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MAGAZIN :: Index: 'C' :: CANAAN

CANAAN
Neuzeitliches Babylon?
Schenkt man den Worten Mauro Berchi´s, dem kreativen Kopf hinter Italiens Canaan Glauben, leben wir in der Endzeit. Das Zeitalter der Dekadenz, in der nur das rücksichtslose private Wohlergehen des Einzelnen zählt, ist im Begriff den begrenzten Lebensraum, der uns Menschen auf dieser Erde gegeben ist, zu zerstören. Dabei wäre der Mensch, als einziges Wesen dieses Planeten in der Lage, diesem selbstzerstörerischen Akt Einhalt zu gebieten. Doch paradoxer Weise ist es gerade jene Spezies, die sich trotz aller psychischen Ressourcen und der Kenntnis über die globalen Zusammenhänge dieser Zerstörung des Lebensraumes ihr eigenes Grab schaufelt und somit für nachfolgende Generationen ein düsteres und beängstigendes Weltuntergangsszenario herauf beschwört. Ein Szenario, dessen sich Canaan sehr wohl bewußt sind und welches sind bislang mit jedem ihrer Alben, beinahe einer Obsession gleich, auf´s Neue thematisiert und musikalisch in einmaliger Form umgesetzt haben.
Dabei lebten die Songs Canaan´s in der Vergangenheit von langen und melancholisch schwelgenden Instrumentalparts, die durch ihre abgrundtiefe Düsterkeit jeglicher Form von Hoffnung eine Absage erteilt und den Hörer unweigerlich auf dem Weg in die Apokalypse mitgerissen haben. Doch auf dem neuen, erstmals nicht als Doppel-CD veröffentlichtem Album "Brand New Babylon" hat sich dieser Trend ins Gegenteil verkehrt. Die Songs scheinen viel von ihrer Düsterkeit verloren zu haben und sind, vielleicht als Folge der Hörgewohnheiten der Zuhörer, die mit den langen Songs vielleicht überfordert schienen, sehr viel kürzer, doch dieser These widerspricht Mauro vehement: >> Wenn wir Musik komponieren, agieren wir immer sehr impulsiv. Wir planen nichts im Voraus; wir fangen ganz einfach an zu spielen und warten ab, was passiert. Und du kannst sicher sein, daß wir um eins garantiert keine Gedanken machen: die Reaktionen der Leute auf das, was wir tun. Es gibt Bands, die spielen nur aus dem Grunde, um eine erbärmliche Viertelstunde Ruhm eines kommerziellen Erfolges zu erhaschen, nur darauf bedacht zu sein, was zu spielen ist, wie es zu spielen ist, welche Kleidung man zu tragen hat, welches Image man hat oder wie man klingen muß. Alles, was man damit erreicht, daß man sich zu einer stereotypen Puppe entwickelt, die mit dem Strom schwimmt, um exakt so zu werden, wie andere es von ihr erwarten. Wir spielen, um durch unsere Emotionen, Gefühle und Vorstellungen in der Musik aufzugehen. Vor diesem Hintergrund ist "Brand New Baylon" deshalb so kurz ausgefallen, weil wir es schlicht und ergreifend so wollten. << "Walk Into My Open Womb" hatte als Untertitel "The Apathy Manifesto", der in der Retrospektive aufgrund der langen Stücke gut gewählt war. Im Gegensatz dazu scheint Canaan mit "Brand New Babylon" eine Art Wiedergeburt zu erleben, wie der Albumtitel in Verbindung mit der leichten musikalischen Kurskorrektur und der Verwendung solcher Worte wie "Brand" und "New" zu suggerieren scheint. >> Nicht wirklich, auch wenn Deine Meinung durchaus ein paar diskussionsfähige Punkte enthält. Ich würde sagen, daß Apathie mehr ist, als nur ein einfaches, vorübergehendes und mutiertes Gefühl. Was mich betrifft, so betrachte ich Apathie eher als permanenten Schutz vor der Außenwelt. Eine Art Schild, ein Schutz, eine Glocke, eine Art Zuflucht. So wie sich Dinge und Gefühle entwickeln, so verändern sich die Perspektiven, so daß "Brand New Babylon" nicht nur all das widergibt, was wir vorher kreiert haben. Vielmehr fügen wir der Leinwand etwas Farbe hinzu, oder sollte ich lieber sagen, ein paar graue Schattierungen? Natürlich gibt es Apathie, aber auch noch etwas mehr. Etwas, was nicht so einfach einzurahmen ist und von jedem selbst analysiert werden sollte. Wiedergeburt sagst du? Vielleicht. Wer weiß? Es gibt sicher Unterschiede zur Vergangenheit. Eine deutlichere Analyse der Schmerzen und ein tiefgreifenderes Verständnis davon, wie eine besser fokussierte Reflektion auf einem klaren Spiegel, der nicht länger im Nebel verschleiert ist und scharf wie ein Kristall alles widergibt. << "Musik als Ventil der düsteren, depressiven und negativen Gefühle", das war eine der Hauptaussagen aus dem Interview, das wir zum Vorgänger "Walk Into My Open Womb" geführt haben. Verglichen mit jenem Album scheint "Brand New Babylon" von einer neuen Leichtigkeit durchzogen, die sich zum einen in kürzeren, zum anderen aber auch in nicht ganz so düsteren Songs offenbart und vermeintlicher Ausdruck einer etwas positiveren Lebenseinstellung zu sein scheint. >> Ich würde nicht lügen, wenn ich behaupte, daß "Brand New Babylon" in meinen Augen das mit Abstand düsterste Matieral enthält, das wir je geschrieben haben. Die Songs klingen etwas beschwingter und trockener, aber die Songs erwecken in meinem Unterbewußtsein mit jedem Mal, wo ich sie höre, die tiefsten Wunden. Aus der Tatsache, daß die Songs nicht ganz so düster klingen, was im übrigen der sauberen Produktion zuzuschreiben ist, läßt sich nicht automatisch herleiten, daß das Album weniger düster ist. Anders ausgedrückt: es scheint fröhlicher zu sein, gemessen an den Parametern, mit deren Hilfe man sich mit "Blue Fire" oder "Walk Into My Open Womb" angenähert hat. Wie dem auch sei, die anderen beiden CD´s vermitteln nicht solch düstere Gefühle wie beispielsweise bei "Of Lost Desires", was ich im übrigen als meine bisher beste Komposition betrachte, "The Circle Of Waters" oder "In un cielo di pece". Es fällt mir sehr schwer mit Worten alleine auszudrücken, wie sich unsere Alben unterscheiden. Das ganze ist mehr eine Frage von Haut und Haaren, wissend das wir Musik geschrieben haben, die verschiedene Bedeutungsebenen in sich vereint. <<
Eine dieser möglichen Ebenen läßt sich alleine schon durch den Titel zum Album ablesen, wonach der Ausdruck "Brand New Babylon", also brandneues Babylon, doch auch auf eine sehr zynische Art und Weise interpretiert werden kann, um somit einen Blick auf das derzeitige menschliche Gemeinwesen und Miteinander zu erlauben. Das Schicksal Babylons ist bekannt, was also wird aus uns? >> Zynismus ist eine der wenigen Waffen die wir haben, bestimmte Dinge unter Kontrolle zu halten. Andere zu verletzen ist häufig der einzige Weg, bestimmte Probleme zu lösen. "Mors tua vita mea" ist eine der Regeln, derer wir uns ständig bewußt sein sollten. Was ich um mich herum sehe, ist einfach verabscheuenswürdig. Die Menschheit verseucht die Erde mit ihrer Mittelmäßigkeit. Uns wurde ein Platz zum Leben gegeben, und alles, wozu wir in der Lage sind, ist uns so lange selbst zu vermehren, bis der Platz uns zu ertragen einfach nicht mehr ausreicht. Es scheint, als ob nichts diesen Wahnsinn aufhalten könnte. Ich verurteile jedoch nicht den Schwarm der menschlichen Insekten das zu tun, was sie als natürlich empfinden. Vielmehr mache ich mich selbst dafür verantwortlich, keine definitive Entscheidung, welcher Art auch immer, zu treffen. << Der Untergang der Menschheit, der Verfall von Sitten und Moral ist ein Thema, mit dem Canaan sich bereits auf "Walk Into My Open Womb" auseinandergesetzt haben und das auch "Brand New Babylon", der Titel deutet es bereits an, über weite Strecken kennzeichnet. Beinahe so, als ob die immer wiederkehrende Auseinandersetzung mit diesem Thema zu einer privaten Obsession von Canaan-Mastermind Mauro Berchi geworden ist, in der Hoffnung, der Menschheit die Augen über die Welt zu öffnen, in der wir zu leben haben, oder gibt es andere Motive für diese intensive Auseinandersetzung? >> Puren Nihilismus. Ich habe für die Leute, die sich mit unserer Musik auseinandersetzen, keine Botschaft. Ich will niemanden von irgendetwas überzeugen. Ich beobachte nur die unausweichliche, niemals endende und ständig wachsende Idiotie desjenigen Tieres, das sich fälschlicherweise Mensch nennt. Auf rein konzeptioneller Ebene, bewegt sich mein Abscheu nahe am Wahnsinn oder an kriminellen Handlungen. Zum Glück bin ich noch keinem dieser beiden Extreme erlegen. Noch nicht... << Interpretations- wie auch erklärungswürdig ist sicherlich das nachfolgende Zitat aus dem Booklet zu "Brand New Babylon": "The shells are stronger. Silence has a meaning.The future is clear. See you in Babylon". Stellt sich damit doch die Frage, ob wir nicht bereits in "Babylon" leben, mit all den Eigenschaften, die diesem zugeschrieben werden, oder ob es nicht vielleicht einen Ort gibt, der unsere schlimmsten Erwartungen noch einmal bei weitem übertrifft. >> Das ist eine interessante Sichtweise. Sicherlich leben wir bereits im Babylon und eine Grenze zum Schlimmeren scheint kaum noch denkbar, aber es mag schon sein, daß irgendwo ein weiteres Babylon auf uns wartet. Villeicht ist Babylon aber auch die Zersetzung unserer Körper oder die Zersplitterung unserer Seelen. Vielleicht bringt uns aber jede Entscheidung, die wir fällen, näher an den Rande des Abgunds. Hast du jemals über deine Vergangenheit, getroffene Entscheidungen und vergangenen Ärger nachgedacht und dich gefragt: "Was wäre gewesen, hätte ich mich für einen anderen Weg entschieden?" Dies ist eine Facette meines ganz persönlichen Babylons. Nicht in der Lage zu sein, die Zweifel beiseite zu schieben und ständig der Sklave des selbst errichteten Käfigs zu sein, basierend auf der Täuschung. Nie die eigenen Erwartungen erfüllen zu können. Das ist mein Babylon. Zumindest eine inhaltliche Facette davon. <<
Bei eingehender Beschäftigung mit der Band fällt auf, daß eigentlich nichts dem Zufall überlassen, sei es die Musik, die graphische Gestaltung der CD´s oder, wie in diesem Falle, die Bandfotos, die die Band alle von einer erhöhten Perspektive aus zeigen. >> Ja, wir überlassen nichts dem Zufall. Alles, was im Zusammenhang mit der Band geschieht, hat einen Bezug, sei es nun ein ganz offensichtlicher oder eher ein verborgener. Was die Fotos angeht, haben wir lange nachgeforscht, bevor wir uns an die Session begeben haben. Wir haben hauptsächlich mit Licht experimentiert, um den endgültigen Photos genau das Aussehen zu geben, das wir beabsichtigt haben. << Im Vergleich zu den ersten beiden Alben, bei denen die Texte ausschließlich in Englisch formuliert waren, bedienen Canaan sich auf "Brand New Babylon" nun erstmals auch ihrer Muttersprache, die sich alleine von der reinen Lautmalerei hervorragend in die ruhigen und getragenen Kompositionen Canaans eingliedert. Offen bleibt jedoch, warum Canaan sich nun ihrer Muttersprache bedienen. >> Da wir uns ständig als impulsiv handelne Musiker verstehen, machen wir da auch bei den Texten keine Ausnahme. Manche Songs verlangen nach der englischen, andere wiederum nach der italienischen Sprache. Manche Songs bedürfen auch nur der Instrumente, und auf diese Art und Weise verfahren wir. << Als Celtic Frost-Fan der ersten Stunde müßte es für Mauro mit Canaan doch eine reizvolle Aufgabe sein, ein Stück dieser Metal-Legende zu covern, wobei das Urteil über die neue Band Tom G. Warriors, Apollyon Sun, vernichtend ausfällt. >> Eine Coverversion von Celtic Frost zu spielen wäre in der Tat eine gute Idee, doch weiß ich nicht, ob wir uns jemals damit konfrontieren werden. Celtic Frost haben in meiner Entwicklung als Musiker eine sehr wichtige Rolle gespielt, und so nötigt mir das, was Mr. Warrior und seine Band mit dem fantastischen "Into The Pandemonium" erschaffen haben, noch heute den größten Respekt ab. Von da ab hat sich abrupt dermaßen viel zum schlechteren hin verändert, daß dies für mich nicht mehr die wirklichen Celtic Frost darstellten. Apollyon Sun zählen zu meinen schlimmsten musikalischen Erfahrungen der letzten Jahre und ich frage mich, was mit Tom Warrior, einst ein unvergleichliches Genie, nun nur noch eine leere Hülle, geschehen ist. <<
http://www.canaan.it
Michael Kuhlen


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