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MAGAZIN :: Index: 'B' :: BRAINDANCE

BRAINDANCE
Erlösung
Genial, eine andere Umschreibung scheint im Zusammenhang mit den bislang verkannten und aktiv im Underground verwurzelten Braindance unangebracht. Bereits 1992 gegründet, kann das von Sebastian Elliott und Vora Vor initiierte Projekt bereits auf mittlerweile drei eigenfinanzierte Veröffentlichungen zurückblicken, von denen das im letzten Jahr erschienene "Redemption" bislang den musikalischen und kreativen Höhepunkt der Band markiert. Braindance´s Musik ist eine Reise durch eine Viezahl unterschiedlichster Stilarten, sei es nun Progressiv Metal, Gothic, EBM, Industrial oder andere musikalische Ingredenzien. Dabei kommen dem Zuhörer als einzig möglicher Referenz-Act die Australier Vauxdvihl in den Sinn, die sich, wie Braindance auch, wenig um musikalische Konventionen gekümmern und konsequent ihren eigenen Weg verfolgt haben. Zeit also, Braindance endlich auch dem deutschen Publikum vorzustellen, was wir in dem nachfolgenden Interview mit Sebastian gerne tun, indem wir zunächst einmal den Werdegang der Band nachvollziehen.
>> Ich habe bei Yasha Kaufman am amerkanischen Institut für Gitarre in New York klassische Gitarre studiert als ich noch ein Winzling war. Im Anschluß danach bin ich für ein Jahr nach Boston an das New England-Konservatorium gegangen, was für mich eine fürchterliche Zeit war und dazu geführt hat, daß ich meine Verbindung zur Musik für drei Jahre komplett abgebrochen habe. Als für mich die Zeit gekommen war, mich wieder der Musik zuzuwenden, wußte ich genau, was ich wollte und habe glücklicher Weise dann auch Vora getroffen. <<
Braindance, als Name einer Band, ist ein interessanter Name, der viele verschiedene Interpretationen erlaubt und sich auch als Metapher für die unterschiedlichsten Bedeutungen verwenden läßt. Vor dem Hintergrund Sebastian´s Psychologie-Studiums lag solch diese Namenswahl natürlich nahe. Was verbindest du mit diesem Bandnamen? Phantasie, Gedankenfreiheit, Gedankenmanipulation?
>> Der Name der Band stammt von Vora, nachdem sie dreieinhalb Gallonen vegeatarischen Suppe zu sich genommen hatte. Ich verbinde damit Phantasie, Gedankenfreiheit und die Möglichkeit sich auszukotzen. <<
Braindance waren von Anfang an ein unabhängiger Act, der sich von den Machenschaften eines durch und durch korrupten Musicbusiness fern gehalten. War dies eine bewußte Entscheidung aufgrund schlechter Erfahrungen mit den Machenschaften diverser Plattenfirmen oder vielmehr die Erhaltung der künstlerischen Freiheit, indem man von der Promotion bis hin zur Vermarktung alles in die eigene Hand nimmt?
>> Natürlich strebt jeder Künstler danach sein Werk einer breiten Öffentlichkeit präsentieren zu können und ich würde lügen, würde nicht auch ich danach streben, daß möglichst viele Menschen unsere Musik erleben und uns selbst aus dem entferntesten Winkel der Galaxie mit ihrer Mörtelmasse überziehen. Das Interesse von Seiten des Undergroundes, also den Fans, der Presse, dem Radio oder aus dem Internet, ist immer unglaublich gewesen. Die Industrie jedoch - und hier vor allem die Plattenfirmen - haben Braindance in den meisten Fällen vollkommen ignoriert. Im Laufe der Jahre hatten wir immer mal kurzzeitige Verträge mit engstirnigen Plattenfirmen und fehlender Integrität, Verträge mit Plattenfirmen, die nicht über ein ausreichendes Budget verfügt haben, aber bislang ist uns kein wirklich substantieller Vertrag angeboten worden. Diese Woche haben wir jedoch einen Vertriebsdeal mit Musea unterzeichnet, die "Redemption" in Frankreich lizensieren werden. Braindance sind selbstgewählt also von Anfang an eine unabhängige Band gewesen, frei von all der Korruption, die das Musikgeschäft so mit sich bringt. Wir hatten immer das Gefühl, nur uns und unserer Musik treu sein zu müssen, um Alben aufzunehmen. Ich mag es nicht Leuten die Entscheidung darüber zu überlassen, wann meine Karriere starten soll. Es gibt von meiner Seite aus zwei plausible Gründe, warum die Labels, unabhängig davon, wieviele Leute Braindance unterstützt haben, Braindance nicht wahr genommen haben. Erstens beängstigt das, was wir tun, die Plattenfirmen und diejenigen, die für die Finanzen dort verantwortlich sind. Musik ist ein Geschäft und die Plattenfirmen, unabhängig davon, ob sie Independent- oder Major-Firmen sind, müssen ein Risiko eingehen, um mithalten zu können. Um dir als Künstler die Kohle in den Arsch zu schieben, müssen sie sicher sein, daß deine Karriere auf einer anderen Ebene erfolgreich verläuft. Ihre Mitkonkurrenten müssen mit einen ähnlichen Künstler und ähnlicher Musik bereits erste Erfolge verbucht haben. Wenn du derjenige bist, der als A & R-Manager einen Künstler hervorgebracht hast, der kurz vor der Ziellinie schlapp macht, bist du am Ende derjenige, der sich nach einem neuen Job umsehen muß. Independent-Labels konzentrieren sich meistens auf auf spezifische Form der Musik, auf ein bestimmtes Genre oder Subgenre. Da wir mit unserer Musik jedoch verschiedene Subgenres miteinander kombinieren, gibt es für uns keine Nische, selbst nicht auf der Ebene der Independent-Firmen, die sich immer damit rühmen, neue und aufregende Underground-Musik zu unterstützen. Für Gothic-Labels sind wir deutlich zu hart, für Progressiv-Label sind wir zu progressiv, für Doom-Labels nicht heavy genug und für Metal-Labels zu sehr Industrial. Als wir mit Braindance begannen konnte ich mit all diesen Begriffen überhaupt nichts anfangen, was sich bis heute nicht grundlegend verändert hat. Erst, als unsere Musik rezensiert wurde kamen all diese Bezeichnungen ins Spiel. Und zweitens sind wir ausgewiesene Arschlöcher (lacht). <<
Na ja, diese Einschätzung kann ich nicht gerade teilen. Trotzdem gilt zu konstatieren, daß der Bekanntheitsgrad Braindance´s mit einem großen Vertrieb oder einer großen Plattenfirma sicherlich weitaus größer wäre und sich vor allem hier in Europa nicht nur auf eine Hand voller Insider beschränken würde.
>> In den Staaten kannst du unser Gesicht auf den Covers von Gartenmagazinen, U-Bahnen und Wegwerfsouvenirs von den größten Fastfood-Ketten finden, aber wir könnten schon etwas mehr Darstellung gebrauchen. <<
Die musikalischen Einflüße Braindance´s sind vielseitig und machen frraglos das Geheimnis des einzigartigen Sounds der Band aus. Gothic, Metal, Industrial, EBM; es scheint, als ob es keine musikalischen Grenzen für die Band zu geben scheint.
>> Ich weiß nicht, ob du dir vorstellen könntest, daß Braindance in Zukunft RAP-Elemente verwenden, aber man sollte niemals nie sagen. Vielleicht werden wir irgendwann aber auch zu solchen Motherfuckern, wer weiß? <<
Braindance zählen, ähnlich wie die einzig annähernd vergleichbaren australischen Vauxdvihl zu den seltenen Bands, die bereits zu einem frühen Zeitpunkt ihrer Karierre über einen eigenen und wirklich unverwechselbaren Sound verfügen. Was ist das Geheimnis dieses einzigartigen Sounds?
>> Vielen Dank für das Kompliment. Auch wenn ich schon seit geraumer Zeit versuche, diese Celine Dion-Hookline aus meinem Kopf zu verbannen, bin ich mir nicht sicher, ob dieses Wiedererkennen und die Erinnerung an eine Melodie wirklich eine gute Sache sind. Es ist eine Weile her, daß ich mir einen guten Überblick über die Underground-Szene machen konnte. Ich besitze Vauxdvihl´s Album "To Dimension Logic" und mag es sehr. Was Vergleiche mit Braindance angeht, so habe ich von Paradise Lost bis Samael, von Rammstein bis Tiamat, von Depeche Mode bis Fear Factory, von Cradle of Filth bis Queensryche, von Type O Negative bis zu Kovenant und KMFDM schon alles gehört. Ich persönlich finde, Braindance lassen sich als Mischung aus N´Sync und Cradle of Filth beschreiben. Der Grund, warum so wenige Bands nach einem eigenen und unverwechselbarem Sound streben liegt darin, daß dies nur selten wirklich honoriert wird. Das Musikgeschäft reflektiert Mode und Einstellung und eine einzigartige Stimme wird nicht gerade groß gewürdigt. Wir haben von Anfang an großen Wert darauf gelegt, uns von anderen Acts zu unterscheiden und mit der Zeit haben wir mehr und mehr Wert darauf gelegt, uns auf die Schlüsselelemente zu konzentrieren, die uns mit unserem Sound vom Gros der Bands abhob. Das wirkliche Geheimnis liegt jedoch in einer scharfen Dip-Sauce, die von kleinen Gnomen in entfernten Untergrundhöhlen gemacht wird. <<
"Redemption" wurde bereits vor anderthalb Jahren mit sogenannten Teaser-Tapes promotet, die einen ersten Eindruck von dem Album vermittelten und im Underground mächtig Staub aufwirbeln konnten. Warum dauerte es dennoch über ein Jahr, bis das Album schließlich veröffentlicht wurde?
>> Wie du vielleicht weißt, fungieren Progressive Darkwave Recordings sowohl als Label, als auch als Management. Neben einer Reihe sehr talentierter Künstler, Designer und Fans, die uns helfen, als selbstproduzierende Künstler zu überleben, sind Vora und ich komplett verantwortlich für die Promotion, die Veröffentlichungen, das Booking, das Management und, aus der Notwendigkeit heraus, auch für die Finanzen. Wir mußten all dies erlernen, denn ich denke, daß waren wir uns als produzierende Künstler selbst schuldig. Ich bis sehr glücklich und sehr stolz darauf, daß viele Leute auf uns abfahren und unsere Veröffentlichungen kaufen. Um all dies selbst zu bewerkstelligen, bedarf es allerdings großer Anstrengungen, vor allem in finaieller Hinsicht. Nachdem wir nahezu drei Jahre damit verbracht haben, "Fear Itself" in und um New York herum zu promoten, begannen wir mit der Vorproduktion zu "Redemption", indem wir 1998 damit begannen, die Songs zu schreiben und aufzunehmen, was sich bis 1999 hinzog. Danach ereigneten sich einige Dinge, die verhinderten, daß "Redemption" zum geplanten Termin erscheinen konnte. Wir mußten uns von unserem langjährigen Schlagzeuger Notorious, unserer Keyboarderin Robynne Naylor und unserem Bassisten Andy Calcina sowie einer Handvoll zwielichtiger Investoren, Studios und Labels trennen. Das überwältigende und positive Echo, welches wir für das vorproduzierte Material im Laufe des letzten Jahres erhielten, gab uns schließlich die Kraft, durchzuhalten. Bei einem selbstproduziertes Album, das alleine im Underground überlebt, kann schon eine Weile zwischen der Veröffentlichung und der Reaktion auf diese vergehen. Vielleicht waren aber auch all die Probleme, die die Veröffentlichung verzögerten, eine Art Segen für uns, denn wir waren durch unsere Vorabtapes schließlich in aller Munde. Ich denke, nach all den Enttäuschungen hat unser Glaube und der überwältigende Erfolg im Underground unseren vielleicht etwas einfältigen Glauben an ansere, die natürlich beste Musik des Universums, überlagert. <<
Betrachtet ihr "Redemption" alleine aufgrund der Tatsache, daß alle Tracks mit der Silbe "re" beginnen, als Konzeptalbum?
>> Es gibt ein paar Themen, die sich durch "Redemption" ziehen, auch wenn ich per se nicht von einem Konzeptalbum sprechen möchte. <<
Viele eurer Texte drehen sich um Kreisläufe, um Erneuerung und Wiedergeburt oder alleine um die Möglichkeit einer zweiten Chance. Glaubst du an die Reinkarnation, an Religion oder an religiöse Überzeugungen?
>> Ich stelle an mich schon den Anspruch einer gewissen Ambitioniertheit, wenn um das Verfassen der Texte geht. Natürlich haben die Themen eine gewisse Bedeutung für mich, aber ich versuche nicht, den Sätzen einen definitiven konzeptionellen Wert zuzumessen, denn das Zuhören sollte mit einer gewissen Interaktion einher gehen. So, wie die Erfahrungen, die jeder Mensch macht, unterschiedlicher Natur sind, so sollten auch die Interpretationen unterschiedlich sein. Der lateinische Ausdruck, der dem Titletrack vorausgeht, bedeutet "as above, so below" und kann als "Dinge kommen und gehen" umschrieben werden, als Intervention des Karmas oder als zentrales und durchgängigeses Thema des Albums. <<
Humor ist ein zentraler Aspekt in eurer künstlerischen Aspekt, was sich auch an den abgebildten Interviews auf eurer Homepage nachvollziehen läßt. Wie läßt sich dieser Aspekt, der sich auch in der Verwendung von Comics offenbart, mit der teilweise doch recht düsteren Atmosphäre eurer Musik vereinbaren?
>> Der Humor soll den den düsteren und emotionalen Kontext unseres Materials etwas erleuchten und den Kids etwas bieten, über das sie neben unserer Musik kichern können. Wie immer, so bin ich vom 14 . bis zum 18. November in der Lachfabrik und während der Ferien im "Caesar´s" (lacht). Das Leben lehrt uns doch, was wir nicht wollen und was wir nicht wollen. Vor diesem Hintergrund ist es einfacher, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen, vor allem, wenn man noch nicht alle Antworten auf die Fragen gefunden hat, die einen bewegen. Vielleicht fange ich an mich ernst zu nehmen, wenn ich eines Tages alle weiß. Bis dahin ist jeder aufgerufen, sein Urteil über mich zu fällen und, wie jeder andere auch, spottend über mich zu lachen. <<
Das heutige Musikbusiness erweckt häufig den Eindruck, daß Musik schon lange nicht mehr den Eindruck von Kunst vermittelt. Bands werden zusammen gecastet und unabhängig vom Können der Beteiligten einzig und alleine über massivstes Marketing an den Mann gebracht. Was zählt ist das kommerzielle Potential und nur noch in den seltensten Fällen das künstlerischen Potential, das aus den Musikern selbst erwächst.
>> Wie bereits erwähnt, wird das Musikbusiness in den USA durch Modeströmungen beeinflußt. So lange dieses Geschäft durch die Finanzen diktiert ist, wird es auch weiterhin A & R-Manager geben, die herumrennen und uns weismachen oder uns aufdiktieren wollen, was profitabel ist. Dummerweise sind wir verflucht zu lustig auszusehen, um Aufmerksamkeit im Hinblick auf die Sensibilität im Pop-Business zu erlangen. <<
http://www.progressivedarkwave.com
Michael Kuhlen


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