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MAGAZIN :: Index: 'D' :: DEINE LAKAIEN

DEINE LAKAIEN
Stimmungsvolle Wechsel
Was Ernst Horn und Alexander Veljanov mit ihrem nunmehr achten Album einmal mehr vollbracht haben, nimmt in der deutschen alternativ und düster angehauchten Musiklandschaft schon eine Ausnahmestellung ein. Deine Lakaien setzen Trends, sind Vorreiter einer ganzen Generation von Nachwuchsbands und bis zum heutigen Tage in ihrer Kreativität und ihrem spielerischen Können unerreicht. Deine Lakaien sind Künstler im wahrsten Sinne des Wortes, Klangmagier, die dem Begriff der elektronischen Musik durch ihre Sounds und ihre Art des Songwritings neue und tiefe Dimensionen verliehen haben. Mit „April Skies“ setzen sie ihre Erfolgsgeschichte weiter fort, wobei es schon erstaunlich ist, wie frisch und mit wieviel Elan und neuen Ideen das Duo unter der tatkräftigen Mithilfe der Tourband im neunzehnten Jahr seines Bestehens noch zu Werke geht.
Drei Jahre liegen zwischen dem letzten Album „White Lies“ und „April Skies“, wobei diese drei Jahre angefüllt waren mit ausgedehnten Tourneen, Soloprojekten der beiden Künstler sowie einer Reihe von Festivalauftritten, die, so wie der Auftritt auf dem M’era Luna in Hildesheim vor zwei Jahren, samt und sonders zu Triumphzügen der Lakaien wurden. Dabei scheint sich der drei Jahres-Rhythmus, in dem Deine Lakaien ihre Alben veröffentlichen, mehr als bewährt zu haben, wie ein gutgelaunter Alexander Veljanov uns beim vorletzten Interviewtermin zur Promotion des neuen Albums telefonisch verriet.
>> Das ist nichts neues bei uns. Wenn du überlegst, 1993 „Forest Enter Exit“, 1996 „Winter Fish“, 1999 „Kasmodiah“, 2002 „White Lies“, 2005 „April Skies“ … das waren eigentlich immer drei Jahre und insofern regelmässig. Das ist schon ein richtiger Turnus. <<
Mit „Kasmodiah“ und „White Lies habt ihr eine starke Medienpräsenz erfahren, auch und vor allem auf VIVA und MTV. Wir hat sich diese Präsenz auf euer Privatleben ausgewirkt?
>> Damals, als die Platten halt aktuell waren, ist es schon so gewesen, dass man ständig angesprochen und erkannt wurde. Das legt sich aber dann auch wieder und gerät in der Zwischenzeit etwas ins Vergessen. Es hält sich aber schon in einem überschaubaren Rahmen, so dass es nicht unangenehm wird. Das kann jetzt aber natürlich wieder zunehmen. Das ist nunmal der Nebeneffekt wenn man Erfolg hat. Es wäre schlecht, wenn das jetzt alles kein Erfolg wäre. <<
Respektieren die Fans die Privatsphäre und euer Privatleben, oder gab es auch richtig schlechte Erfahrungen mit zu aufdringlichen Fans?
>> Erwachsene Menschen sind dann doch weniger aufdringlich. Die Leute, die uns kennen, sind in der Regel ja auch keine Menschen, die nun irgendwie doof wären. Das Kelly Family Syndrom ist bei uns nicht vorhanden. Das wäre ein Alptraum. <<
Nun leben sowohl Ernst als auch du in Berlin bzw. München, was natürlich bis zu einem gewissen Grade schon für ein höheres Maß an Anonymität bürgt.
>> Ich weiss nicht, ob es auf dem Land nicht auch anonym ist. Klar, in einer Kleinstadt kennt einen jeder, aber Berlin besteht ja auch aus lauter Kleinstädten, wo jeder Stadtteil so für sich steht. <<
Kommen wir auf das Album zu sprechen. Was verbindet ihr mit dem Titel des Albums, „April Skies“? „White Lies“ klang für mich alleine schon vom Titel her kalt und abweisend, während „April Skies“ sehr viel wärmer und offener klingt, was sich auch in den Songs widerspiegelt, wie ich finde.
>> Mit dem Aprilhimmel assoziiert man ja sofort unvorsehbare Stimmungs-, Wetter- und Farbenwechsel. Bei uns hat das Album den Eindruck hinterlassen, dass die Stimmung sich von Song zu Song ändert. „Whie Lies“ war ein Album, das mehr nach innen gerichtet war und so vor sich hin floss. „April Skies“ ist sehr viel energiegeladener und geht in alle Richtungen, finde ich. So ein Aprilhimmel hat ja auch so etwas unvorhersehbares. <<
„White Lies“ schien mir, soweit ich das anhand der mir vorliegenden verkürzten Songausschnitte beurteilen kann, sperriger und nicht ganz so zugänglich. Habt ihr mit „April Skies“ bewusst den Versuch unternommen etwas offener zu werden? Soweit ich informiert bin, haben die Tourmusiker sich auch in die Aufnahmen mit einbringen können.
>> Nicht in das Songwriting, aber in die Aufnahmen. Wir haben die komplette Live-Band im Studio gehabt und so haben wir verstärkt Streicher und viel mehr E-Gitarren auf dem Album, was natürlich auch den Charakter etwas prägt. Persönlich kann ich die enuen Sachen nach der ganzen Zeit im Studio noch so gar nicht richtig beurteilen. Ich habe auch schon so viele unterschiedliche Meinungen dazu gehört. Bei „White Lies“ habe ich eher so ein Ruhegefühl empfunden, während „April Skies“ doch schon um einiges aufregender ist, finde ich. Nicht besser, aber aufregender. „Ich mag „White Lies“ sehr gerne, das neue gefällt mir auch und ich bin sehr zufrieden damit und ich finde es für eine Band, die schon so lange zusammenarbeitet, erstaunlich frisch. Vielleicht, weil wir diesmal so zusammengearbeitet haben und mehr Sachen ausprobiert haben, die wir vorher nicht so geamcht haben. <<
Woran machst du diese Frische für dich fest?
>> Am Gesang natürlich, denn ich singe sehr unterschiedlich auf dem Album. Ein Song wie „Supermarket“ war für mich vom Gesang her ein ganz neuer Ansatz. Auf der anderen Seite ist es extrem extrovertiert. „Through The Hall“ oder „Midnight Sun“ sind auch ziemlich straight nach vorne. „Over And Done“ ist auch so sehr energiegeladen, dann gibt es aber so ganz elegische Momente wie das französische Stück oder „Slowly Comes My Night“. Es ist sehr unterschiedlich und beinhaltet sehr viel verschiedene Farben. <<
Ernst und du, ihr lebt weit voneinander entfernt. Du in Berlin, Ernst in München, wie schafft ihr es also, diese unterschiedlichen Stimmungen und Erfahrungen, die jeder für sich macht, so harmonisch zusammenzubringen?
>> Man fängt an Material zu sammeln, beginnt zu arbeiten und sieht, was gut läuft und was interessant klingt. Wir hatten auch sehr viel Material, von dem wir vieles nicht auf’s Album nehmen konnten, weil eine gewisse Grenze nicht überschritten werden sollte, was die Länge betrifft. Wir arbeiten schon so lange zusammen, dass wir da gar nicht mehr darüber nachdenken. Wenn sich etwas ergibt, dann macht das auch Sinn. Es ist nach so einer langen Zeit ja auch die Frage, ob man ünerhaupt noch was zusammenbringt, was Sinn macht. Jetzt die Arbeit war doch sehr fruchtbar. <<
Worin siehst du dann den Anteil, den die Tourmusiker mit in das Album eingebracht haben, wenn sie nicht in das Songwriting an sich integriert waren?
>> Das bezieht sich schon auf das Arrangement. Jeder hat seine eigene Handschrift und seinen eigenen Stil und hat auch Vorschläge eingebracht, aber beim Songwriting selbst hatten sie keinen Einfluss. Das haben wir, wie immer, alleine gemacht. <<
Wann und wie habt ihr an „April Skies“ gearbeitet? Ihr habt damals die letzte Tour in zwei Teilen absolviert, was sicher sehr zeitintensiv gewesen ist.
>> Jeder hat dann erstmal für sich seine eigenen Sachen gemacht, und dann haben wir im Mai die ersten Songs gemacht, dann wieder Pause und dann immer wieder Mal zu Festivalauftritten getroffen. Dann haben wir hier nochmal die Endphase gehabt, die grosse, und dann die reine Produktion. Das hat schon ein paar Monate in Anspruch genommen. <<
Wo habt ihr „April Skies“ aufgenommen?
>> Wie immer in München, während die Musiker in Berlin waren und ich zum Schluss einen Teil der Gesangsaufnahmen in Berlin gemacht habe. <<
Das endgültige Cover habe ich leider noch nicht sehen können, aber für „Kasmodiah“ und auch „White Lies“ fiel auf, dass ihr sehr intensiv mit Farben gearbeitet habt. Setzt sich dies auch auf „April Skies“ so fort?
>> Das haben wir dieses Mal etwas zurückgeschraubt. <<
Seinerzeit habt ihr mit einem sogenannten Art Director zusammengearbeitet, wobei ich mir schon damals die Frage gestellt habe, warum solch eine erfolgreiche und erfahrene Band wie Deine Lakaien die Hilfe eines Art Directors in Anspruch nimmt.
>> Das klingt so hoch gestochen, aber so nennt man das heutzutage. Das ist ein Freund von uns, der die Fotos gemacht und das Video konzipiert hat. Er hat auch das ganze Artwork gemacht, die ganze Graphik für die Tonträger. Die ganze Kamapgne und die ganzen Anzeigen, das war alles wie aus einem Guss. Wir hatten ihn dieses Mal auch wieder als Graphiker, aber er hat beispielsweise nicht die Fotos gemacht. Wir wollten nicht, wie bei „White Lies“, das alles aus einem Guss ist. Selbst bis ins Video hinein. Wir wollten es halt wieder etwas lockerer. Er hat auch mit dem Video nichts zu tun, das haben wir selbst erarbeitet. <<
Dabei klingt der Begriff des Art Directods so, als ob man ein Image kreieren und verkaufen würde.
>> Na klar, er hat eine Firma und macht das auch für andere Künstler, aber eben nicht für uns. Wir sind freundschaftlich verbunden und er macht uns seine Vorschläge, wo wir uns dann das aussuchen, was uns am besten gefällt. Aber das gibt’s ja leider auch, diese Reissbrettprodukte. Aber dazu zählen wir ja nicht. <<
Für „White Lies“ hattet ihr zum Teil politische und soziale Themen mit Bezug zur Genmanipulation oder zur Stammzellenforschung. Habt ihr auf „April Skies“ auch Texte mit solch einem politischen Bezug?
>> Nicht so deutlich. Diese direkten Bezüge zu sozialen Themen wie bei „White Lies“ sind dieses Mal nicht vorhanden. <<
Gab es dieses Mal keine Themen, die es wert gewesen wären zu bearbeiten?
>> Das haben wir gar nicht so bewusst entschieden. Man hat in der Vorbereitungsphase so viele Texte, dass man gar nicht weiss, ob das Stück letztendlich ein gutes Lied werden wird. Ich weiss gar nicht. Es ist sicher nicht so, dass wir sagen, wir brauchen jetzt noch ein Stück, das gesellschaftskritisch ist. Das machen wir einfach nicht. <<
Kunst, Texte oder Musik sind immer auch ein Spiegel des gesellschaftlichen Zeitgeistes oder persönlicher Erfahrungen. Gab es daher dieses Mal vielleicht einfach keinen Anlaß, sich solch einem Thema zuzuwenden?
>> Jeder macht natürlich seine Erfahrungen und hat seine Lebenskrisen oder besonders positive Momente fliessen immer ein, aber darüber rede ich ungerne. Ich glaube für mich, dass es wichtiger ist, dass eine Stimmung, die transportiert wird, bei den Menschen etwas bewirkt. Was es bewirkt, das sei jedem selbst überlassen. Meine ursprüngliche Intention bei einem Lied muss ja nicht das sein, was der Zuhörer, der die Musik mag oder sich damit beschäftigt, sich da dann herausholt. An Energie, oder was immer er auch sucht. Ich bin nicht derjenige, der sagt: „Hör zu, in diesem Lied möchte ich dir erklären, warum im Land XY der Mensch das und das gemacht hat“. Das ist so, als wenn ich mir Blder ansehe. Da habe ich auch eine gewisse Freiheit das zu sehen, was ich sehen will, und das auch entsprechend zu interpretieren. <<
Es gab in der Vergangenheit aber immer auch Texte wie „Wunderbar“, die mit einem leichten Augenzwinkern vershen waren.
>> Ja, das Lied war eine Strassenlaterne gewidmet. Wir sind also nicht humorlos (schmunzelt). <<
Was man bei einer „Vorzeigegruftband“, als die ihr ja gerne dargestellt werdet, kaum vermuten würde.
>> Jaha, das kommt erst auf den zweiten Blick. Diesmal wird das aber noch weniger deutlich, eigentlich gar nicht. „Take A Chance“ ist so ein bisschen mit einem Augenzwinkern ein Lied für uns, mit uns, über uns als Band. Was wir für viele bedeuten oder bedeutet haben, so als Dark Wave Stars. (grinst) <<
Fühlt ihr euch als solche?
>> Die ganzen Klischees, die man uns so angeheftet hat, vor allem mir, so als Vorzeigegruft. Mit uns und ein paar anderen Kollegen hat diese Zeit ja begonnen. Wir haben nie wie andere Bands geklungen, weil niemand so klang wie wir. Ich glaube, das ist unser grosses Plus. <<
Gibt es in der Rückschau auf eure Anfangstage Momente, die du heutzutage vermisst?
>> Oh ja. Natürlich. Man wird ja auch melancholisch und wer wäre nicht gerne nochmal zwanzig, auch wenn es vielleicht schrecklich ist. Einfach nur mal so, für eine Woche. Aber es ist ja auch schrecklich, diese Ungewissheit. Das kann man ein ganzes Leben lang ja gar nicht aushalten. Diese Phase im Leben, wenn man noch gar nicht weiss, was aus einem wird. Wenn man Wünsche und Sehnsüchte hat und sich vorstellt, dass man Musik machen möchte. Andere wollen Fussballer werden, oder Weltraumforscher, oder was auch immer … Dann diese Zweifel, gerade wenn man sich für eine Sache entscheidet, die in der Gesellschaft eben als Spinnerei abgetan wird oder als „das schafft doch sowieso niemand“. Es ist verdammt schwer da den Mut und die Kraft aufzubringen, wenn man nicht vollkommen selbstwertübersteigert ist. Wir sind immer sehr selbstkritische Leute gewesen und es war knapp. Ich hätte auch aufgegeben, wenn es damals nicht bald funktioniert hätte. Ich wäre wahrscheinlich lieber Regisseur geworden, aber es hat ja dann doch mit der Musik geklappt. Auf die Bühne wollte ich eigentlich nie. Da musste man mich eher hochschubsen. <<
Und doch ist die Musik letzten Endes zu deinem Beruf geworden.
>> Ernst war ja schon klassicher Musiker, der an Theatern und Opernhäusern gearbeitet hat. Das ist somit natürkich zum Beruf geworden, aber ich sehe darin nichts negatives. Es gibt ja nichts schöneres, als wenn man sein Hobby – ein blödes Wort, aber es gibt kein deutschen Pendant dafür, Steckenpferd wäre da noch schlimmer -, seine Leidenschaft, das,was einem wirklich etwas bedeutet, zum Beruf macht, damit seinen Lebensunterhalt bestreitet und dadurch seine Familie ernähren kann. Das ist ein Geschenk. <<
Man muss dabei aber immer auf seine Kreativität vertrauen und hoffen, dass sich diese im Laufe der Zeit nicht verliert.
>> Ja, sicher. Manchmal denkt man sich schon „ach wäre das schön, wenn ich jeden Tag in die Bank zur Arbeit gehen könnte“. So von 8 Uhr bis nachmittags um 17 Uhr, anstatt immer alles mit Emotionen zu belasten und zu verknoten und seltsamen Anspannungen wie Tourkoller, den man halt so kriegt, oder diese Schwarzen Löcher, in die man halt so fallen kann, wenn man etwas besonders intensives erlebt hat. Oder die Momente, wo dein Adrenalinhaushalt so durcheinander gewirbelt wird, oder jeden Abend diese unglaubliche Anspanung und diese Glückshormone die ausgeschüttet werden, wenn es gut läuft, wo man dann bald die ganze Nacht brauch, um wieder auf ein normales Level zurückzufahren. Wenn das dann aufhört, ist das so, als ob man an die Wand geschmissen wird. Mnachmal wünschte ich mir schon, ein ganz normaler Bürger mit einem ganz normalen bürgerlichem Beruf zu sein, aber man kann nicht alles haben. <<
Wobei man sich natürlich schon diue Farge stellen muss, ob man dann glücklicher wäre.
>> Ich weiss es nicht. Wenn man richtig unglücklich ist, dann macht man irgendwann auch was anderes, oder man geht ein. Es gibt ganz viele von diesen unglücklichen Menschen, die so alt sind wie ich, die stundenlang an ihre Rente denken. Das finde ich schrechlich, ganz schlimm. <<
Also Menschen, die keine Perspektive besitzen oder für sich selbst keine Perspektiven zu erkennen glauben. Wo ist eure Perspektive für die Zukunft?
>> Naja, so ganz an der Oberfläche gesehen, haben wir nächstes Jahr unser Jubiläum und grosse Pläne dafür. Mit Symphonieorchestern Konzerte spielen. Jetzt mit der Veröffentlichung erstmal möglichst erfolgreich sein. Ich bin jetzt auch nicht derjenige der sagt: „Kunst ist Kunst, und Geld ist Geld“. Ich will auch Geld verdienen und unbekümmert in die Zukunft gucken, weil man dann auch ganz unbeschwert arbeiten kann. Du weißt ja auch, dass wir uns immer gegen allzu blöde Mediendinge gesperrt haben. Ich mach nicht alles um bekannt zu werden und hab auch nie Skandale inszeniert. <<
Was euch die Fans ja auch honorieren. Wie siehst du eigentlich eure Fans? Sind sie gemeinsam mit euch gewachsen, oder habt ihr, vor allem nach der Medienpräsenz auf MTV und VIVA, viele neue Fans hinzugewonnen?
>> Wir haben sicher viele hinzugewonnen, aber es ist natürlich auch so, dass die Leute uns oft erst spät entdecken. Dead Can Dance zum Beispiel sind ja auch eine Band, die immer wieder neues Publikum angezogen hat, aber auch über ein sehr altes Publikum verfügt. Die sind zum Teil soagr fünfzig bis sechzig, und das gilt für uns ähnlich. Wir haben ein sehr breit gefächertes Publikum was das Alter betrifft. Der Grossteil ist sicher um die dreissig. Leute, die uns in ihrer Jugend entdeckt haben und die jetzt natürlich auch alle zehn Jahre oder mehr älter geworden sind. Aber, es wachsen immer wieder neue Fans nach. Ich mein, wir behängen uns ganz sicher nicht mit Gruftie-Symbolen. Das sollen andere machen, wie mehr Wert auf’s Image und nicht so sehr auf die Musik legen. Auf den ganzen Wirbel drumherum, den man da so veranstalten kann. Wir haben uns Frauen auf die Bühne gestellt, weil sie gute Musikerinnen sind und sehen daneben auch noch gut aus, aber wir sagen nicht, dass sie jetzt in Lack Plateaustiefeln und Miedern auf die Bühne gehen müssen, so wie das andere tun, die keinen Wert darauf legen, ob diese Frauen auf der Bühne Musikerinnen sind. Die müssen einfach nur irgendwie sexy sein. Das ist auch das allerschlimmste im Undergroundbereich: diese völlig ordinäre und vulgäre Entwicklung. Man denkt immer, das wäre eine Sache der Dieter Bohlens dieser Welt, aber das machen irgendwelche Gruftie-Bands genauso. <<
Wobei wir beim Thema der zunehmenden Kommerzialisierung der Schwarzen Szene angelangt wären.
>> Die wird vollkommen ausgeschlachtet durch diese grossen Majorfirmen. <<
Womit die Identifikation mit der Szene natürlich abnimmt oder zum Teil auch ganz auf der Strecke gebleiben ist. Gibt es aus deiner Sicht diese Szene überhaupt noch?
>> Das ist mittlerweile ein Massenphänomen, zumindest diese weichgespülten Pop-Versionen. Wenn du dir anguckst, dass eine Casting-Band auf Gruftie macht, dann bekommt man doch das Kotzen, oder? Wenn du dann guckst, wer dahinter steckt. Dann kriegst du erst zweimal das Kotzen. Dieser Nena-Typ, der in den Achtzigern schon Scheisse gemacht hat. Jetzt hat er immer noch nicht genug Geld ins einen Arsch geschoben bekommen, dass er jetzt eine Casting-Band nach der anderen verwursten muss. <<
Einer der Songs des neuen Albums heisst „Vivre“, also Leben. Ist das auch ein Motto für euch als Band? Mehr als nur ein schönes Wort, das es mit Leben zu füllen gilt?
>> Ich hoffe, ich habe das getan. Bislang waren alle Franzosen, mit denen ich gesprochen habe, recht angetan davon, dass es so überzeugend klang und meine Aussprache wohl auch nicht die schlechteste war. Das beruhigt, denn es war schon recht mutig, das so zu machen. Das Stück ist auch erst ganz zum Schluss entstanden, aber ich wollte es einfach in Französisch haben. Bei der Musik, die mir Ernst dargeboten hat, schien mir Englisch einfach nicht zu passen und ich habe mir gedacht, dass das Lied eigentlich nach einem französischen Text schreit. Durch die Reaktionen fühle ich mich auch bestätigt. Das Lied ist der Versuch in Worte zu fassen, was das Leben bedeuten kann. Eine Art Liebeslied an einen anderen Menschen, sage ich mal. <<
Sowohl Ernst als auch du habt Kinder. Würdest du ihnen empfehlen und sie dabei unterstützen, den Beruf des Musikers einzuschlagen?
>> Nein! Als Beruf nicht. Gut, wenn der Wunsch da ist, dann kann man nichts daran ändern, aber bei diesen Verlockungen, die dieses Business bietet, in fünf Minuten der grosse Star zu sein … da muss man schon aufpassen. Ich sehe da keine grossen Probleme, aber ich wäre ganz froh, wenn anderen das erspart bleibt, dieser Weg. Es gibt sicher andere interessante Berufe, die weniger nervenaufreuíbend oder riskant sind. Man darf nicht vergessen, wieviele Musiker auf der Strecke bleiben, weil sie nicht berühmt werden, oder weil sie zu berühmt werden. Die Liste an Selbstmorden oder Selbstzerstörungen ist so lang wie in kaum einem anderen Beruf. Nicht wahr … <<
Wie sieht es aus mit weiteren Soloprojekten?
>> Ich arbeite schon ganz fleissig daran und vielleicht gibt es dieses Jahr auch wieder ein neues Solo-Album von mir. <<
Und vielleicht einen Auftritt auf dem Wave Gotik Treffen?
>> Wie kommst du denn darauf (ziemlich verblüfft)? Es ist angefragt, aber ich weiss nicht, ob ich es schaffe. <<
http://www.deine-lakaien.com
Michael Kuhlen


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