik, aber ich liebe Musik. <<
Wie eingangs erwähnt, beschäftigst du dich schon sehr lange (sieben Jahre) mit dem Demomaterial für Alas. Was war für dich die entscheidende Überlegung, die Songs gerade jetzt zu veröffentlichen?
>> Dafür gibt es viele Gründe. Zum einen verfüge ich endlich über das richtige Line-Up. Es dauerte so lange, die richtigen Leute zu finden, besonders was den Gesang anging. Ich traf Martina (Hornbacher Astner) vor drei Jahren. Als ich sie mit Therion singen hörte, veränderte sich mein Leben. Ich wusste, sie würde in der Lage sein, meine Vorstellungen gesanglich umsetzen zu können. Daß sie aus Europa stammt und in einer anderen Band sang, war mir völlig egal. Ich musste sie für Alas gewinnen. Das musikalische Gesicht von Alas hat sich mit den Jahren ein wenig verändert, vielleicht vergleichbar mit einer inspirierenden Spirale, die ich weiterführen konnte. Eine entscheidende Rolle spielt auch das Label. Mit „Hammerheart“ habe ich die perfekten Leute gefunden, die in der Lage sind, mich außerhalb von Morbid Angel zu sehen. Sie glauben an Alas und an meine Visionen. Natürlich war ich mir auch der Tatsache bewusst, wie viele Bands mit weiblichen Vocals in den letzten Jahren auf den Markt gekommen sind. Eine gewisse Sättigung der Fans vorausgesetzt, überzeugt Alas aber mit einer ungeheuerlichen Frische. Es ist mit nichts vergleichbar. Damals machte Hate Eternal einen ähnlichen Eindruck auf die scheinbar stagnierenden Death Metal-Szene. Durch die Einzigartigkeit von Martinas Gesang ergibt sich ein gutes Timing, nicht zuletzt auch für die Hörer, die auf der Suche nach etwas schönem mit dunklem und mystischem Charakter sind. <<


Wenn du nochmals zurückschaust, kannst du dich an die entscheidenden Gründe für den Aufbau von Alas erinnern?
>> Ich begann Songs für Alas zu schreiben, da meine erste Band Ripping Corpse auf Eis gelegt wurde. Ich wusste nicht recht wie es weitergehen sollte. Ich hatte damals keine gute Zeit, da ich viele unglückliche Erfahrungen machen musste. Ich kreierte seinerzeit eher traurige und tiefe Musik. Parallel zu meinem Einstieg bei Morbid Angel schrieb ich weiterhin Material für Alas. Ich bin ein Death Metal-Gitarrist und werde es auch immer bleiben, es war jedoch trotzdem wunderschön für mich, melodische Sachen zu entwickeln. Von Anfang an trug ich den Wunsch in mir weibliche Vocals verwenden zu wollen, sowie einen Drummer, der die nötigen Grundlagen schaffen sollte. Mit Howard Davis (Tourdrummer für Genitortures und Die Krupps, der Verf.) fand ich ebenfalls den richtigen Mann. Meine Geduld für meine Passion hatte sich ausgezahlt. Ich war mir immer sicher, eines Tages die Leute zu entdecken, die sich mit meinen Visionen identifizieren können. Das ist nun geschehen, was für mich als Mensch und Musiker von immenser Wichtigkeit ist. Alas gibt in reichem Umfang wieder, wofür ich als Gitarrist, Songwriter und auch als Mensch stehe. <<
Ist es diesbezüglich leichter für dich deine Gefühle auf der Gitarre auszudrücken oder eher durch das Verfassen von Texten?
>> Es fällt mir leichter meine Ansichten durch die Gitarre zu vermitteln. Es geht hier um Gefühle. Bevor ich mit dem Gitarrespiel begann, konnte ich meine Emotionen überhaupt nicht ausdrücken. Von meinem Vater lernte ich, dass Männer nicht zu weinen haben, keine Gefühle zeigen dürfen und immer stark sein müssen. Ich war eine sehr verschlossen Person, was sich durch das Benutzen einer Gitarre mit der Zeit änderte. Sie stellte die einzige Möglichkeit dar, mich mitteilen zu können. Ich spiele dieses Instrument nicht nur, ich drücke meine Persönlichkeit auf diesem Wege aus. <<
Alas ist definitiv eine Band, die von ihrer einzigartigen musikalischen Substanz profitiert. Wie schwierig ist für dich die Kreation dieser innovativen Form von Musik, insbesondere in diesen Zeiten, in denen alles schon mal irgendwie da gewesen zu sein scheint?
>> Es war wirklich sehr harte Arbeit, geprägt von vielen Umbrüchen. Ich betrachte es als ein Geschenk, Musik von originellem Ursprung erschaffen zu können. Ich schätze, ich habe eine Menge Glück, die Gabe für ein solches Songwriting zu besitzen. Bereits bei meinen ersten Versuchen im Umgang mit der Gitarre, verfolgte ich einen individuellen Anspruch. Ich wollte niemals wie jemand anderes klingen, sondern meine eigene Note entwickeln. Das gilt auch für den Death Metal-Bereich. Ich verfüge über eine sehr wütenden Rhythmik, wogegen meine Solos oftmals sehr melodisch ausfallen. Es gibt nicht viele Gitarristen, die auf einen derartigen Kontrast zurückgreifen können. Ich habe sehr hart an dieser Seite meiner Persönlichkeit gearbeitet. Ich höre sehr viel verschiedene inspirierende Musik, konzentriere mich aber stets auf meine Art zu spielen, ohne jemanden nacheifern zu wollen. Die entstehenden Einflüsse lasse ich in die Ideen für die einzelnen Stücke einfließen, was einen wichtigen Eckpfeiler für die Originalität von Alas darstellt. <<



Ein Markenzeichen deiner Band scheint gerade die fantastische Kombination mannigfaltiger Impressionen zu sein. Da wird die Opernstimme von Martina mit dem hohen technischen, aber immer gefühlvollen Standard deines Gitarrenspiels zusammen geführt und ganz nebenbei noch durch unvergleichliche jazzartige Elemente angereichert. Diese Symbiose endet dann auch noch in wirklich stimmigen Songs.
>> Ich bin mit den Jahren einfach zu einem besseren Songschreiber gereift. Mit dem Alter haben sich meine Fähigkeiten auf der Gitarre ausgeweitet und ich bin endlich in der Lage, meine Gefühle auf verschiedenen Ebenen Ausdruck verleihen zu können. Alas dokumentiert stellvertretend meine Gesamtentwicklung als Person. Die komplizierte, sehr komplexe Form dieser Musik, wird sicher nicht jeder nachvollziehen können. Wer aber einen Zugang findet, wird mit einem sehr speziellen Ambiente belohnt. Auch Leute außerhalb des Metalgenres dürften mit der Musik von Alas etwas anfangen können, da die gefühlsmäßige Betonung sehr tief geht. Nicht zuletzt Frauen können sich mit der kraftvollen Seite von Alas identifizieren, da diese Kraft von einer Frau angeführt wird. Martinas Stimme ist es, die der Power der Gitarren und den Drums die Magie verleiht. <<
Bezüglich des von dir angesprochenen Verständnisses könnte es doch durchaus auch von Nachteil sein, dass dich die Musikwelt nur als den wilden Deathmetaller betrachtet und sich eventuell von der komplexen musikalischen Vielfalt von Alas enttäuscht, bzw. überfordert fühlt.
>> Genau aus diesem Grunde habe ich von Beginn an klargestellt, dass Alas nichts mit Death Metal zu hat. Ich habe niemanden über die musikalische Konsistenz im Unklaren gelassen. Ich appelliere an die Offenheit der Hörer. Hat jemand ein Problem, braucht er die Scheibe nicht zu kaufen. Ich habe Alas für diejenigen erschaffen, die sich auf der Suche nach etwas neuem befinden. Wer Death Metal haben will, bekommt Death Metal, denn es wird eine neue Hate Eternal geben sowie auch neuen Stoff von Morbid Angel. <<
Ein Schlüssel zum Verständnis von Alas könnte in den Texten liegen. Auf bezaubernde Weise wird hier eine Essenz aus der konstanten Suche nach dem Sinn des Lebens geboten, sowie nach der persönlichen Bestimmung innerhalb dieses undurchdringlichen Spieles. Ein Gedankengang, dem jeder schon mal auf die ein oder andere Art gefolgt ist.
>> Genau das ist es. Es geht um mich als Persönlichkeit und betrifft mein Inneres. Ich strebe danach, das Leben an sich zu verstehen. Für mich ist das Abstecken von Zielen wichtig, um nicht zuletzt ein gewisses Level innerhalb meiner Persönlichkeit zu erreichen. Dabei versuche ich die Welt mit ihrer Unzulänglichkeit zu akzeptieren und einen Weg für mich zu definieren. Der Albumtitel „Absolute Purity“ verdeutlicht mein Lebensziel, die Reinheit meiner Seele, meines Herzens und die Klarheit meiner Person als Individuum. <<


Betrachtet man deinen an die Eröffnungsnummer angelehnten Albumtitel, frage ich mich, ob es in diesen dekadenten, von materiellen Gedanken geprägten Zeiten Dinge in deinem Herzen gibt, die du als absolut rein und unverfälscht bezeichnen würdest?
>> Als absolut Rein würde ich Leute wie mich bezeichnen, die es wagen, ihre Gefühle auf natürliche Art auszudrücken. Nichts kann mich aufhalten, meine Ziele zu verwirklichen. Ich werde niemals stereotype Verhaltenweisen an den Tag legen und meine Entscheidungen danach auslegen. Auf diesem Wege habe ich beispielsweise die richtigen Mitglieder für Alas gefunden. Dabei spielt nicht ihre Religion, ihre Hautfarbe oder ein musikalischer Hintergrund die entscheidende Rolle, sondern ihre Menschlichkeit. Ich habe keine Angst so zu sein wie ich bin. Ich scheue mich auch nicht davor, den Unwegbarkeiten des Lebens zu trotzen, und verstecke mich nicht hinter irgendwelchen Ängsten. Das ist für mich absolute Reinheit. <<
Kommen wir abschließend nochmals auf deine Mitgliedschaft in drei verschiedenen Bands zu sprechen. Benötigst du diese voneinander abweichenden musikalischen Ausdrucksformen, um deinen unterschiedlichen Charakterstrukturen gerecht zu werden?
>> Ja, natürlich. Ich brauche alle drei Gruppen zu meiner persönlichen Zufriedenheit. Ich bin nicht in der Lage, mich in nur einer Band zu verwirklichen. Auf der einen Seite ist es wirklich ein glücklicher Umstand, meine Ideen an drei verschiedenen Orten zu offenbaren, aber andererseits ergeben sich auch genug Schwierigkeiten. Mein Leben wird dadurch sehr intensiv, ich nehme ein Album nach dem anderen auf und spiele stets irgendeine Tour. Es besteht kein Zweifel, ich bin ein Workaholic. Aber ich bin ebenso ein absoluter Perfektionist, und diese Verbindung ist schon sehr brisant. Ich brauche alle drei Bands wahrscheinlich schon zu Therapiezwecken. Ich war niemals im Leben zufriedener als im Moment. Ich schätze, den richtigen Weg zur meiner persönlichen Selbstverwirklichung gefunden zu haben. Dazu gehört auch meine Arbeit als Produzent und vielleicht irgendwann einmal die Umsetzung eines Soloalbums. <<



http://www.hateeternal.com/alas/
Uwe Schmidt


[ Zurück zum Index: 'A' ]
 

[ Unsere Webseite weiterempfehlen ] [ Impressum ] [ Seitenanfang ]

© Oblivion 1998-2002 Alle Rechte vorbehalten

Haftungsausschluss/Disclaimer

technisches Konzept, Programmierung & Webdesign by M. Koschinski / C. Fessler