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CASTLEFEST - Lisse (NL), Keukenhof, 04. – 06.08.06
Lisse (NL), Keukenhof

04. – 06.08.06
Nach 2005 fand auf dem Gelände des Keukenhofes in Lisse zum zweiten Male das “Castlefest” statt, ein Festival, das alle Fans von Mittelaltermärkten, Rollenspielen, Larps und alt überliefertem Handwerk genau so begeistern wird, wie die Schwarze Gothic-Gemeinde. Inmitten eines weitläufigen Parks, in dessen Mittelpunkt das beeindruckende Herrenhaus steht, unweit des weit über die Grenzen hinaus bekannten Tulpenparadieses „Keukenhof“ boten unzählige Händler, Rollenspielgruppen, Handwerker und Ritterklans über drei Tage ihre Waren an und lockten damit die Besucher aus den Benelux-Staaten und Deutschland in die Nähe Amsterdams, um ein farbenfrohes und fantasievolles Festival zu begehen, das in dieser Form ohne Frage einzigartig ist. Nachdem das Wetter und der anhaltende Regen im letzten Jahr das „Castlefest“ immer wieder behindert hatten und Teile der Fläche, auf denen die Händler ihre Stände aufgebaut hatten, in grosse Schlammflächen verwandelt hatten, hatte man in diesem Jahr sowohl die Stände als auch auch die Bühne auf festen Untergrund verlegt, um weitere Schlammschlachten zu vermeiden, und auch den Eingangsbereich hatte man verlegt, so dass man auch hier trockenen Fußes das eigentliche Festivalgelände betreten konnte. Da sich, wie im vergangenen Jahr, das Musikprogramm mit Ausnahme des Freitagabends, wo ROSA CRUX und die holländischen Goth Metaller MORNING auftraten, im Laufe des Wochenendes immer wiederholte, konzentrierten wir uns in der Berichterstattung ausschliesslich auf den Freitag.
Als wir gegen 14:15 Uhr das Gelände betraten, begannen RAPALJE, die mir noch aus dem Vorjahr in bester Erinnerung waren, mit ihrer Version keltisch irischer Folklore. Das Trio, bei einigen Songs unterstützt durch einen Dudelsackspieler, versetzte die bereits in grosser Zahl vertretenen anwesenden Besucher mit ihren Songs sodann mitten in die schottischen Highlands und überzeugte erneut mit einer authentischen und mitreissenden Darbietung, die man in den Pubs Schottlands oder Irlands bei einem Irish Stew nicht besser geboten bekommt. Höhepunkt des gut einstündigen Sets war eine Coverversion von Manowars (!) „The Crown And The Ring“, die jedoch von den wenigsten der Anwesenden als Coverversion erkannt wurde. Die Spielfreude der Band riss jedenfalls mit, wie auch die professionelle Darbietung, und es wird Zeit, dass sich RAPALJE auch über die holländischen Landesgrenzen hinweg bei uns einen Namen machen.
OMNIA betraten gegen 16:15 Uhr die Bühne und wurden gefeiert wie die Heilsbringer der guten Laune. Dieser Erwartungshaltung wurde sie im Laufe des einstündigen Sets dann auch gerecht, spielten zum Jig auf, was einige wenige dann auch zum traditionellen Irischen Tanz animierte. OMNIA gefallen mir nach wie vor am besten, wenn sie zum Tanz aufspielen und Sänger Sic zur Flöte griff, um sich in bester Ian Anderson-Manier (Jethro Tull) in Trance und Glückseligkeit zu spielen. Die multikulturelle Treppe bestehend aus einem Neuseeländer, einem Iren, einem Engländer und der Holländerin Jenny machte sich wieder zum Sprachrohr einer zeitgenössischen heidnischen Kultur und erwies sich dabei als sympathischer und überzeugender Bote dieser vergessenen und verdrängten Naturreligion. Die musikalische wie auch showtechnische Performance war erneut über jeden Zweifel erhaben und die Spielfreude wie auch die Interaktion mit dem Publikum liessen nur einen Schluss zu: OMNIA sind eine wirkliche Ausnahmeerscheinung im heutigen Musicbiz und dazu noch einer der sympathischsten Erscheinungen, was sie auch einige Tage später in Deutschland beim „Burgfolk“ unter Beweis stellen konnten.
Nach einer längeren Pause und einer Modenschau in Form einer Aschenputtel-Darbietung auf der angrenzenden Bühne war es Zeit für die Holländer MORNING, und damit leider auch zu einer Band, die nur selten das Niveau einer Schülerband übertreffen konnte. Das fing bei der Optik der Band an, die sich uneinheitlich und nicht als geschlossene Einheit präsentierte, ging weiter über das biedere und unterdurchschnittliche Songwriting ohne Ecken und Kanten und endete bei einer unspektakulären Performance, aus der einzig Sängerin Saskia van Heugten positiv hervortrat. Verglichen mit all den grossen und musikalisch ähnlichen Bands, die Holland in diesem Genre hervorgebracht hat, sind MORNING im Höchstfall Kreisklasse.
Es folgten als Headliner des Abends ROSA CRUX, die bereits seit einer Woche damit beschäftigt waren, den Aufbau und die Performance für diesen in der Tat denkwürdigen Abend vorzubereiten. Neben dem bereits bekannten Glockenspiel, dem Chor, den Fahnenschwingern, den Videoprojektionen, dem mechanischen Schlagzeug und auch den Tänzern bestand die Show der Franzosen aus einem runden Käfig, der zwischen zwei Bäume gespannt war und durch zwei Helfer gegen eine Stahlplatte geschleudert wurde. Inmitten des Käfig befand sich einer der vielen Performenden, die ROSA CRUX bei dieser einmaligen Show unterstützten. Des weiteren hatten ROSA CRUX inmitten der Zuschauer eine Apparatur errichtet, bei der mittels Muskelkraft Wasser von einem Tank in einen anderen Tank gepumpt wurde und durch das Anheben und Absinken dieses Gewichtes ein Geräusch erzeugt wurde, einem mit quietschenden Bremsen anhaltenden Güterzug nicht unähnlich. Weiterhin gab es zwei Darsteller, die sich mittels zweier Kanonen mit Staub beschossen, übrigens dem Staub, den auch die TänzerInnen für ihr Reinigungsritual im „Danse de la Terre“ verwenden. Glück hatte, wer nicht in unmittelbarer Nähe dieser beiden Kontrahenten die Show beobachtete.
Musikalisch waren ROSA CRUX auch an diesem Abend perfekt und boten neben bereits bekannten Songs durch zwei neue und nicht minder geniale Tracks einen ersten musikalischen Ausblick auf die Zukunft, der auch hier die Ausnahmestellung dieser Formation dokumentierte. Das Publikum war überwältigt von dieser ausserhalb Frankreichs erstmalig gezeigten Show und so war es eigentlich Schade, dass sich ROSA CRUX durch die Verlagerung der Show weg von der Bühne und hinein ins Publikum selbst um den Applaus und eine mögliche Zugabe brachten. Dennoch, ROSA CRUX waren einmal mehr grossartig und der Beweis dafür, dass wahre Kunst immer noch ihre Daseinsberechtigung besitzt. Und wenn dann jetzt endlich noch die seit langem angekündigte DVD erscheint, steht dem Siegszug der Franzosen nichts mehr im Wege.
Die im Anschluss noch angekündigte Feuershow musste aufgrund des stürmischen und böischen, ständig die Richtung wechselnden Windes leider verschoben werden, weil das Risiko für die Darsteller wie auch das Publikum nicht gewährleistet waren.
Im Rahmenprogramm des „Castlefestes“ gab es neben den bereits erwähnten Bands, am Samstag und Sonntag kamen dann noch die deutschen FAUN, THIRSTY DOG und SIROCCO hinzu, diverse Workshops. Bekannte Fantasy-Autoren lasen aus ihren Büchern und gaben Autogramme, es gab Scharmützel zwischen den einzelnen Ritterklans, Vorträge über das Heidentum, Artisten, Geschichtenerzähler, LARPer nutzten den weitläufigen Park für ihre Rollenspiele und die vielen Handwerker nutzten die Gelegenheit über ihr traditionelles Handwerk zu informieren und dies dementsprechend darzustellen.
Der Markt und die Stände waren unterteilt in verschiedene Bereiche mit einem jeweiligen Schwerpunkt, so dass die Orientierung leicht fiel und wirklich alles geboten wurde, was Anhänger dieser Szene begeistert, angefangen bei Skulpturen, Kunsthandgewerbe, Schmuck, traditionelle mittelalterliche Gewandungen, Felle, Knochenschmuck, Töpferwaren, Kerzenständer, Kettenhemden, Schwerter, Streitäxte, Bogen bis hin zu CDs und Band Merchandise. Auffällig hier, dass die Qualität der angebotene Waren weit über dem lag, was vergleichbare Märkte in Deutschland zu bieten haben. Das gastronomische Angebot war zwar sehr begrenzt, dafür aber perfekt auf das „Castlefest“ und das ihm zugrunde liegende Konzept abgestimmt, wobei man innerhalb des Geländes an diesen Ständen nur mit eigens am Eingang zu erwerbenden Münzen bezahlen konnte.
Das „Castlefest“, und da wiederhole ich mich in meinem Fazit aus dem letzten Jahr gerne, ist ein einmaliges Erlebnis und für alle Freunde von Gothic und Mittelalter definitiv ein Muss. Der Eintrittspreis ist mit 12.50 € für eine Tageskarte ganz sicher nicht zu hoch, bedenkt man, was man für dieses Geld alles geboten bekommt. Und die Anfahrt ist mit gut anderthalb Stunden ab der holländischen Grenze durchaus auch als Tagestour zu bewerkstelligen. Bis zum nächsten Jahr.
Weitere Fotos zum „Castlefest“ findet Ihr bei den Galerien; zusätzliche Infos unter: http://www.castlefest.nl
Michael Kuhlen - Pics: Michael Kuhlen


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