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MAGAZIN :: Index: 'A' :: ASP

ASP
...die Leute finden uns trotzdem irgendwie gut und wir haben nicht mal Tänzerinnen auf der Bühne!“
Wir steigen zusammen mit dem Schwarzen Schmetterling in die Tiefen unter dem Dunklen Turm, versuchen ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen, uns von ihm leiten zu lassen um uns nicht gar so sehr zu verirren und reden dabei nicht nur über die Person, die Band ASP sondern über viel, viel mehr.
„Aus der Tiefe“ kann man, darf man, soll man, so vielfältig wie nur möglich, jeder für sich selbst interpretieren. Wenn wir aber mal bei dem Bild bleiben, das ja schon bei „Weltunter“ als mögliche Interpretation vorgegeben wurde, dass der Schwarze Turm mit seinen Zimmern sozusagen ein Blick in das Innenleben deines alter Ego, des Schwarzen Schmetterlings und damit natürlich ein Stück dir selbst ist, wenn wir also bei diesem Bild bleiben und „Aus der Tiefe“ in diese Richtung deuten... wieweit denkst du, kann man, darf man, soll man, würdest du in die Tiefe gehen, um dein Innerstes nach aussen zu kehren?
>> Hmm, die Frage ist gar nicht so sehr, wie weit ich gehe, sondern ich versuche mir gerade zu überlegen, seit wann ich schon so weit gehe. Weil dieser Weg, der stetig dorthin führte, über die letzten Platten, der hat ja bei „Hast du mich vermisst?“ schon angefangen und ging eigentlich diese lange, dunkle Wendeltreppe immer, immer tiefer. Ich glaube, dass ich mich, wie immer, zwar stark entblösse, dass ich aber trotzdem nicht zu viel offenbare, was mein wahres Ich angeht. Die Geschichte ist natürlich ein Stück Fantastik, das ich mit meinem Seelenleben verwebe. Bei ASP ist es ja immer so, man kann ja immer sehr viele Sachen sehr vielfältig deuten. Deswegen glaube ich, dass man nicht sehen kann, was jetzt aus meinem Seelenleben stammt und was Fantastik ist. Das will ich auch ganz gerne so beibehalten. Ich finde, das macht für mich ein grosses Stück Zauber aus. Wenn man nicht alles erklärt bekommt. Ich beantworte z.B. auch grundsätzlich keine derartigen Fanmails. Viele Leute sind dann auch ganz enttäuscht, wenn sie mir Mails schreiben und fragen, wie das so ist, und die Geschichte um den Schwarzen Schmetterling, aber das was ich offenbaren möchte, das tue ich ja in der Musik. Ich finde, es sind keine weiteren Erklärungen notwendig. Die Leute sollen die Musik hören, versuchen da für sich was in meiner Geschichte herauszufinden und nicht versuchen mich zu ergründen. Das macht kein Sinn. Ich bin ja uninteressant, ich bin ja nur der Träger einer Geschichte, die nachher im Hörer stattfindet. <<
Stellst du dir da selbst gelegentlich die Frage, ob das „Selbsttherapie“ oder „Kunst“ ist? So wie du es gerade geschildert hast, habe ich doch den Eindruck, dass es nicht so sehr „Selbsttherapie“ ist.
>> Gut, das kann es ja trotzdem sein. Das bedeutet ja nicht, dass ich mich verschliesse oder dass ich nur Teile rauslasse. Ich denke einfach, wie bei jeder guten Geschichte, sollte jeder für sich die Möglichkeit haben eine Geschichte herauszufinden. Für mich ist es natürlich Selbsttherapie wenn ich schreibe, das ist schon wahr. Aber es ist eine Therapie die nicht dadurch stattfindet, dass ich mich intensiv mit mir beschäftige, sondern das ich arbeite. Es ist gut möglich, das sich da von alleine Knoten lösen in diesem Ding, das wir vielleicht Seele nennen können. In dem man einfach auf eine spielerische Art mit seinem Seelenleben umgeht. Das, glaube ich, ist künstlerische Arbeit immer so ein bisschen. Sich natürlich selbst zu therapieren, ohne diesen Therapie-Gedanken zu weit in den Vordergrund rücken zu lassen. Also, ich tue es nicht um mich zu therapieren, sondern weil mir die Arbeit Freude macht! Und dadurch erreiche ich natürlich so ganz nebenbei, dass ich so ein ganz klein wenig mit mir besser klar komme ... vielleicht. <<
Ist diese „Schaffung eines Alter Ego“ vielleicht auch bewusst ein Prozess, das man sich gar nicht so sehr auf sich selbst konzentrieren kann, weil man ja alles auf eine „andere“ Person projeziert und somit wieder von Aussen betrachtet?
>> Also, ein „alter Ego“ ist ja eigentlich „ein Selbst“! Ein anderes Selbst. Und das bedeutet ja leider, dass du, egal in welchem Selbst du gerade steckst, immer den anderen Teil schön ausgebreitet vor dir siehst. Das bedeutet dann auch, dass du, egal in welche Rolle du gerade schlüpfst, den Anderen um so besser siehst. Deswegen hilft es in diesem Sinne deiner Frage eigentlich nicht! Denn es verhilft einem zu einer genaueren Sicht. <<
Hast du manchmal Angst, dass dieses Alter Egoüberhand nehmen könnte. so wie in „Die kleine Ballade vom Schwarzen Schmetterling“ beschrieben? Das etwas aus dem Innern kommt und dann plötzlich gross wird und die Macht ergreift.
>> Sicher, sicher, natürlich... aber: das geht uns ja allen im Leben so. Wir kämpfen ja jeden Tag mit unserem bösen Ich, oder mit unserem schlechten Ich. Jedenfalls habe ich das Gefühl! Vor allem Leute, die versuchen tief und ausschweifend Dinge wahrzunehmen, zu leben, sich in Dinge hineinzustürzen und sagen: „Ich will alles intensiv erleben“. Ich glaube, die werden immer, früher oder später, an dieser Tür stehen wo der „Andere“ dahinter steht und wartet. <<
Eine Sache bei „Aus der Tiefe“, die ich jetzt mal so als meine persönliche Sicht in den Raum stelle ist, dass mit zumindest zwei Songs, eine eindeutigere, klarere Aussage in Richtung Individualität, Freiheit, „wir-sind-anders-als-ihr, haben-zwar-auch-unsere-Kämpfe-damit“, also schon fast politische Songs sind. Denkst du, es ist an der Zeit wieder politischer zu werden? Vor allem auch in der Gothicszene, die sich ja bisher nicht gerade durch ein extrem politisches Bewusstsein ausgezeichnet hat.
>> Findest du wirklich? Heutzutage gilt die Gothicszene als unpolitisch. <<
Heutzutage vielleicht gar nicht mehr so sehr, langsam...
>> Ich hab schon das Gefühl, dass wir als Szene sehr unpolitisch geworden sind. Das liegt, glaube ich, vor allem daran, dass wir uns eine politische Unauffälligkeit angewöhnt haben, weil wir so viele bittere Vorwürfe, gerade in den letzten Jahren, zu hören bekommen haben, dass es in der Gothicszene so viele Rechte gäbe. Ich glaube, da zieht man sich gern zurück, wenn man immer so „angegriffen“ wird. Ich bin sehr sicher, dass es Zeit ist wieder politisch zu werden. Egal in welcher Szene wir uns bewegen, wir müssen alle raus in die andere Welt, wenn ich sie so nennen darf. Wir müssen alle rausgehen, Geld verdienen, uns mit „den anderen“ Menschen auseinandersetzen, wir sind ein Teil dieser Gesellschaft. Bei „Tiefenrausch“ habe ich es, glaube ich, für mich am Besten geäussert, wie schwer mir das fällt, mit diesen Menschen überhaupt umzugehen. Und ich sehe im Moment auch politisch nicht mehr weiter. <<
Kannst du das näher erleutern?
>> Naja, dieses, so leid wie es mir tut, „Kasperletheater“, das sich da tagtäglich bei uns abspielt. Egal, ob jetzt Opposition oder Regierung. Das ist unglaublich! Ich hab völlig den Glauben daran verloren.Und da steht man als Künstler natürlich auch immer da und denkt sich: „ok gehört das jetzt dazu“? Aber genau so, wie mein „normales Ich“ in die Geschichte gehört, zusammen mit dem Schwarzen Schmetterling, so tauchen natürlich auch immer wieder meine Ansichten, mal stärker, mal weniger stark, im Vordergrund auf. Vielleicht ist es aber auch ganz leicht das zu sagen. Ich hab das Gefühl, dass man solche Songs braucht, ich solche Songs für mich brauche, und ich hab auch das Gefühl, dass die Leute sie im Moment gut gebrauchen können. Wir sind alle unzufrieden. Nicht unzufrieden wie die meisten anderen Leute unzufrieden sind, weil wir leben nicht in einem verarmten Land. Wir haben es immer noch alle ziemlich gut, aber diese ganze Unzufriedenheit die herrscht, die macht soviel schlechte Stimmung. Und diese Stimmung wird radikal ausgenutzt. Von allen Parteien. Ich finde einfach, man muss wachsam bleiben, man muss aufmerksam bleiben, was um einen herum passiert. Denn man wird es nie schaffen einfach nur in seiner Nische zu leben! Das lässt der Rest nicht zu! Irgendwann muss man wieder raus und muss auf eien blödes Amt und irgendwas erledigen. Das bleibt keinem erspart. Ob er jetzt Gothic ist oder Rockstar ist, wir müssen das alle machen. <<
Die Frage war ja vor allem auch, weil dies ein Prozess ist, den ich bei mir feststelle. Ich habe mich selbst jahrelang, nicht wie in den Medien propagiert, als „Politik verdrossen“, sondern als politisch komplett desinteressiert bezeichnet. Und jetzt merke ich selber seit einiger Zeit wie ich denke, es ist an der Zeit mal wieder politischer zu werden, ein politischeres Bewusstsein zu entwickeln. Wie ich meinte, dass diese Gothicszene ja doch immer mehr auf sich selbst gerichtet war, die klassischen Herz-Schmerz-Metaphern ausschlachtete. Und dann kam irgendwann Unheilig mit „Freiheit“. Für mich liegt „Schwarzes Blut“ da schon auf einer Linie und das sind dann schon politische Songs. Man muss ja nicht unbedingt gleich zum Klassenkampf aufrufen und die rote oder irgendeine andere Fahne auf dem Cover abbilden.
>> Nein, das nicht! Es geht ja um eine Lebenseinstellung. Und „Schwarzes Blut“ ist genau wie „Ich will brennen“ ein Song über Lebenseinstellung. Das ist heutzutage ja schon politisch zu sein, wenn man sich überhaupt zu einer Lebenseinstellung bekennt, ausser nur seine acht Stunden „Nine to Five“ arbeiten zu gehen. <<
Zum Konsum: jeder Gedanke, der über das pure Konsumieren hinausgeht, ist doch heutzutage schon politisch und trotzdem überraschend.
>> Ja! Schrecklich das festzustellen. <<
Vielleicht schafft aber das ja ein neues Bewusstsein. Was mich noch interessieren würde. Du hast ja gerade für die „Kleine Ballade vom Schwarzen Schmetterling“ sehr viel Prügel eingesteckt. Inwieweit würdest hat sich dein Sprachduktus, deine Lyrik, verändert, vielleicht sogar verbessert?
>> Nun, für die „Kleine Ballade“ habe ich soviel Schelte bekommen, weil sie so Kinderreim-mässig sei. Dabei war das gerade beabsichtigt, dieses beschwörende, Mantrahafte. Wie ein kleines Kind das vor und zurückwippt und seinen Vers aufsagt. Ich denke aber, z.B. zur „Ballade von der Erweckung“ kann niemand mehr etwas sagen. Das ist alles sehr sauber, sehr literarisch, vielleicht nicht literarisch hochwertvoll, aber alles sehr sauber im Versmaß und sauber gereimt. Für einen Liedtext also sehr ordentlich, würde ich mal sagen. Aber wir schaffen es ja immer wieder sehr polarisierend zu wirken. Viele finden die Texte von uns wirklich wahnsinnig schön und ergreifend, und viele finden sie eben nicht so schön. Ich glaube, ASP ist eine starke, emotionale Stimmungssache. Und da ist es immer so ein bisschen gefährlich, auf welchem Fuss man den Hörer beim aller ersten Mal erwischt. Das ist auch etwas, warum ich viel wert drauf lege, das Album als Album zu konzipieren. Man muss Clubsingles, oder Singles für den Club, völlig losgelöst von diesem Gesamtkunstwerk sehen. Es gibt Zeiten zu tanzen, und es gibt Zeiten zu denken. Wenn das alles ineinander greift und alles klappt, das ist natürlich sehr schön. Aber ich achte auch absichtlich darauf , dass die Platten nicht zu leicht konsumierbar werden, damit man zwischendurch immer mal wieder dazu angehalten ist, zu überlegen, was denn da gerade passiert. Und es ist auch überraschend, die Resonanz ist teilweise sehr erstaunlich. Was wir so in der Fanbase mitkriegen, was den Leuten besonders positiv aufgefallen ist. „Fremde Erinnerungen“ zum Beispiel, damit hätte ich überhaupt nicht gerechnet. <<
Das es den Leuten gefällt?
>> Genau. Auf der anderen Seite Sachen, die mir sehr am Herzen liegen, die ich einfach gut finde, wie „Das Buch des Vergessens“, das kaum oder wenig Beachtung findet. Gut, unsere Fanbase ist jetzt nicht repräsentativ für alle, die unsere Platte kaufen. So was ist für mich immer ein bisschen merkwürdig. Wir hatten ja auch erst Vorbehalte, ob die Leute so etwas wie „Ich komm dich hol’n“ verstehen. Da ist die Ironie, eine grosse Oberfläche und man muss genau „In die Tiefe“ gucken, um zum Versteckten durchzudringen. Da hätte ich nicht gedacht, dass das so gut funktioniert. Aber vielleicht erwartet man auch immer ein bisschen zuviel und die Leute fühlen es einfach nach. Die merken, es ist ein Popsong, auf seine Art, in der Schlichtheit, wo wir nicht dachten, dass dies so ankommt. Aber sie tun es einfach. Vielleicht ist es auch ganz schön, wenn man merkt, dass man so weit ist, dass die Leute gar nicht mehr so darüber nachdenken, sondern es einfach nachfühlen. <<
Hast du irgendwie mitbekommen, wie das Album insgesamt mit diesen gesprochenen, hörspielartigen Zwischentexten, die es ja noch mehr, noch deutlicher zum Konzeptalbum gemacht haben, eigentlich angekommen ist?
>> Wir hatten soviel positive Resonanz. Viele hatten beim ersten Mal hören ein Problem damit, dass sich beim zweiten Mal hören sofort gelegt hat. Das war zumindest das, was ich so mitbekommen habe. Ich glaube, wogegen man sich einfach nicht wehren kann ist, dass diese Zwischenspiele vor allem dafür sorgen, dass die einzelnen Songs noch besser zur Geltung kommen. Weil man nicht einfach Musik am Stück hört, sondern die Zwischenstücke, zwar mit Text, aber ansonsten doch sehr spartanisch mit Musik unterlegt sind, hat man einfach die Gelegenheit kurz das Ohr und das Herz auszuruhen. Es verschiebt sich alles so ein Stück nach oben, in dieses Vorne im Hirn irgendwo, wo man den Text erst mal wahrnimmt, um dann bei den Songs wieder mit allen Sinnen zu genießen. Ich glaube, dass mache ich wieder. Das hat mir gut gefallen. Es hat mir sowieso von Anfang an gut gefallen, weil es mir mehr Raum lässt und weil es Dinge gibt, die als Lied schwer zu machen sind, und auch gar nicht als Lied gemacht werden müssen, weil sie so für sich als Text stehen. <<
Stichwort „Fanbase“. Ich würde ja fast mal behaupten, ihr seid schon einzigartig in eurer Fanarbeit. Von der Nähe her, wo viele andere Künstler sich doch eher schon zurückziehen, abblocken, oder gar nicht erst in die Richtung gehen. Das ist aber doch sicherlich eine ziemliche Gratwanderung. Einerseits ist das sehr schön und wird auch honoriert, da es für mich so ein Stück Dankbarkeit und Respekt für die Leute zu sein scheint, die euch das, was das „Brot des Künstlers“ ist, nämlich den Applaus, geben. Ein Stück weit sicher auch die Finanzen, weil sie ja die CDs kaufen, was dann aber auch wieder sehr zweischneidig wird, wenn wir zu dem Bild vom Anfang zurückkommen. Dieses Bild, diese Figur, diese Rolle, dieses Alter Ego, das ja bei soviel Fannähe nicht mehr unbedingt so sehr aufrecht zu erhalten ist.
>> Ja! Ja, es ist so, dass ich von Natur aus ein sehr zurückhaltender, eher schüchterner Mensch bin, wenn es darum geht, neue Leute kennenzulernen oder zu treffen. Das macht es mir im allgemeinen schwer mich auch gleich mit vielen neuen Leuten auf einen Schlag auseinanderzusetzen. Ich habe das ja auch bei anderen Bands beobachtet, wie teilweise die Kunstfigur nicht mehr nur dazu da ist, eine Geschichte zu erzählen, sondern tatsächlich auch um einen Mythos um eine Person herum aufzubauen, die ihn in eine, meiner Meinung nach, schon fast gefährliche Ecke rückt. Wo die Leute anfangen sich mit jemandem zu identifizieren, der so völlig ausserhalb der Welt steht. Und das möchte ich nicht, das möchte ich so nicht verantworten. Natürlich habe ich nicht immer Lust, so wie jeder Mensch mal seine Ruhephasen braucht, nach jedem Konzert auf Befehl rausgehen. Ich mache das bisher immer noch, weil die Leute bisher noch zurückhaltend genug waren, dass ich mich nicht eingeengt fühle. Manchmal muss man auch ein Stündchen länger warten. Wir haben neulich auch auf dem „Bochum Total“ gespielt und da mussten wir dann auch direkt durch diese Menge von ca. 10.000 Leuten zur Autogrammstunde. Das war für mich der Moment wo ich gesagt habe: es ist mir eigentlich ohne Schutz zuviel! Das sind mir einfach zu viele Leute, ich geheauch privat nicht auf so große Konzerte. Auf der anderen Seite, das Positive: wr wissen wirklich, wem wir das zu verdanken haben! Nämlich uns (lacht). Wir sind nämlich die, die jeden Tag arbeiten und es tun. Aber ohne die Fans, die müssen natürlich ein Teil von uns sein, und wir ein Teil von ihnen. Und das ist es. Wir können mit den Fans feiern, weil wir die Leute auch mögen. Natürlich kann man sich nicht von vielen tausend Leuten die Lebensgeschichte anhören. Aber mir sind auch Leute die „normal“ sind und normal mit uns einen Abend noch Party machen können, viel lieber als Leute, die dann anfangen dir kommentarlos verquere Lyrik kommentarlos zuzuschicken oder irgendwelche anderen geschriebenen Sachen, wo du erst mal denkst: „oha! Was mach ich denn jetzt hiermit?“ Ich kann nur ein normaler Mensch sein. Ich kann nicht Therapeut für irgendetwas sein. Das kann, wenn überhaupt, nur die Musik sein, wenn es jemand braucht. Früher hab ich versucht viel Abstand zu wahren und hab gemerkt, dass ich damit genau das Gegenteil erreiche. Dass ich den Leuten damit noch mehr einen Grund gebe, dieses „Geheimnis“ um mich lösen zu wollen und mich mit Fragen zu bombardieren. Jetzt habe ich mich wieder ein bisschen geöffnet, ein bisschen Smaltalk halten, meine kleinen Meinungen in unserem Fanforum zu posten. Das interessiert vielleicht auch nicht jeden,und vielleicht wirke ich dann auch nicht immer so cool und sexy, wie das unsere Plattenfirma gerne hätte, aber das ist ja auch egal. Wir sind ja keine vierzehn oder sechzehn mehr, wir sind ja auch keine Boy-Group. Wir sind irgendwie gestandene Männer, die auf die Bühne gehen und Gothic Rock spielen. Und die Leute finden uns trotzdem irgendwie gut und wir haben nicht mal Tänzerinnen auf der Bühne. (lautes Gelächter an dieser Stelle) <<
Du bist ja auch viel als DJ unterwegs. Hast du da eigentlich den Eindruck, dass dir die Leute da anders begegnen, als nach dem Konzert als... „Rockstar“?
>> Das natürlich, weil sie bei oder nach einem DJ Abend lange nicht so emotional mitgenommen sind, wie nach einem ASP-Konzert, wenn ich das mal so großspurig sagen darf. <<
Wird dann auch nicht so viel die Chance genutzt nach Autogrammen zu fragen oder so?
>> Doch, doch, das schon! Aber die Auflegerei, das DJing ist für mich auch schon Arbeit. Das merken die Leute dann auch relativ schnell. Ich kann natürlich nicht gelöst mit jemandem plaudern, wenn ich versuchen muss, die nächsten drei, vier Stücke im Kopf zurecht zu legen. Man beobachtet natürlich auch als DJ wie die Leute auf Musik reagieren, worauf sie vielleicht Lust haben. Ich geh ja nicht hin und spule mein Programm ab, egal ob die Leute das mögen oder nicht. (ganz leise) Manchmal schon. Aber es ist so, dass ich natürlich meinen Stil spiele. Ich versuche mich dadurch zu unterscheiden, dass in den Clubs immer noch nicht das angekommen ist, was lange schon klar ist. Dass Rockmusik nämlich mehr im kommen ist, auch in unserem Bereich, und dass diese pure Electro-Techno-Musik, die von manchen immer noch als das grosse Ding für die nächsten Jahre gehypt wird. Das glaube ich nicht. Denn die Leute sind die Monotonie gerade wieder ein wenig satt. <<
Würdest du sagen, dass deine Arbeit als DJ deine Arbeit als Musiker ziemlich direkt beeinflusst? Normalerweise machst du als Musiker ja irgendwie ein viertel Jahr lang ein Album, gehst dann damit raus, es läuft eine Weile und dann bekommst du erst die ersten Reaktionen, während du als DJ ja an den Leuten dran bist, unabhängig von den eigenen Songs die du spielst, ja sofort ein Gespür dafür hast. Wie eine Art Talentscout der merkt, was gerade emotional, musikalisch läuft.
>> Nee, glaube ich nicht. Vor allem deswegen nicht, weil ich glaube, dass man als DJ musikalisch mehr auf die Leute einwirkt als anders herum. Ich glaube, dass man als DJ auch mehr Sachen an den Mann bringen kann, die man für das hält, was gerade gut ist. <<
Ach? Du meinst wirklich noch, der DJ hat die Macht, eher die Sachen...
>> Ja, glaube ich wirklich dran. Es gibt noch so ein paar gute DJs! <<
TS: Also DJs, die Dinge spielen die dann auch wirklich...
>> Ja! Es ist ein hartes Brot! Man muss wirklich lange arbeiten. Es gibt Songs, die spiele ich ein halbes Jahr, bevor ich die ins Abendprogramm aufnehmen kann. Aber es klappt. Die Leute sind natürlich auch ein bisschen Gewohnheitstiere und wollen nicht auf ein Lied tanzen, das sie noch nie gehört haben. Ausser bei ASP, da geht’s ja immer! (schmunzelnd) ... zumindest dann, wenn ich als DJ dastehe und... hehe... und die bösen Blicke aussende, wenn jemand die Tanzfläche verlassen möchte. Nein, Spass beiseite. Es ist tatsächlich so. Da gibt es Leute, die bewundere ich. Wie beispielsweise.unseren Freund DJ Death,Dominic aus Leeds, der irgendwie in der ganzen Welt rumfährt, rumfliegt um Gothic Music zu verbreiten. Der fährt in Orte, da gibt es vielleicht im Umkreis von hunderten von Kilometern, vielleicht zwanzig Schwarze und dann vielleicht noch fünfzig andere Leute, die sich diese Party anschauen und nicht mal zehn Prozent von den Songs, die er da spielt, kennen und mehr Party haben, als die meisten bei uns nach viel Drogen und viel Alkohol auf einer durchschnittlichen Goth-Veranstaltung. <<
Hätte ich wirklich nicht gedacht. Ich hatte den Eindruck, dass vor allem gerade auch in dieser Szene der DJ nicht mehr der Trendbereiter ist, sondern nur noch das DAC Standardprogramm runternudelt.
>> Das hat auch ganz klare Gründe. Erstmal in der Flut der Veröffentlichungen. Jeder kann heute mit seinem Computer und einem billigen Musikprogramm im Keller eine Platte produzieren... und genau das machen auch die Meisten. Es gibt unfassbar viele Platten jeden Monat und DJs haben weder die Zeit, noch das Geld, sich all diese Platten anzuhören. Früher hattest du nicht mal die Hälfte davon und dann hast du als DJ auch noch die ganzen, auch viel wenigeren Magazine durchgeackert und geguckt, wo es was gibt, welcher Rezensent, den ich kenne, mit dem ich schon ein paar mal auf einer Linie lag, wieder was Interessantes hat. So hat sich die Szene befruchtet. Wenn du da dagegen heute versuchst einen Querschnitt zu bekommen, geht das von daher schon nicht, weil du überhaupt nicht mehr repräsentativ bedient wirst. Man weiss heute ja schon wenn man die Beilieger CDs in den Magazinen hört, dass da die Bands drauf sind, die es geschafft haben die Beiträge zu bezahlen.. Ach dafür krieg ich wieder Ärger! Es sind auf jeden Fall nicht die Bands, die die Besten sind. Und dann haben sich schnell ziemlich kluge Leute gefunden, die gesagt haben: „wir machen so eine Art Vorentscheidung. Daraus haben sich dann die DJ Pools und Promotionfirmen entwickelt. Das, was früher die Plattenfirmen oft selbst gemacht haben. Die haben die Aufgabe, die DJs, die Wichtigsten zumindest, zu bemustern. Das ist auch gut so, weil dadurch bekommen die DJs kostenlos ziemlich viel Material zugeschickt, aber, wer sich dann als kleine Band wieder nicht leisten kann, da irgendwie eine Promotionfirma zu bezahlen, hat dann auch wieder gelitten. Ich glaube, das Beste, was man machen kann ist, wenn man sich immer wieder mit anderen Leuten austauscht. Teilweise ist es ja auch regional sehr unterschiedlich was die Leute hören. Und da ich nun viel unterwegs bin, kriege ich da mehr mit als vielleicht der DJ, der in seinem Stammclub auflegt. <<
Schöner Schlusspunkt! Kurz und knapp! Fünf, sechs Jahre ASP, endlich, meiner Meinung nach, der Erfolg, der euch schon lange zusteht: Vielleicht was als Tip für Bands, die es trotzdem versuchen wollen, die jetzt gerade anfangen?
>> Es gibt nur eine Sache: Hart an sich arbeiten! Und immer weiter arbeiten! Sich von keinem reinreden lassen! Nicht aufs Geld hören, sondern auf das, was man wirklich machen will! Nicht den leichten Weg gehen, sondern den, die Musik verlangt! Und vor allem: Immer an sich arbeiten! Jeden Tag!! <<
http://www.thetalesofasp.com
Thomas Sabottka


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