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MAGAZIN :: Index: 'D' :: DARK FUNERAL

DARK FUNERAL
WEGE INNERER STÄRKE
Man muss nicht unbedingt Hellseher sein, um ahnen zu können, dass der neue Dark Funeral-Hammer „Diabolis Interium“ alle Markenzeichen eines zukünftigen Klassikers besitzt. Die Entwicklung im Lager der schwedischen Satanisten ist atemberaubend. Sämtliche Songs strotzen vor Einfallsreichtum und technischer Brillanz. Da dürften insbesondere zwei bestimmte Gruppen das große Zittern bekommen, da Expansion auch ohne überdimensionale Chöre oder Bombastkeyboards vonstatten gehen kann.
So war es mir eine Ehre an einem frühen Mittwoch Morgen den zweitägigen Interview-Marathon für Gitarrist Lord Ahriman zu eröffnen. Trotz der unchristlichen (!) Zeit (10.00 Uhr) zeigte sich der Skandinavier auskunftsfreudig. So manche Antwort fiel sehr privat aus und offenbarte eine gehörige Portion Humor im Wesen meines Gesprächspartners.
Bevor wir uns aber dem neuen Album und somit der Gegenwart von Dark Funeral widmen, möchte ich einen retrospektiven Gedanken bezüglich der Biographie aufgreifen. Lord Ahriman ist das einzig verbliebene Gründungsmitglied im momentanen Bandgefüge. Gab es in der Vergangenheit jemals einen Punkt, an dem er aufgrund der diversen Line-Up Probleme aufgeben wollte?
>> Nein, ich habe niemals an Aufgage gedacht. Ich bin zwar manchmal verrückt (lacht), aber ich verfüge über einen starken Willen. Ich lebe für die Musik und habe nicht viel andersgelagerte Interessensbereiche. Bereits lange bevor ich in einer Band spielte, dominierte die Musik mein Leben. Ich wüsste nicht, was ich ohne sie machen würde. Für mich stellt sich mein musikalisches Dasein wie ein Kreuzzug dar, der mir hilft zu überleben. <<
Es stellt sich natürlich die Frage, ob die Probleme mit einigen Bandmitgliedern in der Vergangenheit die Entwicklung von Dark Funeral negativ beeinflusst haben. Man könnte der Sache aber auch positive Aspekte abgewinnen, denn durch die vielen Wechsel im Line-Up, gab es doch sicherlich immer wieder eine Art kreativen Schub.
>> Ich schätze, die guten sowie schlechten Dinge dieser Problematik hielten sich die Waage. Die vergangenen Unstimmigkeiten innerhalb der Band waren manchmal ein einziger Alptraum. Es ist wirklich schlimm, wenn es unmöglich wird, mit einer Person diskutieren zu können. Um diese Tiefpunkte zu überwinden, habe ich mir immer vor Augen geführt, wie ich eigentlich weitermachen will. Ich bin sicherlich manchmal sehr egozentrisch, aber ich behandele die Leute meist sehr loyal und sehr freundlich. Ist aber keine Verständigung mehr möglich, gehe ich meinen eigenen Weg.
Aber mit den Veränderungen kam auch immer wieder frisches Blut in die Band. Glücklichweise konnte ich so mit sehr vielen talentierten Musikern zusammenarbeiten, was insbesondere die Schlagzeuger betrifft. Alzazmon oder Gaahnfaust sind fantastische Trommler, aber sie ließen doch die erforderliche Hingabe vermissen. Im Gegensatz dazu ist unser neuer Drummer Matte Modin (Defleshed) ein hungriger Metalhead. Es gab in der Vergangenheit immer wieder Stresssituationen, da einige Mitglieder nicht bereit waren, ihre Seele für Dark Funeral zu geben. <<

In wie weit ist es dir überhaupt noch möglich zwischen Dark Funeral und (d)einem Privatleben zu unterscheiden? Deine gesamte Persönlichkeit fließt doch in die Band ein, um sie zu stärken.
>> Diese Frage solltest du lieber meiner Frau stellen (lacht). Sie ist ziemlich bedient, jeden Tag rund um die Uhr mit mir Dark Funeral leben zu müssen. Dark Funeral ist mein Lebensmittelpunkt seit so vielen Jahren. Wenn ich zu hause bin, pflege ich nicht sonderlich viele soziale Kontakte. Die Sache ändert sich auf Tour. Hier treffe ich interessante Menschen, die sich an den gleichen Dingen orientieren wie ich selber. Zuhause bin ich lieber für mich alleine, lebe mein eigenes Leben. Es ist mir nicht möglich einen Trennstrich zu ziehen, denn die Band macht mein Leben aus. Rasant wird die Sache mit meiner Frau aber immer dann, wenn ich an der Reihe bin und eine meiner Lieblingslatten auflege – äh, nächste Frage bitte (lacht laut). <<

Welcher Metaller kennt diese Situationen nicht. Wir empfehlen zwei Stereoanlagen und zumindest ein Paar Kopfhörer... Nach einem kurzen beiderseitigen Lachflash kann die Befragung weiter gehen und so rückt das bereits angesprochene neue Album kurzfristig in den Mittelpunkt. Das „No Fashion“ Label behält sich vor, „Diabolis Interium“ in diversen Ausführung heraus zu bringen. Neben der normalen Ausgabe wird es Gatefold-Vinyl geben und eine in Leder gebundene Digipack-Version. Sämtliche Teile erscheinen mit verändertem Artwork. Lord Ahriman befürwortet diese Maßnahmen, insbesondere aus der Sicht des Sammlers. Verbindet mein Gegenüber besondere Erwartungen oder Hoffnungen mit dem Release der neuen Scheibe?
>> Wir sind eine Band, die sehr hart tourt. Es wäre schön, wenn uns die neue Platte einige Level voran bringen und uns bessere Tour-Umstände bescheren würde. Vielleicht springt mal eine wirklich große Tour heraus mit einer Band, die wir mögen. Natürlich haben wir bereits mit vielen unserer favorisierten Gruppen gespielt, aber mir schweben Musiker vor, die etwas schwerer zu erreichen sind und uns eventuell kontaktieren. <<
An welche Bands oder Musiker denkst du dabei?
>> Das wird man sehen, wenn es so weit ist... (lacht). Nein, es ist so, wir haben sehr viele Low-Budget-Touren spielen müssen. Es ist sehr brutal unter so widrigen Umständen auf der Straße unterwegs zu sein. Wir würden gerne mehr Geld in unsere Bühnenshow investieren und den Leuten beweisen, dass wir eine bessere Band geworden sind. <<
Diese Tatsache lässt sich aber schon alleine mit „Diabolis Interium“ unterlegen. Auf der einen Seite stehen Songs wie eben das Titelstück, welches auch auf „Vobiscum Satanas“ verewigt sein könnte. Dem gegenüber präsentieren gerade die Nummern „Godess Of Sodomy“ oder auch „Thus I Have Spoken“ mit verschiedenen Tempodimensionen und der Verbindung Aggression/Melodie, wie gereift sich die Mannschaft um Lord Ahriman gibt.
>> Wir haben dieses Mal mit einem veränderten Songwriting gearbeitet. Das Zusammensetzen der Stücke erfolgte letztlich erst im Studio. Wir befanden uns in der glücklichen Lage, das Material über den Zeitraum einer Woche im Studio einstudieren zu können. Wir konnten so Veränderungen vornehmen, sehr viele Ideen in einer rauen Version aufnehmen und uns anschließend in aller Ruhe anhören. Diese Umstände waren sicherlich sehr hilfreich auf dem Weg unsere Musik weiter zu entwickeln. Mit der Zeit haben wir uns auch als Musiker verbessert und dies auch auf jedem neuen Album zum Ausdruck gebracht, ohne jedoch unsere Wurzeln zu verlieren. „Diabolis Interium“ dokumentiert allerdings bis dato unseren größten Schritt nach vorne. <<
Womit wir wieder an den Punkt zurück kommen, dass hierfür nicht zuletzt die fantastischen Fähigkeiten von Neu-Drummer Matte Modin von großer Bedeutung waren.
>> Absolut! Er ist so begierig mit uns als Band zu arbeiten und hat Dark Funeral mit seinem Können weit nach vorne gebracht. Aber auch die Kraft der Gitarren sollte nicht außer Acht bleiben. Neben der Gitarrenpower wollte ich sehr viel präsentere Drumsounds eigentlich schon auf „Vobiscum Satanas“ einbringen. Diese Vorstellungen konnten aber erst jetzt mit Matte verwirklicht werden. <<
Eine der Stärken von Dark Funeral erwächst meines Erachtens aus der bereits von dir angesprochnen Tatsache, dass ihr niemals eure Basis verraten habt, euch bei allen Formen der Expansion immer treu geblieben seid. Dark Funeral sind der lebende Beweis für eine Weiterentwicklung jenseits der Benutzung bombastischer Chöre, übertriebener Keyboards oder der plötzlichen Einarbeitung progressiver Elemente.
>> Viele Bands existieren schon sehr lange. Sie werden älter und verlieren deswegen vielleicht ihre einstigen Grundwerte. Wir sind immer noch sehr hungrig und besessen von dem was wir tun. Wir werden also auch das nächste Mal kein Techno-Album veröffentlichen (lacht laut). <<
Trotz der immensen Zeit, die Dark Funeral im Leben von Lord Ahriman einnimmt, blieb doch noch ein wenig Luft für ein Sideprojekt mit Musikern von Acheron and Incantation.
>> Die „Wolfen Society“ wurde von Vincent Crowley (Acheron) ins Leben gerufen. Es war bereits alles für die Produktion einer MCD vorbereitet, als ich hinzu kam. Sie gaben mir im Studio alle Freiheiten. Es ergab sich für mich eine neue Möglichkeit mit interessanten Musikern zu arbeiten. Es ist neues Material geplant, allerdings wird es aus Zeitgründen keine Shows geben, sondern der Projekt-Charakter beibehalten. <<


Bei allen musikalischen Vorlieben im Rahmen von Dark Funeral sowie auch der „Wolfen Society“, kristallisiert sich der Satanismus als kleinster gemeinsamer Nenner mit großer Wirkung heraus. Ich erinnere mich an das vorige Interview mit Lord Ahriman, indem er berichtete, dass man diese Dinge nicht suchen kann. Sie kommen zu einem...
>> Ich hatte diese Gefühle für Satanismus bereits als Kind. Schon sehr früh bezog ich eine antichristliche Einstellung und attackierte Religionen, ohne das Wort ‚Satanismus’ zu benutzen. Ich kann es nicht an einem bestimmten Datum oder an einer bestimmten Periode in meinem Leben festmachen. Der Satanismus spielt schon so lange eine tragende Rolle in meiner Existenz. Diese Dinge wachsen mit einem selbst und den Erfahrungen, die man macht. Die erste Aktion gegen das Christentum hatte ich im Alter von fünf Jahren zu verantworten. <<
Im Alter von fünf Jahren!? War es nicht komisch zu entdecken, dass man anders war als die anderen Kinder der Straße?
>> Ich wuchs in einer Gegend auf, in der sehr viele christliche Organisationen existierten, die ständig von Haus zu Haus tingelten, um ihre dummen Lehren zu verbreiten. Meine Eltern waren damals bereits feindlich gegen Religionen eingestellt. Jedes mal wenn diese christlichen Vertreter unterwegs waren, schloss meine Mutter alle Fenster, zog die Gardinen zu und versteckte sich in der Küche. Sie schickte mich dann immer zur Türe. Eines Tages spielten wir Karten. Ich sollte mit den Karten zur Türe gehen und die Vertreter erschrecken. Sie sollten denken, dass ich ein Kind Satans bin. Aus unerfindlichen Gründen betrachtete man damals ein Kartenspiel als Werk des Teufels. Ich öffnete also die Türe, steckte die Karten in Brand, schmiss die Karten ohne Worte vor die Füße der verdutzten Vertreter und knallte die Türe wieder zu... Sie kamen niemals wieder... (lacht sehr laut). <<
Diese Dinge muss man wirklich in sich tragen...
>> Richtig, man muss dafür geboren sein. Viele Menschen wissen nicht welche Kraft in ihnen ruht. Sie wagen es nicht den Wegen der Dämonen zu folgen und ihre wahre Identität zu zeigen. <<
Um abschließend nochmals das Thema zu wechseln, frage ich mich wie sich Lord Ahriman das plötzlich aufkeimende Medieninteresse an seiner Band erklärt. Eine Begründung bezüglich der für den Black Metal geleisteten Pionierarbeit durch Dimmu Borgir oder Cradle Of Filth oder eine bessere Promotion erscheint mir da zu dürftig.
>> Wir existieren nun schon eine ganze Zeit. Viele Leute realisieren eigentlich erst jetzt, dass wir eine Band sind, auf die man sich verlassen kann und die nicht schon wieder nach nur einem Album in der Versenkung verschwunden ist. Wir wurden immer stärker und besser, somit zeigten auch die Magazine mehr Interesse. Das liegt sicherlich auch an den beiden von dir ins Spiel gebrachten Gruppen, die sehr finanzstarke Firmen im Rücken haben. Sie können ganz anders promotet werden, obgleich ich mich über ‚No Fashion’ nicht beschweren kann. Sie stellen ein enormes Budget für Dark Funeral zur Verfügung und zeigen somit ebenfalls, welchen Stellenwert wir durch unsere Stärke mittlerweile erreicht haben. <<
Okay, kommen wir zum Ende dieses Interviews. Wenn ich mir persönlich vor Augen führe, welche Bands seit ihren Gründertagen ihren dunklen Spirit niemals verleugnet haben, so nehmen viele schwedische Gruppen wie Marduk, Setherial, Abyssos und nicht zuletzt Dark Funeral einen unumstößlichen Platz auf einer eigentlich zu kurzen Liste ein.
>> Metal aus Schweden ist immer sehr aggressiv gewesen. Du wirst sehr überrascht sein, wie viele Gruppen des hiesigen Undergrounds ihren dunklen Vorstellungen folgen. Die von dir genannten Bands bilden sicherlich die Speerspitze. Es entspricht der schwedischen Mentalität wohl am ehesten, Musik mit diesem Charakter zu produzieren. Marduk sind obendrein sehr gute Freunde von uns, zu Setherial haben wir eher einen lockeren Kontakt. <<
Mit einem stilechten „Hail Satan“ verabschiedete sich anschließend ein Musiker, der einmal mehr eindrucksvoll beweisen hat, das eine ernsthafte dunkle Überzeugung nicht zwangsläufig auch humoristische Aspekte ausschließen muss. Mycket tur - Dark Funeral!








http://come.to/darkfuneral
Uwe Schmidt


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