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MAGAZIN :: Index: 'C' :: CANAAN

CANAAN
Der Worte sind nicht alle gesagt …
Selbst vier Jahre nach Veröffentlichung des letzten Canaan Albums ist die italienische Formation um Mastermind Mauro Berchi eine der faszinierendsten Bands dieser Tage. Das hat sich auch mit „The Unsaid Words“, dem neuen Album der Italiener, nicht verändert. Noch immer sind düstere Soundflächen, elegische Keyboard- und Gitarrenwände das Markenzeichen der Formation, und der eindringliche Gesang und vor allem die unvergleichlich dichte Atmosphäre Bestandteile des Sounds, die Alben Canaans zu wahren Meisterwerken ihrer Zunft machen. Dabei ist kaum eine andere Band dieser Tage in der Lage, aufwühlende und persönliche Emotionen und Erfahrungen dermassen eindringlich und bewegend in Töne zu verwandeln und dabei doch soviel Wärme zu vermitteln, wie Canaan. Da Canaan Interviews mittlerweile Tradition bei uns haben, haben wir uns auch diesmal mit Mauro in Verbindung gesetzt und nach dem aktuellen Stand der Dinge erkundigt.
Die erste und offensichtliche Frage: „A Calling To Weakness“ erschien 2002, was bedeutet, dass es zwischen „The Unsiad Words“ und seinem Vorgänger eine Pause von vier Jahren gibt. Was ist der Grund für diese lange Pause zwischen den beiden Veröffentlichungen?

>> Wir nahmen nach den Aufnahmen zu “A Calling To Weakness” ein Jahr Pause um unsere Batterien aufzuladen. Zudem hatten wir das starke Gefühl, dass es für die Zukunft herausgeschmissenes Geld wäre Zeit in einem Studio zu kaufen, da dies einem einfach nicht die nötige Zeit gibt, tief genug und in Ruhe über die Dinge nachzudenken, an denen man gerade arbeitet. Also die Songs einzuproben, unter Zeitdruck aufzunehmen und dann festzustellen, dass die finanziellen Mittel erschöpft sind. Wir haben uns dann also entschieden, das bisschen Geld, was wir hatten, in ein kleines Home-Studio zu investieren, so dass wir in Ruhe arbeiten können. Das nahm einige Wochen in Anspruch und als wir im Herbst 2003 damit fertig waren, sind wir die Dinge ganz anders angegangen. Wir haben sehr viel improvisiert und viele Fragmente mit einem kleinen Line Up, bestehend aus Schlagzeug, Bass und einer Gitarre oder einem Keyboard aufgenommen. Im Februar / März 2005 haben Nico und ich all diese Fragmente genommen und in Songs gefasst, um daran anschliessend die finalen Aufnahmen und Arrangements fertigzustellen. Als die Aufnahmen fertig waren sind wir in ein Topstudio gegangen um das Album vernünftig zu mixen, und herausgekommen ist nun „The Unsaid Words“. Diese Areitsmethode erlaubte uns absolute Freiheit, und ohne diese zeitlichen Einschränkungen konnten wir soviel experimentieren, wie wir nur wollten. Das Ergebnis ist überzeugend und ich denke, wir werden auch zukünftig so arbeiten. <<

Während dieser vier Jahre dauernden Produktionsphase und dem Zusammenfügen all dieser unterschiedlichen Parts, hast du da mit dem Gedanken gespielt Canaan zu beenden, aus welchem Grund auch immer? Als Aussenstehender hatte man fast den Eindruck, die Band wäre irgendwo im Nirvana entschwunden.

>> Nein, so etwas ist mir nie in den Sinn gekommen. Canaan ist nicht nur Unterhaltung für mich, sonder hat eine sehr tiefgreifende Bedeutung für mich. So lange ich für mich einen Weg finde Canaan als Vehikel für meine Ängste und Emotionen zu nutzen, sehe ich keinen Grund, es zu begraben. Wenn ich je das Gefühl haben sollte, durch meine Musik nichts mehr sagen zu können, dann werde ich das sicher in Erwägung ziehen, aber ich bin mir sicher, dass dies sehr unwahrscheinlich ist, vor allem in der näheren und mittleren Zukunft. Die Band spielt immer noch eine sehr wichtige Rolle für mein seelisches Gleichgewicht. Ich wäre daher schon sehr masochistisch veranlagt, würde ich freiwillig genau das unterbrechen, was mir auf die eine oder andere Art Hilfestellung gibt. <<

Hast du keine Angst gehabt, dass in diesem schnellebigen Musikgeschäft, wo die Leute dazu tendieren, Bands schnell zu vergessen, niemand mehr von euch Notiz nehmen würde? Vor allem auch vor dem Hintergrund, dass „A Calling To Weakness“, der Vorgänger, euer bestverkauftes Album war, das viel Aufmerksamkeit bekommen hat und ganz offensichtlich den Nerv vieler getroffen hat?

>> Wenn ich ehrlich bin, interessiert mich das in keinster Weise. Es interessiert mich nicht, ob sich jemand an uns erinnert und es ist mir vollkommen egal,, wie viele Alben wir verkaufen, oder auch nicht. Ich weiss, dass diese Herangehensweise sicher sehr kontraproduktiv ist. Sicher könntest du mir die Frage stellen, warum ich dann CDs veröffentliche, aber das ist nun mal so und ich kann nichts an dieser Einstellung ändern. Hinzu kommt, dass ich das Biz sehr befremdlich finde, wenn man versucht, den Klon vom Klons des Klones als die innovativste und spannendste Erfahrung an den Mann zu bringen. Die üblichen Regeln, wonach man mit Geld gute Reviews und mit Werbung Interviews kauft, um ein geringes Risiko einzugehen, sind doch die übliche Suppe, nur eben halt ohne das Salz darin. Das amüsiert mich und hat sehr komödiantische Züge, wäre das nicht Teil meines Jobs. Von Tag zu Tag wird es härter mit all dieser Frustration zurecht zu kommen, aber auch hier gibt es nicht, was ich dagegen tun könnte. Um auf deine Frage zurückzukommen: ich erwarte nichts von den Canaan-Alben, ausser der Tatsache, dass wir die Kosten einspielen, die die Aufnahmen verursacht haben. Mehr nicht. <<

Was ich an Canaan so schätze ist die Tatsache, dass ihr unbeeinflusst von anderen Bands oder Musikströmungen nach wie vor zu euch selbst und euren Emotionen steht. Ich kann mich noch an unsere ersten Interviews erinnern, wo ihr noch voller Zorn gewesen seid, der eure Songs und euren Sound massgeblich mitbeeinflusst hat. Daher stelle ich mir die Frage, ob die Motivation, ein Album wie „The Unsaid Words“ zu schreiben, nach wie vor die gleiche ist, oder sich im Laufe der Jahre verändert hat?

>> Ja, ich glaube schon. Wenn man noch jung und voller Energie ist, sind Ärger und Hass ganz natürliche Reaktionen dem gegenüber, was man nicht mag. Wenn man älter wird, wird es ungleich schwerer, diesen Hass weiter zu empfinden, da die Energie und die mentalen und physischen Kräfte zu schwinden beginnen. Irgendwann resigniert man und akzeptiert das Unabänderliche. Diese Resignation ist sehr schmerzvoll, und dieser Schmerz kann sehr ermüdend sein. Erst später, wenn sämtliche Energien verbraucht sind, kommt die Segnung durch die Apathie. Ich denke, ich stecke mittendrin in diesem Prozess und hoffe, dass ich das Ende bald erreicht habe. <<
Ihr habt dieses Mal eine sehr ungewöhnliche Arbeitsweise gewählt, indem ihr nicht auf herkömmliche Art und Weise geprobt habt, sondern alle Parts jeder für sich aufgenommen habt und diese dann anschliessend zusammengefügt habt. Ist diese Arbeitsweise einfacher für euch, oder sehr viel komplizierter, als in einer richtigen Bandkonstellation zu arbeiten?

>> Das ist ei sehr komplizierter Weg, denn wir haben nie die Chance direkt miteinander zu kommunizieren oder zu agieren. Auf der anderen Seite haben wir aber auch keine zeitlichen Beschränkungen, was ein wahrer Segen ist. Zu Beginn der Aufnahmen waren wir vielleicht etwas desorientiert, weil wir nicht gewohnt waren so zu arbeiten. Jedes Mal, wenn wir an einem Song gearbeitet haben, haben wir wieder Dinge entdeckt, die vorher nicht da waren. Zu neunzig Prozent haben wir die anderen bewusst im Unklaren gelassen, welche Veränderungen wir am Grundgerüst der Songs vorgenommen haben. Als wir das im Griff hatten und die Strukturen einmal fertig waren, hat sich diese Methode als sehr positiv erwiesen. Zukünftig werden wir diese Methode sicherlich erneut nutzen, zumal wir jetzt unser eigenes Studio für die Aufnahmen haben. <<

Lass uns auf den Titel des Albums zu sprechen kommen. Was sind für dich diese ungesagten Worte? Ist dies eine sehr differenzierte und persönliche Betrachtungsweise, oder eher ein generelles soziales und politisches Statement?

>> Weder sozial, noch politisch. Absolut. Alles bei Canaan hat mit persönlichen Reflektionen, Ängsten und Verlangen zu tun. Ich denke, wir alle kennen in unserem Leben das Gefühl des Bedauerns. „The Unsaid Words“ steht für all das Unvollendete, die guten Dinge, die nie versäumt wurden, das Bedauern über den Verlust, den Schmerz über das Wissen, wie es hätte sein können, aber leider nicht war. Das ist aber ein sehr persönlicher Schmerz, nichts, was man mit der Aussenwelt teilen würde, keine Statements und auch keine Interaktion mit dem, was um einen herum ist. Ich habe diese „Unsaid Words“ geschrieben um mich daran zu erinnern, was gewesen ist und was in meinem Kopf falsch ist. Betrachte es ruhig als eine Form der Therapie. Ich versuche die Dämonen auszutreiben, indem ich sie beim Namen nenne. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob es funktioniert, aber besser als Medikamente zu nehmen. <<

Gibt es so etwas wie den Kern des Albums, die Kumulation dessen, wofür das Album in seiner Gesamtheit steht?

>> Was die Kernsongs und die Wichtigkeit jedes einzelnen Songs für das Album angeht, so hat jedes seinen eigenen unverwechselbaren Platz. Bei der speziellen Art und Weise, wie wir die Songs aufgenommen haben, fungiert jeder als verbindendes Puzzlestück. Wenn ich einen Song als Manifest für das, für was „The Unsaid Words“ steht, benennen müsste, wäre das „Nothing Left (To Share)“, wobei mir die Wahl schon sehr schwer fallen würde. <<

Mit “Senza una risposta” and “Il rimpianto” habt ihr wieder zwei Songs in eurer Heimatsprache auf dem Album und ich frage mich, warum ihr nicht mehr Songs in Italienisch aufnehmt, ergänzt sich die Stimmung und die Atmosphäre der Songs doch perfekt mit den italienischen Texten und dem Gesang?

>> Momentan sind wir dabei ein neues Project auf die Beine zu stellen, bei dem Gianni, Colloquio´s Sänger, der diese beiden Songs und auch schon auf „A Calling To Weakness“ bei zwei Songs gesungen hat, als alleiniger Sänger fungiert. Wir suchen gerade einen Namen für dieses Projekt und sind dabei Stücke und Texte zu schreiben, die ausschliesslich in Italienisch gehalten sind. Wir hoffen, innerhalb eines Jahres ein Album einspielen zu können, wobei ich glaube, dass es wirklich sehr gut ausfallen wird. Wir haben so viele gleiche Erfahrungen und Ansichten über das Leben, dass es beinahe so aussieht, dass sich hier zwei lang getrennte Zwillinge wiedergefunden und die Hände gereicht hätten. <<

Wenn du die Entwicklung Canaans über all die veröffentlichten Alben verfolgst, wo siehst du dann die Unterschiede, sowohl die musikalische als auch die lyrische Entwicklung betreffend?

>> Aus musikalischer Sicht haben wir uns seit “Blue Fire” sehr gut weiterentwickelt, und zwar in nahezu jeder Hinsicht. Die Erfahrung bedeutet da sehr viel und führt zu besseren Ergebnissen. Konzeptionell hat sich nichts geändert, nur haben wir unsere Konturen geschärft und uns stärker auf das wesentliche fokussiert. Ich denke, das ist eine Frage der natürlichen Entwicklung. Man wird älter, lernt aus seinen Fehlern und versucht sie beim nächsten Mal zu vermeiden, um das bestmögliche Ergebnis im Rahmen seiner Möglichkeiten zu erzielen. <<

Gibt es von Canaan eigentlich Songs, die ihr im Laufe der Jahre mal aufgenommen habt, die aber nie veröffentlicht wurden? Oder auch mit Ras Algethi, der Band vor Canaan?

>> Nein. Alles, was wir aufnehmen, findet seinen Weg auf das Album. Es gibt von uns kein unveröffentlichtes Material. <<

Interessant finde ich, dass du mit Eibon ein Label betreibst, das sich auf elektronische Musik, und hier vor allem auf Industrial, Power Noise und Ambient spezialisiert hat, sich diese Einflüsse aber bei Canaan nie gezeigt haben. Würdest du mir zustimmen, dass man Canaan als den Dreh- und Angelpunkt deiner inneren Ruhe und deines Charakters bezeichnen könnte? Hast du je mit dem Gedanken gespielt Songs in diese Richtung zu schreiben und zu veröffentlichen?

>> Das ist eine sehr gute Frage. Um die Wahrheit zu sagen, so habe ich nie etwas anderes geschrieben als das, was auf den Canaan-Alben zu hören ist. Ich habe nie einen inneren Drang verspürt solche Sachen wie Power Noise zu komponieren, auch wenn diese Musik zu meinen Favoriten zählt. Ich kann gar nicht erklären, warum das so ist- Wenn ich mit dem Komponierne beginne gehe ich immer in eine ähnliche Richtung, was wahrscheinlich damit zu tun hat, dass Canaans Musik tatsächlich das Zentrum meiner Persönlichkeit ist, also so was wie das Allerheiligste.Was meinen Charakter angeht, bin ich sicher alles andere als ruhig. Ich war nie sehr ausgeglichen und hatte immer Gespenster, die durch meinen Kopf gespukt sind. Auch wenn ich mit externer Hilfe durch Therapien und Medikamente gelernt habe sie zu kontrollieren, so waren sie immer präsent, eingeschlossen in einem Raum in meinen Kopf, aber immer an die Tür klopfend, um mich an sie zu erinnern. Ich will sie aber auch nicht los lassen, wohl wissend, welchen Schaden sie anrichten können, wenn sie einmal frei sind. Auf der anderen Seite kann ich sie aber auch nicht vergessen, da ihre Zeichen unmissverständlich sind. Du kannst mir glauben und vertrauen: es gibt hier sehr viel Stoff, aber nichts von dem ist ruhig. Wie ein italienisches Sprichwort sagt: „Auch das ruhige Wasser kann Brücken zerstören“. <<

Seid ihr mit Canaan je gefragt worden, ob ihr mal eine Filmmusik schreiben oder auch selbst Videos veröffentlicht wollt, die Canaan eine zusätzliche Dimension verleihen?

>> Wir sind bislang noch nie gefragt worden die Musik für einen Soundtrack zu komponieren, was aber, um ehrlich zu sein, sehr interessant für uns wäre. Was Videos angeht, so haben wir gerade für „Fragile“ eins gemacht. In Anbetracht der Tatsache des geringen Budgets und unserer mangelnden Erfahrung ist es uns gelungen, etwas überdurchschnittliches zu produzieren. Wir versuchen natürlich, dass das Video irgendwo ausgestrahlt wird, vornehmlich bei kleineren Sendern, aber wie du dir sicher vorstellen kannst, wird das ohne Geld und ohne Beziehungen wahrscheinlich als Experiment enden. Wie dem auch sei, es war eine gute Erfahrung für uns, weil wir uns mit einer Handycam und dem Schneiden eines Videos vertraut machen konnten. Wir werden so etwas zukünftig vielleicht noch mal tun. <<

Natürlich und unausweichlich muss ich die Frage nach möglichen Live Shows von Canaan stellen. In der Vergangenheit habt ihr diese stets verneint. Hat sich diesbezüglich etwas an eurer Einstellung verändert?

>> Nein, ich muss dich leider wieder enttäuschen. Wir werden live nicht auftreten. Von den fünf Mitgliedern von Canaan leben zwei weit weg in Mailand, so dass wir uns so gut wie nie treffen. Vielleicht nur ein oder zweimal im Jahr. Daher wäre es sehr schwierig eine Live Performance einzustudieren. Hinzu kommt, dass wir auch einfach nicht den Drang verspüren uns vor einem Publikum zu präsentieren, und das ist ein ununmgängliches Hindernis. Sorry noch einmal, aber Canaan bleiben ein Studioprojekt. Vielen Dank für das Interview und viel Glück mit eurem Magazin: :: NOTHING :: NEVER :: NOWHERE :: <<
http://www.canaan.it
Michael Kuhlen


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