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MAGAZIN :: Index: 'C' :: CENOBITA

CENOBITA
Technologische Einsiedler
Die Irrungen und Wirrungen des Musikgeschäftes sind manchmal recht merkwürdiger Natur. Da existieren Cenobita bereits seit den frühen neunziger Jahren als richtungsweisender Act der EBM- und Industrialszene mit regelmäßigen Veröffentlichungen in ihrem Heimatland Mexiko, doch außerhalb der Landesgrenzen nimmt kaum jemand Notiz von der Band. Im Gegenteil, unterstützt und von Claus Bita, dem kreativen Hirn Cenobita´s, zu ihren ersten offiziellen Auftritten ermuntert, sind es die Landsleute von Hocico, die international für Aufsehen sorgen und Mexiko somit auf der musikalischen Landkarte dieses Genres etablieren. Dabei liegt die musikalische Nähe beider Bands auf der Hand, auch wenn Cenobita weniger brachial und aggressiv, deswegen aber nicht weniger tanzbar zu Werke gehen, als ihre Landsleute.
Doch wer nun meint, Cenobita würden Hocico den Erfolg neiden, der irrt, scheint der Zusammenhalt in der mexikanischen Musikszene doch ungleich größer, als in anderen Ländern. Zudem hat Claus Bita mit "Neo Milenio" ein Album geschaffen, das dem internationalen Vergleich mühelos stand hält und untermauert, daß mexikanische Acts gerade vor dem Eindruck der politischen und sozialen Mißstände ihres Heimatlandes deutliche Aussagen zu treffen in der Lage sind. Dabei ist der soziologische und politische Hintergrund Cenobita´s bei der gemeinsamen Aufarbeitung der Bandgeschichte, die jüngst um den Ausstieg von Claus´ Mitstreiter Omar Flo um ein Kapitel erweitert wurde, unerläßlich. >> Cenobita wurden ursprünglich 1994 in Mexiko City von mir, Claus Bita, und Omar Flo gegründet. Wir haben uns in einer Hardcore-Band getroffen und da wir einen ähnlichen Musikgeschmack hatten, haben wir beschlossen, gemeinsam eine Band zu gründen. Von Anfang an war klar, daß wir einen Electro-Cyberpunk-Stil verfolgen würden. Wir vermischten unsere Einflüße, die William Gibson, Industrial, EBM, Techno, Metal usw. hießen und Cenobita waren geboren. Wir veröffentlichten zwei Demo-Tapes, "Cybertuality" in 1994/95 und "Visiones in 1995/96. Später begann ich damit, das Konzept für "Neo Milenio" zu erarbeiten, welches ursprünglich bereits im Herbst 1999 in Mexiko erschienen ist. Cenobita hat eine lange Tradition, was die heimische elektronische Musikszene angeht. Man könnte sogar fast sagen, Cenobita hat diese Szene erst ins Leben gerufen. Seitdem sind wir eine feste Größe hier in Mexiko. Omar hat Cenobita dieses Jahr offiziell verlassen, in Wirklichkeit aufgrund anderer Interessen sein Engagement für die Band schon viel eher eingestellt. Das gab mir natürlich die Gelegenheit, die komplette Kontrolle über Cenobita zu übernehmen, was für mich natürlich perfekt war. Die Resonanzen auf unsere Live-Shows waren bislang großartig und es scheint, als ob die Leute meinen Gesangsstil viel besser annehmen. Ich war von Anfang an für die ganze Musik und ungefähr für die Hälfte der Texte verantwortlich, und live habe ich früher bereits manche der Songs gesungen. Sein Ausstieg hat daher keine wirklich relevanten Konsequenzen. Ich habe bereits mehrfach gehört, daß mein Gesang sehr viel kraftvoller ist, aber letzten Endes liegt es an euch Kritikern, dies zu beurteilen. << Sind die Cenobiten den Meisten unter uns aus den "Hellraiser"-Filmen als Qualen und Schmerz bringende, unbarmherzige Wesen ein Begriff, so liegt die Bedeutung des Bandnamens ganz woanders und auch eventuelle Gemeinsamkeiten, so Claus, sind eher unbeabsichtigt. >> Es gibt keine Verbindung zwischen "Hellraiser" und uns. Ein Cenobit ist eine Person, deren Aufgabe es ist, nachzudenken. Ein Einsiedler. Wir reden hier von jemandem der danach strebt, den Sinn des Lebens zu finden, seine Umgebung zu verstehen und unter diesen Voraussetzungen zu leben. Ein gutes Beispiel für einen Cenobiten wäre ein buddhistischer Mönch. Das Konzept, welches sind hinter dem Bandnamen verbirgt, basiert auf den Texten, die ein Abbild dieser Welt sind. Einblicke in die Wirklichkeit aus dem Blickwinkel eines Cyberpunk-Kontetxes. Diese Geschichten, verpackt in den Songs, sind die Visionen des Cenobiten. Außerdem galube ich, daß jeder von uns bis zu einem gewissen Grade ein Cenobit ist, denn jeder von uns analysiert doch irgendwann seine Existenz bis zu einem gewissen Punkt und versucht, nach seinen Prinzipien zu leben. Dessen ungeachtet finde ich die Cenobiten aus "Hellraiser" ziemlich cool. << So unbarmherzig die Cenobiten aus "Hellraiser", so kompromißlos die elf Tracks von "Neo Milenio" mit ihren treibenden Beats und den unbarmherzigen Industrial-Einflüssen. Gibt es Bands, die Cenobita auf ihrem musikalischen Weg besonders beeinflußt haben? >> Meine musikalischen Einflüsse sind: Skinny Puppy, Leaether Strip, Mentallo & the Fixer, Front Line Assembly, .wumpscut: etc. Früher habe ich sogar auch Death Metal gehört, was ich heute jedoch nicht mehr tue. Seit meiner Kindheit habe ich verschiedene Arten von Musik und unterschiedliche Stile gehört, die alle durch meine Familie geprägt wurden. Von Klassik über mexikanische Folklore, von Donna Summer bis Neil Young, von den Beatles bis hin zu Sepultura. Auch wenn ich diese Sachen heute nicht mehr höre, so hat mir dies sehr dabei geholfen, ein weites Spektrum dessen zu formen, was ich wirklich gerne mag. Das war ein sehr reicher musikalischer Hintergrund für mich. << Cenobita kommen aus Mexiko, einem Land, das bei uns in erster Linie durch seine politischen und sozialen Mißstände sowie seine kulturelle Vergangenheit durch das Aztekentum bekannt ist. In wieweit sind Cenobita das Produkt dieser tiefgreifenden, die Gesellschaft des Landes kennzeichnenden Mißstände? >> Der Einfluß für die Gründung einer Band wie Cenobita war schon gewaltig. Die sozialen Gegebenheiten und politischen Umstände sind unverzichtbarer Bestandteil der Haupteinflüsse meiner Texte. In einer Stadt wie Mexiko City mit mehr als einundzwanzig Millionen Menschen zu leben, in der die Menschen einen Mundschutz benötigen, um sich keine Atemwegserkrankungen zu holen, die durch Viren, Bakterien in der Luft und Fäkalien hervorgerufen werden, in der jeden Morgen aufgrund der Luftverschmutzung tote Vögel auf den Straßen liegen, in der Menschen in den Abwässerkanälen leben, in der das Kidnapping ein ganz normales Geschäft ist, in das politische Abgeordnete, Polizisten oder auch Zivilisten verwickelt sind, bietet vielfache Einflüße. Gewalt ist an der Tagesordnung und die Apathie ist weit verbreitet, da niemand in die Situation eines Anderen mit hinein gezogen werden möchte. Zwischen arm und reich gibt es eine große Kluft, wobei die sogenannte Mittelklasse immer mehr verschwindet. Die ungrechte Behandlung der einheimischen Menschen ist gang und gäbe und Resourcen für ein Leben auf dem Lande sind praktisch gleich Null. Jeden Tag häufen sich die Fälle von Ungerechtigkeit. Die Überbevölkerung ist eines der Hauptprobleme, denn die Menschen mit weniger oder gar keiner Bildung, die häufig vom Lande kommen, haben meist mehr als Sechs Kinder und das, wo sie meist selbst viel zu wenig Nahrung haben, um zu überleben. Das minimale Einkommen ist in Mexiko acht Mal geringer als in den USA, was aber nicht heißt, daß die Produkte des täglichen Bedarfs ebenfalls acht Mal billiger sind. Ich könnte noch viele weitere Beispiele aus meinem Heimatland aufzählen, die genug Inspiration für meine Texte bieten. << Was ist das Hauptanliegen für Cenobita und ihre Musik? Die Menschen zu unterhalten oder durch die Texte und die Musik die sozialen Mißstände aufzuzeigen um zum Nachdenken anzuregen? Würdest du sogar soweit gehen, Cenobita als politisches oder soziales Werkzeug zu bezeichnen?
>> Ich werde die Welt nicht ändern, und das ist auch nicht meine Aufgabe. Es frustriert mich nur zu sehen, daß die Menschen ihr Gehirn vor dem Fernseher einfach ausschalten oder sich einzig und alleine in Gebete flüchten. Es gibt in den Dritteweltländern solch ein hohes Maß an Intoleranz, daß die Menschen wirklich alles glauben, was man ihnen vorsetzt, nur damit sie etwas haben, an dem sie sich festhalten können. Die Religion ist eine dieser Zuflüchte. Mexiko besitzt starke katholische Wurzeln und die Regierung ist sich der Tatsache bewußt, daß es ein leichtes ist die Leute zu kontrollieren, indem man sie für dumm verkauft. Wenn die Menschen die heilige Jungfrau um Erlösung bitten, um so eine Rechtfertigung für ihre Tränen zu haben und für eine bessere Zukunft und die Lösung ihrer Probleme durch den Himmel zu beten, wenn die Menschen sich dem Fußball zuwenden, sich in Stadien vergnügen, indem sie Bier trinken, mittelmäßigen Spielern zuschauen, und so den Druck und die Wut über den Haß auf ihren Vorgesetzten auf der Arbeit Luft zu machen. Wenn die Menschen nach einem Fernsehprogramm verlangen, wo Seifenopern immer wieder die Geschichte von Cinderella erzählen und die Hausfrauen, die diese Seifenopern schauen, und über den Kindern der Männlichkeit brüten, an diese Geschichten glauben und Teil dieser Show werden, um so der Wirklichkeit in ihrem eigenen Zuhause zu entfliehen. Ich versuche durch meine Lieder die Menschen zum selbständigen Denken zu animieren. Viele meiner Texte haben eine subjektive Sichtweise, so daß jeder die Texte verstehen und nachempfinden kann. Es ist immer sher interessant, wenn Menschen daher kommen und mir ihre Interpretation eines Songs mitteilen, denn ich versuche, daß sich die Zuhörer ihre eigene Meinung zu einem bestimmten Lied bilden. Vielleicht kommen sie so hinter die wahre Bedeutung meiner Songs. Ich wünschte, Cenobita würde als soziales Werkzeug verstanden werden, mit dem ich den Menschen helfen könnte zu verstehen, daß sie durch die Regierung, die Medien und deren Glauben nur ausgenutzt werden. Eine fundierte Ausbildung und Erziehung käme einer Erlösung gleich. << Unterscheidet sich das neue Jahrtausend, das du mit dem Albumtitel beschreibst, von dem Millenium, indem wir bereits leben oder bist du der Meinung, daß sich die Lebensumstände noch verschlimmern werden? Was verbindest du mit dem neuen Jahrtausend und dem Albumtitel? >> Als "Neo Milenio" veröffentlicht wurde, wollten wir nicht ins dieses Millenium-Kliché verfallen, doch unglücklicher Weise wurde dies zum Jahreswechsel 1999/2000 ja zu einem richtigen Trend, so daß jeder darüber sprach. Wir konzipierten das Album eigentlich als eine Studie über das nächste Jahrhundert. Mittlerweile bewegen wir uns bereits wieder auf das nächste Jahrtausend zu und die Idee eines neuen Zeitalters lebt mitten unter uns. Das Konzept entstand bereits 1997 und wir wollten einfach aufzeigen, daß wir alle uns nach einer neuen Ära sehnen. Nun, nachdem dieses dekadente 20. Jahrhundert hinter uns liegt, wird deutlich, daß wir mit den Konsequenzen der Vergangenheit leben müssen. Das neue Jahrtausend hat begonnen und im Hinblick auf humanitäre Aspekte gab es einige gravierende Veränderungen. Es war der Ausgangspunkt für so viele Dinge. Schaue dich um, beobachte das Weltgeschehen und frage die Menschen. Dieses Jahr ist ein kritisches für große Entscheidungen. Ich rede hier über den Beginn eines neuen Zeitalters, einmal für jeden Einzelnen unter uns, aber auch für die Menschheit im allgemeinen. Die Dinge haben noch nie besser um uns gestanden. Auch wenn ich fest daran glaube, daß wichtige Konzepte und und visionäre Prophezeiungen durch Gibson etabliert wurden, so mag all das Chaos für die Beziehungen zwischen den Menschen, der Familie, der Gesellschaft, der Länder und den Religionen durchaus hilfreich sein, um gestärkt daraus hervor zu gehen und sich den unterschiedliche Positionen der Härte zwischen ihnen zu stellen. << Englische wie auch spanische Texte kennzeichnen "Neo Milenio". Welche Arbeitsweise bevorzugst du und welche Sprache eigent sich besser für eine Band wie Cenobita? >> Ich arbeite wie selbstverständlich mit beiden Sprachen wobei mir natürlich schon bewußt ist, daß viele Menschen hier in Mexiko sich durch die spanische Sprache besser damit identifizieren können. Viele sind der englischen Sprache nicht mächtig. Es ist für mich aber schwieriger in Spanisch zu schreiben, da die Grammatik sehr kompliziert ist und die Worte und die Sätze einfach länger sind. Es dauert also länger, wirklich eine Aussage zu machen. Im Englischen ist es einfacher, den Text der Musik anzupassen da es viele kurze und prägnante Worte gibt, die im Stande das auszudrücken, was man aussagen möchte. Spanisch ist für Leute, die nicht dieser Sprache mächtig sind, natürlich schon einzigartig und so habe ich eine Reihe von Kommentaren aus Osteuropa bekommen, die finden, daß die spanische Sprache aufgrund ihrer harschen Aussprache besser geeignet ist, als das Englische. Ich schätze aber mal, daß jeder dies für sich entscheiden muß. Ich versuche, den Anteil beider Sprachen ungefähr gleich zu halten. Mit macht es auch nichts aus, Texte in einer anderen als der Muttersprache zu verfassen, dann jedoch sollten sie zumindest richtig sein. << Kannst du mir etwas über den textlichen Hintergrund zu "Earth" erzählen, den ich als den Verlust der Menschheit im Hinblick auf einen natürlichen Umgang mit der Erde und der Natur interpretieren würde und die Botschaft in sich trägt, zunächst sich selbst akzeptieren zu können, bevor man Andere zu akzeptieren in der Lage ist.
>> "Earth" handelt natürlich von der Erde und mit deiner Interpretation liegst du voll richtig. Wir alle haben so viele Akte der Aggression gegenüber unserem Planeten gesehen, aber es interessiert uns nicht. Wir haben bis heute nichts unternommen, diese Probleme zu lösen geschweige denn sie zu stoppen. Der Chorus richtet sich gegen die kaitalistischen Interessen. Geld, Ideen und materielles Denken vergiften unser Denken. Die Verschmutzung ist wie ein Krebsgeschwür, stetig wachsend, Schaden zufügend, sich ausdehnend und schlußendlich tötlich. Unsere Obsession nach Geld ist dafür verantwortlich, daß die Produktion nach Konsumgütern ständig steigt und daher das Abholzen der Wälder, das Ozonloch, die Ausrottung ganzer Tierarten und ganz zum Schluß sogar der Tod unserer Heimat und unser eigener Tod stehen wird. "Confessions" ist ein Lied über jemanden, der all diese sozialen und moralistischen Zwänge nicht mehr aushält. Die Situation eskaliert und dieser Mensch richtet seine Energie gegen all das, was ihm gelehrt wurde. Der Text hat natürlich einen sehr starken religiösen Bezug, da er auch aus einer Schüler / Mentor-Sichtweise heraus verfaßt wurde. Es könnte aber auch aus einer Gott / Priester, einer Sklaven / Herr oder Ehemann / Ehefrau-Sichtweise heraus gesehen werden, die sich gegen die ihm überlegene Macht auflehnt. Das Fazit ist genau das, welches du beschreibst. Um andere akzeptieren zu können, muß man zunächst sich selbst akzeptieren, und um andere lieben zu können, muß man sich selbst lieben können. Das überlegene Wesen ist ein Teil von uns selbst, und unabhängig davon, ob es gut oder böse ist, brauchen wir nur uns selbst betrachten, um unseren Weg zu erkennen, sei es nun der Weg in den Himmel, oder die Hölle. <<
Das Bild von Himmel und Hölle besitzt bis zum heutigen Tage gerade in Latein- und Mittelamerika, also in Staaten, in denen im Mittelalter im Namen der katholischen Kirche ganze Kulturen und Indianerstämme ausgerottet und versklavt wurden, viel an Symbolgehalt. Dabei ist die Rückbesinnung der heimischen Bevölkerung auf die Wertvorstellungen und Glaubensgrundsätze ihrer Kulturreligionen wünschenswert, auch wenn der Einfluß der katholischen Kirche in diesen Staaten auch heute noch allgegenwärtig ist. Wie groß ist die Kluft zwischen der im christlichen Sinne gottesfürchtigen Bevölkerung und den Anhängern dieser Naturreligionen und siehst du dich selbst als religiösen Menschen? >> Zunächst einmal wurde mir der Glaube Gottes aufgezwungen. Dies mag auch der Grund sein, warum ich immer kotzen muß, sobald ich über dieses Thema rede. Ich selbst betrachte mich nicht als religiösen Menschen. Ich glaube an mich selbst und an Gut und Böse. Sollte eine übergeordnete Macht existieren, so existiert diese in uns selbst. Ich glaube an die Balance des Universums und daran, daß diese in jedem Partikel der Natur steckt. Die Natur selbst steuert diese Balance und ich denke, wir haben das Recht zu entscheiden, auf welcher Seite dieser Balance wir stehen möchten. Mexiko ist ein katholisches Land, unterwandert durch die Religion, die die Spanischen Eroberer ins Land brachten, die dann in den Schulen gelehrt wurde und der die moralischen Gesetze nachfolgten, die von einer Generation zur nächsten mehr und mehr absorbiert wurden, so daß der Glaube an katholische Ikonen und katholische Regeln immer stärker wurde. Ich hasse Leute die glauben, daß ihr täglich Brot vom Himmel fällt, ebenso wie Menschen die ihr Seelenheil und ihre Erlösung davon abhängig machen, auf ihren Knien rutschend zu beten oder sich jeden Tag selbst zu kasteien, indem sie sich den Rücken blutig peitschen. Ich denke es ist Dummheit zu glauben, daß man ein Leben durchleiden muß, um in den Himmel zu gelangen. Das klingt in meinen Ohren viel zu widersprüchlich erst all das Schlechte erleben zu müssen, um dann mit dem Guten belohnt zu werden. Was das Aztekentum oder andere ethnische Formen des Glaubens angeht, so wurden auch dort viele Ideologien miteinander verschmolzen, so daß Variationen des katholischen Glaubens vermischt mit mittelalterlichen Riten in vielen ländlichen Gegenden zu finden sind. Religionen oder Kulte, die katholische Insignien benutzen, die Bibel lesen, gleichzeitig aber auch Magie und Zaubersprüche praktizieren. Unabhängig davon, ob die Menschen mit ihrem Glauben glücklich sind, streben sie nach Erlösung und innerem Frieden. Durch die Religion versuchen die Menschen, sich Gott anzunähern aber bereits Marx hat gesagt, daß die Religion das Opium für das Volk sei. << Viele behaupten, die Religion der Neuzeit sei das Internet und die Möglichkeiten, die die Technologie jedem Einzelnen heute in der Lage zu bieten ist. Die Entwicklung der Computerkids hin zu den Cyberpunks prägte in den letzten Jahrzehnten die Diskussion und gerade in der Elektroszene, wo ohne den Einsatz moderner Technologie vieles der zeitgenössischen Musik undenkbar wäre, ist dieser Gedanke auch heute noch weitverbreitet und findet in Musikern wie Rodney Orpheus (Cassandra Complex) Anerkennung und Unterstützung. Wie stehst du dem Cyberpunk gegenüber? >> Ich bin kein Informationspirat, der sich in Firmen einhackt, Informationen klaut und dem ein Chip ins Gehirn implantiert wurde, aber ich kann mich sehr mit dem Gedanken anfreunden, Hand in Hand mit der Technologie zu leben, da diese das Leben für uns alle sehr viel einfacher macht. Sicherlich kann Technologie auch sehr entmenschlichend wirken und es ist schon paradox, daß wir uns mehr und mehr voneinander entfernen, wo wir uns doch technologisch bedingt immer näher kommen. Wir fühlen uns mehr und mehr wohl dabei, alleine zu arbeiten, alleine zu sein und die Technologieen zu nutzen, um miteinander zu kommunizieren, unser Leben zu leben und sogar Liebe zu bekommen. Tatsächlich absobiert die Technologie bereits unser tägliches Leben. Beängstigend dabei ist, daß nun, wo wir so sehr eins sind mit dem Internet, Implantaten, der Technologie oder was auch immer, nur jemand den Stecker zu ziehen braucht, und wir vollkommen hilflos sind. Es ist erschreckend, daß wir so sehr von den modernen Maschinen abhängig sind, daß wir keine Ahnung mehr von den grundsätzlichen Dingen des Lebens hätten, sollten wir diese, aus welchen Gründen auch immer, einmal benötigen. Das war ein schlimmer Schock für jeden von uns, aber laß uns mal den nächsten Krieg abwarten. Die Wissenschaftler werden dann bestimmt mit irgendwelchen Neuerungen und virtuellen Realitäten aufwarten, die uns unsere Gefühle dann auch noch vergessen lassen. << Gefühle sind ein gutes Stichwort, denn während ich dieses Interview vorbereite, laufen im Fernsehen rund um die Uhr Berichte über die Terrorakte in den USA. Denkst du, daß Gewalt ein Mittel sein kann, die sozialen, religiösen und politischen Probleme dieser Welt zu lösen? >> Auf lange Sicht wird Gewalt niemals Gewalt verhindern können, aber es gibt keine andere Wahl. Nicht, wenn die Gewalt die Gewalt generiert und Terroristen auf eine Art und Weise bestraft werden, die dem durch sie ausgeübten Terror nicht unähnlich ist. Gewalt ist nunmal leider ein natürlich menschliches Verhalten. Wir sind nunmal gewalttätiger Natur und sind so dumm. Je mehr Menschen wir werden, umso radikaler werden solche Anschläge werden und umso mehr Probleme werden wir bekommen. Menschen bedeuten Probleme und der Tod ist die natürliche Pestkontrolle für uns. Sei der Tod nun durch uns selbst verursacht oder auf natürlichem Wege erlangt. Krieg an sich ist eine unausweichliche Methode der Geburtenkontrolle und daher ereignen sich diese immer wieder, sobald die Anzahl der Menschen zu groß wird. Der Terror wird keine Probleme lösen, aber er bietet eine gute Ausrede, einen Krieg zu beginnen und stellt somit vielleicht den Startschuß für eine neue Ära dar. << Wechseln wir das Thema und kommen auf den Erfolg zu sprechen, denn gerade deutsche oder deutschsprachige Bands in letzter Zeit in Mexiko für sich verbuchen konnten. Worin siehst du die Hauptursachen für diesen Erfolg und wie stellt sich für uns Europäer die mexikanische Gothic- und EBM-Szene dar? >> Die Gothic- und Elektro-Szene in Mexiko ist sehr gespalten. Goths gehen nicht zu Shows von Elektrobands und umgekehrt. Ich schätze, nirgendwo sonst ist diese Ideologie so radikal, wie hier in Mexiko. Wir hatten bereits eine Reihe deutscher Gothic- und Dark Wave-Bands hier, was den Fans sehr gut gefallen hat, nur leidern haben bislang keine deutschen Electro- oder Industrialbands den Weg nach Mexiko gefunden. Die Einstürzenden Neubauten, für die wir eröffnen durften, wurden als einer der Eckpfeiler der Industrialszene begeistert aufgenommen. Deutsche Bands werden hier in Mexiko ganz offensichtlich als Synonym für Qualität wahr genommen. In den neunziger Jahren gab es nur eine kleine Szene weniger Leute, die alternative elektronsiche Musik genossen und es war ein langer und beschwerlicher Weg dahin, die Clubs dahin zu bekommen, elektronische Bands auftreten zu lassen. Electro-Bands wurdne in Mexiko stets mehr diskriminiert, als Punk-Bands. Heutzutage ist es jedoch so, und das ist auch der Verdienst von Cenobita, daß sich in dieser Hinsicht alles zum Besseren wendet. Wir haben am Wochenende regelmäßige Clubs und Veranstaltungen und viele internationale Acts haben damit begonnen in Mexiko aufzutreten. Electro-Acts erfahren mittlerweile eine viel größere Akzeptanz, auch wenn diese Musik immer noch nur von einer Minderheit wahr genommen wird. << Die wohl bekannteste Band Mexikos sind Hocico, die mit ihrer spannungsgeladenen und aggressiven Form von Industrial und EBM gerade auch in unseren Breitengraden bemerkenswerte Erfolge für sich verbuchen konnten. Denkst du, Hocico sind so etwas wie die Wegbereiter der mexikanischen Szene? >> Da würde man Hocico wahrscheinlich zuiel Aufmerksamkeit zuteil werden lassen. Sie haben zumindest in Europa viele Türen geöffnet, aber sie waren sicherlich nicht die erste Band. Wir sind zusammen groß geworden, haben bei mir oder Erik zuhause geprobt und bereits 1994 zusammen gejammt. Sie waren diejenigen, die sich zunächst gar nicht getraut haben, mit ihrer Musik an die Öffentlichkeit zu gehen. Ich habe sie ermutigt, Konzerte zu spielen und ihre Musik anderen Menschen zugänglich zu machen. Selbst der erste Kontakt zu einem Label kam durch mich zustande. Ich finde, sie haben sich mittlerweile einen guten Stand auf den hart umkämpften Märkten wie zum Beispiel in Deutschland erarbeiten können. Sicherlich ist es von Vorteil eine Band aus seinem Heimatland zu haben, die zuvor in der Lage waren, sich Gehör zu verschaffen. Mexikanische Bands sind in Europa bislang praktisch unbekannt, aber ich bin sicher, daß ihr in Zukunft noch mehr von Bands unseres Landes hören werdet. Und sicher ist, daß ihr auch von Cenobita mehr hören werdet. << Wovon wir uns in Deutschland natürlich auch gerne live überzeugen würden. >> Ich habe immer Pläne gehabt nach Deutschland oder Europa zu kommen, bin mir aber nicht sicher, ob sich dies in der Zukunft relaisieren lassen wird. Bislang habe ich nur in den USA spielen können, wo ich im July zusammen mit den Brasilianern Aghast View eine Westcoast-Tour machen konnte. Das war natürlich ziemlich cool. Dies war aber nicht das erste Mal, daß ich in den USA gespielt habe. Bereits letztes Jahr habe ich zusammen mit God Module und Negative Format in San Francisico gespielt und selbst eine Show in Los Angeles headlinen können. Ich hatte ein Einladung letztes Jahr in Holland zu spielen, konnte diese jedoch leider nicht wahrnehmen. Hoffentlich wird sich nächstes Jahr eine Möglichkeit ergeben, bei Euch aufzutreten. <<
http://www.cenobita.com
Michael Kuhlen


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