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MAGAZIN :: Index: 'B' :: BELPHEGOR

BELPHEGOR
Jenseits aller Normen
Die Österreicher Belphegor stellen ein Synonym für die Extreme dar. Ob man sich der rasenden Aggression musikalischer Auswüchse oder der provozierenden Unheiligkeit der Texte widmet, ohne Rücksicht auf (ohnehin verlogene) gesellschaftliche Werte, vertreten alle Mitglieder der Band ihre Vorstellungen. Nach "The Last Supper" und "Blutsabbath" schlug nun "Necrodaemon Terrorsathan" wie eine Bombe ein. Natürlich werden wieder einige scheinheilige Würdenträger mit fragwürdiger Doppelmoral lauthals nach Zensur rufen, aber nur weil Belphegor ein weiteres Mal verborgene Wahrheiten ansprechen, die vor Gotteslästerlichkeit im Handeln der frommen Norm-Bürger triefen.
Nach stressiger Anreise und einem schweißtreibenden Gig im Oberhausener "Mystery", ist es Helmuth (g/v), Sigurd (g) und Marius (b/v) nicht hoch genug anzurechnen, dass sie sich noch weit nach Mitternacht zu einem Interview zur Verfügung stellten. Ohne Umwege kommen wir sofort auf die Belphegor-Headliner Tour mit Beteiligung der Dunkelgrafen und Dawn Of Dreams zu sprechen, die zur vollsten Zufriedenheit von Helmuth verläuft. >> Das Verhältnis der Bands untereinander ist sehr gut. Die Reaktionen der Fans begeistern uns, allerdings ist der Set manchmal einfach zu kurz. Wir haben aber noch nie unter solchen guten Bedingungen wie auf dieser Tour spielen können, was sicherlich auch an der Unterstützung durch unsere eigenen Techniker liegt. Obwohl der Schuppen hier sehr klein ist, hat der Gig Spaß gemacht. Wenn wir spielen gibt es Zerstörung! << Absolut professionell entgegnete Helmuth einigen unqualifizierten Zurufen aus dem Publikum, was die Frage aufwirft, ob Belphegor als österreichische Musiker Probleme in unserem verkommenen Land haben. >> Zum ersten Mal seit fünf Shows hatte wir mal wieder mit solchen Kommentaren zu kämpfen. Ich lasse mich von solchen Rotznasen nicht ärgern. Ich gehe immer auf die Leute ein, und wenn dieser kleine dumme Bauer aus dem Publikum meint, Österreicher können nicht schnell spielen, dann hat der nichts kapiert. << Die brachiale Performance von Belphegor, nicht zuletzt die Live-Umsetzung der neuen Songs, führt uns direkt zum eingangs erwähnten dritten Vernichtungsschlag mit dem Titel "Necrodaemon Terrorsathan". Wie ist der Zeitraum von drei Jahren zwischen "Blutsabbath" und der neuen Scheibe zu erklären? Dazu Sigurd: >> Wir brauchen immer zwei Jahre, um neue Songs zu schreiben und diese dann aufzunehmen. ´Necrodaemon...´ ist jetzt schon wieder ein Jahr alt und Diskussionen über Budgethöhe und Cover verzögerten eine frühere Veröffentlichung. <<
Helmuth ergänzt: >> Unser Label Last Episode wollte im Vorfeld die Texte und die Covervorschläge einsehen. Sie teilten uns dann mit, dass sie das Album so nicht rausbringen wollten. Die Lyrics sollten nicht abgedruckt werden und mit dem Cover zeigten sie sich auch nicht einverstanden. Okay, wir verwenden ja auch keine normalen Texte. Wir beabsichtigen eine gewisse Provokation und schreiben unsere Worte daher ´Faust ins Gesicht´. <<

Im unmittelbaren Vergleich zu "Blutsabbath" offenbart das neue Album eine ungeheure Steigerung der technischen Fähigkeiten. >> Jeder hat für sich geübt und die Festigung des Line-Up förderte unser Zusammenspiel. ´Blutsabbath´ hat einen Scheißsound und die Integration neuer Leute nahm Zeit in Anspruch. Die Stücke sind sicherlich sehr gut, was allerdings durch das schlechte Studio nicht so zur Geltung kommt. Wenn man sich nun Stücke wie ´Tanzwut Totengesänge´ anschaut, wird klar, dass unser alter Drummer das nicht hätte spielen können. Der Neue hinter den Sticks ist technisch in der Lage auch anspruchsvolle Sachen umzusetzen, was uns natürlich insgesamt weiter bringt. << erklärt Helmuth. Nachdem "Blutsabbath" zum Ende hin im Regen versinkt, beginnt "Necrodaemon..." ebenfalls mit Regenfällen, was auf einen gewollten Übergang schließen lässt, wie Helmuth bestätigt: >> Das geschah schon ganz bewusst, da wir eine Fortsetzung von ´Blutsabbath´ schaffen wollten und so den Regen als Bindeglied benutzten. Man muss in diesem Zusammenhang unsere bisherigen drei Alben als Gesamtkontext betrachten, wobei aber die Weiterentwicklung und die Ausweitung der Extreme nicht vergessen werden sollte. << Die extreme Härte von Belphegor macht deutlich, dass hier die Aggression der Alben nicht künstlich konstruiert wird. Woher nehmt ihr diese fast unmenschliche Energie, um solche Nummern wie "Diabolical Possession" oder "Sadism Unbound" zu kreieren? >> Es steckt einfach in uns drin und wir machen, was wir am besten können << führt Marius aus. Laut Helmuth geht es der Band um die Auslotung von Grenzen, wobei kein Limit für die Extreme als einschränkend gelten soll. >> Soweit uns die Möglichkeiten gegeben waren, konnten wir uns immer steigern. Das war schon bei der ´Blutsabbath´ so, und mit unserem neuen Drummer werden wir international mithalten und unseren eigenen Stil weiterhin ausbauen können. << Nicht zuletzt die Album- sowie diverse Songtitel verdeutlichen, mit welchem Hass ihr zu werke geht. Eure Cover verwandeln die reine Blasphemie in wahrnehmbare Visionen und rufen durch ihren provokanten Charakter natürlich Probleme hervor. Wie reagiert ihr, wenn andere Menschen mit einer oftmals vorhandenen Doppelmoral versuchen, eure freien Gedanken als Künstler mittels Zensur zu beschneiden? Helmuth: >> Das ist doch Wurst, oder? Wir provozieren solche Reaktionen und rechnen folglich auch damit. Es ist halt unsere Art nicht nur musikalisch in die Vollen zu gehen. Unsere Texte sind genauso extrem. Das ist unser Werk und jeder weiß, was er von uns zu erwarten hat. Wir erledigen alles in Eigenregie und lassen uns nicht irgendwelche Cover vorsetzen, wie das bei anderen Bands häufig passiert. Das gibt es bei uns nicht. Vom Foto, über die Texte bis zur Bookletgestaltung, liegt alles in unser Hand. Wir wollen nur die Kohle für das verdammte Scheißding sehen und das war es dann. << Gab es denn bezüglich der neuen Scheibe schon Zensurmaßnahmen gegen euch?
>> In Österreich verhindert ein weißes Deckblatt mit unserem Logo den direkten Blick auf das Cover. In Deutschland ist bisher alles ruhig geblieben. << beschreibt Sigurd die momentane Situation. Was erwartet ihr in diesem Zusammenhang von eurem Label und wie reagieren Last Episode auf solche Vorfälle? >> Wir hatten die Möglichkeit ´Necrodaemon...´ woanders rauszubringen, da sich Last Episode zunächst weigerten, die Texte sowie das Cover zu drucken. Wir hatten die Sachen aber vorliegen und stehen voll drauf. Letztlich hat unser Label mitgezogen. << verdeutlicht Helmuth nochmals den Standpunkt von Belphegor.


Wie sieht es aber aufgrund der krassen Gesinnung der Österreicher mit Verhaltensweisen anderer Geschäftsabteilungen aus. Hattet ihr beispielsweise schon mal Ärger mit Konzertagenturen? Dazu wieder Helmuth: >> So etwas haben wir erst jetzt wieder erlebt. Das Busunternehmen für diese Tour ist einen Tag vor Beginn der Reise abgesprungen. Sie haben plötzlich Angst bekommen, wir könnten den Nightliner zerschlagen. Wir haben dergleichen noch nie gemacht und keine Ahnung, wie solche Gerüchte zustande kommen. Irgendwie scheint uns ein derartiger Ruf voraus zu eilen. Wir sind eigentlich keine extremen Persönlichkeiten, sondern eher introvertiert. Wir verarbeiten unsere Aggressionen durch die Musik oder durch sportliche Betätigung. << Glücklicherweise blieben Belphegor bis heute Auftrittsverbote erspart, wie Helmuth weiter zu berichten weis: >> Das hat sich bisher noch niemand getraut und ich denke wir werden davon verschont bleiben. Wir beachten einfach die Leute gar nicht, die solche Meinungen vertreten. In solchen Kreisen heißt es von Anfang an ´Dies ist scheiße, das ist scheiße, Metal ist scheiße´. Warum soll ich mit solchen Leuten reden? Das sind andere Menschen, die Bullshit labern. Ich gehe dann einfach weiter, und wenn sie immer noch nicht Ruhe geben, kriegen sie halt ein paar Watschen. << Ich könnte mir vorstellen, dass euch einige Gesellschaftsvertreter auf eure angebliche Vorbildfunktion für die Jugendlichen hinweisen und versuchen, euch auf diesem Wege zu kontrollieren. Auch diesem Einwand entgegnet Helmuth entschieden:
>> Was geht mich die Jugend an. Wir haben unser Ding von Anfang an durchgezogen und jeder einzelne kann selbst entscheiden, ob er sich mit uns beschäftigt. Ich kann mich doch nicht auch noch darum kümmern, ob der fünfzehnjährige Hansi Burli Probleme mit den Texten hat. I don´t care, kauft euch was ihr wollt. Wenn ihr Belphegor kauft, bekommt ihr auch was ihr verdient habt. << Diese ehrlichen und offenen Worte werfen die Frage nach eventuellen Zielvorstellungen auf, die eigentlich nicht nur durch das Erschaffen der perversesten und unheiligsten Musik abgedeckt sein dürften. >> Wir wollen schauen, dass wir öfter live spielen können. Eine weitere Tour wäre nicht schlecht, wobei hier natürlich wieder unser Label gefordert ist. Als Musiker bist du immer der Trottel und musst halt abwarten. Obwohl wir nicht sehr viel verkaufen, gibt es doch einige Leute, die Belphegor unterstützen. Entweder man mag uns oder hasst uns, ein Mittelding scheint es nicht zu geben. Das interessiert uns aber auch nicht sonderlich. << Gegen Ende dieses Gesprächs stellt Marius eine weitere Steigerung der musikalischen Auswüchse von Belphegor mit dem nächsten Studioalbum in Aussicht. Vorher soll aber noch eine Livescheibe zum Abschluss der ersten Dekade in der Bandgeschichte veröffentlicht werden, eine Geschenk, welches sich die Band selber macht. Das sich die Musiker hinter Belphegor privat anders präsentieren, als ihre brutale Kunst vielleicht glauben macht, verdeutlicht die zögerliche, ja fast melancholische Antwort von Helmuth auf meine Frage nach der Akzeptanz menschlicher Wertvorstellungen: >> Ich weis nicht, wie ich mich ausdrücken soll, aber wir haben schon gewisse Ideal. Weiter, nächste Frage bitte... <<



http://www.belphegor.at
Uwe Schmidt


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