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MAGAZIN :: Index: 'D' :: DEINE LAKAIEN ....

DEINE LAKAIEN
Bekenntnis zur Wahrheit
"White Lies", Notlügen also, diese haben Deine Lakaien bei der Erklärung ihres Erfolges und der Qualität des neuen Albums kaum nötig. Deine Lakaien sind sich musikalisch treu geblieben und wer meinte, nach den Chart-Erfolgen von "Kasmodiah" und der seinerzeit veröffentlichten Singles würden Deine Lakaien nun ganz der seichten Popmusik verfallen, der irrt gewaltig. "White Lies" ist sperrig und auf den ersten Höreindruck schwer zu konsumieren, bezieht aber gerade aus dieser Tatsache heraus seinen besonderen Reiz. Der scheinbare Minimalismus in den musikalischen Strukturen weicht nach und nach einer ungeheuren Verblüffung und Anerkennung über all die kleinen und versteckten musikalischen Sounds und Details, die von je her das Markenzeichen von Alexander Veljanov und Ernst Horn waren, vor allem aber auch den Unterschied zwischen einer "nur" guten und einer überragenden Band, so wie Deine Lakaien es nun einmal sind, ausmachen.
Das bewußte Spiel mit der Farbe weiß ermöglicht natürlich eine Vielzahl unterschiedlichster Interpretationsansätze. Reinheit, Unbeflecktheit, Unschuld, Sterilität, all dies läßt sich mit der Farbe weiß in Verbindung bringen. Weiß ist aber auch ein Synonym für Kälte und steht somit in einem deutlichen Kontrast zu den warmen Sounds, die Ernst Horn wie kaum ein anderer auf elektronischem Wege zu erzeugen ist. Warum also die Dominanz dieser weißen Farbe?
Ernst : >> Diese weiße Ästhetik war eigenlich vor dem Albumtitel da. Wir hatten die Auswahl aus mehreren Möglichkeiten das Cover zu gestalten. Natürlich gab es da auch den herkömmlichen Weg mit dunklen Farben, unserer Tradition und all den Sachen. Einer der Artdirektoren, die uns betreut haben, wollte alles in weiß machen und seine Argumentation war in der Tat ähnlich wie die, die du in deiner Frage angesprochen hast. Weiß als Farbe der Unschuld, des Unberührten mit diesen kleinen gentechnischen Defekten, die bei den Pflanzen oder auch auf unseren Fotos im Booklet sind. Auf dem Cover ist ein Kaninchen mit sehr seltsamen Augen zu sehen. Mund und Nase sind weg, was einem durch das kuschelige Fell gar nicht so auffällt. Dies soll für diesen Artdirektor ein Symbol für die sehr sensible Verletzlichkeit sein, etwas, das er auch in unserer Musik hört. Das ist natürlich eine riskante Sache für eine Band, die sich sonst immer in Schwarz präsentiert. Wir haben uns aber darauf eingelassen und ihm dann freie Hand gelassen. Als die Entscheidung gefallen war, haben wir ihm noch gesagt, er solle das ohne Kompromisse durchziehen. Das ist dann auch schon für die Single bestimmend gewesen, auch für das Video und jetzt für das ganze Cover und die Fotogestaltung. Dann ging es natürlich um den Titel und wir haben auf dem Album keinen Song gefunden, der für uns ein guter Titel gewesen wäre, nachdem die Single auch schon "Generators" heißt. Dann haben wir ein wenig rumgespielt und sind immer wieder auf "weiß" zurückgekommen und "White Lies" war eine Wortkombination, die uns gut gefallen hat. Übersetzt heißt es Notlügen, kann aber auch "Weiß lügt" oder "Weiße Lügen" übersetzt werden und diese Mehrdeutigkeit finde ich ganz schön. Dieses Versteckte und dieses Hinterfragen der ganzen ästhetischen Konzeption hat uns gut gefallen, zumal wir ja auch in unserem Bandnamen etwas Mehrdeutiges haben, was nicht immer so ganz Ernst gemeint ist. <<
Auch "Kasmodiah" wurde in seinem Artwork, zumindest das Album als solches betreffend, von einer Farbe dominiert. Der Kontroversen waren sich Deine Lakaien sehr wohl bewußt.
Ernst: >> Bei der gelben Farbe von "Kasmodiah" war es so, daß ein Fotodesigner das unbedingt so haben wollte. Das war damals wohl auch eine sehr angesagte Farbe. Diese Farbgebung ist bis heute immer noch sehr umstritten und ich bin sehr gespannt, wie das jetzt mit weiß aufgenommen wird. Für uns war die weiße Farbe jetzt auch eher so ein inhaltlicher Schritt, vielmehr als bei der gelben Farbe. Bei weiß haben wir schon so das Gefühl, daß dies eine Farbe ist, bei der wir inhaltlich sehr viel diskutieren und der wir uns auch stellen und die uns gerade in dem Zusammenhang mit dem Video uns persönlich vielleicht auch ein bißchen beeinflußt. Ich finde, daß auch das Video einen beinahe schon formalistischen und experimentellen Charakter besitzt. Eigentlich ganz anders als die Videos, die wir früher gemacht haben. <<
Dies ist aber nun kein bewußter Schritt, sich nach den Erfolgen von "Kasmodiah", gerade auch bei anderen Käuferschichten, von der schwarzen Szene abzugrenzen. Die weiße Gestaltung des Covers und auch des neuen Images der Band ist das Ergebnis des Zusammenwirkens der Band mit einem sogeannten Artdirektor, wobei der Begriff des Artdirektors schon ein wenig komisch klingt. Vor allem im Hinblick auf eine Band, sie seit so langen Jahren im Geschäft ist.
Ernst: >> Derjenige, der die Fotos gemacht hat und das Video als künstlerischer Leiter überwacht hat, das ist der Bursche, der uns dieses Konzept vorgestellt hat. Es gab im Vorfeld sicherlich viele Dialoge über alles, aber letzten Endes haben wir zugestimmt und gesagt, daß dies natürlich auch etwas ist, was uns ein wenig in die Diskussion bringt, auch wenn diese für uns vielleicht erst einmal etwas unbequem ist. Auf der anderen Seite ist es aber auch ganz schön fur uns, daß wir da mal etwas riskieren. Artdirekor klingt natürlich schon schwer nach "Werbefritzentum", aber das war schon ein Typ, der da sehr engagiert herangegangen ist, dem das wirklcih etwas bedeutet, was er da gemacht hat. Im Prinzip finde ich es schon sehr gut, daß das jetzt in einer Hand ist. Schließlich soll es ja aussagen, daß da jetzt einer versucht, ein gleichmäßiges Konzept hereinzubringen. Daß nicht die Fotos das eine und das Video eine andere Geschichte ist. <<
Ein einheitliches Erscheinungsbild in allen Ehren, aber braucht solch eine erfahrene und bereits seit langem erfolgreiche Band überhaupt einen künstlerischen Berater in Sachen Image überhaupt?
Ernst: >> Früher haben wir so etwas nicht gehabt, aber ich dachte, wir probieren es jetzt mal. Natürlich ist es die Frage, ob wir so etwas brauchen. Da hast du völlig Recht. Ich persönliche neige nicht dazu, solche Sachen über zu bewerten. Entscheidend ist die Musik, und die soll letzten Endes hängen bleiben. Bei der nächsten CD ist es dann wieder eine andere Gestaltung. Man hat dann halt doch nicht so ein einheitliches Bild, aber das muß ja auch nicht immer sein. Ich muß aber schon sagen, daß ich es recht gut finde, daß sich jetzt einer um ein einheitliches visuelles Konzept bemüht hat. Vielleicht deshalb, weil dies jetzt auch eine künstlerische Herangehensweise ist. Es ist von daher auch interessant, weil es uns in einen ganz anderen Kontext stellt. <<
Wird sich diese Farbenthematik auch auf die Live-Präsentation der Band auswirken?
Ernst: >> Also, das glaube ich jetzt wieder weniger. Da wird uns wahrscheinlich unser Lichtmann auf´s Dach steigen, wenn er die ganze Bühne nur weiß sieht. Wir werden mal darüber nachdenken. Unsere Konzerte sind aber schon etwas anderes, da wir dort ja nicht nur die neuen Songs präsentieren, sondern auch viele alte Sachen und nicht alle Songs vom neuen Album. Weiße Kleidung auf der Bühne fände ich dann auch blöd und ziemlich affig. Ich bin kein großer Freund von so einer Bühnenkostümierung. Im weißen Frack am weißen Flügel mit weißen Zylinder… <<
So wie Udo Jürgens dann "Mit 66 Jahren…" schmetternd?
Ernst: >> …nee, nee, da hört es auf. Ich glaube, daß das mit dem Artwork auch nicht so gemeint ist. <<
Während meines Interviews mit Alexander Velajanov anläßlich der Veröffentlichung von "Kasmodiah" äußerte er sich dahingehend, daß "Kasmodiah" ein Liebeserklärung an eine fiktive Frau darstelle. Was ist demnach "White Lies" für euch? Ein Album, das auf den ersten Blick recht sperrig erscheint und das diverser Hörduchgänge bedarf, um alle musikalischen Feinheiten zu erfassen. Dabei gewinnt man schon den Eindruck, ihr hättet bewußter und hintergründiger an den Songs gearbeitet und euch mit ihnen auseinandergesetzt.den
Ernst: >> Er hat damit nicht das ganze Album, sondern nur den Titel gemeint. Da wußte ja niemand, was das für ein Name war. Das hat er nicht mal mir gesagt. Was "White Lies" angeht, so sind das Entwicklungen, die man so durchmacht. Wir haben verschiedene Phasen gehabt, während wir an dem Album gearbeitet haben. Ich habe sehr früh mit dem Songwriting angefangen, direkt nach der "Kasmodiah"-Tour, also im Frühjahr 2000. Damals habe ich einen sehr aggressiven und sehr offenen Schreibstil gehabt, weil ich damals sehr von einem Haß auf diese ganze New Economy, von Seatlle ´99 und dieser ganzen "Dot-Com"-Blase beseelt war. Das waren fast alles sehr kapitalismuskritische Texte. Das hat sich dann durch das Platzen der "Dot-Com"-Blase dann zum Teil aber schon von selbst erledigt. Dann kam so eine Phase, wo ich sehr nachdenkliche Songs gemacht habe. Irgendwie hat sich das mit Alexander überschnitten, der auch in so einer Phase war. Vielleicht liegen die Gründe auch mit darin, daß wir in unserem Familienumfeld schon so einige tragische Sachen erlebt haben. Ganz erhlich gesagt, habe ich ein sehr hartes Jahr hinter mir, auch im privaten Bereich, und von daher sind die Lieder sehr introvertiert und sehr nachdenklich geworden. Das hat sich dann automatisch so ergeben, ohne daß ich genau sagen kann, warum. Wir wollten dann in der Bearbeitung nur noch den Song herausstellen und haben daher vielleicht auch manchmal etwas karger instrumentiert. Es sind nicht mehr so diese Ausbrüche da und daher sind die Songs in mancher Weise vielleicht auch sperriger. Alexander´s Gesang steht vielleicht auch etwas mehr im Vordergrund, wie er sie singt und ausdrückt, was in den Liedern beschrieben ist. "White Lies" ist somit noch viel mehr ein Songwriting-Album geworden. Wir haben uns dann stilistisch schon dafür entschieden, daß wir nach diesen Polit-Texten nicht in die vielleicht erwartete noisige Richtung gegangen sind, sondern schon versuchen wollten, andere Stile mit rein zu bringen. Bei "Generators" indische Tablas oder "Kiss", das mehr gällisch klingt, "Prayer", das fast einen Reggae-Rhythmus hat; "Stupid" ist eh klar als so ein Frühachtziger Jahre Song, der aber auch nicht ganz ernst gemeint ist. Das waren halt so Stilisken, die sich dann ergeben haben. In wieweit das dann wirklich etwas schwieriger zugänglich ist als "Kasmodiah" kann ich jetzt nur sehr schwer beurteilen. Da stecke ich einfach zu sehr drin. Wenn du das so empfindest, muß ich sagen, daß ich das nicht als unangenehm empfinde. Viele haben sicherlich von uns erwartet, daß wir jetzt mehr Elektro-Pop oder so etwas machen, quasi in der Erweiterung des Marktsegmentes, wie man so schön sagt (lacht). <<
Im Vorfeld des Interviews kam der Hinweis, sich doch bitte intensiv mit den Texten auseinanderzusetzen.
Ernst: >> Das haben uns jetzt schon eine Reihe von Gesprächspartnern gesagt, daß sie solch einen Hinweis bekommen hätten. Das war aber nicht so gemeint. Wir hatten halt nur die Promo-CD´s, wo dann kein Textblatt dabei lag. Ich habe dann vorgeschlagen die Texte auf DIN A-4 zu kopieren und beizulegen. Das war alles. Die haben das dann wohl richtig als Ermahnung verstanden. <<
Und die Frage aufgeworfen hat, ob sich die Texte der Lakaien und die Art des Texte schreibens für "White Lies" gravierend verändert hat; haben Deine Lakaien heutzutage mehr zu sagen als früher?
Ernst: >> Die Texte waren uns schon immer wichtig, ob sie jetzt besonders gelungen sind, oder nicht. Wir haben schon ein sehr starkes Anliegen bestimmte Themen in einem Text zu behandeln. Das ist halt so. Wenn jemand jedoch lieber mehr auf die Musik als auf die Texte achtet, so kann er das genau so gut machen. <<
Was allerdings schon sehr schade wäre, setzen sich Deine Lakaien in Texten wie "Prayer", die sich mit der Gentechnik und dem Klonen von Stammzellen beschäftigen, durchaus mit aktuellen und durchaus kontroversen Themen auseinander und beziehen dort auch eindeutig Stellung. Ist euch das Leben heilig?
Ernst: >> Ja, das Leben ist heilig, allerdings kann ich das jetzt nicht so einfach beantworten. Ich bin nicht so von vorneherein ein engagierter Gegener der Stammzellenforschung und muß ganz ehrlich sagen, daß ich da im Einzelnen jetzt auch zu wenig im Thema bin. Ich stelle aber auch fest, daß dies ein Thema ist, was in jedem im Fluß ist und wo sich bei jedem emotional erst einmal unheimlich viel Sperren auftun. Zumindest mir geht es so, daß ich dann einen wahnsinnigen Widerwillen gegen das Klonen und gegen Genexperimente habe. Bei mir leuchtet dann gleich der Name Mengele auf. Andererseits muß ich sagen, wenn dies im Sinne der Humanität geschieht, wenn man also zum Beispiel aufgrund genetischer Experimente fleischähnliche Substanzen züchten könnte und damit die armen Tiere in Zukunft in Ruhe lassen könnte, dann wäre das auch wieder eine gute Sache. Im Song selbst, also in "Prayer", ist das jetzt wieder eine andere Sache. Da sind zwei Dinge. Da ist zum einen die Wut darüber, wie ungerecht die Natur ist, indem sie einfach solche Mauerblümchen wie die Hauptperson unseres Songs erschafft, also weder besonders hübsch noch besonders gut gebildet, die aufgrund dessen ihr ganzes Leben lang beschissen wird, in ihrer Substanz aber ein goldenes Herz hat und von Grund auf ein guter Mensch ist. Am Ende des Songs kommt jemand, der einen Gencode sucht und dann gerade sie nimmt um eine Million Klons zu züchten. Das ist also eine späte Art der Rache der zu kurz gekommenen. "Prayer" ist laos kein Song über das Klon-Thema an sich. Das Unausgesprochene bei all diesen Gen- und Klonexperimenten ist natürlich der Wunsch den Menschen zu perfektionieren. Das fängt an mit der Vermeidung von Erbkrankheiten, wird aber sicher dann noch weitergehen. <<
Das Klonen dieses Mauerblümchens wie auch "Wunderbar", ebenfalls einer der Songs des Albums, zeigen auch die augenzwinkernde Mentalität der Texte der "Lakaien" auf. Der Text über eine Person, die eine Laterne ansingt, scheint zumindest keine spezifisch tiefgreifende Aussage zu treffen. Ist "Wunderbar" das "Lili Marleen" der Lakaien?
Ernst: >> (lacht) Ja, ja, das ist halt so ein etwas clowneskes Lied, das ich ursprünglich mal für Alexander geschrieben habe. Der hat mich irgendwann mal gefragt, ob ich nicht noch irgendwo in der Schublade einen Song herumliegen habe. Dann habe ich ihm den und noch einen anderen Song gegeben, die er aber dann beide nicht genommen hat, weil sie für sein Solo-Album auch zu spät kamen. "Wunderbar" haben wir dann für das Lakaien-Album übernommen, und ich finde, er paßt auch ganz wunderbar auf das Album. Er ist ein bißchen tragisch, aber auch irgendwie ein wenig komisch. Da kommt so ein Betrunkener, der beim ersten Schneefall einen Laternenpfahl ansingt. Da kommt aber sicher auch so das Mitleid mit jemandem zum Vorschein, vor allem jetzt im Winter, wenn ich so durch die Stadt streife und die ganzen Stadtstreicher so sehe, wie sie sich ihre Hände reiben und sich mit der Flasche zukippen. Da weiß man ganz genau, daß die sich jetzt besaufen müssen, damit sie die Kälte nicht spüren. Da überlegt man schon, wo diese Leute jetzt übernachten und ein warmes Plätzchen finden. So kommt dann also noch eine traurige Atmosphäre hinzu, was dann zum Ende des Songs noch zutage tritt, wo sich dann herausstellt, daß er mal im Rausch gegen diesen Laternenpfahl gerauscht ist. Ab da hat dann sein Abstieg begonnen. <<
"Stupid", ein Song, der musikalisch ein wenig die Tradition von "Lass mich" aufgreift, nimmt offensichtlich das Musicbiz ironisch auf die Schippe, wenn es dort heißt "I have to make a rhyme for money…"
Ernst: >> Ja, so hätten sie uns gerne. Deswegen habe ich als Musikstil so etwas genommen, was jetzt alle machen. Unheimlich viele Dance-Acts klingen ja heute wieder nach den frühen D.A.F.. Natürlich ist das ein bißchen ironisch, auch für unser hin und her stolpern, aber auch für unser Umfeld, die uns ganz gerne in einer anderen Richtung sehen würden. Unsere Kritiker sind aber auch gemeint. Die haben ja auch ihre bestimmten Vorstellungen davon, wie wir sein sollen. Das ist wirklich kein ganz Ernst gemeintes Stück. <<
Den Drang nach Erfolg und das Funktionieren innerhalb der Mühlen des Musikbiz scheinen Deine Lakaien in "Where You Are…" abermals aufzugreifen wenn es dort heißt: "I did join the race, hunting for success, selling dreams was all I knew for the rising stars."
Ernst: >> Das war ein Text, den ich angefangen hatte, und zu dem Alexander diese erste Strophe gemacht hat. Das ist der erste Text, den wir sozusagen gesammen gemacht haben. Es geht da um einen Geschäftsmann, den ich aber nicht persönlich, sondern nur aus der Zeitung kannte, dem die Frau gestorben ist. Alexander hat in der ersten Strophe dann jemanden daraus gemacht, der im Show-Business tätig ist. Jemand, der ganz gerne Berufskarriere macht und nur an seine Karriere dankt. Er geht in diesem Show-Business auf, halt wie diese ganzen Agenten, die da immer so herum wedeln, geschäftig sind und einen Sechzehn-Stunden-Tag haben. Da passiert dann halt so etwas, was einen grundsätzlichen Einschnitt und den Verlust des Partners darstellt. Er versucht dann sein Leben zu ändern, allerdings viel zu spät. Er fängt an zu grübeln, zieht auf´s Land und liebt die Ruhe, aber irgendwie kommti diese Leere immer wieder zu ihm zurück. Auf der anderen Seite muß er aber immer weiter machen und damit zurecht kommen, weil er vielleicht auch noch Kinder hat, für die er verantwortlich ist. <<
"Lost", der Titel sagt es bereits deutlich, setzt sich mit dem Verlust, welcher Form auch immer, auseinander. Deine Lakaien als Menschen, die im Licht der Öffentlichkeit stehen und in der Öffentlichkeit durch Promo-Termine etc. schnell vereinnahmt werden, was vermissen sie am meisten? Ein geregeltes Privatleben?
Alexander: >> Natürlich beginnt das Jammern immer ziemlich schnell. Promo-Termine, Interviews…klar, das ist zum Teil auch unangenehm. Man muß aber auch seinen Maßstab korrigieren. Ich habe mich letztens mit jemanden unterhalten, der durch seine Arbeit seine ganze Gesundheit ruiniert hat. Da dachte ich mir dann auch, daß ich mir in Zukunft besser zweimal überlegen sollte, worüber ich mich beschwere; das man eben wieder einen Promo-Tag hat oder soviel unterwegs ist. Man neigt ja gerne dazu, alles mögliche auf einmal als lästig zu empfinden. Wenn man das nun mit Extremsituationen vergleicht, zum Beispiel mit Menschen, die nicht wissen, wo sie morgen etwas zu essen herbekommen…das ist ja kein Schnee von gestern. In "Lost" geht es aber eher darum, den Mut und die Kraft zu finden, sich etwas einzugestehen. Und zwar einen Verlust einzugestehen. Das ist ja das, was viele Leute heutzutage nicht mehr aufbringen. Daß sie einen Verlust sofort verdrängen oder versuchen, dies durch einen scheinbaren Gewinn sofort wieder auszugleichen. Die Angts zu verleiren und sich dies einzugestehen, das ist für mich die zentrale Aussage dieses Songs, für mich zumindest. <<
Eines der immer wiederkehrenden Themen bei den "Lakaien" ist die Auseinandersetzung mit der Reinkarnation. Stets aus einem anderen Blickwinkel aufzeigend, wäre es doch allmählich eigentlich an der Zeit, Farbe zu bekennen und seine persönlichen Ansichten zu diesem Thema Preis zu geben.
Ernst: >> Ich denke, das kann man uns nicht abverlangen, daß das un das jetzt genau unser Standpunkt zu dem Thema wäre. Ich denke schon, daß man im Sinne eines postmodernen Künstlers die Dinge aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten kann. Das ist absolut legitim und hat immer auch damit zu tun, was einen persönlich im Moment so beschäftigt. Wenn jemand sagt, so wie damals bei "Sometimes", er habe die kosmische Wahrheit entdeckt, indem er für ein paar Sekunden wirklich gefühlt hat, was Liebe ist, finde ich das genau so authentisch wie bei "Life…", wo sich das Metaphysische schon so sehr in das Materialistische umgewandelt hat, daß es nur noch darum geht, irgendwo das Geld heraus zu holen, entweder was zu kaufen oder zu verkaufen. Dazu gehören dann auch Religionen, die man dann als New Age verkauft. Diese totale Durchmaterialisierung. Der Refrain ist dann halt das resignierende Schulterzucken dazu. <<
Das Gefühl von Vorahnungen oder bestimmte Dinge bereits einmal erlebt, gelebt oder durchlitten zu haben ist demnach bei euch nicht vorhanden?
Ernst: >> Nein, das ist bei uns wirklich nur ein Modell grundsätzliche Fragen abzuhandeln. Das wird aufgrund unsere Ursongs "Reincarnation" häufig mißverstanden. Da wurde ja häufig daraus gemacht, daß wir so Esotheriker wären. Dabei ist das ursprünliche "Reincarnation" nur der Versuch, das, was als ursprüngliche Reinkarnationstheorie verkauft wird, umzudrehen. Es ist also nicht nur ein Leben die Folge der Leben als ein Weg zum Licht, sondern es könnte ja auch umgekehrt sein, indem das Leben mit jedem weiteren Leben noch schlimmer wird. Ich kann da aber nicht für Alexander, sondern nur für mich sprechen. Ich bin da eher so der Agnostiker, also jemand, der nicht so genau weiß, was da in Zukunft kommt. <<
Alexander: >> Ich wehre mich ein wenig dagegen, da den Wunsch nach einer Lösung zun formulieren. In jungen Jahren ist es ja so, daß man dazu neigt, sich nicht gerne verarschen zu lassen und behauptet, man wäre Atheist. Natürlich immer mit dem Beisatz, daß es ein Geschenk ist, wenn man die Naivität oder die Dummheit verleugnen kann, Analytikern zu glauben. Dann wird man älter und älter und merkt, daß man beginnt, dieses ganze Unverständliche zu verstehen. Daß man eben nicht gefragt wird, wann man kommt, und wann man geht. Es sei denn, man nimmt für den zweiten Fall die Sache selbst in die Hand. Diese doch ziemlich unangenehme Realität oder die Tatsache, daß man eben nicht gefragt wird, muß man trotzdem irgendwie akzeptieren. Viele suchen eben dann diese Erlärung indem sie sagen, das irdische Dasein ist die Vorstufe für das Paradies, das Nirvana oder eben die nächste Runde. Das wäre dann der Glauben an die Reinkarnation. Wie gesagt, ich bin da aber leider noch nicht soweit. <<
Seid ihr demnach also noch auf der Suche nach der Wahrehit?
Alexander: >> (ganz entschieden) Nee!!! Zumindest nicht mit diesen Liedern. Das ist halt einfach nur der Versuch, dies immer neu zu beleuchten. Man kann ja gar keine Wahrheit finden, es sei denn, man würde erleuchtet. So wie Cat Stevens. Ich hoffe schon, daß mein Verstand noch einigermaßen scharf bleibt. Wenn man Verantwortung übernimmt im Leben, will man das Leben ja auch nicht nur zynisch rational beurteilen. Vor allem, wenn man dann auch noch die Aufgabe eines Erziehenden übernimmt und sich dafür entscheidet, muß man natürlich auch andere Wege suchen. Man kann einem Kind in der Erklärung der Welt ja keinen Zynismus bieten. Man hat ja bis zu einem gewissen Alter die Aufgabe, den Kindern Dinge, Sachverhalte und scheinbar Unerklärliches zu erklären. <<
Fand das Interview zu "Kasmodiah" während der Zeit des Jugoslawien-Krieges statt, wurde dieses Interview von den tragischen Terrorakten in den USA überschattet. Wie vermittelt man solche Geschehnisse vor dem Hintergrund religiösen Fanatismus´ und Akte der terroristischen Willkür als Erziehender seinem Kind?
Alexander: >> Man muß den Mut dazu haben zu sagen, daß es für viele Dinge einfach keine Antworten gibt und daß es sicherlich keine Schande sein kann, wenn man nicht zu allen Dingen eine Meinung hat. Gerade zu diesen Fragen, die sich durch die Geschehnisse aufwerfen. Gerade zu diesem Thema, dem Kampf der Kulturen, reißt jeder den Mund auf und erzählt irgendwas. Das ist ärgerlich ohne Ende. Manche sollten lieber den Mund halten und nachdenken, was sie selbst nicht richtig machen oder wo die Gründe dafür liegen, daß die Menschen nicht in Frieden miteinander leben können. Man denkt ja an sich dadurch auch schon wieder an einen, durch Angst hervorgerufenen latent vorhandenen Rassismus. Ich gucke mich ja auch um, ob in dem Flieger, in dem ich gerade sitze, nicht irgendwelche komisch aussehenden Menschen sitzen, die eventuell Araber sein könnten. Es passieren aber Dinge, die einen wach rütteln sollen und müssen, daß zur Zeit einfach alles auf der Spitze steht.Die Ausbeutung der Natur, die totale Vormachtstellung der Wirtschaftsmächte, diese seltsamen fanatischen Auswüchse, die die totale Zerstörung mit sich bringen können. Diese scheinbar völlig wahllose Zerstörung. <<
Der Gesamteindruck, nicht nur nach dem Album, sondern auch nach diesem Interview ist der, daß "White Lies" und Deine Lakaien sich sehr stark mit den Themen des inneren Friedens und humanistischer Umgangsformen beschäftigen. Würdest du, Alexander, mir da zustimmen?
Alexander: >> Es ist sicherlich ein sehr nachdenkliches und sehr erwachsenes Album. Erwachsen nicht in dem Sinne, daß wir jetzt "Adult-Music" machen, sondern "White Lies" ist ein Album mit Tiefgang, ohne daß jetzt unbedingt an die Glocke hängen zu müssen. Es ist wichtig, diese Songs, so wie sie sind, gemacht zu haben. Natürlich kann man jetzt eine Kritik á la "Stupid" nicht gleich setzen mit dem Inhalt von "Lost" oder "Prayer". Alles in allem ist ist das Album ein Standortbericht, was Deine Lakaien heute bedeutet, was Ernst Horn und Alexander Veljanov als Aufgabe sehen, auch uns gegenüber, um uns nicht mit "White Lies" zu belügen. Uns ist völlig egal, was mit dem Album nach außen passiert. Das klingt jetzt zwar sehr kokett, aber im Grunde stehe ich da und kann mir jede Kritik anhören, ohne daß diese mich verletzt oder mir schmeichelt. Ich weiß, was es ist, was ich da mit Ernst gemacht habe und da bin ich auch ganz unbeirrbar. <<
So spricht ein Künstler, der mit sich und seiner Arbeit zufrieden und ganz im Reinen ist.
http://www.deinelakaien.de
Michael Kuhlen


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