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MAGAZIN :: Index: 'D' :: DIE UNTOTEN

DIE UNTOTEN
Gel(i)ebtes Klischee
Die Untoten sind eine Band, deren künstlerisches Engagement sich nicht alleine auf die Musik sondern auch auf die Schriftstellerei, auf Comics, auf Fotografie, auf Videos oder die Gestaltung des Artworks ihrer Alben erstreckt. Dabei erstreckt sich die inhaltliche Auseinandersetzung über all die genannten künstlerischen Ausdrucksformen über all die Themen, die der schwarzen Szene zugesprochen werden. Sei es nun das melancholisch düstere Moment, die dunkle Seite der Erotik, Vampirismus, schwarze Messen oder andere thematische Bereiche. Obwohl die Auseinandersetzung mit diesen Themen von Seiten der Untoten mit Ernsthaftigkeit betrieben werden, hat man bei den Berlinern häufig den Eindruck, die Band wandele am Abgrund der überzogenen klischeehaften Auseinandersetzung mit diesen Themen.
Sich selbst mit dem Begriff der "Neuen Schwarzen Kunst" vermarktend, hat man bei den Berlinern trotz aller vermeintlichen Klischees den Eindruck, daß die Band viel stärker in der schwarzen Szene verwurzelt ist, als viele ihrer Kollegen, und die der Band häufig vorgeworfene Klischeehaftigkeit Ausdruck ehrlich gelebter Überzeugung, die in der künstlerischen Auseinandersetzung mit diesen Themen ihren Niederschlag findet und durchaus auch mal mit einem Augenzwinkern zu verstehen ist. Wie aber grenzen sich die Untoten selbst von anderen "schwarzen" Bands ab?
Greta: >> Schwarz steht in diesem Zusammenhang für okkult, soll heissen, wir arbeiten in einem hermetischen Raum, tun was wir wollen, produzieren was und wie wir wollen, und kümmern uns vom ersten Moment an nicht darum, ob es nun von jemandem "gewollt" wird...also ein bißchen wie schwarzen Magie, Hermeneutik. Wir versuchen, unsere "Existenz" medientechnisch zu dokumentieren, und das bewirkt beim Zuhörer, Zuschauer vielleicht, daß sie sich ebenfalls Gedanken über ihre "Existenz" zu machen beginnen. Tja, so einfach kann das Schwarze Leben sein. Schwarz bedeutet natürlich auch: "wir sind eher der dunklen Seite des Mondes zuzuordnen, haben also Themen, die nicht nur am hellichten Tage besprochen werden. <<
David: >> Andere Bands lassen sich oft und auch gerne mal erzählen, wie etwas nicht funktioniert. Ein Beispiel: sie machen einen Workshop, wie du dich auf der Bühne zu bewegen hast, und nachher sind Wolfsheim die grossen Abräumer. Ich denke, was das "sich ausdrücken" anlangt, sind wir sehr mutige, offensive und natürlich extrovertierte Menschen, und ich persönlich kompensiere damit meine Scheu und mein Mißtrauen. Seele! <<
Im Zusammenhang mir der schwarzen Szene tauchte früher häufig der Begriff der "Neuen Deutschen Todeskunst" auf, von dem sich viele der ehemaligen Protagonisten dieser Szene, wie z. Bsp. Das Ich mittlerweile recht deutlich distanzieren. Eine Selbstvermarktung der Untoten unter dem Begriff der "Neuen Schwarzen Kunst" legt den Verdacht nahe, daß die Untoten diesem weniger kritisch gegenüber stehen.
Greta: >> "Neue Deutsche Todeskunst" ein gut vermarktbarer Begriff. Ich selbst finde einige Bands aus dieser Richtung, wie Das Ich, ziemlich okay, weil sie (ausser uns, versteht sich) eine der wenigen Bands sind, die wirklich eigenständig sind und sich dennoch in einer Welt der Gleichmacherei durchgesetzt haben. Sie sind ein bißchen so etwas wie unsere Wegbereiter. <<
Wie begegnen die Untoten Vorwürfen aus den eigenen Reihen, sprich der "schwarzen Szene", sie würden es bei ihrer Themenauswahl manchmal an Ernsthaftigkeit mangeln lassen, um sich voll und ganz dem Klischee hinzugeben.
Greta: >> Diese Vorwürfe, ausgerechnet an uns gerichtet, sind ziemlicher Schwachsinn, denn sie kommen oft genug aus den eigenen Reihen. Wenn etwa ein Magazin, das mit Gothmädels vampiristischen und Satansymbolen ihre Leser anzieht und ausgerechnet uns fragt, warum wir dasselbe tun, so ist das eher als "Fressneid" zu bewerten. <<
David: >> Daß ein Thema, wird es vereinfacht und vermarktet, als Klischee daherkommt, ist eine unwiderlegbare Tatsache. Das heißt aber nicht, daß deshalb etwa die Beschäftigung mit "dunkler Sexualität" nur von klischeehaftem Denken initiiert wird. Ein Beispiel: ich habe mich schon als Kind damit auseinander gesetzt, wie es wäre, wenn ich nicht mehr am Tage existieren könnte. Wie es also wäre, wenn das Sonnenlicht mich zerstören würde. Darüber habe ich natürlich erst nachgedacht, nachdem ich einen "Dracula"-Film gesehen hatte. Damals hielt ich mich allerdings noch nicht für einen Goth, der voller Klischees steckt, sondern für einen kleinen, ängstlichen, grüblerischen, scheuen Jungen, der etwas völlig Neues und Obskures entdeckt hatte. Die Welt der Fantasie? <<
Eine Welt, die von vielen nicht verstanden wird und mit Vorurteilen belegt ist. Schlimmer noch, die nach Vorfällen wie dem Littleton-Massaker bewußt den Medien zum Fraß vorgeworfen und den Lesern durch mangelhaft recherchierte Reportagen genau die Vorurteile bestätigen soll, die ohnehin bereits bestehen. Daher ist die Gratwanderung, die Die Untoten vollziehen, eine schmale, thematisieren und tabuisieren sie dadurch doch eben jene tragischen Vorfälle.
David: >> Tja, der Vorwurf ist berechtigt. Wir enttabuisieren, weil wir glauben, daß auch durch Tabus eine "Kurzschlusshandlung" wie in Littleton zustande kommt. Anders gesagt: die, die immer wieder schärfere Grenzen für Jugendliche fordern, fördern damit "gewalttätige" Ausbruchsversuche oder den Suizid! Ein Schriftsteller, der von Mord und Gewalt berichtet, gehört selten zu den Leuten, die losgehen um andere zu töten. Und seine Leser ziehen höchstens mal los, um ihn, den Schriftsteller "dranzukriegen". Was für "Typen" sind denn diese Massenmörderkids? Vereinsamte, isolierte, vielleicht auch psychopathische Wesen, die man "verklemmt" hat bis zum geht nicht mehr. Allerdings muss ich auch sagen: wir haben nie das "Tätersein" verherrlicht. Mir steht das Opfer immer näher. Wenn wir über Littleton schreiben, so interessiert uns die Gestalt Luzifers, des Rebellen, der als der "Buhmann" für in Gesellschaften fehlgelaufene Dinge eingesetzt wird. Und was ist er? Ein etwas grössenwahnsinniger eitler Rebell, der von den Ordnungshütern aus dem Himmel hinaus befördert wurde, weil er seinen "Vater" hinterfragte. Wir sind nicht die Bestien, wir sind die Kinder von Bestien, die versuchen, gut damit zurecht zu kommen, und wir tun das, indem wir leben und "beißen" und kämpfen! (Tja man hört raus, daß es sich hier um den guten alten "Generationskonflikt" handelt, den auch die Goten nicht erfunden haben.) <<
Für eine Goth-Band, denen ja häufig eher Duckmäuserei und "still halten" nachgesagt, ist dies eine bemerkenswert offene Meinung hinsichtlich unserer religiösen und gesellschaftlichen Normen. Normen, die darüber hinaus unser tägliches Zusammenleben bestimmen und in tiefgreifenden Gegensätzen zu dem stehen, was man mit dem Begriff des "Grufti- oder Gothseins" und der entsprechenden Art zu leben verbindet, häufig jedoch fälschlicher Weise rein auf Äußerlichkeiten beschränkt wird.
Greta: >> Natürlich ist Goth auch vom Äusserlichen bestimmt und natürlich ist er. der Goth, das "nicht nur". Ich denke, das Gothsein muß man einem, der sich selber als Goth definiert, nicht erklären, oder? Und irgendjemandem außerhalb der Szene das zu erklären, was einen Grufti ausmacht, einmal abgesehen davon, daß wir gleichzeitig harmlose Spinner sind, aber trotzdem auch sehr gefährlich, weil wir uns schminken und auf Friedhöfe gehen um Satanisten zu sein, ist eine unnötige Sache. Ich fühle mich nicht in einem Erklärungsnotstand, weil ich will weder jemanden dazu bringen, Goth zu sein, noch werden wir uns ändern. Wenn uns einer dieser Politiker erklärt, wie schädlich wir für die Jugend seien (schon mal über die Schädlichkeit von Worthülsen & Ignoranz nachgedacht?). Nervend sind nur die Geschmackspolizisten, die Spielverderber, die bestimmen wollen, was "schwarz sein" heißt und dir sagen, wann man dazu gekommen sein muß, um einen "Gothführerschein" ausgestellt zu bekommen. Das war in der Besetzerszene ähnlich. Da gab es immer ein paar Funktionäre (heute sitzen sie vielleicht schon im Bundestag, wer weiß?) die genau sagen konnten, was sexistisch, was rassistisch und was "autonom" ist. Wir leben schon ziemlich schwarz vor uns hin. Schon seit Ewigkeiten jetzt. Wir sind Nachtwesen und die Themen, mit denen wir uns auseinandersetzen, verursachen auch schon mal einen Alptraum. Vor ein paar Jahren allerdings nannte man das nicht "gothic", sondern Existenzialismus, oder so ähnlich. <<
Vampire haben nun bereits seit geraumer Zeit Hochkonjunktur, sei es durch das vollkommen überzogene Image solcher Bands wie Cradle of Filth oder die gesellschaftsfähigere Version in der Umsetzung als Musical. Auch in der Literatur wird dieses Thema immer wieder gerne aufgegriffen, wie Anne Rice´s "Chronik der Vampire" beweist, und die auch an den Untoten als Inspiration zum neuen Album nicht spurlos vorbei gegangen zu sein scheint.
David: >> Da liegst du etwas falsch. Mich hat da eher Oscar Wildes "Dorian Gray" inspiriert. Das ist der schöne, eitle, naive Mensch, der sich wünscht, ewig jung und schön zu bleiben. <<
Greta:>> Die Figur des Vampirs steht bei uns für einen eitlen, oberflächlichen Menschen; ist also auch ein billiges Statement zur viel gescholtenen Eitelkeit der sogenannten Gothszene, und da wir keine 80er-Jahre-"Ironie" vertreten, greifen wir dieses Verhalten auch nicht unbedingt an; wir zelebrieren es ja selbst. Wir denken aber auch, daß hinter diesem Verhalten etwas mehr als nur das "sich-selbst-feiern" steckt, sonst würden die Leute ja Tekkno hören. Oberflächlichkeit bedeutet nicht zwangsläufig, daß man nichts "darunter hat". <<
Und steht daher auf den ersten Blick auch im krassen Gegensatz zum Werbeslogan zur Veröffentlichung von "Vampire Book", der da lautet: "...wir werden Dir einen Liebhaber verschaffen...sein Name lautet Tod...".
David: >> Das ist ein Sample aus "Dr. Jekyll und Mr. Hyde". Auch wieder so ein klischeehafter "Gothic-Film." In diesem Film (und auch im Buch zum Film) geht es wieder um die Schizophrenie eines modernen Menschen Oberfläche. Moral, Gesetz trifft auf das darunter, den Berserker, den Gesetzesbrecher, den Lustmenschen, den Barbar!. Das Sample sollte eine Verbindungstür zur nächsten Platte sein. Mal sehen, was kommt? <<
http://mitglied.tripod.de/Untoten/index.htm
Michael Kuhlen


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