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MAGAZIN :: Index: 'A' :: ANVIL

ANVIL
Desillusioniert, und doch noch lange nicht am Ende
Die Urväter des kanadischen Speedmetal haben schon die ein oder andere Durststrecke mitgemacht. Nach Kultalben wie "Metal On Metal", "Forged In Fire", "Backwaxed" oder "Strength Of Steel" hatten die Mannen um Lips Ende der 80er anscheinend ihr Pulver verschossen. Nachfolgende Alben waren äußerst mittelmäßig, dann kam lange Zeit gar nichts und das ´96er Comeback-Album "Plugged In Permanent" war zwar extrem heavy, dafür aber auch extrem langweilig. Doch seit ein paar Jahren geht´s langsam wieder bergauf. "Absolutely No Alternative" (1997) und vor allem "Speed Of Sound" (1999) ließen die Band wieder weniger thrashig werden und zum gewohnten Anvil-Speedmetal zurückkehren. Eine Entwicklung, die sich auf "Plenty Of Power" weiter fortsetzt. Lips erzählt uns warum.
Wie würdest du "Plenty Of Power" in deinen eigenen Worten beschreiben?
>> Es ist wieder mehr Anvil. Mehr "old school". Ich würde sogar sagen wieder mehr Hardrock. Wir haben uns wieder auf den alten, ursprünglichen Anvil-Sound zurückbesonnen. Als wir angefangen haben Musik zu machen, haben wir Hardrock gespielt. Dann Metal. Hinterher Speedmetal. Und als wir ´96, nach einer Pause von rund 5 Jahren, mit "Plugged In Permanent" zurückkamen, waren wir sogar richtig thrashig. Wir hatten damals einfach soviel Frust aufgestaut, daß wir den ganzen Dreck einfach rauslassen mußten. Das Problem ist nur, daß die Qualität der Songs darunter gelitten hat, denn je schneller und härter du spielst, desto weniger Melodien hast du in den Songs. Aber jetzt haben wir uns wieder auf die eigentlichen Songs konzentriert. Vor allem auch auf meinen Gesang. Ich glaube, daß alles im Leben einen natürlichen Zyklus durchläuft. Und bei Anvil schließt sich jetzt der Kreis. Wir haben als Highschool-Kids mit Hardrock und Metal angefangen und jetzt, zwanzig Jahre später, sind wir musikalisch wieder dort angelangt. Man muß im Leben verschiedene Phasen durchlaufen und das haben wir mit unseren Alben Mitte der neunziger Jahre getan, indem wir extrem harte Sachen aufgenommen haben. Aber bei "Plenty Of Power" sind jetzt wieder deutlich unsere frühen musikalischen Einflüsse zu hören. <<
Wer denn zum Beispiel? Grand Funk Railroad, Ted Nugent , Aerosmith?
>> Interessant, daß du Grand Funk erwähnst. Sie sind eine meiner absoluten Lieblingsbands. Ein Song auf dem Album ist total Grand Funk inspiriert. Du weißt welchen ich meine, oder? <<
Nee.
>> "Computer Drone", Track Nummer 5. Das ist Grand Funk pur. Ich liebe diese Band. Aber auch bei anderen Songs hört man deutlich, wer uns in unserer Jugend beeinflußt hat. Bei "All Of Fire" z. B. haben wir uns ganz klar bei alten Deep Purple-Elementen bedient. Achte mal auf die Gitarre, dann wird dir schnell klar, was ich meine. Der Song heißt nicht umsonst "Ball Of Fire". "The Creep" ist sogar eine Boogie-Nummer. <<
Was ist denn dein Favorit auf "Plenty Of Power"?
>> "Computerdrone" weil es so majestätisch ist. Außerdem ist das Arrangement einfach genial. <<
Auf dem Cover erkennt man den Amboß erst auf den zweiten oder dritten Blick. Wie kommt´s?
>> Ich sag´ dir ganz ehrlich. Als ich das Cover zum ersten Mal gesehen habe, war ich gar nicht happy damit und wollte es auch nicht für die Platte verwenden. Selbst meine Frau fragte mich, warum denn diesmal kein Amboß auf dem Cover zu sehen sei, bis sie ihn dann doch als Bestandteil des Bulldozers erkannt hat. Jedenfalls bin ich aber von unseren Drummer Rob und dem Künstler überstimmt worden und zurückblickend bin ich auch ganz froh, daß wir es genommen haben. Es ist ein bemerkenswertes Artwork, das sich einem erst bei genauerer Betrachtung erschließt. Der Amboß ist diesmal nicht so offensichtlich, aber er ist trotzdem da. Und das ist wichtig. Außerdem symbolisiert der Bulldozer mit dem integrierten Amboß sehr gut den Albumtitel und die die Musik von Anvil. <<
Hast du eigentlich noch einen anderen Job außer bei Anvil?
>> Natürlich (lacht verbittert). Nur von der Musik kann ich schon lange nicht mehr leben. Ich stehe morgens um halb sechs auf und fahre bis mittags Essen für eine Cateringfirma aus. Danach muß ich mich um meinen kleinen Sohn kümmern bis meine Stieftochter aus der Schule kommt um auf ihn aufzupassen. Ab da kann ich dann nachmittags und am frühen abend Kindern in der Gegend noch ein paar Stunden Gitarrenunterricht geben. <<
Das klingt frustrierend.
>> Es ist schon O.K. Aber in Kanada ist Metal einfach tot. Wir haben letztens eine Tour organisiert, wo wir die Tourposter selbst in den einzelnen Städten aufgehängt haben. Bei den 30 Gigs die wir gespielt haben waren insgesamt nur drei- bus vierhundert Leute. Es ist schon traurig, wenn du in einen Club kommst und da sind gerade mal sechs Leute, die dich sehen wollen. Unterm Strich haben wir bei der Tour aus der eigenen Tasche draufgezahlt, denn bei den riesigen Entfernungen hier in Kanada haben wir mehr Geld für Benzin ausgegeben, als wir durch die Gigs wieder reinbekommen haben. <<
Ist es in Amerika besser?
>> Ja, etwas. Aber die USA sind der letzte Platz auf der Welt, wo ich spielen würde! Bei denen gibt´s zu viele religiöse Fanatiker, zu viele Moralisten. Ich habe schon einige Male richtig Probleme wegen der Vibratornummer gehabt. Bei einem Gig ist ein Fan echt ausgerstet als ich den Vibrator rausgeholt habe und wollte mich verprügeln. In Aurora habe ich sogar Morddrohungen deswegen bekommen, und ein anderer schickt mir fast regelmäßig e-Mails, in denen er androht, mir etwas anzutun falls ich noch einmal in die Staaten komme. Dabei ist das doch einfach nur Spaß und Bestandteil einer jeden Anvil-Show. Aber die Amis sind echt krank. Es macht echt keinen Spaß da zu spielen. Ich spiele überall auf der Welt, wenn ich gefragt werde und die Leute uns sehen möchten, aber in Amerika nicht mehr. <<
Dann muß ja die Vorfreude auf Balingen riesig sein, oder?
>> Und wie! Weißt du, wann wir unser letztes Festival außer Wacken ´98 gespielt haben? 1984 in Japan! Ich weiß auch nicht woran es liegt, aber die Leute scheinen uns einfach nicht hören zu wollen und die Veranstalter fragen uns auch nie ob wir spielen möchten. Es ist echt traurig, aber so sieht´s nun mal aus. Wacken war deswegen wirklich phantastisch für uns. <<
Habt ihr denn schon etwas über Balingen gehört?
>> Um ehrlich zu sein, nicht viel, weil sich unser Label Massacre um alles gekümmert hat. Ist aber auch egal. Wir kommen immer gerne zu euch nach Deutschland und ich denke Balingen wird schon gut sein. Uns ist es auch egal ob wir im Billing mittendrin oder eher weiter unten angesiedelt sind. Hauptsache, wir dürfen überhaupt irgendwo dabei sein. <<


Torsten Kringel


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