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MAGAZIN :: Index: 'A' :: ANCIENT RITES

ANCIENT RITES
QUO VADIS GERECHTIGKEIT ?
Welche Rolle die Musik im Leben eines Menschen spielen kann, liegt im Fall von Ancient Rites klar auf der Hand. Begleitet von menschlichen Tragödien, Bandmitglieder fielen Unfällen zum Opfer oder wählten den Freitod, überschattete auch sehr häufig die Kehrseite des Musikgeschäfts die Belange der Formation um Mastermind Gunther Theys (b/v). Um so erstaunlicher, dass der sympathische Belgier mit Hilfe eines internationalen Line-Up wieder ins Geschehen eingreift. "Dim Carcosa", so der Titel des neuen Albums, vereint die Stärken von Ancient Rites in niveauvollen Songs und untermauert einmal mehr den Stellenwert dieser Ausnahmeformation in der Szene.
Schaut man auf die teilweise erschütternde Geschichte von Ancient Rites zurück, wird sehr schnell klar, wie sehr das Leben meines Gesprächspartners Gunther mit den Wegen seiner Band verbunden ist.
>> So wie es aussieht, bedeutet mir Ancient Rites mehr als mein Leben, da ich sehr viel Zeit in die Band investiert habe. Wäre das nicht der Fall, hätte ich schon vor Jahren aufgegeben. Die Situation war und ist sehr schwierig und jeder Tag ist wie eine Schlacht. Wir haben kein Management oder sehr viel Geld im Rücken um die Band voran zu treiben. Es entsteht sehr viel in Eigeninitiative, was nicht zuletzt auch zur Finanzierung unsere eigenen Tourneen sowie Aufnahmezeiten führte. Man muss wirklich von seiner eigenen Idee besessen sein, um immer wieder gegen das Unglück ankämpfen zu können. <<
Was hat dir die Kraft verliehen, so viele traurige und dunkele Kapitel innerhalb der Bandgeschichte überwinden zu können?
>> Ich habe immer gespürt, dass wir etwas besonderes bieten können. Wir wurden nicht immer belohnt, während wir unseren eigenen Pfaden folgten. Beispielsweise erwartete man immer einen bestimmten Sound von uns, da wir aus einer speziellen Szene heraus operierten. Man hat nie verstanden, wie schwer es ist uns zu limitieren. Ich habe stets an uns geglaubt, und zum Glück gab es vereinzelt Leute, die imstande waren, die Essenz von Ancient Rites richtig zu deuten. Ich muss allerdings auch sagen, je mehr man versucht hat uns zu vernichten, umso fanatischer wurde ich. <<
Gab es in der Vergangenheit oftmals Punkte, an denen du alles hinschmeißen wolltest?
>> Sehr oft befanden wir uns auf einem Level, an dem wir bei Null starten mussten. Es gab viele Versprechen, die von Promotern, Labels oder gar Bandmitgliedern gebrochen wurden. Es ereigneten sich sogar Todesfälle innerhalb der Gruppe. Sehr häufig führten üble Rip Offs zu Desillusionen. Ich habe mich fortwährend darauf konzentriert, die Hindernisse zu überwinden. Als sich unser alter Gitarrist (Bart Vandereycken, der Verf.) ganz plötzlich dazu entschied, die Musik hinter sich zu lassen, war unser Schlagzeuger Walter am Boden zerstört. Ich aber nahm sofort den Telefonhörer in die Hand, um einen Ersatzmann zu beschaffen. Ich hatte mir selbst nicht zugestanden in Trauer zu versinken. <<
Du erwähntest gerade u.a. geschäftstechnische Schwierigkeiten. Wie kannst du diesen Dingen deiner Meinung nach in Zukunft entgegen treten?
>> Diese Sachen kannst du nicht im gesamten Umfang kontrollieren. Wenn ein Label daran interessiert ist dich zu betrügen, wirst du schwerlich daran etwas ändern können. Es sind zu viele Parteien involviert. Du kannst schlecht jeden Plattenladen befragen, wie viele Kopien deines Albums verkauft worden sind. Selbst die ganzen existierenden Lizenzverträge sind kaum nachvollziehbar. Du kannst einfach nur immer wieder aufstehen und weiter machen. Ich war so naiv zu glauben, dass sich die Metal-Szene von anderen unterscheidet. Ich musste lernen, wie die Platzierung eines Interviews in einem Magazin mit der Zahlung des Labels zusammen hängt. Ein weiteres Beispiel sind die Konzerte. Ancient Rites waren als Support für größere Acts gebucht, als sich plötzlich andere Bands in das Package einkauften und wir wieder draußen waren. Und das, obwohl diese Combos bis dahin erst drei Shows gespielt hatten. Oftmals trafen uns anschließend die Vorwürfe der Fans, weil wir nicht wie erwartet auf der Bühne standen. <<


Einen Deal mit den Holländern von „Hammerheart“ zu unterschreiben, dürfte aber die richtige Entscheidung gewesen sein. Peter und Guido sind seit Jahren bekannt für ihre ehrliche Arbeit.
>> Ich habe gelernt, keine Erwartungen zu hegen. Oftmals war das Vertrauen die Vertragsgrundlage („After Dark Records, der Verf.), aber genauso wie bei reinen Geschäftsbeziehungen („Mascot“, der Verf.), wussten wir nicht wie es um uns stand. Man kann nicht im Voraus eine Bewertung vornehmen. Ich habe jedenfalls nur die besten Dinge über ‚Hammerheart’ gehört und ich kenne die Jungs schon seit unseren Anfängen im Untergrund. Sie geben uns die Aufmerksamkeit, die wir verdienen, und sie kennen die Wurzeln der Band. Die Zeit wird zeigen, was passiert. <<
Wenn man die angesprochnen Misstände in der Karriere von Ancient Rites betrachtet, so kann man sich über die hohe musikalische Qualität solcher Alben wie „Blasfemia Eternal“ oder „Fatherland“ nur wundern. Auch der aktuelle Output „Dim Carcosa“ macht da beileibe keine Ausnahme.
>> Das ist wirklich schön zu hören. Wir haben nie lange getrauert, sondern unsere Energie gebündelt und gekämpft. Wir haben unsere Wut in konstruktive Bahnen gelenkt und versucht kreativ zu sein, wobei eine Inspiration nicht immer gegeben war. Wenn du dann siehst, wie oft das Line-Up zerbrach oder Menschen um dich herum starben, glich der Kampf häufig einer Auseinandersetzung mit Windmühlen. Es ist schon komisch, aber sehr viele Leute, die damals bei einem Label oder einer Vertriebsfirma unsere Arbeiten ablehnten, konstatieren jetzt, immer an uns geglaubt zu haben. So arbeitet die Musikindustrie nun mal, aber unsere Rache kommt auf leisen Sohlen, denn wir haben sie alle Lügen gestraft. Ich erinnere mich an Club-Besitzer, die uns nie mehr als zwanzig Zuschauer zutrauten und uns jetzt darum bitten, eine CD-Präsentation in ihrem Club abzuhalten. <<
Erstaunlich ist auch die Tatsache, dass Gunther über die Jahre hinweg eine für Ancient Rites typische Atmosphäre konservieren konnte, obwohl so oft verschiedene Musiker in die Aufnahmen involviert waren.
>> Musik betrifft immer Gefühle. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, versunkene und antike Zeiten wieder auferstehen zu lassen. Diese Stimmungen sind etwas natürliches für mich, da ich ihnen schon verfallen war, bevor ich mit Ancient Rites begann. Ich beschäftige mich seit meiner Kindheit mit geschichtlichen Aspekten und reise sehr viel. Die dabei entstehenden Inspirationen versuche ich in meinen Texten zu kanalisieren. Es ist natürlich ein immenser Vorteil, wenn du dann von Musikern umgeben bist, die solche Stimmungen in ihre Arbeiten integrieren. Dieser Vorteil wird mit jedem Wechsel im Line-Up auf’s Spiel gesetzt. <<
Die von dir just angesprochenen Texte lassen auf ein enormes historisches Wissen schließen.
>> Dieses Wissen ist das Ergebnis einer langen Suche. Es bildete sich auf natürliche Weise. Mein Interesse wurde ursprünglich von meinem Vater geweckt, wanderten wir doch durch unsere Wälder und unterhielten uns dabei über antiken germanische Stämme. Somit wurden die Geister der Vergangenheit für mich greifbar. Angetrieben durch meine Fantasie, versuchte ich durch das Lesen von Büchern mehr über die vergangenen Zeiten heraus zu finden, was ich bis heute beibehalten habe. Die glücklichsten Momente meines Lebens ergeben sich immer dann, wenn ich die Plätze, über die ich gelesen habe, selber besuchen kann. <<



Eine persönliche Frage. Hättest du die Möglichkeit eine Zeitmaschine zu benutzen, in welche Zeit würdest du reisen?
>> Ich wäre begierig so viele Orte wie möglich zu besuchen. Ich bin von vielen verschiedenen Perioden der Weltgeschichte fasziniert. Jede Epoche und jedes Jahrhundert wird mit der dazugehörigen Zivilisation eigene Reize entwickelt haben. Es wäre ungeheuerlich, könnte ich direkt auf dem Olymp den Worten von Sokrates lauschen, oder von einem Zypressenbaum aus, den griechischen Philosophen zuhören. Wahrscheinlich würden mich die Gefühle beim Betreten der verlorenen Bibliothek von Alexandria überwältigen. Leider musste diese Ansammlung des damaligen Wissens in Flammen aufgehen. Genauso beeindruckend müssen mittelalterliche Phasen oder die teutonische Historie gewesen sein. Ich wüsste gar nicht wo ich anfangen sollte. Aber vielleicht ist es besser, wenn solche Maschinen niemals existieren, denn dann könnten sie auch nicht zur Veränderung der Geschichte missbraucht werden. <<
Im Gegensatz zu deinen Texten dürfte dir vermutlich jegliche Form von aktueller Politik relativ gleichgültig sein.
>> Nicht unbedingt. Politik ist sicherlich ein interessanter Faktor, wird aber zunehmend komplexer, je tiefer man in die Materie eintaucht. Ich gebe dir ein Beispiel. Ich habe ein paar Freunde in England. Sie erklärten mir, die IRA ruiniere und terrorisiere ihre Lebensumstände. Sie würden die Mitglieder dieser Terrororganisation am liebsten eliminieren. Irische Freunde unterstützen dagegen die IRA, um ihre Freiheit zu sichern und nicht zu englischen Sklaven zu werden. Beide Parteien, die Engländer sowie auch die Iren sind mir nahestehende Freunde. Es gibt eine Wahrheit in beiden Auffassungen, was mir die Schwierigkeit der Angelegenheit verdeutlicht. Letztendlich hängt deine eigene Meinung von deinen persönlichen Erfahrungen, deinem persönlichen politischen und religiösen Hintergrund ab. Es ist entscheidend wie du aufgewachsen bist und auf welcher Seite du geboren wurdest. <<
Wo wir gerade wieder bei der Gegenwart angelangt sind, möchte ich wissen, wie du die Essenz von „Dim Carcosa“ für diejenigen beschreiben würdest, die bisher noch keine Möglichkeit hatten, sich mit dem neuen Material zu beschäftigen.
>> Die neuen Songs stellen eine Mischung aus Aggression und Melancholie dar. Das Ziel ist eine Geisteswanderung bei den Leuten zu erreichen, die sich in das Werk hineinversetzen können. Wenn dieses Vorstellung bei nur einer einzigen Person greifen würde, hätten wir gewonnen. Wir verbinden keine kommerziellen Erwartungen mit dem Album, unsere Belohnung bestünde in einer Form von Verständnis. <<


Wie geht man bezüglich dieser Zielsetzung oder auch im Allgemeinen im Lager von Ancient Rites mit Kritik um. Finden diese Dinge dein Interesse, insbesondere nach allem, was du erleben mußtest?
>> Ich lese natürlich die Reviews und Berichte, aber sie verändern meine Sichtweise keineswegs. Wenn ich auf alles hören würde, wären wir wieder an dem Punkt der Aufgabe angelangt. Demnach hätte ich alles hinter mir lassen müssen. Nach dem Release unseres Debütdemos „Dark Ritual“ bezeichnete man uns als lächerlich. Die Zeiten von Venom und Black Sabbath seien vorbei. Ein anderer schrieb, wir wären gut für Leute, die auf Bon Jovi stehen. Das Kerrang! berichtet damals, unsere Musik sei mit dem Bellen eines Familienhundes vergleichbar. Außerdem wären wir hässlich angezogen. Ich wusste nicht, dass das Kerrang! ein Modemagazin ist. Ein anderes Mal wurden wir als Imitatoren von Kiss dargestellt. Man muss uns nicht mögen, aber man sollte uns so beschreiben, wie wir sind! <<
Auf „Dim Carcosa“ hast du wahrlich stilecht eine europäische Musiker-Streitmacht unter dem Banner von Ancient Rites rekrutiert. Gestaltete sich da die Zusammenarbeit nicht sehr schwierig?
>> Auf der neuen Scheibe wirken Musiker aus Deutschland, Finnland, den Niederlanden und Belgien mit. Es ist in der Tat nicht der leichteste Weg, aber wir sind alles Szeneveteranen und uns irgendwie immer über den Weg gelaufen. Die Mitglieder von Bands der Marke Lacrimosa, Inquisitor oder Agathocles haben immer ihren Fanatismus unter Beweis gestellt und bringen diese Gefühle auch in das Line-Up von Ancient Rites ein. Wir müssen zwar jetzt verschiedene Länder besuchen, um uns zu treffen, aber solange das Interesse glüht, sehe ich keine Probleme. <<
Abschließen sei ein Blick auf die belgische Underground-Szene gestattet. Wo siehst du den Platz von Ancient Rites?
>> Ich schaue mir nicht unbedingt sehr viele Shows hier in Belgien an, da es hier sehr viele Eifersüchteleien gibt. Ich bin es auch leid mir von anderen Gruppen anhören zu müssen, wie ich was machen soll. Ich bevorzuge Konzerte in Holland oder Deutschland anzuschauen. Dennoch gibt es hier in Belgien sehr viele interessante Bands, aber alle liegen miteinander in einer Art Wettstreit. Es ist genauso wie in Griechenland, dort unterstützen sich die Musiker verschiedener Gruppen auch nicht untereinander. Es gibt keinen Zusammenhalt mehr, wie in den alten Tagen. Es geht wie bei einem Rattenrennen zu. Niemand gönnt dem anderen ein Platz an der Sonne. Infantiles Geschwätz killt Konstruktivität. Stell dir vor, ein belgischer Musiker kam zu mir und sagte: ’Ihr könnt nichts werden, ihr klingt nicht norwegisch.’ Ich gab ihm folgende Antwort: ‚Hast du dir vielleicht schon mal Gedanken darüber gemacht, dass wir gar nicht aus Norwegen kommen?’ <<





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Uwe Schmidt


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