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MAGAZIN :: Index: 'D' :: DECENCE

DECENCE
Der nächste Schritt
Decence haben im letzten Jahr mit ihrem Debüt „The First Step“ ein wirklich begeisterndes Dark Electro-Album vorgelegt, das Fans von Bands wie Wolfsheim, VNV Nation, Diorama oder Diary of Dreams gleichermassen angesprochen und begeistert hat. Nun folgt mit „Constellation_Gemini“ das zweite Album und das musikalische Profil der Band um Oliver Mietzner hat sich abermals geschärft, wobei die Symbiose aus tanzbaren elektronischen Clubkrachern und beinahe schon neoklassisch anmutenden Kompositionen als absolut gelungen zu bezeichnen ist. Der Bonner hat seinen Stil gefunden und perfektioniert, auch wenn dieses Urteil die Mnesslatte für alle nachfolgenden Veröffentlichungen sehr in die Höhe schraubt. Hinzu kommen Texte, die Mietzner als nachdenklichen wie auch politisch interessierten Menschen kennzeichnen, doch lassen wir den Protagonisten lieber selbst zu Wort kommen.
„Constellation_Gemini“ ist dein zweites Album und wenn ich mich recht entsinne, waren die Pressereaktionen auf „The First Step“ teilweise doch recht durchwachsen. Wie bist du mit diesen zum Teil doch recht negativen Kritiken umgegangen?
>> Ja, „The First Step“ hat wohl etwas polarisiert. Neben zahlreichen guten bis sehr guten Rezis gab es einige Leute, denen die Eigenständigkeit von Decence nicht so bewusst geworden ist und immer wieder nach Vergleichen suchten. Wirklich „schlechte“ Rezensionen gab es aber eher selten. Natürlich nehme ich so etwas auch ernst und akzeptiere, bzw. respektiere sie. Das gehört dazu. Gerade als Newcomer ist es eher unwahrscheinlich, dass man gleich für alle als das gelbe vom Ei, als die Innovationsbombe oder als der neue musikalische Prophet daherkommt. Wichtig ist nur, dass man sich von seinem Weg nicht abbringen lässt, den Kopf nicht in den Sand steckt und sich selbst treu bleibt. Dann kann man auch die härteste Kritik als eine konstruktive hinnehmen. <<
Haben diese Kritiken dir einen zusätzlichen Druck auferlegt als es darum ging, die Lieder für „Constellation_Gemini“ zu schreiben?
>> Nein. Ich habe die Songs so geschrieben, wie sie mir und meiner Stimmung am ehesten gerecht wurden. Dabei habe ich zu keinem Zeitpunkt daran gedacht, ob meine Kritiker nun zufriedener sein müssten, oder nicht. Man wächst eine Zeit lang in sein kreatives Schaffen hinein, bevor man mit ihm wächst. Mit der Zeit nimmt die Erfahrung in jedem Bereich einfach zu, was insbesondere die Produktion und die Umsetzung von Ideen angeht. Insgesamt ist „Constellation_Gemini“ aber ein waschechtes, sehr ehrliches Decence-Album und kein Zugeständnis an die „Hardliner“ unter den Kritikern… <<
Wie ist nach diesen ersten Erfahrungen mit der Musikindustrie dein Eindruck von Kritikern und Fans? Fühlst du dich wahrgenommen und fair behandelt, oder denkst du, dass man es als Newcomer in dieser Schwarzen Szene, die im Laufe der Jahre viel von ihrem Idealismus und Enthusiasmus verloren hat und zu einem Ernst zu nehmenden Wirtschaftszweig herangewachsen ist, besonders schwer hat?
>> Natürlich hat man es als Newcomer etwas schwerer. Aber dennoch fühle ich mich fair behandelt, solange alles sachlich und objektiv bleibt. Wenn irgendwelche Kritiken auf einmal in den persönlichen Bereich abgleiten, der persönliche Musikgeschmack des Rezensenten wohl soweit weg zu sein scheint, dass er augenscheinlich mit einem Elektro-Album nichts anfangen kann und das als Anlass nimmt, mich persönlich anzugreifen, dann hat das nichts mehr mit fairer Kritik zu tun. So etwas kommt leider vor, aber eher selten. Die meisten Kritiker schreiben ja doch objektiv und detailliert, wobei es natürlich die einen gibt, die das Album über alles loben und andere, für die es einfach nur „okay“ ist. Das ist meiner Meinung nach völlig normal, Geschmäcker sind eben unterschiedlich und jedem steht seine Meinung zu. Ich freue mich über die große Zahl sehr positiver Kritiken und nehme den anderen Teil ernst, lasse mich aber nicht verunsichern. Auf der Fan-Seite bin ich immer wieder überrascht durch E-Mails, oder persönliche Kontakte auf Konzerten, die mir zeigen, wie intensiv sich so mancher mit meiner Musik auseinandersetzt. Daran merkt man als Künstler, dass etwas rübergekommen ist, dass die Musik ernst genommen und verstanden wird. Teilweise entdecken die Hörer sogar völlig neue Aspekte in Texten oder der Musik, die mir selbst nicht bewusst waren. Das sind die wahren ideologischen Momente, das ist das, was man als Künstler doch erreichen will- die Identifikation des Hörers mit der Musik. Solange diese Identifikation stattfindet, wird man auch im immer weiter wachsenden Markt an neuen Electro-Acts seine Berechtigung haben, sich in irgendeiner Form absetzen. <<
Wie siehst du selbst die musikalische Entwicklung von „The First Step“ das, der Titel deutet es ja bereits an, ein erster Schritt war, hin zu „Constellation_Gemini“?
>> Es ist eine klare Weiterentwicklung. „Constellation_Gemini“ ist meiner Ansicht nach intensiver, eigenständiger und wesentlich „clubbiger“. <<
Denkst du, dass Du, wie im ersten Interview, was wir seinerzeit geführt haben, bereits angedeutet, mit „Constellation_Gemini“ Deinen eigenen Stil gefunden hast? Wenn du mich fragst, ich würde „ja“ sagen und auch die angestrebte, stärkere Tanzbarkeit hast du erreicht.
>> Danke erst mal für Deine Einschätzung. Ich denke schon, dass beim Hören des Albums klar wird, dass es eine eigenständige Linie hat. Auch beinhaltet es die musikalische Vielseitigkeit, die mir auch bei „The First Step“ schon so wichtig war- neben dance-lastigen, treibenden Stücken finden sich eben auch neoklassisch arrangierte Stücke wie „Holy?“ oder die „Epic“-Version von „Nothing More“. So bleibt das Spiel mit den verschiedenen Stilen auch hier erhalten. Ein Merkmal, das Decence definitiv ausmacht. <<
Wie bist du aus heutiger Sicht mit beiden Alben zufrieden? Hast du überhaupt schon den nötigen Abstand, um „Constellation_Gemini“ beurteilen zu können?
>> Es fällt einem als Künstler nicht gerade leicht, sein eigenes Werk zu beurteilen, man ist halt immer sehr nahe dran. Aber ich kann sagen, dass ich mit den Resultaten beider Alben sehr zufrieden bin. „Constellation_Gemini“ ist ein sehr ehrliches, auch persönliches Album, indem viel von mir steckt. Daher kann ich voll dahinterstehen und es guten Gewissens auf die Hörer loslassen. <<
Warum hast du das neue Album „Constellation_Gemini“ genannt? Welche Idee verbindest du damit?
>> Ich habe nach einem Titel gesucht, der die beiden musikalischen Gesichter von Decence zum Ausdruck bringen kann- auf der einen Seite die harte, treibende Elektronik, auf der anderen Seite die eher sanfte, melancholische Facette. Mir fiel die Geschichte von Castor und Pollux ein - Zwillinge aus der griechischen Mythologie, die als Sinnbild der Untrennbarkeit stehen und nach denen heute die zwei hellsten Sterne im Sternbild Zwilling benannt sind. So entstand „Constellation_Gemini“… <<
„Idelologies“ nimmt durch seine Bush-Samples natürlich einen ganz klaren Bezug auf die US-Administration und auch die gegenwärtige US-Aussenpolitik ist nicht gerade dazu angetan, Beifall zu klatschen. Immer mehr Künstler, in Europa wie den USA, nehmen zudem eindeutig Stellung gegen die Politik der USA. Dennoch frage ich mich, ob diese kritische Haltung nicht auch eine Art gesellschaftliche Modeerscheinung ist, denn die Hegemoniebestrebungen der USA sind ja keine wirklich neue politische Entwicklung. Wie stehst du zu diesem ganzen Themenkomplex?
>> In „Ideologies“ ging es mir darum aufzuzeigen, dass Ideologien in jeder Art und Weise die Gefahr bergen, in blinden Fanatismus umzuschlagen. Dies habe ich versucht am Beispiel der Zwiespältigkeit amerikanischer Christlichkeit zu zeigen, die in einer schier unbremsbaren Kriegswut ihre eigentlichen Statuten zu vergessen scheint. Natürlich sind diese Konflikte nicht gerade neu, aber durch die aktuellen Ereignisse in der Zeit, in der das Album entstand (z.B. Golfkrieg 2 und seine scheinbar endlosen Nachwehen), sprangen mir diese Themen geradezu ins Gesicht. Dabei ging es mir in keiner Weise darum, auf irgendeinen Opportunismus-Zug aufzuspringen, vielmehr darum, meinen Beitrag dazu zu leisten, sich mit den derzeitigen Ereignissen auseinander zu setzen. <<
Denkst du überhaupt, dass man sich als Künstler das Recht der politischen Meinungsäusserung vorbehalten soll? Viele Künstler sind ja auch der Meinung, mit ihrer Kunst ausschließlich unterhalten zu wollen, wobei ich weder das eine noch das andere verwerflich finde.
>> Jeder hat das Recht auf politische Meinungsäußerung, als Künstler hat man aber zudem die Möglichkeit, seine Ansichten „öffentlich“ zu machen, zu provozieren oder zum Denken anzuregen. Ich sehe mich aber keineswegs als politischen Künstler, finde es auch in keiner Weise schlimm, wenn andere Acts mit ihrer Musik „lediglich“ unterhalten wollen und lediglich „Spasslieder“ machen. Dass Schnappi das kleine Krokodil jetzt seit Wochen auf Platz 1 der Media Control Charts steht, ist nun auch nicht unbedingt mein Traum, aber letztlich hat alles seine Berechtigung. Wer es eher „ernst“ will, findet genauso Futter für die Ohren, wie einer, der nach der Tagesschau einfach ein bisschen Spaß haben will. Und das ist auch gut so. Also jedem das seine ... <<
Würdest du dich als gläubigen Menschen bezeichnen? „Oh Lord“ stellt durch dieses im Text enthaltene Zwiegespräch mit Gott seine Autorität und sein Wirken ja zumindest in Frage?
>> Ich für meinen Teil glaube an die Existenz einer übergeordneten Macht, auch wenn es manchmal schwer fällt. In manchen Momenten fragt man sich schon, wie eine solche Macht es zulassen kann, dass Dinge wie Kriege, Hungersnöte und schwere Katastrophen passieren. Das ist der Tenor von „Oh Lord“. Aber die Frage ist letztendlich, in wie weit wir uns unserer eigenen Verantwortung entziehen können und solche Geschehnisse auf die Willkür eines „grimmigen“ Gottes zurückführen können. Daher stelle ich in dem Song auch die augenzwinkernde Forderung „tell me what is to do“- was zu tun ist, müssten wir eigentlich selbst wissen, indem wir uns unserer Verantwortung für diese Welt wieder bewusster werden. <<
Es finden sich mit „Nothing More“ und „Waving Goddbye“ zudem wieder sehr persönliche Texte auf dem Album wieder. Gerade bei sehr persönlichen Texten stelle ich mir immer die Frage, ob der jeweilige Künstler dadurch nicht auch zuviel von sich Preis gibt und dadurch verletzbar und angreifbar wird, oder machst du über solche Dinge keine Gedanken?
>> Mir ist es wichtig, dass gerade die „persönlichen“ Texte sehr ehrlich rüberkommen, was nur sein kann, wenn sie auch wirklich persönlich sind. Nur so kann ich dem Song seine Seele geben und völlig hinter ihm stehen. Dass ich damit viel von mir preisgebe, ist mir bewusst und durchaus gewollt. Was hätte ich davon, wenn jemand mir erzählt, er hätte sich in einem Text völlig wiederfinden oder irgendeine emotionale Hilfestellung finden können, wenn ich mich selbst mit dem Text nicht identifizieren könnte? So ist es viel schöner, wenn so etwas passiert- dann ist da jemand, der mich und meine Musik verstanden und sich in ihr wiedergefunden hat. <<
Auf „Constellation_Gemini“ findet sich dieses Mal kein deutscher Text. Eine bewusste Entscheidung oder Zufall?
>> Das ist eher Zufall, für einige Songs gab es zwar deutsche Textentwürfe, die aber im Englischen doch besser waren. Das heißt nicht, dass es keine deutschsprachigen Songs von Decence mehr geben wird… <<
Wie waren deine ersten Live-Erfahrungen? Leider hatte ich aus zeitlichen Gründen bislang keine Möglichkeit eins deiner Konzerte zu besuchen und kann mir daher kein Urteil erlauben.
>> Live ist auch eine Erfahrung, in die man hineinwächst. Es dauert etwas, bis man sich auf der Bühne richtig wohlfühlt und sich so präsentieren kann, wie man es gerne möchte. Nach vielen kleineren und größeren Gigs (z.B. in der Matrix-Bochum/Tube) kann ich sagen, dass ich mich inzwischen sehr wohl fühle und mich auf jeden neuen Gig freue... <<
Denkst du, es wird zu „Constellation_Gemini“ eine richtige Tour oder Festivalauftritte geben?
>> Das ist alles im Moment in Planung, insbesondere laufen die Bewerbungen für die großen Festivals. Unabhängig davon wird es demnächst noch eine Reihe Gigs und Release-parties geben, die genauen Daten werden auf http://www.decence.de oder http://www.excentric-records.de bekannt gegeben… <<
http://www.decence.de
Michael Kuhlen


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