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MAGAZIN :: Index: 'A' :: ARCANE / OUR ....

ARCANE / OUR TRAGIC HOURS
TEXAS RULES
1985: Mit „Energetic Disassembly“ der Texaner Kultcombo Watchtower erscheint eines der geilsten Metalalben aller Zeiten und gleichzeitig beginnt die Texas Thrash-Welle mit ersten zaghaften Plätscherversuchen.
Wenige Jahre später: erste Bands, die neben Watchtower den zu dieser Zeit angesagten Techno Thrash spielen, etablieren sich und machen Texas als die Techno Thrash-Szene mit einem völlig eigenen Stil bekannt. Eine dieser Bands ist ARCANE, die sich im Vergleich zu Tower durch einen weniger aggressiven, aber nicht minder komplexen Stil hervortun. Bandkopf Byron Hawk, der sich mit seinem exzellenten Gitarrenspiel einen Namen macht, ist auch für die ausgefallenen und abgehobenen intelligenten Lyrics sowie die Komposition der Songs verantwortlich.
1989: Arcane, die neben Byron Hawk aus Jim King (Drums), Kurt Joye (Bass), Doug Judah (Guitars) und dem superben Sänger Oscar Barbour bestehen, haben ihr zweites Demo eingespielt, welches ihren Ruf als eine der komplexesten Speed-Bands überhaupt festigt. Die sechs vertretenen Songs „Recurrent Inception“, „Enshrouded Crypt“, „The Visionary“, „Ambiguity“, „Life`s Illusion“ und „Impasse Of Humanity“ sind dermaßen musikalisch (und auch textlich) komplex, daß man Arcane eigentlich auf eine Stufe mit Bands wie Realm, Death Angel, Anacrusis oder (fast) Watchtower stellen müßte. Watchtower, die aus Austin kommen, spielen des öfteren frenetisch gefeierte Shows im „Joe`s Garage“ in der Dallas/Fort Worth-Area, der Brutstätte von Arcane, bei welchen sie regelmäßig von Arcane supportet werden. Arcane supporten zu diesem Zeitpunkt aber nicht nur Tower sondern auch Bands wie Helstar, Death Angel, Sanctuary, Fates Warning oder Forbidden, treten gleichberechtigt mit Oliver Magnum auf, und werden ihrerseits von den damals noch nicht allzu bekannten Solitude Aeturnus supportet. Was noch fehlt, ist ein Deal.
1990: Nachdem man lange auf Angebote größerer Labels gewartet hat, unterschreibt man schließlich bei dem kleinen kalifornischen Underground-Label Wild Rags, dessen Inhaber Richard C., der seine Kohle hauptsächlich mit dem Betrieb eines Metal-Plattenladens in L.A. macht, und mit seiner Plattenfirma bislang nicht gerade für musikalisch begnadete Signings bekannt ist. „Destination Unknown“, so der Name des bis zum endgültigen Release zigmal verschobenen Albums, enthält außer „The Visionary“ alle vom letzten Demo bekannten Songs sowie die Titel (vom ersten Demo) „Infernal Domicile“, „Ancient Internecine“, „Mirror Of Deception“ und den herausragenden Abschlußtrack „Agamemnon“. Wie ihr den Titeln anmerkt, hat Byron, der Literatur- und Philosophie-Student ist, wieder textliche Genialitäten von sich gegeben, die wahrscheinlich kaum jemand nachvollziehen kann. Gott sei Dank, ist auch die Musik ähnlich genial und strotzt nur so vor Komplexität. Leider ist der Sound der Scheibe nicht so genial, da Richard C.`s Deal sich nur auf das Pressen der CD‘s/LP‘s beschränkte und die Band alles weitere selbst bezahlte. Beim Line up hat man Jim King gegen Kelly ausgetaucht, ansonsten ist alles beim alten geblieben.
In der Folgezeit komponiert die Band bzw. Byron Songs und ist auf der Suche nach einem besseren Deal. Der zweite Gitarrist Doug muß gehen und Sänger Oscar übernimmt die zweite Gitarre. Ende 1999 erscheint ein Tape mit drei neuen Songs: „Analysis Incomplete“, „The Truth Is“ sowie „Nescient Creation“ und den Hinweis, daß er im folgenden Sommer zusammen mit dem neuen Drummer Anthony Smircic Deutschland besuchen will.
1992: Byron und Anthony trudeln in Deutschland ein, treffen einen Haufen Brieffreunde und Businessleute und versuchen Interesse für Arcane zu wecken. Schlußendlich reicht das Interesse aber nicht zu einem Deal und was von dem Germany-Trip bleibt, sind viele schöne Erinnerungen und ein Haufen Freunde. Zurück in den USA spielen die Jungs ein neues Demo mit fünf Sücken ein, das aber nur für Presse, Plattenfirmen und einige beinharte Fans gedacht war. „Into The Eyes Of Eternity“, „Incarcerated“, „Introspection“, „Tomorrow Is Today“ und „Somber Assemblege“ enthalten soviel musikalische Genialität, daß der Großteil der Bands mit Deal eigentlich sofort ihre Instrumente niederlegen müßte.
1993 kommt dann der Tiefschlag für Arcane. Nachdem sich die wirtschaftliche und auch die musikalische Situation (Death Metal ist angesagt!) in den USA verschlechtert hat und es der Band auch in Europa leider nicht gelungen ist einen Deal zu finden, steigen Oscar und Kurt aus privaten Gründen aus und nach zahlreichen erfolglosen Versuchen neue Mitglieder zu finden, beschließen Byron und Anthony die Band aufzulösen.
Anthony widmet sich der One-man-stand-up-comedy und Byron, der sein Studium vorantreibt, verabschiedet sich mit einem letzten Arcane-Newsletter von den Fans. Als Vollblutmusiker kann er allerdings nicht lange ohne Band bleiben und widmet sich seinem Side-Project Our Tragic Hours. Diese spielen allerdings keinen Techno Thrash, sondern passen sich dem Zeitgeist an und präsentieren eine Mischung aus Doom, Industrial und einer winzigen Prise Seattle-Stuff. Was allen Arcane-Fans dann allerdings als Frevel aufstoßen dürfte ist, daß Byron nicht mehr Gitarre spielt, sondern nur noch singt. Welche Talentvergeudung. Seine Erklärung ist, daß Sänger einfach zu schwer zu finden sind.
Im selben Jahr noch erscheint dann eine Demo von Our Tragic Hours. Neben Byron findet man mit Jim King einen alten Arcane-Weggefährten an den Drums. Die vier Songs „No Solution“, „A Feather Flies“, „Painted War“ und „Hiding In Their Temples“ bieten eine sehr gute Mischung aus Industrial, ähnlich Nine Inch Nails, und einer schweren Prise Doom (a la Sabbath). Nicht schlecht. Auch Byrons Vocals, die zu einem gewissen Teil verzerrt sind, lassen sich hören. Die Bühnenshow mit aufgestellten Fernsehern, die aufgenommene psychedelische Videosequenzen zeigen, kommt anscheinend beim Publikum an.
1994/95 dann nochmals ein Zwischenintermezzo mit Arcane. Nach endlosem Hin und Her erscheint auf In Your Face-Records eine „neue“ Arcane-CD. Neben den drei Songs vom 91er Demo sind auf der Mini noch zwei „Neueinspielungen“ vertreten. (Die Band hatte sich NICHT reformiert. Es wurde prinzipiell nur bereits existentes Material vertreten.) Dies sind namentlich „Dawn“ sowie der Titeltrack „Ambiguity“. Obwohl das Label (und Janus Music) die Aufnahmen und das Engineering nichts gekostet haben und auch das Cover von Byrons (zukünftigem) Schwiegervater gratis zur Verfügung gestellt wurde, erfährt die Band nie, wie viele Kopien hergestellt oder verkauft wurden oder erhält auch nur einen Pfennig Geld. Mangels Promotion erfahren wahrscheinlich nur Insider und alte Arcane-Fans von diesem Release. Wenn ihr diese CD irgendwo sehen solltet, schlagt ruhigen Gewissens zu. Es lohnt sich.
Zurück zu Our Tragic Hours: die Band hat mit den üblichen Line Up-Problemen und dem abnehmenden Interesse der Amerikaner an harter Musik zu kämpfen. Man richtet eine sehr gute Homepage ein, aber konkretes Interesse seitens der Label besteht nicht. Hinzu kommt, daß Byron mit Studium bzw. Arbeit an der Uni in Arlington/Texas mehr als beschäftigt ist. Er beginnt mit seiner Dissertation und heiratet seine Lebensgefährtin Susie, die im Januar 2000 ein Kind zur Welt bringt. Byron singt noch immer bei Our Tragic Hours und spielt mittlerweile auch wieder Gitarre, muß sich aufgrund seiner privaten Situation aber um den Abschluß seiner Dissertation und einen Job bemühen. Den findet er dann auch und zieht mit seiner Familie im Sommer 2000 ins ferne Virginia. Dies bedeutet auch das Ende von Our Tragic Hours.
Was war der Anlaß Arcane zu gründen und welche Art von Musik hat dich damals beeinflußt?
»1984/85 spielte ich in einer Menge Bands, die meisten davon spielten Coversongs von Iron Maiden und Judas Priest bis hin zu Metallica, Anthrax und Raven. 1986 entschlossen wir, uns auf eigene Songs zu konzentrieren und begannen an einem Namen und einem Konzept um die Band zu arbeiten. Diese frühe Version von Arcane arbeitete mit Unterstützung einiger Jungs meiner vorhergehenden Bands sowie Leuten von Eldritch Rite. Beeinflußt waren wir von Texas-Bands wie Helstar, Militia und Watchtower, aber auch einigem mehr trashorientierten Zeug. Aus welchem Grund auch immer gab es um 1985 eine Menge an Leuten, die tief in der Underground-Szene in Dallas/Fort Worth, Austin und San Antonio verwurzelt waren. Das großartige an dieser Zeit war, daß viele dieser Bands zusammenarbeiteten um die Szene zu formen und zu unterstützen. Im Rückblick muß ich sagen, daß dieser tiefe Glaube an die Szene als Ganzes, mehr noch als der Glaube jeder Band an sich selbst, diese Szene erst hervorbrachte. «
In den Anfangstagen von Arcane habt ihr Bands wie Watchtower, Sanctuary, Fates Warning usw. in Eurer Heimatstadt Dallas/Fort Worth supported. Was ist das für ein Gefühl, ein Mitglied dieser Texas Thrash-Szene gewesen zu sein? »Ich habe es geliebt. Zu der damaligen Zeit habe ich Musik gelebt und geatmet. Wir haben eine Menge Zeit, Energie und Geld investiert um Teil des Ganzen zu sein. Wie jeder andere auch wollten wir natürlich von der Musik leben, zogen aber niemals in Betracht uns zu ändern, nur um dieses Ziel zu erreichen. Die Szene, die Bands wie Sanctuary oder Fates Warning unterstützte, wurde leider nie groß genug um dieses zu ermöglichen, aber wir haben den Sound gemacht, den wir wollten, und zurückblickend betrachtet war das auch alles, was uns wirklich interessierte. Mittlerweile umgibt diese Szene und diese Zeit ein Hauch von Mystik, den ich um nichts in der Welt eintauschen wollte. Ich liebe es, Interviews wie dieses zu geben, weil es in vielen Belangen das bestätigt was wir getan haben. Es führt dir vor Augen, daß die Leute deine Arbeit mochten und immer noch würdigen.«
In Europa wurde Techno Trash durch Watchtower bekannt. Hatten Tower diesen Status auch in Texas bzw. den USA inne?
»Vielleicht in Texas, aber sicher nicht in den gesamten Staaten. Die Szene in den USA ist so groß und wird dermaßen von den Major Labels dominiert, die Trends schaffen und wieder zerstören, daß das, was wir taten, unterging.Viele der damaligen Combos hätten eigentlich in der Lage sein sollen sich zu etablieren, daß es für längere Karrieren hätte reichen können, aber die Umstände haben es nicht erlaubt. Etwas wie die Techno Thrash-Szene war in vielen Dingen typisch für die Situation in Texas und konnte nicht für die gesamten USA generalisiert werden. «
Obwohl diese Szene eine unglaublich eingeschworene Fangemeinschaft im Metal-Underground hatte, ist sie nie erfolgreich im kommerziellen Sinne gewesen. So sind Watchtower nach nur einem Album auf Noise wieder gedroppt worden, Arcane bekam nur einen Deal bei Wild Rags und Bands wie Premonition, Sedition usw. haben es nie auf Vinyl/CD geschafft. Wie frustrierend war das für euch als Band?
»Es war wirklich sehr frustrierend. Wir alle wußten, daß wir gute Arbeit ablieferten und wollten nur die Möglichkeit haben, unser Zeug unter die Leute zu bringen und uns in die Lage versetzen, weitere Platten aufzunehmen. Ich bin überzeugt, daß genau diese Frustration auch zu unserem Split geführt hat. Hinzu kamen persönliche Gründe gehörten. Wir waren erschöpft und brauchten einen Break. Ich hätte die Band vielleicht damals am Leben halten können, aber auch ich brauchte Abstand. Nach einer Weile war es dann einfach zu spät es nochmals zu versuchen und Arcane wiederzubeleben.«
Wie hast du dich gefühlt als du merktest, daß Arcane sich auflösen würde?
»Zu der Zeit wollte ich einfach etwas anderes tun. Ich war so frustriert, daß ich keine Kraft mehr hatte. Zurückschauend wünschte ich, daß die „Ambiguity“-EP ein volles Album gewesen wäre. Wir hätten die Songs dafür gehabt. Dies bedauere ich am meisten.«
Bereits zügig nach der Auflösung von Arcane hast du Our Tragic Hours gegründet. Etwas musikalisch total anderes, das näher am (damaligen) Zeitgeist lag. Wenn du beide Bands vergleichst, an welcher hängt dein Herz mehr?
»Ja, sie sind beide sehr verschieden und so habe ich auch sehr verschiedene Gefühle was beide betrifft. Our Tragic Hours wurden als ein reines Side-Projekt gestartet, während Arcane noch existierte, und als Arcane zusammenfiel, dachte ich mir, vergiß es und konzentriere Dich auf Our Tragic Hours. Mein Ziel war es, etwas total anderes auf die Beine zu stellen. Nicht weil es etwas zeitgemäßer gewesen wäre, sondern weil ich wegen Arcane total ausgebrannt war. Our Tragic Hours sollte, was den Stil angeht, absolut un Gegensatz zu Arcane stehen. Der harschere Gesangsstil, das Fehlen von Gitarren-Soli, die einfacheren Songstrukturen, die unterschiedliche Instrumentierung, der lyrische Kontext, einfach alles. Zu der Zeit zählte nichts anderes. Wenn ich also an Arcane denke, denke ich an eine Zeit, in der ich absolut auf Musik fixiert war. Our Tragic Hours hatte andere Prioritäten. Die Band war ein Instrument, um mich kreativ zu äußern. Ich hatte mich als Songwriter weiterentwickelt und führte diese Band lediglich aus Spaß an der Musik; in gewisser Weise mehr als zuvor Arcane. Das Ziel war somit sehr viel persönlicher. Zusammenfassend kann ich nicht sagen, welche Band für mich wichtiger für mich war, weil sie in Bezug auf meine persönliche Entwicklung den gleichen Rang einnehmen.«
Mittlerweile bist du nach Virginia gezogen und auch Our Tragic Hours haben sich aufgelöst. Bist du momentan noch aktiv in der Musikszene tätig?
»Nein, momentan nicht. Ich versuche gerade aber wieder einen Weg zu erschließen, wieder aktiver mit Musik zu tun zu haben. Es gäbe einige Möglichkeiten, aber mein größtes Handicap ist Zeit. Wenn ich noch in Texas wäre, würde ich wohl wieder mit Arcane arbeiten, aber das ist zur Zeit nicht möglich. Deshalb versuche ich mich gerade zu entscheiden, ob ich ein Ein-Mann-Projekt aufziehe oder ob ich hier nach einer Band hier Ausschau halte. Wenn ich ein Projekt aufziehen sollte, so wird es etwas in Richtung Front Line Assembly oder The Crystal Method werden. Als Band würde es eher zu Pitch Shifter oder Junkie XL tendieren.«
Wenn du eine Chance hättest von der Musik zu leben, was würdest du tun?
»Das ist eine verdammt gute Frage, da die offensichtliche Antwort „Musiker sein“ lauten müßte. Ich würde aber auch gerne ein Label gründen und werde das vielleicht auch eines Tages tun. Bevor ich graduierte, hatte ich mit John Perez (Solitude Aeturnus) den Aufbau eines Labels geplant. Ich habe mich dann aber später ausklinken müssen um mich auf das Studium zu konzentrieren, während John Brain Ticket gründete. «
Du warst in den späten 80ern/den frühen 90ern Teil des Undergrounds. Vermißt du diese Zeit?
»Auf eine Art vermisse ich die Zeit, auf einer anderen die Musik. Die Möglichkeit, ein Teil dieser Szene gewesen zu sein, ist unwiederbringlich und war ein absolutes Glück. Was ich allerdings am meisten vermisse, ist die Möglichkeit, mich nur auf die Musik zu konzentrieren. Ich liebe es intellektuell und kreativ tätig zu sein und bin davon überzeugt, daß ich mich nur auf die Musik hätte beschränken können, um dies in einem Kontext gemeinsam mit anderen, ähnlich überzeugten Personen zu tun. Hört sich an, als wenn ich es vermisse, oder? «
Stephan Becker


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