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MAGAZIN :: Index: 'A' :: ANCIENT RITES

ANCIENT RITES
Die dunkle Schokoladenseite Belgiens
Die zehnköpfige Formation aus Belgien ist eine der rangältesten aus der Härtner-Fraktion. Grund genug um Gunther Theys, ihrem Sänger ein Interview anzubieten in dem er von dem aktuellen Album „Rvbicon“ sprechen kann. Ancient Rites sehen sich als Vorreiter der Black-Metal-Welt auch wenn sie heuer nicht mehr so extrem klingen. Die Frage warum die Band aus sieben Mitgliedern besteht, dürfte ebenfalls nicht uninteressant sein. Mittlerweile ist es fünf Jahre her, dass die Jungs mit ihrem Werk „Dim Carcosa“ in Erscheinung getreten sind. Heutzutage eine verdammt lange Zeit, in der so mancher Act in Vergessenheit gerät. Doch der gewaltige Sound mit den emotionalen Einschüben, der sich um Texte der Antike dreht, wird schnell wieder Einzug in die Metal-Gemeinde finden. Danke übrigens an Gunther für das beste Email-Interview aller Zeiten. Sehr ausführlich mit sprachlichem Glanz.
Am besten fangen wir mit der Bandgeschichte an
>> Wohlan. Es begann Ende der 80er Jahre und alle Mitglieder waren vorher in anderen Bands. Damals waren Johan und Philip an den Gitarren, Stefan spielte Drums und ich bearbeitete den Bass und sang. Ein Jahr später veröffentlichten wir das Demo „Dark Ritual“, das im Underground unheimlichen Anklang fand. Kurz darauf starb Philip in einem Autounfall und Stefan, der zusehends Probleme bekam (ein paar Jahre später beging er Selbstmord) musste durch Walter ersetzt werden. Johan verließ letztendlich die Metal-Szene. Pascal und Bart erschienen auf der Tanzfläche mit denen ich 1992 die „Evil Prevails“ EP einspielte. Die beiden zockten die Klampfen. Diese Scheibe erschien im Laufe der Jahre auf einigen Labels. Alsbald wurde Pascal an die Sonne gesetzt. Er hatte nicht genug Ambitionen. Als Trio machten wir weiter. Wir beteiligten uns an verschiedenen Split-EP`s und landeten auf Compilation-Alben. 1994 kam unser Debüt-Album „The Diabolic Serenades“ auf den Markt. Mit der CD landeten wir bei der Firma After Dark, die uns total beschissen haben. Irgendwann waren sie pleite und wir standen ebenfalls mittellos da. 1995 kamen wir zu Mascot Records und brachten bei ihnen das Nachfolgewerk „Blasfemia Eternal“ 1996 heraus. Dann ging es erstmals mit vielen bekannten Acts auf Tour. In der ganzen Zeit mussten wir mit einigen heftigen Problemen kämpfen. Es gab Boykotte, Bombendrohungen, Gewalt bei Konzerten, Todesfälle und viel Businessmist. Abgesehen davon, dass einige öfter ins Krankenhaus mussten. Immerhin kann Wut in Power und Inspiration umgewandelt werden. Bart verließ uns im Mai 1996 und wir waren lediglich ein Duo das mit Session-Musikern weiterarbeitete. Langsam avancierten wir zu einem weltbekannten Act. Auf dem dritten Album „Fatherland“ (1998), hatten wir Musiker aus Finnland, den Niederlanden, Belgien und Deutschland dabei. Das Line-Up füllte sich wieder mit Erik (ex-Inquisitor) an der Gitarre und Jan „Örkki“ (ex-Prestige, ex-Lacrimosa), ebenfalls Gitarrist. Wir veröffentlichten ein Best-Of-Album mit dem Titel „The First Decade 1989-1999). Wir wollten die ersten zehn Jahre zelebrieren. Nach einigen Verhandlungen wechselten wir zum Hammerheart-Label. Hier kam ein neues Werk auf den Markt namens „Dim Carcosa“. Das war 2001 ein sehr erfolgreiches Album in Holland. Wieder kam es zu einem Besetzungswechsel. 2003 erschien eine CD/DVD mit dem Titel „And The Hordes Stood As One“. Kürzlich kam Bart zurück um Plätze mit Jan zu tauschen, der während der Tour „Generation Armageddon“ Schwierigkeiten machte. Und wieder tauchten zwei alte Mitglieder auf und da ich mich gänzlich auf den Gesang konzentrieren wollte, sind wir jetzt ein paar mehr Jungs in der Band als üblich. <<
Wie seht ihr eure Position als Pioniere des Black Metal?
>> Wir sehen uns wirklich als Pioniere, die angefangen bei Null ständig arbeiteten, um den Underground zu entfleuchen. Es gab kein Support von den Labels. Wir brachten uns selbst in die Fanzines und organisierten unsere Konzerte. Wir wurden nie von der Presse gehypet und in der regulären Metal-Szene interessierte sich niemand für uns. Es war schwere Arbeit aber die Situation bot uns absolute künstlerische Freiheit. Es war ehrlich gesagt der schwierigere Weg aber dafür haben wir eine Anhängerschaft, die sich nicht an Trends orientiert... Wir werden jedes Jahr stärker und bekannter und das ist eher die Ausnahme für Bands in unserem Genre. <<
Wieso braucht Ancient Rites sieben Mitglieder und stelle sie bitte vor?
>> Da haben wir Walter van Cortenberg an den Drums, Raf Jansen, Gitarrist, unser Basser Domingo Smets, ein weiterer Klampfer, Bart Vandereycken, Davy Wouters an den Keyboards, Erik Sprooten ebenfalls an den sechs Saiten und mich. Unsere Musik hat sich im Laufe der Jahre entwickelt und ist weitaus komplexer geworden. Im Vergleich zu den früheren Zeiten hat sie einfach mehr Schichten. Um den Studioalben live an Details gerecht zu werden, bedarf es eben einer Vielzahl von Musikern. Aus der Sicht eines Musikers werden auch neue Perspektiven deutlich. Man braucht sehr viel Erfahrung und Disziplin, um mit drei Gitarristen zu agieren. Drei Klampfer können mehr experimentieren und es gibt mehr Power. Allerdings auch interessantere Songstrukturen und Melodien. Während zwei Gitarristen sich um die doppelten Leads kümmern kann der dritte Mann herrliche fette Rhythmen ergänzen. Die Energie geht nicht verloren aber es geschehen mehr Dinge. Drei Gitarristen zu haben, ist keine Muss aber man hat mehr Freiraum und Möglichkeiten. <<
Inwieweit habt ihr euch mit dem neuen Album musikalisch umorientiert?
>> „Rvbicon“ ist bis dato das komplexeste Werk der Bandgeschichte. Es hat viele musikalische und lyrische Schichten. Die Scheibe ermöglicht dem Zuhörer viele neue Sachen zu entdecken je öfter er sie hört. Es braucht etwas Zeit um sich an das Album heran zu arbeiten, aber dafür ist es zeitlos. Wir versuchen mit jedem Opus anders zu klingen und jedes Album hat ihren eigenen Charakter und Atmosphäre. Der Sound ist jedoch immer Ancient Rites. Auf „Rvbicon“ haben wir alles weitergetragen. Die Scheibe ist aggressiver, melodischer und progressiver als alles was wir vorher verzapft haben. <<
Warum habt ihr fünf Jahre gebraucht um mit „Rvbicon“ aufzuwaten?
>> Verschiedene Umstände und unsere kritischen Ansichten zwangen uns in diese Situation. Natürlich viele bandüblichen Dinge wie Besetzungswechsel, Labelwechsel und so weiter. Die neuen Musiker müssen adäquat eingearbeitet damit sie live in top Form sind und schließlich braucht das Komponieren von gutem Material seine Zeit. Wir haben etliche Tracks verworfen bis wir alle mit dem neuen Album zufrieden waren. Die Qualität ist was uns antreibt nicht der Verbrauch von Zeit. Wir müssen mit diesen Tracks für Jahre live leben also sind sie besser gut, haha. <<
Warum habt ihr euch entschlossen in den Spacelab Studios aufzunehmen?
>> Die Produzenten in diesen Räumen sind mit unserem Sound vertraut. Sie sind talentierte progressive/classical Musiker die sehr fordernd sind und die Band zur Höchstform treibt. Oliver Phillips, der Produzent ist mein Stimmtrainer und verantwortlich für die Orchester-Parts. Er und unser Keyboarder arbeiten sehr eng zusammen, da sie beide eine klassische Ausbildung haben. Oliver ist mindestens ein genauso guter Gitarrist der jede Note kontrolliert. Mit drei Gitarristen in der Band ist es nicht schlecht eine außenstehende Meinung zu haben. Produzent Christian Moos ist ein begnadeter Drummer und arbeitete mit Walter perfekt zusammen. Es ist niemals ein Urlaubscamp in den Spacelap Studios aber es ist das Ergebnis das zählt. <<
Was ist so interessant am römischen Reich und der Geschichte wovon die meisten Texte handeln. Geht es ausschließlich um Kriegsthemen?
>> Seit meiner Kindheit hat mich die Antike fasziniert. Das römische Reich hat ordentlich Spuren in Europa hinterlassen. Durch „Rvbicon“ sehe ich diese Geschichte in meinem Geiste. Es ist ein episches Gefühl, voller Bombast, Drama, Krieg, Opfer, Mut und Melancholie. Die verschiedenen musikalischen und lyrischen Schichten ermöglichen es mir mit meiner Seele in der Zeit zu reisen. Geschichte war immer ein wichtiger Faktor im Ancient Rites-Universum. Ich denke, dass es uns mit diesem Album möglich war eine Ära zurückzuholen die durch Zeit und Staub begraben ist. Wenn auch nur für eine Weile. Wer sich für Geschichte interessiert wird hier schnell Anklang finden. Wir greifen natürlich verschiedene geschichtliche Themen auf. In meiner Familie gibt es einen starken militärischen Background. Deswegen interessiere ich mich für Militärgeschichte. Ich hoffe nur das meine Lyrics nicht den unrealistischen Hollywood-Touch haben. In den Texten herrscht ein starker philosophischer Hintergrund, keine eindimensionale Herangehensweise an das Thema Krieg. Ich sehe kämpferische Auseinandersetzungen aus verschiedenen Perspektiven. Außerdem hinterfragen wir religiösen Fanatismus in unseren Texten. <<
Wie sieht die Metal-Szene in Belgien aus?
>> Obwohl wir ein nur sehr kleines Land sind, gab es immer interessante Formationen bei uns. Aufgrund fehlender Unterstützung, Mut und Professionalität verschwanden sie alle schnell in der Versenkung. Ich mag die Mini-LP „Full Moon`s Eyes“ von Ostrogoth, brillanter Heavy Metal. Dann gibt es noch die Demo`s der Band Black Shepherd die primitiven Speed/Thrash mit satanischen Lyrics spielen. Shell Shock und Acid gehören ebenfalls zu meinen Favoriten. Doch alle diese Combos sind weg vom Fenster. Aktuell gesehen hören sich die meisten Bands wie skandinavische Black-Metal-Klons an oder die Kapellen die sich an keyboardlastigen Goth orientieren. Natürlich gibt es noch etliche Speed und Grind-Gruppen. Ihnen fehlt meistens Originalität. Das letzte was ich wirklich mochte war eine Band namens Obliveon (der coolste Bandname der Welt natürlich, Anm. d. Verf.)... Und da gibt es noch Denizen die sich Hard-Rock-mäßig an MSG ausrichten. Ein Metal-Musiker in Belgien zu sein ist nicht einfach, haha. In einigen anderen Ländern werden die Bands von der Regierung unterstützt. Dort erkennt man den Musikerstatus als Job an. Hierzulande erreichen das lediglich die bekannten Mainstream-Musiker die meistens weder ihre eigenen Lieder komponieren, noch ihre Texte selber verfassen. Es ist wichtig einen internationalen Deal mit einem großen Label zu erreichen sonst bleibt man in diesem Land stecken. <<
Was steckt hinter dem Albumtitel „Rvbicon“?
>> Dieser Titel hat eine doppelte Bedeutung. Man kann ihn historisch und philosophisch betrachten. Der Rubicon ist ein antiker lateinischer Name für einen Fluss in Nord-Italien. Nach dem römischen Gesetz war es jedem General verboten, diesen mit seiner Armee zu überqueren. Das Gesetz schützte somit die Republik vor internen Querelen und Bedrohungen. Als Julius Cäsar im Jahr 49 vor Christus, wahrscheinlich am 10. Januar des römischen Kalenders den Fluss überquerte, um Pompeus Magnus zu verfolgen, brach er das Gesetz und ein Kampf war unausweichlich. Das römische Gesetz zu brechen, bedeutete Verrat und zog die Todesstrafe für den Agitator nach sich. Suetonius der den berühmten Satz: „Alea Iacta Est“ (die Würfel sind gefallen), prägte, tat dies nur mit der 13. Legion. Es war ein riskantes Unterfangen. Die Phrase „Den Rubicon überqueren“ überlebte bis heute und bezieht sich auf solche Personen, die sich persönlich in unumkehrbare aber notwendige Gefahren bringen, um ein Ziel zu erreichen. Sie kommen an einen Punkt, an dem es kein zurück mehr gibt. Dann gibt es noch meine symbolische, philosophische Bedeutung: Jeder sollte seinen eigenen Rubicon überqueren können. Wie schon Vergilius sagte: „Das Glück favorisiert die Mutigen“. (ich hoffe ich habe diesen Abschnitt ordnungsgemäß übersetzt. Anmk. d. Verf.) <<
Was habt ihr für die Zukunft geplant?
>> Es kommen geschäftige Zeiten auf uns zu. In den letzten Wochen haben wir schon mehrere Gigs in Groß Britannien und Deutschland absolviert um abzuchecken wie einige Songs live ankommen. Zusätzlich spielten wir Gigs und Festivals in den Niederlanden. Dazu kam das wir auf dem Graspop-Festival auftreten durften. Alle diese Auftritte waren ein perfekter Start für die „Rvbicon“-Kampagne. Desweiteren haben wir Konzerte in Sapnien, Slowenien, Belgien und Österreich geplant. <<
http://www.ancientrites.be
Steve Burdelak


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