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MAGAZIN :: Index: 'A' :: AVRIGUS

AVRIGUS
DAS GEHEIME KÖNIGREICH
Nach der Debüt-MCD "The Final Wish" öffnet das australische Duo Judy Chiara und Simon Gruer nun mit dem ersten vollständigen Album "The Secret Kingdom" erneut ein Willkommensportal für angeschlagene Seelen. Der Name Avrigus wirkt dabei wie ein Wegweiser in ein geheimes Königreich, das vorgegebene Konventionen zu Gunsten sehr persönlicher Emotionen außen vor lässt. Wer in der Lage ist, erlittenen seelischen Schmerzzuständen in seinen Träumen zu begegnen, wird mit Avrigus einen leichteren Zugang zu diese Sphären erlangen. Aufgrund der unbeschreiblichen Tiefe von "The Secret Kingdom", verzichteten wir auf die üblichen Interview-Fragen und übermitteln stattdessen Judy Chiaras persönliche Gedanken zum neuen Album. Die teilweise sehr ergreifenden Worte wurden exklusiv für das Obliveon erstellt und erfahren hier ihre unkommentierte Wiedergabe - Worte, die aufwühlen und gleichzeitig zum Nachdenken anregen!
Für das Obliveon!
Bislang habe ich niemanden auf die Reise zurück zu den Songwriting-Wurzeln für "The Secret Kingdom" geführt, eine Reise die für mich persönlich weit vor dem Erreichen des ätherischen Schiffes mit dem Namen "Avrigus" begann. Besagtes Gefährt führte Simon und mich tief in die dunklen Wälder unserer kombinierten Vorstellungen, durch Sümpfe kreativer Prozesse hin zu den luftigen Spitzen unserer Träume.
In der Tat begann für mich diese Reise mit dem Tod eines lieben Freundes, Ari war sein Name. Ich traf Ari nicht mehr sehr oft, nachdem er damit anfing, Nadeln in sich hinein zu stechen. Er besuchte meine Familie und mich regelmäßig in unserem Haus, allerdings ergab sich hier nicht die Möglichkeit, sehr viel Zeit miteinander zu verbringen. Ich spürte aber, wir verstanden uns irgendwie auf sehr spiritueller Ebene und sein Humor war legendär.
Dann, eines Sonntagnachmittags im März 1992, betrat sein Freund Einar, den er noch aus Kindergarten-Zeiten kannte, unser Haus und lies eine Bombe platzen: Ari starb an einer Überdosis Heroin!
Aufgrund persönlicher Erfahrungen mit Drogensüchtigen habe ich eigentlich kein Mitleid mit ihnen. Aber sein Tod hatte etwas besonderes und ich versank in viel tiefere Trauer, als ich es mir hätte vorstellen können.
Trauer war mir nicht fremd, habe ich doch selbst im Alter von zwölf Jahren zwei Schwestern
und einen Bruder durch einen Unfall verloren. Ich wusste wie es war, in keine Richtung wandeln zu können, ohne sich dem Erlebten stellen zu müssen. Ich kannte die Situation, nicht einen Moment der Einsamkeit zur Verarbeitung des Schmerzes zu besitzen, denn die katholische Kirche suchte in dieser Situation ihre Chance mittels eines geschmacklosen und extravaganten Auftrittes, wie ihn nur ein Kinderbegräbnis rechtfertigen kann. Und wir, die Familie, kämpften in dieser schweren Stunde gegen die horror-hächelnden Blicke der Schaulustigen, denen wir uns ausgesetzt fühlten. Niemals zuvor im Leben fühlte ich mich nackter und schutzloser. So erfuhr ich die Trennung von meinen beiden kleinen Schwestern und meinem Bruder als einen Umstand, der mir etwas sagen sollte, jedoch keinesfalls von mir verursacht wurde.

Als ich mit Aris Ableben konfrontiert wurde, gab es niemand um mich herum, der mich hätte hindern können, ihm auf halbem Wege entgehen zu gehen. Einige Momente später, nachdem ich von seinem Tode gelernt hatte, suchte ich eilig einen ruhigen Platz für mich. In meinen Gedanken sah ich ihn am Rande eines Ozeans stehen, er hatte mir den Rücken zugewandt. Ich ging zu ihm und flüsterte: ‚ Ari, Ari, warum?’
"Ich weiß", antwortete er, "Entschuldige, meine Fußspuren verlieren sich..."
Am Abend seines Beerdigungstages fiel ich durch eine Zwiellicht-Zone und gerade als ich einschlafen wollte, erschien mir das Gesicht einer Frau. Kein Gesicht, dass mir bekannt war. Ihr graues Haar wehte, als sie sich über mich beugte. "Ari möchte mit Dir sprechen", sagte sie. ‚Ari möchte mich sprechen? Warum? Wie? Werde ich langsam verrückt?’
Einige Tage später suchte ich einen Park auf. Ich setzte mich auf eine Bank und schloss meine Augen. Plötzlich sah ich aus meinen Augenwinkeln einige Glasswände aus Vierecken bestehend, die sich zu einer Kathedrale formten. Auf der einen Seite existierte ein Strand, und die Wellen des Meeres schwappten gegen die Mauer aus Glass. An diesem Platz innerhalb meiner Gedanken, traf ich auf Ari und unterhielt mich mit ihm.
Sehr viel später gab mir Aris Bruder Danny einige für Ari typische Schnappschüsse. Ich fertigte vergrößerte Kopien an und gestalte fast ikonenartige Bilder daraus. Eines Tages lud mich Danny zu seiner Familie ein, um mir ein paar Kinderfotos von Ari zu zeigen. Wir tranken etwas Tee, als wir plötzlich das irrationale Gefühl hatten, etwas unheimliches sei im Badezimmer zu sehen. Danny führte mich die Treppe herauf, zu einer Pinwand. Auf diesem Wege passierten wir das Badezimmer - aber ich erblickte nichts, nur einen perfekten Baderaum. Wir sprachen über Ari und die Fotos und ich vergaß das eigenartige Gefühl von vorhin. Kurz bevor ich nach hause gehen wollte, ergriff mich ein tiefes Verlangen, das Bad zu benutzen. Als mein Blick auf eine Wand in diesem Badezimmer traf, schockierte mich die Konfrontation mit einem surrealistischen Druck direkt vor mir! Ein Mädchen mit langen dunklen Haaren saß auf einem Piano, welches von Ozeanwellen umspült wurde. Obgleich nicht absolut übereinstimmend, erinnerte mich diese Szene doch an die Vision, die ich einige Monate zuvor im Park hatte. Danny erzählte mir, dieser Druck habe das Wohnzimmer des Haus geziert, in welchem Ari aufwuchs.


Einige Zeit vor Aris Tod, schnitt ich verschiedene Worte aus einigen Magazinen aus und begann nun Sätze daraus zu bilden. Es waren Nachrichten von Ari, ganz so, als sei er in einer anderen, weitaus schöneren Welt angekommen, voller Reue und mit der Gabe der Weisheit gesegnet. Es schien als würde er durch mich sprechen, obwohl ich mir meiner Selbständigkeit bewusst war. Ich hatte sehr viel Spaß mit der Zusammenstellung von Sätzen und Überschriften wie etwa "Füße auf den Boden - ein gigantischer Schritt für die Menschheit".
Während drei anderer Gelegenheiten hatte ich lebhafte Visionen von ihm. Einmal sprang er förmlich aus seinem Bruder heraus und schaute mich mit einem amüsierten Lächeln und Liebe in den Augen an. Beim zweiten Mal befand er sich kurz vor meinem Einschlafen über mir. Er hielt ein Kerze in Händen und ich fühlte mich beschützt. Ein drittes Mal trat er aus einem Fremden heraus, kurz bevor ich auf meinem Heimweg mein Haus erreichte. Er schritt auf mich zu. Er wirkte dieses Mal älter und weiser. Plötzlich verschwand er, obgleich er mir näher schien als vorher. Er sagte mir, er würde mir nun nicht mehr erscheinen, aber immer mit mir sein. Um die Wahrheit zu sagen, ich wusste nichts mit dieser Situation anzufangen.


In der Vergangenheit beschäftigte ich mich mit Spiritismus, las sehr viel und gelangte an einen Punkt, an dem ich nicht mehr glaubte, dass viele dieser Dinge auf Wunschdenken basierten.
Die Verbindung zu Ari öffnete mich für etwas Unter - oder Superbewusstes. Mit der Führung von Ari erblühte meine Kreativität. Er war immer ein notorischer Metalhead, und sein Freund Einar musste sich Metallica, Slayer oder King Diamond "unterwerfen". Ich wurde von diesen Sounds angezogen, einen Sound, den ich als den Klang von tausend Cellos bezeichne. Der Besuch aller drei Metallica-Shows in Sydney während ihrer 93er Tour, brachte mich dann ebenfalls mit härteren Klängen in Verbindung und ich war sehr glücklich, als ich etwas später auch Kreator zu Gesicht bekam. Ich tauchte in diese Szene ein und entdeckte den Reichtum von "Death" und "Doom". Cruciform wurde zu meinem persönlichen Lokalfavoriten und so lernte ich Simon kennen. Er machte mich mit Anathema, Bathory, Boltthrower und My Dying Bride vertraut. Mittlerweile förmlich in diesem Metal Genre zu hause, war es für mich klar, den alten Zeiten und Einflüßen zu folgen. Soundtracks und natürlich auch englischer Folk sollte zusammen mit den Metal Wurzeln auf ein Keyboard übertragen werden und durch Simons Hand in multifunktionale Gitarren- sowie Drumtakes münden. Als es um die Texte für das neue Album ging, blieben erwartungsgemäß die Erinnerungen an die schmerzvollen Tage mit Ari nicht aus. Ich polierte einige wieder entdeckte "Perlen" aus dieser Zeit, ein paar Worte, ein paar Gedankenlinien... Aber das wichtigste ist die Tatsache, dass Ari mir den Weg zu einer wunderschönen und siegreichen Erfahrung wies: die Umwandlung der Schmerzen in Poesie und Musik. Diese Erfahrung hilft mir in höhere Dimensionen aufzusteigen und hoffentlich etwas für andere bereit halten zu können. Bei meiner Liebe, Ari brachte mir ein Geschenk von jenseits des Todes. Er war es, der mich an die Pforten des geheimen Königreiches ("The Secret Kingdom") führte...


Judy Chiara

Übersetzung: Uwe Schmidt
http://www.avrigus.com
JUDY CHIARA


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