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MAGAZIN :: Index: 'B' :: BURGFOLK, 23. ....

BURGFOLK, 23.07.2005, Mülheim, Schloss Broich


Mülheim, Schloss Broich

23.07.2005
Keltischer Rock aus Bielefeld? Das kann nicht gut gehen und so präsentieren sich CROMDALE denn auch als lahme und identitätslose Altherrenkapelle, die timing-technisch mehr als einmal aus dem Tritt kam und bei der auch die Gitarrensoli immer mit einem halben Takt verzögert arg schräg aus der PA schallten. Keine Spur von Schottischen Highlands oder der Spielfreude, die man im allgemeinen mit Bands dieser Couleur in Zusammenhang bringt. Als Anschauungsobjekt sollten sich CROMDALE mal die holländischen Rapaltje zum Vorbild nehmen, die eine Open Air wirklich zum Kochen bringen können. Ein denkbar schlechter Auftakt für das Burgfolk-Festival also.
44 LENINGRAD gefielen da direkt um Längen besser. Aus Potsdam kommend, gefiel das Quartett mit russischer Lebens- und Spielfreude und Polka-Rhythmen, so dass auf und vor der Bühne direkt die Luzie abging. Gute Laune und russische Sauf- und Stimmungslieder, eine stimmige Präsentation, zum Glück liessen 44 LENINGRAD nicht die Tradition des Gläser schmeissens aufleben, ansonsten wäre bei der guten Laune, die 44 Leningrad verbreiteten, wohl ein wahrer Gläserhagel auf das mittlerweile recht zahlreich vertretene Publikum vor der Bühne niedergeprasselt.
In dichte Nebelschwaden gehüllt begannen ELANE ihren Auftritt und verzauberten mit mystischen, keltisch beeinflussten Weisen und Melodien. Auch wenn ELANE’s Musik und die verhaltene, dabei aber dennoch sehr gefühlvolle und eindringliche Präsentation in der Intimität eines kleinen Clubs und mit der entsprechenden Lightshow sicher noch einmal an Ausdruckskraft und Ausdrucksstärke gewinnen würde. Vor allem die wundervolle und klare Stimme von Sängerin Joran verleitete immer wieder zum Träumen und unterstrich den überragenden Eindruck, den bereits das offizielle Debüt der Band, „The Fire Of Glenvore“, hinterlassen hatte, während Gitarrist Skaldir, Keyboarder Nico und Geiger Simon musikalisch versiert und kompetent die Stimmungen des Albums auf die Bühnenbretter zauberten, so dass man beinahe den Eindruck hatte, Hobbits oder Elfen würden jeden Moment den Burgfolk bevölkern und sich vor der Bühne versammeln, um sich sanft hin und her zu wiegen. Ein wirklich nur schön zu nennender Auftritt der jungen Band aus dem Sauerland..
Anstatt POTENTIA ANIMI, die noch im Stau zwischen Berlin und Mülheim feststeckten, betraten FAUN kurzerhand die Bühne. Die Münchener, die vor allem in Holland über eine treue Fangemeinde verfügen, boten dann auch leicht verträumte, mystische Lieder, zum Teil recht archaisch, zum Teil mit sehr schönen Satzgesängen. FAUN setzen zudem auf einen recht hohen, aber durchaus dezenten Elektronikanteil, der sich wunderschön mit Drehleier, Dudelsack und Flöte verbindet und durch die beiden Sängerinnen auch optisch in sehr ansprechender Form präsentiert wird. FAUN merkt man die Routine von über zweihundert Live-Auftritten an, die für gute Laune sorgt und sich mühelos auf das Publikum überträgt, das FAUN begeistert feiert.
POTENTIA ANIMI, die mittlerweile eingetroffenen und unkeuschen Mönche aus Berlin, sorgten dann für die wohl grösste Überraschung des Burgfolk-Festivals, denn kaum jemand hatte das Quartett auf der Rechnung. Doch spätestens, als die Mönche mit ihren Masken die Bühne betraten und gleich mit „Domina“ das Zölibat der Kirche in Frage stellten, kannten gute Laune und wohldosierter Klamauk keine Grenzen mehr. Getreu ihrem Bandnamen leistete die Bruderschaft dann auch Abbitte und reinigte sich sowohl musikalisch wie auch verbal die Seele rein von ihren Sünden, wobei sich wahre ketzerische Abgründe auftaten. POTENTIA ANIMI sind mit diesem Konzept und dieser Vorstellung eine frische Brise in der mittlerweile doch überfrachteten Mittelalterszene. Darauf ein Klosterbräu ...
FIDDLER’S GREEN sind fraglos die bekannteste deutsche Band, die sich mit irischen und keltischen Liedern in ganz Deutschland einen Namen gemacht hat. Der Burghof tobt und FIDDLER’S GREEN werden ihrem Ruf dann auch vollends gerecht, auch wenn man sich als Freund solcher Klänge eine Stimme wie die eines Shane MacGowan zu den fröhlichen und trinkfesten Melodien der Band wünschen würde. Dem Gros des Publikums war’s egal und so bereiteten die Fiddler den Boden für die nachfolgenden Könige der Spielleute.
Dass CORVUS CORAX diesem Ruf wieder einmal gerecht werden, untermauert der nachfolgende, begeisternde Auftritt. Auch wenn das neue Album, basierend auf der „Carmina Burana“, erst zur Zugabe gewürdigt wird – der Auftritt beim W:O:A steht zu diesem Zeitpunkt noch bevor – so bieten die Berliner wieder einmal Veitstänze pur, die einmal mehr im Publikum eine wahre Tanzwut auslösen. CORVUS CORAX, egal wie oft ich sie im Laufe der letzten Jahre schon gesehen habe, sind offensichtlich nicht in der Lage, auch nur einen halbwegs mittelmässigen Auftritt hinzulegen, so engagiert und mit so viel Spielfreude geht die Band auch an diesem Abend wieder einmal zur Sache. Kein Bein, das nicht zuckt, kein Zuschauer, der nicht wie gebannt in Richtung Bühne blickt, um dem Teufel und seinen Spiessgesellen bei ihrem musikalischen Treiben voller Bewunderung und Begeisterung zuzusehen. Ekstatisches Trommeln, eine ganze Armee von Dudelsäcken, Flöten und überdimensionale Fanfaren, CORVUS CORAX beherrschen ihr Handwerk wie keine andere Band dieses Metiers. Darüber hinaus sind CORVUS CORAX der lebendende Beweis, dass der Beruf des Musikanten mehr ist, als „nur“ ein Beruf: Berufung eben, und dies macht den Unterschied zwischen den Königen der Spielleute, und all dem nachfolgenden Fussvolk in Sachen Mittelalter bzw. authentisch überlieferter mittelalterlicher Lieder.
Fazit: Das diesjährige „Burgfolk“-Festival war ein voller Erfolg. Gutes Wetter, wie immer moderate Preise, eine unvergleichliche Location, erstklassige Darbietungen und eine stimmungsvolle Atmosphäre. Und wenn ich dann Wünsche für das kommende Line-Up äussern dürfte: Rapaltje und Omnia aus unserem Nachbarland Holland wären eine wirkliche Bereicherung.
Weitere Fotos vom „Burgfolk“-Festival findet Ihr in der Galerie.
Michael Kuhlen - Pics: Michael Kuhlen


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