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MAGAZIN :: Index: 'D' :: DARK TRANQUIL ....

DARK TRANQUILLITY
OUR BAND IN THE MIDDLE OF OUR STREET
Dark Tranquillity gehören mit zu den Begründern der sog. Göteborg-Schule. Allerdings hören die Jungs diesen, von der Presse geprägten Begriff, gar nicht gerne, weshalb man ihn in Interviews tunlichst vermeiden sollte. Aber egal wie man den Sound nun auch bezeichnen mag, Dark Tranquillity gehören zu den Top Bands des melodischen Death Metals. Kaum eine Band versteht es dermaßen gut Brutalität und Melodie zu einer Einheit zu verschmelzen. Höre ich da den Namen In Flames? Klar, nach dem Ausstieg von Sänger Anders Friden bei Dark Tranquillity im Jahre 1993 und seinem Einstieg bei In Flames, gehörten auch Letztere zu den Highlights am Melodic Death-Himmel. Aber während In Flames seit "Whoracle" in nichts sagender Kommerzialität versumpfen, haben Dark Tranquillity nach dem eher bescheidenen 99er "Projector"-Werk (ihrem Einstand auf Century Media) die Kurve bekommen und legen wieder ein Hammeralbum nach dem anderen vor. Am 24. Januar 2005 wird mit dem siebten offiziellen Studioalbum - schlicht "Character" betitelt - ein weiteres Mega-Scheibchen den (Death) Metal-Markt im Sturm erobern. Da bin ich mir sicher. Kurz vor Weihnachten weilten Gitarrist Niklas Sundin und Sänger Mikael Stanne nach Aufenthalten in Belgien, Frankreich und England im Dortmunder Century Media-Büro um die Promotion für ihr neues Album anzukurbeln. Grund genug für mich, meinen Sonntag statt auf der Couch in eben jenem Office zu verbringen.
Niklas, Mikael, herzlichen Glückwunsch zum neuen Album "Character", welches wirklich ein kleines Meisterwerk geworden ist. Verglichen mit dem Vorgänger "Damage Done" (2002) ist "Character" wieder härter aber auch wesentlich technischer geworden. Wie seht ihr das?
>> Ja, du hast absolut Recht. Auf "Character" passiert sehr viel, es gibt andauernd etwas Neues zu entdecken. Das Album ist nicht zu einfach gehalten, nicht zu eindimensional, so dass es auch nicht schnell langweilig wird. Es gibt viele Alben bei denen du denkst „Wow! Grossartig!“, aber nach zwei Wochen hast du sie vergessen, weil nichts hängen bleibt, mit dem du dich beschäftigen könntest. Wir glauben, dass "Character" mehr Spaß macht, weil es komplexer ist und der Hörgenuss länger anhält. Wir haben schon irgendwo bei „Damage Done“ angesetzt, wollten dessen Vibe beibehalten, es aber gleichzeitig härter und interessanter gestalten. Komplexer und weniger vorausschaubar. Das dürfte uns gelungen sein. <<
" Character" ist Dark Tranquillitys siebtes Studioalbum in den 16 Jahren des Bandbestehens. Was glaubt ihr, inwiefern "Character" euch weiter nach vorne bringen kann?
>> In solchen Terminologien denken wir nicht. Wir versuchen einfach das beste Album zu machen, das wir hinkriegen können. Jeweils bezogen auf die Möglichkeiten sowie den Wissens- und Erfahrungsstand den wir zu diesem Zeitpunkt haben. Natürlich hängt der „kommerzielle“ Erfolg letztendlich auch von der Plattenfirma ab. Wie weit wollen und können diese sich einsetzen? Was läuft an Promotion? Gibt es eine Tour zum Album? Wo, mit wem und in welchem Umfang? Besteht zusätzlich die Möglichkeit auf Festivals aufzutreten? Natürlich möchte man sich als Band weiterbringen und mehr als mit der letzten Platte erreichen, aber das ist nicht unsere eigentliche Intention. Für uns ist es einfach wichtig, das zu diesem Zeitpunkt bestmögliche Album aufzunehmen. <<
Lasst uns in diesem Zusammenhang mal über euren Deal sprechen? Ihr habt euren Vertrag mit Century Media gerade erneuert?
>> Ja, das ist richtig. Wir haben für drei weitere Alben - das umfasst auch das jetzt erscheinende "Character" - unterschrieben. Century Media behandeln uns wirklich gut. Sie sind sehr offen und – was sehr wichtig ist – sie stehen auf unsere Musik und sie stehen hinter uns. Sie setzen sich voll für uns ein. Und wir haben absolute Freiheit. Sowohl in künstlerischer Hinsicht, was die Musik oder das Cover betreffen, als auch was sonstige Dinge angeht. Wir benötigen z.B. immer relativ viel Zeit für unsere Alben. CM kommen gar nicht auf die Idee von uns zu verlangen jedes Jahr ein neues Album einzuspielen. Sie haben absolutes Verständnis für unsere Bedürfnisse als Band und die Kommunikation läuft exzellent. Aber wir wären natürlich blöd gewesen, uns nicht anzuhören was andere Labels uns zu offerieren hatten. Also haben wir bzw. unser Management die verschiedenen Angebote gecheckt und miteinander verglichen. Es hat natürlich etwas gedauert alles abzugleichen und manche Angebote auszusortieren, aber diese Zeit mussten und wollten wir uns nehmen. Aber das Ergebnis war einfach. Wir fühlen und wohl bei Century Media und der Deal ist fair. <<
Bevor „Character“ nun am 24. Januar erscheint, habt ihr mit „Lost To Apathy“ erstmal eine EP auf den Markt geschmissen. Das erste Mal in eurer Karriere.
>> Ja, lach…das ist wohl so eine Art "Pop-Unsitte". Vorab eine EP und dann am besten noch ein Video. Wir hatten vorab gar keine Ahnung was wir selbst davon erwarteten, aber wir dachten, es wäre an der Zeit etwas neues auf den Markt zu werfen, damit die doch ungewöhnlich lange Wartezeit bis zum Album für die Fans etwas verkürzt wäre. Jeder in unserem Umfeld war von der Idee recht angetan und letztendlich war es eine coole Erfahrung. Und es funktioniert. Die Charts erwarten uns…*lach*. <<
Als ihr in 1989 angefangen habt, war Anders Friden, jetzt In Flames, noch euer Frontmann. In Flames werden ja - wie auch ihr - dem melodischen Death Metal zugerechnet und beide Bands haben diesen Stil Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger mitbegründet. Trotzdem gibt es erhebliche Unterschiede zwischen beiden Bands. Ich sehe In Flames doch wesentlich mehr mainstream-orientiert, während eure Musik doch viel komplexer klingt.
Niklas: >> Ja, das stimmt. Die Leute vergleichen uns natürlich immer wieder, da beide Bands zu den Vorreitern dieses Genres gehören. Aus meiner Sicht sind beide Bands aber doch sehr verschieden, sowohl was den Sound, die Musik oder die Texte als auch alles andere angeht. Und das nicht erst in den letzten paar Jahren, sondern schon seit unseren Anfangstagen. <<
Mikael: >> Die Leute sagen ja auch, dass diese Gothic (Metal) Bands sich alle gleich anhören. Das ist natürlich völliger Blödsinn. <<
Könnt ihr eigentlich mittlerweile von der Musik leben?
>> Nein, wir haben alle noch Jobs…manchmal zumindest. Aber die Tatsache, dass wir noch den üblichen Jobs nachgehen, gibt uns letztendlich auch mehr (musikalische) Freiheiten. Wir müssen nicht von den Plattenverkäufen leben und wir sind auch nicht gezwungen jedes Jahr eine neue Scheibe herauszubringen. Wir können uns mit dem Songwriting viel mehr Zeit lassen, so viel Zeit, bis wir meinen die vorhandenen Songs sind ausgereift genug um ins Studio zu gehen. Deshalb sehen wir das grundsätzlich eher als Vorteil an, ein „doppleltes“ Einkommen zu haben. Es macht uns schlicht unabhängiger. <<
Ihr habt ja schon Ende der Achtziger mit Dark Tranquillity bzw. dem Vorläufer Septic Broiler begonnen. Glaubt ihr, dass es heutzutage schwieriger ist die Spitze zu erreichen und letztendlich auch von der Musik leben zu können?
Mikael: >> Die Leute denken oft, dass es das erklärte Ziel einer Band sein müsste von der Musik zu leben. Das ist es aber nicht. Zumindest nicht bei uns und auch nicht bei vielen andere uns bekannten Bands. In den allermeisten Fällen ist es auch gar nicht möglich. Dafür sind die Märkte – gerade auch im Metalbereich – viel zu klein. Wer kann denn auch allen Ernstes die Vorstellung haben eine Death Metal Band zu gründen und dann von der Musik leben zu können? (beide lachen) <<
Niklas: >> Wenn du dir wirklich vornimmst von der Musik zu leben, dann ist es eine unabdingbare Voraussetzung, dass du alle 12 oder mindestens alle 18 Monate ein Album veröffentlichst. Du musst jede Konzertanfrage, jede Buchung akzeptieren und irgendwann wirst du anfangen deine Musik zu kommerzialisieren. Dich den Erwartungen des Marktes und der Einflussnahme der Plattenfirma, der Medien, der Musiksender zu öffnen...um überhaupt überleben zu können. Diese ganze Last des Marketing-Bullshits klappt wie eine riesige Welle über dir zusammen. Diese Freiheit wie wir sie haben, z.B. nur im Schnitt alle zwei Jahre ein neues Album auf den Markt zu bringen wäre weg. Wenn wir neue Songs schreiben oder über eine Tour oder eine Festivalbuchung nachdenken, so müssen wir eigentlich nur unsere eigenen Interessen berücksichtigen. Unsere Erfolge, Albumverkäufe, Tourbesucher etc. lassen sich sehen, aber das ist eigentlich nur der Bonus zu unserer künstlerischen Freiheit. <<
Okay, lasst uns bei der Frage mal den Passus "von der Musik leben" herausnehmen. Letztendlich verfügen Dark Tranquillity aber über einen Deal. Und das schon seit Jahren. Dem gegenüber gibt es aber Unmengen von Bands - die trotz unbestrittener Klasse - einfach keinen (guten) Deal finden können und sich entweder frustriert auflösen oder vielleicht alles selbst realisieren.
>> Ja, es ist natürlich für eine junge Band heutzutage wirklich nicht einfach. Du musst eine junge Band behutsam aufbauen, Geld in sie investieren um den Bekanntheitsgrad zu fördern. Viele Labels scheuen dieses Risiko, was wirklich schade ist. Aber das ist der Grund warum viele Bands selbst aktiv werden und alles auf eigene Faust machen müssen. Eigenproduktionen veröffentlichen oder mp3s auf ihrer Homepage installieren. Klar, sich so in der heutigen Zeit einen Namen zu machen ist nicht gerade einfach. Das finde ich sehr schade, weil einige gute Musik dabei bestimmt untergeht. Aber so ist es nun einmal. <<
Mit "Character" ist mir etwas passiert, was für ein volles Album - zumindest bei mir - eigentlich recht untypisch ist. Und zwar könnte ich keinen einzigen eurer Songs mit Titel benennen, was daran liegt, dass keiner besonders heraus sticht. Es ist ein Album wie aus einem Guss. Highlights finden sich - für mich - nicht, vielmehr sind alle Songs auf einem verdammt hohen Level angesiedelt. Unbenommen der kompositorischen Klasse die das bedingt, interessiert mich jetzt natürlich eure Arbeitsweise. Wann habt ihr begonnen die Songs zu schreiben und wie lange habt ihr gebraucht?
>> Schön, dass du das so empfindest. Um genau zu sein, hatten wir einige der Basics schon vor “Damage Done” fertig. Nach der Fertigstellung von “Damage Done” haben wir dann weitere Ideen gesammelt, hier mal ein Element, dort mal ein Riff. Aber die eigentliche Arbeit ging erst los als wir uns im Proberaum getroffen haben und die Ideen zu Songs zusammengeschustert haben. Ein Grund für die durchgehende Qualität der Songs mag unsere grundsätzliche Arbeitweise sein. Wir schreiben nicht 15 Tracks und nehmen dann die besten 10 um sie auf das Album zu packen. Auf „Character“ sind 11 Songs und das ist auch die Anzahl der Songs die wir komponiert haben. Wir feilen so lange an jedem einzelnen Song bis wirklich alle sechs Bandmitglieder damit zufrieden sind. Erst dann wird der nächste Song in Angriff genommen. Letztendlich bestätigen die Fans uns in dieser Arbeitweise. Das Feedback was wir z.B durch das Internet bekommen, zeigt, das die Fans sehr verschiedene Lieblingssongs haben. Es konzentriert sich nie – von der Masse her gesehen – auf nur zwei oder drei Songs. Jeder einzelne Song ist irgendjemandes Lieblinssong und das finden wir toll, denn das ist es was wir auch erreichen wollen und was für die grundsätzliche Qualität der Songs und der Band spricht. Die Konstanz!! Das ist übrigens eine Arbeitsweise wie sie auch einige unserer eigenen Lieblingsbands präferieren. <<
Niklas, du bist nicht nur Musiker, sondern lebst deine kreative Seite auch als Maler bzw. Designer aus. Einige durchaus bekannte Metal-Acts, nicht zuletzt deine eigene Band, haben ihr Covermotiv von dir. Kürzlich hab ich ein Werk von dir aber auch auf dem Cover einer ungarischen Underground-Band gefunden (Anm.: Die Band AGREGATOR - vgl. bei den Importen). Der Gitarrist erzählte mir, dass sich mit der Verwendung eines deiner Cover ein Traum für ihn erfüllt hätte. Zwar sei der Deal für ungarische Verhältnisse sehr teuer gewesen, aber der Kontakt mit dir sei sehr gut und sehr fair gewesen. Stellt sich die Frage, wie viele deiner Werke noch auf den CDs von mehr oder minder unbekannten Bands zu finden sind.
Niklas: >> Oh, mittlerweile wohl schon einige denke ich. Inzwischen habe ich wohl schon rund 150 Albumcovers kreiert, was wahrscheinlich einfach zu viel ist. Auf jeden Fall mehr als ich jemals erwartet hätte. Was den Verkauf dieser Designs angeht, so interessiert es mich nicht sonderlich, ob die Band etabliert oder gar berühmt ist oder nicht. Ich finde es toll, wenn eine Band bereit ist, sich selbst und ihre Musik zu pushen und dabei auch keine Kompromisse eingeht, sei es nun bei der Musik selbst oder beim Artwork. Ich muss natürlich einen gewissen Preis erzielen, darunter kann ich nicht gehen. Aber es ist mir letztendlich egal wie bekannt die Band ist. <<
Also ist es relativ einfach einen "echten" Niklas Sundin auf das Cover zu bekommen? Machst du es von der Musik abhängig bzw. kennst du die Musik dieser Bands überhaupt?
Niklas: >> Es ist hilfreich und oft auch interessant, zumindest eine Vorstellung von der Musik der Bands zu haben. Was für ein Image sie haben, wovon ihre Texte handeln und so. Je mehr ich weiß, desto eher kann ich das Cover auf sie zuschneiden oder ihnen von den bereits vorhandenen eines empfehlen. Ich gehe total in meiner Arbeit, der Musik und dem Designen auf, weshalb ich es natürlich viel besser finde, wenn das Cover auch zum Inhalt, der Musik, den Lyrics, dem Charakter der Band passt. Aber schlussendlich ist es egal, ob mir die Musik gefällt oder nicht. Es hilft...aber es ist nicht wirklich erforderlich. <<
Du scheinst eine sehr kreative Person zu sein. Du spielst Gitarre, du schreibst Songs, du arbeitest als Maler bzw. Designer. Die meisten Menschen beschränken sich auf eine Kunstform. Bei dir ist das anders. Warum?
Niklas: >> Ich habe schon gezeichnet, lange bevor ich angefangen habe Musik zu machen. Ich weiß nicht wie es bei anderen Leuten ist, aber mir macht beides unendlich viel Spaß und ich habe einfach beide Chancen genutzt, mit dem was mir Freude bereitet auch noch Geld zu verdienen. Aber ich glaube ich bin da auch kein Einzelfall, es gibt einige Musiker die auch in der visuellen Kunst etwas machen. Also bin ich nicht mit übernatürlichen Kräften ausgestattet. Ich mache einfach was mir Spaß bereitet und nutze meine Chancen. Und ich bin sehr ambitioniert und arbeite sehr hart an mir um ein professionelleres Level zu erreichen. <<
Das Cover von "Character" ist auch von dir. Es zeigt u.a. einen Teil eines Raumschiffs. Gibt es da eine Verbindung zum Titel und/oder den Texten? Wenn ja, welche?
*beide lachen* Niklas: >> Jedem das, was er sehen möchte. Ich versuche dir mal eine kurze Zusammenfassung dessen zu geben, wie dieses Cover entstanden ist. Ich hab mir die Lyrics geben lassen, habe sie sehr gründlich gelesen und mir auch von Mikael seine Ideen dahinter erklären lassen. Dann habe ich versucht sie als Ganzes zu erfassen, eine gemeinsame Linie, einen Bezug herzustellen und habe dann versucht das zu visualisieren. Von Beginn an sollte es etwas Monumentales darstellen. Das war das, was die Lyrics mir aufdrängten. Gleichzeitig sollten viele weitere Elemente darin auftauchen. So kam ich mit der Idee dieser "ewigen Landschaft", verbunden mit einer Art Gehirn. Somit war klar, die ganzen verschiedenen Gebäude mussten grau sein. Diese Kombination von organischen Dingen wie den Insekten, Tentakeln und menschlichen Händen und den mechanischen Bestandteilen der Gebäude selbst, endete letztendlich auf verschiedenen Leveln. Der grauen Stadt und dem rot gehaltenen „Raumschiff“, wenn du es so nennen magst. Das Bild zeigt den Kontrast zwischen der stillen Erhabenheit in dem Monumentalen und den unruhigen Schwärmen im Himmel. Das Bild zeigt das Verhältnis und den Ausdruck der Texte, allerdings auf eine Art und Weise die nicht zu offensichtlich ist und es auch nicht sein soll. Ich finde man verliert zu viel, zu viel Eigenständigkeit, zu viel Spielraum für eigene Interpretationen, wenn etwas zu offensichtlich dargestellt wird. Ich möchte den Betrachtern die Möglichkeit geben Raum für ihre eigenen Betrachtungsweisen zu haben. <<
Wenn ich mir euren Sound so anhöre mit seinen Double Lead Guitars und den Ohrwurm-Melodien, so dürfte Iron Maiden wohl eine der Bands gewesen sein, die euch beeinflusst haben. Da ihr als Death Metal-Band angefangen habt und auch heute noch diesem Genre zugerechnet werden müsst, sind sicherlich auch die frühen Death und Thrash Bands als Einflüsse zu nennen. Was hört hier heute so und was beeinflusst euch ggf. beim Songwriting?
Mikael: >> Wir hören uns eigentlich so ziemlich alles an. Außer Pop-Scheiße. lach Wir haben mit Bands wie Kreator, Sodom, Destruction, Helloween, Blind Guardian und dem amerikanischen Thrash-Sound begonnen und natürlich Iron Maiden. Heute gibt es da so viel mehr was mich z.B. interessiert. Ich höre alles von Power Metal bis hin zu wirklich progressivem Zeug aus den Sechzigern und Siebzigern. Das birgt immer wieder überraschende Momente für mich, vor allen Dingen wenn es um den Gesang geht. Eigentlich mag ich alles an ehrlicher, passionierter Musik...also alles was nicht herzlose Radio- und TV-Musik ist. Musik muss mich inspirieren. <<
Wenn wir also festhalten, dass Iron Maiden ein großer Einfluss für euch war, dann muss es doch eine großartige Erfahrung gewesen sein, die Band beim "Gods Of Metal" in Italien zu supporten, oder?
Mikael: >> Oh ja, das war sicherlich einer der Höhepunkte für uns als Band. Und eine meiner persönlich schönsten Lebenserfahrungen. Es war einfach total überwältigend. Die italienischen Fans sind überhaupt sehr begeisterungsfähig und enthusiastisch. Ich kann mich erinnern, dass wir so um ca. elf Uhr auf dem Gelände anreisten und aus den Lautsprechern Helloween drang. Die Leute haben jedes Stück so laut mitgesungen, dass man denke musste es würde gerade eine Band auftreten. Wirklich beeindruckend. Und den Auftritt von Iron Maiden aus der Menge heraus zu beobachten war nicht minder faszinierend. Die Leute sind wirklich komplett ausgerastet. Und im Februar gehen wir nun mit Kreator auf Tour, mit der Band die den Anstoß zur Gründung von Dark Tranquillity gab. <<
Ihr habt wieder mit Fredrik Nordström im Studio Fredmann aufgenommen? Demnach müsst ihr mit seiner Arbeit sehr zufrieden sein. Habt ihr kein Interesse mal mit jemand anderem zusammen zu arbeiten?
>> Hm…ja und nein. Im Grunde genommen haben wir die Produktion größtenteils allein gemacht. Wir waren sehr gut vorbereitet als es an die Aufnahmen ging. Wir sind rein ins Studio, haben unser Equipment aufgebaut und haben einfach losgelegt. Fredrik hat uns dann hauptsächlich hinterher beim Mix geholfen. Studio Fredman selbst war (auch) erste Wahl, da es nur ein paar Minuten vor unserer Haustür liegt. Was andere Produzenten angeht, so muss man das mal abwarten. Mal sehen, wonach uns beim nächsten Mal zumute ist. Diese Person müsste schon zu uns passen und sich in der Rolle eines siebten Bandmitgliedes wohl fühlen. Wir haben die Angewohnheit sehr lange und sehr hart an den Dingen zu arbeiten. Und wir wissen eigentlich genau was wir wollen. Es ist für einen Außenstehenden nicht einfach sich da einzupassen, unsere Bedürfnisse zu erkennen und sie auch zu erfüllen. Vielleicht wären wir gar nicht in der Lage unsere jetzigen Freiheiten (bei der Produktion) aufzugeben und uns einem Außenstehenden unterzuordnen. <<
Gibt es ein Ziel welches ihr mit Dark Tranquillity noch nicht erreicht habt, welches ihr aber noch anstrebt?
Mikael: >> *lacht* Vielleicht den perfekten Song zu schreiben....Nein, wir geben immer unser Bestes, sei es beim Songwriting, bei den Aufnahmen oder bei Auftritten. Aber wir haben kein Ziel in dem Sinne, das wir eine bestimmte Anzahl an Tonträgern absetzen wollen oder so. Wir lassen einfach die Musik sprechen und fokussieren uns somit auf das was wir am besten können. lach Okay, außer vielleicht neue Länder zu erobern. Ja, das ist natürlich schon ein Ziel von uns. In Ländern zu spielen, in denen wir bislang noch nicht aufgetreten sind. Australien, Russland; Kanada...oh verdammt, das sind noch einige Länder die uns da fehlen. <<
Wird es wieder einige Jahre dauern, bis das nächste D.T.-Album veröffentlicht werden wird?
Mikael: >> Haha, keine Ahnung! Wir sind wieder in derselben Situation wie bei "Damage Done". Im kommenden Jahr werden wir wieder viel unterwegs sein. Es wird natürlich einige Unterbrechungen des Tourlebens geben, aber es würde mich doch sehr überraschen, wenn das nächste Album sehr viel schneller kommen sollte. <<
Niklas: >> Wir müssen mal den nächsten kreativen Prozess abwarten. Im Moment kann ich nicht abschätzen wann das nächste Album kommt oder wie es klingen mag. <<
Lasst uns noch mal zurück in die Vergangenheit gehen. Ihr habt in der gesamten Zeit eures Bestehens - und das sind ja immerhin rund 16 Jahre - gerade einmal zwei Line up-Wechsel gehabt. Bei der Interview-Vorbereitung hab ich noch mal eure 92er Single "A Moonclad Refelection" rausgekramt und auf dem der 7" beiliegenden Textblatt gesehen, das dort die Adressen aller damaligen fünf Mitglieder abgedruckt waren. Und drei davon wohnten doch glatt in derselben Strasse, nur ein paar Hausnummern voneinander entfernt.
>> *lachen beide laut* Genau genommen haben wir sogar alle fünf in dieser Strasse gewohnt, aber zwei von uns (Anm.: einer davon Mikael) sind dann später weggezogen. Ja, wir sind zusammen aufgewachsen und haben wirklich nur einige Meter auseinander gewohnt. Unser Line up ist tatsächlich sehr stabil, immerhin sind vier der fünf Gründungsmitglieder noch immer in der Band. Wahrscheinlich liegt es daran, dass wir sonst keine Freunde haben.(lautes Lachen). Nun, abgesehen von der Tatsache, dass wir uns schon lange kannten, waren wir zu Zeit der Gründung der Band auch allesamt blutige Anfänger an unseren Instrumenten. Und das ist etwas was die Freundschaft und die Stabilität noch gefördert hat. Wir mussten uns alles zusammen erarbeiten. Wir waren und sind noch immer nicht einfach professionelle Musiker. Wir sind eine starke, eingeschworene Gemeinschaft. Wir kennen uns untereinander sehr gut und die Kommunikation innerhalb der Band funktioniert reibungslos. Und egal ob wir Songs schreiben oder auf Tour sind, was wirklich für uns zählt ist, dass wir einfach eine gute Zeit zusammen haben. Nur so macht es für uns Sinn! <<
Ihr habt es bereits angesprochen. Im Februar startet eure Tour mit Kreator (sowie Ektomorf und Hatesphere). Wohin wird es euch 2005 noch verschlagen?
>> Es wird noch zusammen mit Soilwork nach Nordamerika gehen, dann sicherlich für einige Festivals zurück nach Europa, dann noch mal zurück nach Amerika, wieder zurück nach Europa und dann hoffentlich nach Japan. <<
Dann wünsche ich euch viel Erfolg mit "Character" und die anschließenden Touren. Gibt es noch etwas das ihr loswerden möchtet?
>> Vergesst keinesfalls den 24. Januar 2005. Das ist ein sehr wichtiges Datum. Ansonsten hoffen wir möglichst viele Fans auf unserer Tour zu sehen. Vielen Dank für eure Unterstützung. And have a good time! <<
http://www.darktranquillity.com
Stephan Becker


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