Obliveon - Metal und Gothic Webzine
 :: Suchen 

 :: Obliveon.de
· Home
· MySpace
· Links

  Info...
· FAQ
· Kontakt
· Impressum
 

 :: Magazin
· GESAMT
· News
· Interviews
· Konzert/Festivals
· Specials
· Foto Galerie

 :: Reviews
· GESAMT
· CD Reviews
· CD Import
· Eigenpressungen
· White Metal
· DVD/Video
· Bücher/Magazine

MAGAZIN :: Index: 'B' :: BOSPOP, 03.07 ....

BOSPOP, 03.07.2005, WEERT, Sportpark Boshoven
Weert, Sportpark Boshoven

03.07.2005
Für ihr 25-jähriges Jubiläum hatten die Bospop-Macher doch glatt Iron Maiden als zugkräftigen Headliner für den ´heavy day´ verpflichten können. Nachdem am Vortag vor allem Rock- und Blues-Fans auf ihre Kosten kamen (u.a. mit Joe Cocker, Marillion und Steve Lukather), stand der Sonntag ganz im Zeichen verschiedenster Schwermetall-Schattierungen. Grob geschätzte achttausend Fans wollten sich dieses Happening nicht entgehen lassen, und obliveon.de mischte natürlich auch mit.

Allerdings erst ab dem späten Nachmittag, und so begann mein persönlicher Festival-Tag mit >> OVERKILL <<, die im extrem heißen und stickigen Zelt noch zusätzlich einheizten. Neben einigen aktuelleren Tracks wie der Punk-Hommage "Old School" vom neuen Machwerk oder dem Titeltrack von "Necroshine", setzten die New Yorker um Sänger Blitz und Bandmotor D.D.Verni, heuer als Quartett und mit neuem Drummer (Hades-Trommler Ron Lipnicki) agierend, vor allem auf diverse Klassiker wie "Rotten To The Core", "Hello From The Gutter", "Fuck You", "Elimination" oder "In Union We Stand", wobei diese Nummern den Gig auch für jene Leute, die Overkill ab Anfang der Neunziger aus den Augen und Ohren verloren haben (mich eingeschlossen), zu einer heftig geilen Überraschung machten. Auch die Reduktion auf nur einen Klampfer tat der Band und den älteren Songs wirklich gut, denn letztendlich wurden sie in ihrer Entstehungsphase live immer von nur einer Gitarre interpretiert, so dass sich Overkill mit diesem Gig deutlich ihren Wurzeln annäherten. Brandheiß!

>> WITHIN TEMPTATION << sind gerade in Holland extrem erfolgreich und schwerst angesagt, so dass es keine Überraschung darstellte, dass der Platz vor der ´Main Stage´ prall gefüllt war und die Darbietung des Hit-Programms (u.a. "Stand My Ground", "Memories", "Angels" sowie die Kate Bush-Coverversion "Running Up That Hill") freudig abgefeiert wurde, persönlich ließen und lassen mich Within Temptation jedoch völlig kalt. Ihr zuckersüßer Düster-Metal-Rock kleistert die Gitarrenpower schon im Ansatz mit üppigen und dominanten Keyboardarrangements zu, und die absolut im Vordergrund stehende Stimme von Sharon den Adel überzeugt mich nur in ihren mittleren und tieferen Lagen ("Stand My Ground"), bei den überwiegenden hohen Parts schnellt mein Nerv-Barometer in verdächtig rote Bereiche. Ihre Kate Bush-Interpretation bewies dabei, dass sie sich mit den ganz großen Sängerinnen einfach nicht messen kann. Für mich ein gähnend langweiliger Auftritt, für den Großteil der Fans jedoch offensichtlich eine gelungene Vorstellung.
Elegische Gitarrenmelodien, feiste DoomDeath-Anklänge, ultraschwere Moll-Riffs, ein in anderen Sphären weilender Sänger, der sich in abgedrehter und pathetischer Art und Weise seinen Qualen, seiner Agonie, seinem Zorn und seiner Melancholie hingibt, sowie eine stoisch-gelangweilte Keyboarderin, die ihre vier Akkorde pro Song noch vom Blatt abspielt, das sind die Eckpfeiler, die >> MY DYING BRIDE << auch im Rahmen ihrer Bospop-Performance kennzeichneten. Nur das vordere Drittel des Zeltes war jedoch gut gefüllt, als die Briten zum doomigen Tanz baten und - in einem leider zu bassigen und wummerigen Soundgewand - zum Querschnitt durch ihr Repertoire ansetzten, wobei logischerweise auch der heimliche Band-Hit "A Cry Of Mankind" berücksichtigt wurde.

In der langsam untergehenden Abendsonne machten sich dann >> Y&T << ans Werk. Es mag ja immer noch diverse Hardrocker geben, die den Achtziger-Heavy-Rock der Combo verehren, ich fand die Combo weder in jener Dekade aufregend, noch muss ich mir heute angebliche Y&T Kult-Tracks wie "Winds Of Change" geben. Auf zur Pommes-Pause, tschüs!

Als Zelt-Headliner setzte man auf >> PORCUPINE TREE <<, die jedoch auch nur grob geschätzte neunhundert Besucher vor die Bretter locken konnten, während der überwiegende Teil der Fans draußen auf der Wiese relaxte, die letzte Möglichkeit wahrnahm die Verkaufsstände zu checken oder aber die Pils-Vernichtung zur obersten Priorität erhob. Also beinahe Club-Feeling und Privatkonzert-Atmosphäre bei Steven Wilson & Co, der Gang zum Tresen ohne den angestammten Platz in der dritten Reihe zu verlieren inklusive. Die hörigen Prog-Jünger wurden allerdings locker-flockig, aber gnadenlos gefühlvoll ins Nirwana befördert, denn Porcupine Tree boten - wie schon auf der vorangegangenen, sehr erfolgreichen Gastspielreise - eine absolut grandiose Performance und konzentrierten sich bei der vorgegebenen Spielzeit von einer Stunde auf die königlichen Highlights ihrer beiden letzten Alben "Deadwing" und "In Absentia", welche der Fünfer in einem glasklaren, druckvollen und enorm transparenten Klang ins Auditorium wuchtete. Und welcher Fan anspruchsvoller, aber doch eingängiger Rockmusik zerfließt nicht bei fantastischen Kompositionen wie dem Set-Opener "Deadwing", dem sich anschließenden Hit "The Sound Of Muzak", "Halo", "Blackest Eyes" oder dem Longplay-Track "Arriving Somewhere But Not Here"? Eben! Ein gigantischer Auftritt!
Was man >> IRON MAIDEN << nur in Ansätzen bescheinigen kann. Die britische Legende setzte bei ihrer diesjährigen Festival-Tour ja ausschließlich auf Material ihrer ersten vier Götter-Alben, was natürlich schon mal per se genial ist. Im Gegensatz zum katastrophal leisen und drucklosen Sound beim belgischen ´Graspop´ in der Woche zuvor, wies der Klang in Weert glücklicherweise durchaus reguläre Lautstärkeverhältnisse auf. Die Standards der Setlist ("Number Of The Beast", "Run To The Hills", "Sanctuary", "The Trooper" "Wrathchild", "Hallowed Be Thy Name" und "Iron Maiden") wurden routiniert dargeboten und ordentlich abgefeiert, wenngleich gerade "Sanctuary" und "Iron Maiden" nicht unbedingt Dickinson-kompatibel sind. Denn wenngleich ich Bruce für den besten Metal-Sänger überhaupt halte, sind doch gerade diese Nummern perfekt für die weniger perfekte, raue, punkige Di´Anno-Stimme geeicht worden. Aber wen interessieren denn eigentlich diese Standards? Ok, es sind selbstredend fabelhafte Metal-Klassiker, aber sie werden doch eh auf jeder Maiden-Tour gezockt, weswegen ich die Begeisterung der Fans - im Vergleich zu den anderen Nummern - nicht wirklich nachvollziehen konnte. Ich empfand es jedenfalls als sehr viel schöner, endlich mal wieder einiges Brillantes aus der frühen Dickinson-Ära live genießen zu können ("Where Eagles Dare", "Die With Your Boots On", "Revelations"). Selbiges würde auch für die frühen Karriere-Highlights "Drifter" "Phantom Of The Opera", "Prowler", "Murders In the Rue Morgue", "Another Life" und "Remember Tomorrow" gelten, wenn - ja, wenn - sie teilweise nicht derart langsam, klinisch sauber, fad und leblos interpretiert worden wären. Wenn Klassiker, die von ihrer Rauheit, ihren temporeichen Dynamikwechseln und ihrer intensiven Kraft leben, auf einmal in einem nahezu gleichbleibenden, recht lahmen Tempo und mit keimfreier Routine gezockt werden, ist es schlichtweg aus mit der Magie! Und wenn bei "Prowler" die Anfangsmelodie völlig untight neben dem Grundriff umhereierte, so war das auch nicht gerade überzeugend. Es macht zwar eigentlich immer Bock eine derartige Legende live zu sehen (zu mal Maiden immer meine Lieblingsband waren bzw. sein werden und man etliche der Songs nun mit Sicherheit niemals wieder live serviert bekommen wird), aber so richtig mitreißend war dieser Gig wirklich nur in einigen wenigen Momenten. PS: Wer kann endlich dafür sorgen, dass der unkoordinierte Tanz-Poser an der dritten Gitarre verschwindet?;)

Fazit: Die 2005-Ausgabe des ´Bospop´ überzeugte mit einer äußerst angenehmen, lockeren Atmosphäre, kompetenter Organisation, zivilen Preisen und einem attraktiven, vielfältigen Line-up. Man sieht sich im nächsten Jahr.
Christoph Lücker - Pics: http://www.bospop.nl


[ Zurück zum Index: 'B' ]
 

[ Unsere Webseite weiterempfehlen ] [ Impressum ] [ Seitenanfang ]

© Oblivion 1998-2002 Alle Rechte vorbehalten

Haftungsausschluss/Disclaimer

technisches Konzept, Programmierung & Webdesign by M. Koschinski / C. Fessler