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MAGAZIN :: Index: 'D' :: DIORAMA

DIORAMA
SELBSTREFLEXION
künstlerische und kreative beständigkeit ohne stillstand, nichts kennzeichnet die entwcklung dioramas wohl besser als diese aussage. das aktuelle album „amaroid“ und die tour im vorprogramm vnv nations haben dies nachhaltig unterstrichen und eindrucksvoll unter beweis gestellt, dass diorama schlichtweg in einer anderen liga spielen, als grosse teile der dark wave-szene. musikalisch vielschichtige arrangements und texte, die tiefgang besitzen und zum nachdenken anregen, sind in einer zeit, wo es reicht die bedienungsanleitung seines laptops lesen zu können um ein album zu veröffentlichen, sind leider längst keine selbstverständlichkeit mehr. umso wertvoller sind diorama mit ihrem mittlerweile vierten album für eine szene, die in weiten teilen an musikalischer konformität zu ersticken droht, anstatt nach neuen ausdrucksformen zu suchen. diese risiko haben diorama nie gescheut und mit jedem weiteren album wurde dieser mut durch die reaktionen von fans und presse belohnt. höhepunkt dabei sicherlich die gerade absolvierte tournee mit vnv nation, die diorama durch ganz europa führte und der band und meinem gesprächspartner torben wendt unvergessene momente bescherte.
die tour mit vnv nation liegt hinter euch. wie waren eure erfahrungen auf dieser tour, wie seid ihr mit vnv nation ausgekommen und lässt sich der erfolg einer tour, die ja weitestgehend ausverkauft war, in irgendeiner form messen? denkst du, dass ihr die chance, euch einem breiteren publikum zu präsentieren, habt nutzen können?
>> die tour war zunächst eine gute und willkommene möglichkeit, unsere musik einem breit gefächerten publikum vorzustellen, das uns größtenteils nicht kannte. in ermangelung der illusion, dass wir substanziell mehr seien als die anheizerband nummer zwei bestand unsere zielsetzung in erster linie darin, zum gesamterlebnis der einzelnen konzertabende einen unterhaltsamen beitrag zu leisten und ggf. vorurteile auszuräumen, mit denen zu identifizieren wir uns weigern. das feedback empfand ich als sehr positiv. es war fast überraschend, wie interessiert und fair die zuschauer größtenteils reagierten, angesichts der unerwünschten zeitverschwendung, die eine vorband im warten auf den ersehnten hauptact nun einmal verkörpert and abgesehen von unseren fans, die sich natürlich auch haben blicken lassen und tolle stimmung verbreiteten.
die werbewirkung eines solchen projektes lässt sich quantitativ etwa anhand von verkaufserfolgen kaum messen, schon alleine, da man keine gegenprobe hat. für uns bleibt dessen ungeachtet das wichtigste, die möglichkeit zu bekommen, live zu spielen, verbunden mit einer sich festigenden aussicht auf eine eigene tour als headliner, bei der sich in den punkten selbstverwirklichung und ausgestaltung der bühnenshow natürlich ganz andere perspektiven bieten.
das gesamtpaket soman-diorama-vnv war nicht nur eine musikalisch herausfordernde kombination, sondern auch abseits der bühne eine tourfamilie aus dem bilderbuch. ich bin dahingehend kein alter hase, aber ich kann mir kaum vorstellen, dass eine crew, die aus so vielen individualisten besteht, untereinander kollegialer und freundschaftlicher verbunden sein kann. <<

nach dem konzert in krefeld hast du gesundheitliche probleme gehabt und eine kreislaufschwäche erlitten. sind diese probleme mittlerweile wieder behoben?
>> danke für die nachfrage. in krefeld war ein punkt erreicht, an dem mein kopf vor lauter eindrücken und vor allem kommunikation dicht gemacht hat. hinzu kam ein völlig ausgepowerter körper, der gegen die fortwährende nächtliche überstrapazierung rebellierte. manchmal wird eben alles etwas viel für einen einfachen bub vom lande (lacht). nach einem langen schlaf war aber alles schon wieder halb so wild. <<
warum war euer bassist bernard nicht mit bei der tour?
>> er hatte keine zeit. leider. er hat uns sehr gefehlt. <<
denkst du nicht, dass ihr nach vier alben nun langsam reif seid für eine eigene headlinertour?
>> doch, auf jeden fall. <<
seit geraumer zeit habt ihr nun einen festen gitarristen im line up. hat sich dadurch etwas an der art des songwritings verändert und sind neue musikalische einflüsse hinzugekommen?
>> die aufgabe der gitarrenarbeit beschränkt sich bei uns auf die ergänzung des akustischen gesamtbildes. natürlich kommen für die gestaltung der produktionen ganz neue ideen zustande, wenn sich ein zusätzlicher musiker mit einem ‚natürlichen’ instrument einbringt; auf das eigentliche songwriting hat dies jedoch keinerlei einfluss. das songwriting für ‚amaroid’ vollzog sich wie zu guten alten zeiten hauptsächlich über stundenlanges improvisieren am klavier. <<
wenn du die entwicklung von diorama seit „pale“ bis heute betrachtest und deine musikalischen visionen, die du sicher zu beginn dioramas gehabt hast, wo stehst du dann heute? hast du diese visionen in die tat umsetzen können, oder betrachtest du deine künstlerische arbeit als stetig währenden und immer voran schreitenden kreativprozess? verändert sich diese vorstellung demnach von album zu album?
>> ich denke, es ließe sich behaupten, dass die anfänglichen grundstimmungen und leitmotive diorama seit jeher als nicht wegzudenkender bestandteil begleiten... der versuch, aus nicht ausdrückbaren gefühlen etwas zu machen, das nützlich sein könnte... die dinge in eine form zu bringen, in der man mit ihnen fertigwerden kann. das ist es, was ich tue und immer getan habe. es gibt keine visionen, reich und mächtig zu werden, die gab es nie. ich will nur zur ruhe kommen, mich wiederfinden. <<
in wie weit fliessen deine auslandsaufenthalte mit in die musik ein? bei mir ist es so, dass ich häufig städte mit einer besonderen form von musik verbinde, was logisch eigentlich gar nicht zu erklären ist. hast du ähnliche erfahrungen gemacht?
>> mein halbjähriger aufenthalt in toronto ist bekanntermaßen zu einem wichtigen teil in ‚the art of creating confusing spirits’ eingeflossen. es war eine prägende lebensphase und eine im positiven sinne sehr einsame und im negativen sinne sehr verwirrte zeit. in meiner vorstellung gibt es durchaus solche unplausiblen parallelen, die du angesprochen hast, z.b. zwischen songs und orten. meistens entpricht eine bestimmte räumliche vorstellung dabei dem ursprungsszenario der musik, der geburtsstätte der idee. wenn ich mir z.b. das stück ‚a few days off’ anhöre, sehe ich mich unweigerlich dem großstadtsumpf entkommen im algonquin naturgebiet am see sitzen und diese ekligen marshmellows grillen, die nur gegrillt gut schmecken.
ganz so konkret und ergiebig geht es dennoch nicht immer zu. ich habe z.b. ein halbes jahr in valencia verbracht, wo ich zwar wunderbar gelebt habe, aber auch eine gänzlich unproduktive künstlerische phase hatte, wobei ich nicht ausschließen möchte, dass es genau dort einen kausalzusammenhang gibt. ich glaube, es gibt ihn. <<
wie sind deine erfahrungen überhaupt als ausländer/fremder in anderen ländern zu leben? können wir deutsche beispeilsweise da in sachen gastfreundschaft und integration noch etwas lernen?
>> probleme als fremder in einer gesellschaft hatte ich nie in dem sinne, dass ich mich mangelnder integration und freundschaftlichkeit gegenübersehen musste. es muss allerdings hinzugefügt werden, dass meine längeren auslandserfahrungen immer an orten stattfanden, die ohnehin von einer aus verschiedenen nationalitäten zusammengewürfelten gesellschaft geprägt waren, so dass ich nicht der einzige war, der anfangs keinen plan und kein soziales umfeld hatte.
verbesserungsbedarf in diesen bereichen gibt es in deutschland sicher. das ist jedoch ein zu vielseitiger themenkomplex für eine kurze stellungnahme, frau christiansen. und auch nicht unser hauptproblem. viel wichtiger wäre, das land bürokratisch zu entschlacken und mehr babys zu machen. <<

warum habt ihr das neue album „amaroid“ genannt?
>> der grund für das anagramm von diorama als titel ist der reflexive charakter des albums. die musik verkörpert die akustische untermalung eines trips unter die eigene haut, in die innereien der innersten einsamkeit und weiter zurück, wo all die erinnerungen und naiven gefühle verloren gegangen oder für kurzweiligkeiten verschleudert worden sind. das album ist ein selbstgespräch mit dem gefühl, mit einer völlig fremden person zu sprechen. ein brief in spiegelschrift, vom empfänger an den absender. ein verlorengegangener funkspruch, der sich nach jahren zurück in die heimat verirrt, dort aber inzwischen nicht mehr verstanden wird. <<
im info zum album heisst es „amaroid ist kein album, sondern ein trip“. wie verstehst du diese aussage? ein trip ins unterbewusste, als flucht vor der realität, als prozess der selbsterfahrung und des selbsterkennens?
>> dialog, scheitern, ernüchterung, flucht, rückzug, rausch, rückbesinnung, monolog. <<
wo siehst du selbst die musikalischen veränderungen zu den vorgängeralben?
>> ich denke, wir haben mit ‚amaroid’ ein album vorgelegt, das sich über die bisher größte stilistische bandbreite erstreckt. dazu beigetragen hat der verstärkte einsatz der ‚natürlichen’ instrumente bass, gitarre und schlagzeug, sowie eine ausgeprägtere gesangliche variabilität und die stärkere einbindung von felix’ stimme. plus: im unterschied zum letzten album liegt bei ‚amaroid’ ganz entschieden wieder klassisches songwriting zugrunde und weniger tüftelarbeit in gemeinsamen sessions. <<
warum gab es bislang keine singleveröffentlichung aus „amaroid“? habt ihr noch eine auskopplung geplant?
>> wir hätten uns vorstellen können, ‚friends we used to know’ auszukoppeln, und diese möglichkeit besteht auch weiterhin. mal sehen. <<
kannst du bitte ein paar hintergründe und die inspiration für die texte zu den nachfolgend genannten stücke nennen? „the girls“ – problematik der autoaggression und des borderline-syndroms?, „helmets down“ – sein vsisier geschlossen zu halten, unaufrichtig und nicht ehrlich seinem partner gegenüber sein?, „someone dies“ – selbstmitleid der hinterbliebenen beim tod eines angehörigen?, „unzerstört“ – ein wundervoller deutscher text, der wohl für sich spricht, oder?
>> ‚the girls’: problem der unmöglichkeit, miteinander auszukommen, auf verschiedenen ebenen im einklang mit der wahrhaftigkeit zu sein, verstanden zu werden, durchaus mit anleihen aus der psychologischen ecke. inspiriert hat mich unter anderem das gedicht einer borderline-patientin, in dem sie den zustand beschreibt, jemanden gleichzeitig in extremer weise zu hassen und zu lieben.
‚helmets down’: aufgabe einer schlacht, die selbst mit allerlei versteckspiel und tricks immer aufs neue nicht zu gewinnen ist, selbt, wenn man dem gegner keinerlei angriffsfläche bietet.
‚someone dies’: absurdität des eigenen tuns angesichts des todes einer nahestehenden person. eine wichtige inspiration war das buch ‚muttersterben’ von michael lentz.
‚unzerstört’: eine liebe, die enden musste, weil sie enden musste, und die drohende entfremdung von sich selbst. <<

es gab mehrere vergleiche „amaroids“ zu david bowie und wenn ich mir ein stück wie „friends we used to know“ anhöre, ist dieser vergleich nachvollziehbar. wie empfindest du solch einen vergleich, wobei ich finde, dass gerade dieses stück für diorama schon musikalisches neuland darstellt, brilliant umgesetzt übrigens.
>> um ehrlich zu sein, sind derartige vergleiche für mich hie und da nicht unmittelbar nachvollziehbar, aber ich bin dankbar, dass man sich zwischenzeitlich auf david bowie geeinigt hat, den ich selbst sehr bewundere. warum also nicht. <<
[:sitd:] sind mit ihrer letzten single knapp an den deutschen charts vorbei geschrappt. jetzt seid ihr musikalisch zwar meileinweit von [:sitd:] entfernt, aber stellt sich nicht doch die frage, ob ihr mit einem video nicht auch chancen hättet auf mtv/viva zu landen und dann promotechnisch einen entsprechenden schub zu bekommen, dass es für eine chartplatzierung reichen könnte. ist ein video ein thema für euch?
>> also wenn ich ein video mache, dann um ein video zu machen und nicht, um ein mittel zur verfügung zu haben, das diorama in die charts katapultiert. seit mehreren jahren loten wir in dieser hinsicht möglichkeiten aus, da mich das thema video zugegebenermaßen unheimlich reizt und ich einen haufen ideen und gedanklich schon mindestens 100 drehbücher geschrieben habe. alleine, die ressourcen sind knapp für eine zufriedenstellende produktion. ob der großen unwahrscheinlichkeit, dass ein diorama-video jemals ausgestrahlt werden oder sonstige verwendung finden würde, ist es zudem fraglich, ob man vorerst nicht sinnvollerweise in andere bereiche investiert. dennoch: wenn die zeit reif ist, wird es diorama auch für den bildschirm geben. hundert pro. <<

welche weiteren pläne stehen für euch nun auf dem programm? mit diary warst du auf tour, hast den wgt-auftritt bestritten und wirst vielleicht auch auf dem m’era luna mit dabei sein. wo bleibt da die zeit für diorama?
>> für diorama sind in der zweiten hälfte des jahres mit dem release unseres remix-albums und den anstehenden live-terminen bereits einige aktivitäten anberaumt. die auftritte mit diary of dreams sind nicht in dem maße zeitraubend, dass diese pläne davon beeinträchtigt wären. hinzu kommt, dass ich einfach gerne gemeinsam mit den diary-ganoven musiziere. du hast schon recht, der terminkalender ist in anbetracht des doppeleinsatzes einigermaßen überfüllt, aber meine zeit der musik zu widmen, ist das, was ich immer machen wollte. insofern... ist doch alles gut. <<
was war für dich bislang der höhepunkt in der karriere mit diorama, was der absolute tiefpunkt?
>> höhepunkt: 2005. die tour mit vnv nation und soman
tiefpunkt: 1995. ich wollte ein mädchen mit einem lied beeindrucken, und sie hat schallend gelacht. <<

wo werden diorama in fünf jahren stehen?
>> hoffentlich irgendwo gemeinsam mit einer flasche bombay in der nähe. <<
http://www.diorama-music.com
michael kuhlen


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